{"id":1048,"date":"2005-08-14T08:32:08","date_gmt":"2005-08-14T06:32:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=1048"},"modified":"2005-08-14T08:40:24","modified_gmt":"2005-08-14T06:40:24","slug":"charlie-and-the-chocolate-factory","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=1048","title":{"rendered":"Charlie and the Chocolate Factory"},"content":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.ankegroener.de\/Bilder\/charlie_chocolate_factory.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0367594\/\">Charlie and the Chocolate Factory<\/a> (Charlie und die Schokoladenfabrik, USA 2005, 115 min)<\/p>\n<p>Darsteller: Johnny Depp, Freddie Highmore, David Kelly, Christopher Lee, Deep Roy, Helena Bonham Carter, Noah Taylor<br \/>\nMusik: Danny Elfman<br \/>\nKamera: Philippe Rousselot<br \/>\nDrehbuch: John August (nach dem Buch von Roald Dahl)<br \/>\nRegie: Tim Burton<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/trailers.apple.com\/trailers\/wb\/charliechocolatefactory\/\">Trailer<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/chocolatefactorymovie.warnerbros.com\/\">Offizielle Seite<\/a><\/em><\/p>\n<p>Schokolade ist kein perfektes Lebensmittel. Sie besitzt einen geringen N\u00e4hrwert, hat viel zu viele Kalorien, eine doofe Farbe und muss in fiesem, umweltfeindlichen Stanniolpapier eingewickelt werden. Aber sie kann etwas, was nicht viele andere Lebensmittel k\u00f6nnen: Sie macht verdammt gl\u00fccklich. <\/p>\n<p>Der Film <em>Charlie and the Chocolate Factory<\/em> beruht auf einer Geschichte von Roald Dahl, und es geht um Schokolade. Willy Wonka, der Besitzer der gr\u00f6\u00dften Schokoladenfabrik der Welt, l\u00e4dt eines Tages f\u00fcnf Kinder dazu ein, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Die Kinder brauchen f\u00fcr die Einladung aber ein wenig Gl\u00fcck: Wonka hat in f\u00fcnf seiner Schokoriegel, die weltweit verkauft werden, ein goldenes Ticket versteckt, und nur wer eins davon findet, darf in die Fabrik. Vier der Gewinner sind widerliche, verw\u00f6hnte G\u00f6ren, aber einer ist der Traum aller Erziehungsberechtigten: Charlie, ein bettelarmer, wohlgeratener Junge, der mit seinen kreuzehrlichen Eltern und weisen Gro\u00dfeltern in einem H\u00e4uschen im Schatten der Fabrik wohnt. Im Laufe des Films erteilt Wonka jeder Bratze und ihrem Erzeuger eine Lektion, bis nur der gute Charlie \u00fcbrig bleibt, um den superduper Hauptpreis in Empfang zu nehmen \u2013 oder auch nicht.<\/p>\n<p><em>Charlie and the Chocolate Factory<\/em> ist eindeutig ein Kinderfilm, genau wie die Vorlage ein Kinderbuch ist. Die Erz\u00e4hlweise ist simpel geradeaus und die Figuren allesamt so plakativ, dass ihnen keine Chance bleibt, mehr als freundliche Anteilnahme vom Zuschauer zu bekommen (Charlie und Anhang) oder totale Abscheu und Schadenfreude dar\u00fcber, was mit ihnen passiert (alle anderen). Die Botschaft, die <em>Charlie<\/em> vermitteln will, wird einem ungef\u00e4hr achtzigmal mit dem Silbertablett eingepr\u00fcgelt: Familie ist das Beste, was einem passieren kann. Und die Story \u00fcberrascht so gut wie nie, sondern steuert konsequent auf ein fettes Happy End zu, und genau das hat man nach 30 Filmsekunden auch erwartet. Warum sollte man sich also als Erwachsener <em>Charlie and the Chocolate Factory<\/em> anschauen?<\/p>\n<p>Weil dieser Film einem schlicht und einfach die Chance bietet, wieder Kind sein zu d\u00fcrfen. Er ist kein Film, dessen bedeutungsschwangere, d\u00fcstere Bilder man dechiffrieren muss. Stattdessen f\u00fchrt uns Hauptdarsteller Johnny Depp in Kost\u00fcmen, die unter Drogen entworfen wurden, durch eine \u2013 passenderweise \u2013 bonbonbunte Fantasiewelt. Wir erleben Fl\u00fcsse aus Schokolade und B\u00e4ume aus Zuckerwatte, wir sehen Eichh\u00f6rnchen beim N\u00fcsseknacken zu und lernen die Oompa Loompas kennen, kleine Wesen, die f\u00fcr Kakaobohnen alles tun w\u00fcrden, unter anderem pinkfarbene Schiffe in Form eines Seepferdchens rudern und dabei gemeine Lieder \u00fcber verfressene oder gro\u00dfkotzige Kinder singen. Die Fabrik ist eine Zauberwelt, die sich jedes Kind nur w\u00fcnschen kann, ein Schlaraffenland ohne langweiligen Grie\u00dfbrei und stattdessen mit Fudge und Creme und Lollipops. Bei den Kulissen haben sich die Designer richtig ausgetobt, und so ist <em>Charlie<\/em> in jeder Sekunde bestes Augenfutter \u2013 <em>eye candy<\/em> eben.<\/p>\n<p>Und Futter f\u00fcr die sonst brav unterdr\u00fcckte Schadenfreude. Die vier Ekelkids laden geradezu dazu ein, sich ungestraft \u00fcber sie lustig zu machen und damit endlich mal politisch unkorrekt l\u00e4stern zu d\u00fcrfen. Die kleine britische Prinzessin, deren reicher Vater tausende von Schokoriegeln kauft, damit sie ein Ticket kriegt und die den Fund desselben mit einem leisen L\u00e4cheln registriert \u2013 und dem Satz: &#8220;Daddy, I want another pony.&#8221; Der fernseh- und videospiels\u00fcchtige Kerl, der lieber auf den K\u00f6stlichkeiten in der Fabrik herumtrampelt, anstatt sie zu essen \u2013 &#8220;He said to enjoy ourselves.&#8221; Die blonde Eislauftochter der blonden Eislaufmutti, die Rekordhalterin im Kaugummikauen ist und die \u2013 ohmeingott! \u2013 keine Schokolade mag. Und am sch\u00f6nsten, jedenfalls in der Originalfassung, weil mit wunderbarem Akzent: der dicke deutsche Junge, der das goldene Ticket in seiner Schokogier fast gegessen h\u00e4tte und dessen Vater nat\u00fcrlich Metzger ist und W\u00fcrste produziert. Alle vier m\u00f6chte man sofort verpr\u00fcgeln, sobald man sie sieht. Aber sie bekommen nat\u00fcrlich, was sie verdienen, und schon ist die Welt wieder gut.<\/p>\n<p>Aber der Film ist nicht nur holzhammerlustig und quietschebunt. In seinen wenigen stillen Augenblicken ist er f\u00fcrchterlich sentimental und will uns ums Verrecken r\u00fchren. Und das schafft er auch. Wahrscheinlich weil die Story eben so schlicht ist und weil die Figuren eben entweder zu gut f\u00fcr diese Welt oder zu widerlich sind. Ich habe fast vor Freude geheult, als Charlie sein Ticket gefunden hat, obwohl ich nat\u00fcrlich wusste, dass er es findet, sonst w\u00e4re der Film nach zehn Minuten zuende gewesen. Aber ich war von der ersten Sekunde an genauso alt wie meine ganzen Sitznachbarn im Kino, die einen Meter kleiner waren als ich. Ich habe mit offenem Mund den Erz\u00e4hlungen von Gro\u00dfvater Joe zugeh\u00f6rt, so als ob mir jemand eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen h\u00e4tte, und ich war kurz davor, mittendrin laut \u201eOh, guck mal, ein SCHOKOWASSERFALL!\u201c zu br\u00fcllen und mit dem Finger auf die Leinwand zu zeigen. <\/p>\n<p>Und ich war schlicht und einfach ger\u00fchrt von einigen S\u00e4tzen und Szenen, die \u00fcber die Hauptbotschaft hinausgingen. Wenn zum Beispiel Gro\u00dfvater George Charlie verbietet, das Ticket zu verkaufen, um dringend ben\u00f6tigtes Geld f\u00fcr die Familie zu verdienen: Geld gebe es auf der Welt doch wie Heu, aber nur f\u00fcnf goldene Tickets. Oder wie Gro\u00dfvater Joe Charlie darauf vorbereitet, nicht entt\u00e4uscht zu sein, wenn in seinem Schokoriegel kein Ticket ist: &#8220;We will still have the candy.&#8221; Genau: Wir werden immer etwas haben, was uns gl\u00fccklich macht, selbst wenn wir nicht reich sind oder ber\u00fchmt oder wundersch\u00f6n oder was f\u00fcr Zielen wir sonst hinterherjagen. Wir werden immer eine Kleinigkeit haben, die uns in diesem einen Augenblick mehr freut als alles andere und die nichts oder fast nichts kostet und deswegen doppelt so wertvoll ist: eine Erinnerung an einen lieben Menschen, ein Sonnenaufgang am Meer, ein Lieblingsbuch, ein Kleidungsst\u00fcck \u2013 oder eben eine Tafel Schokolade nach einem beschissenen Tag.<\/p>\n<p><em>Charlie<\/em> macht absolut keinen Spa\u00df, wenn man intellektuelle Filmkunst erwartet und sich ein Gurkensandwich plus Stoffserviette mit ins Kino gebracht hat. Aber <em>Charlie<\/em> ist gro\u00dfartig, wenn man sich schlicht und einfach \u00fcber einen herzerw\u00e4rmenden Film freuen m\u00f6chte und einen Berg S\u00fc\u00dfkram dabei hat. (Das w\u00fcrde ich \u00fcbrigens wirklich empfehlen \u2013 der Film ist Folter, wenn man nicht wenigstens ein paar Bonbons lutschen kann. Noch besser allerdings: zwei Tafeln Lindt Vollmilch. Denkt an meine Worte.)<\/p>\n<p><em>Charlie and the Chocolate Factory<\/em> ist kein perfekter Film. Er wird wahrscheinlich nie eine Liste der besten Filme aller Zeiten anf\u00fchren, sein Inhalt ist eine zu schlichte Moral, sein Plakat ist viel zu bunt und Johnny Depp hat eine f\u00fcrchterliche Frisur. Aber er kann etwas, was fast alle Tim Burton-Filme k\u00f6nnen: Er macht in seinen besten Momenten verdammt gl\u00fccklich. Und das ganz ohne Kalorien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Charlie and the Chocolate Factory (Charlie und die Schokoladenfabrik, USA 2005, 115 min) Darsteller: Johnny Depp, Freddie Highmore, David Kelly, Christopher Lee, Deep Roy, Helena Bonham Carter, Noah Taylor Musik: Danny Elfman Kamera: Philippe Rousselot Drehbuch: John August (nach dem Buch von Roald Dahl) Regie: Tim Burton Trailer Offizielle Seite Schokolade ist kein perfektes Lebensmittel. 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