{"id":1052,"date":"2005-08-20T08:33:05","date_gmt":"2005-08-20T06:33:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=1052"},"modified":"2005-08-20T08:39:29","modified_gmt":"2005-08-20T06:39:29","slug":"mein-schonster-ferientag-mit-schlechten-bildern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=1052","title":{"rendered":"Mein sch\u00f6nster Ferientag (mit schlechten Bildern!)"},"content":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.ankegroener.de\/Bilder\/BT_festspielhaus.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p>(Zu den Kl\u00e4ngen der Ouvert\u00fcre \u00f6ffnet sich langsam der Vorhang.)<\/p>\n<p>Das ist es also: das Festspielhaus in Bayreuth, das zehn Monate im Jahr leer steht, bis dann Scharen von Wagnerianern in die Stadt einfallen, die \u00fcberzogenen Hotelpreise zahlen und zum Gr\u00fcnen H\u00fcgel pilgern. Der ist \u00fcbrigens w\u00e4hrend der Auff\u00fchrung f\u00fcr den Verkehr gesperrt; das hei\u00dft, man kann in der Pause entweder an den vielen Fressst\u00e4nden Champagner f\u00fcr 9 Euro das Glas schl\u00fcrfen oder eine Laugenbrezel f\u00fcr moderate 1,50 futtern (my drug of choice) oder eben den H\u00fcgel, auf dem das Haus steht, rauf- und runterflanieren, ohne von Autos bel\u00e4stigt zu werden. Es ist trotz der knapp 2000 Zuschauer sehr ruhig, und so muss man beim L\u00e4stern \u00fcber anderer Leute Abendgarderobe wirklich die Stimme senken. (Ich selbst war in einen rubinroten Anzug gewandet und brauchte daher keine Angst vor Schm\u00e4hungen zu haben. Aber die \u00e4ltere Dame in riesiggebl\u00fcmt auf lila mit Halsschmuck, der ihr fast bis zu den Ohren gestapelt war, hat garantiert nicht nur von meiner Mama und mir was abgekriegt.)<\/p>\n<p><img src='http:\/\/www.ankegroener.de\/Bilder\/BT_festspielhaus_seite.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p>Seitenansicht. Der fachkundige Besucher achtet sofort auf den Herrn links im Vordergrund mit der blauen T\u00fcte, denn in ihr verbergen sich Kissen f\u00fcr die Folterst\u00fchle im Festspielhaus. F\u00fcr die grandiose Akustik wurde n\u00e4mlich auf standesgem\u00e4\u00dfe Pl\u00fcschsesselchen verzichtet. Man platziert seinen Hintern stattdessen f\u00fcr sechs sehr lange Stunden <em>Tristan und Isolde<\/em> auf St\u00fchlen, die ihren Namen kaum verdienen. \u201eHolzbrettchen mit Folterlehne\u201c w\u00e4re angebrachter. Beim <em>Parsifal<\/em> habe ich n\u00f6lig vor mich hingelitten, einen Abend sp\u00e4ter beim <em>Tristan<\/em> war ich schlauer und hab mir ein T-Shirt mitgenommen, das ich \u00fcber die R\u00fcckenlehne geh\u00e4ngt habe, so dass mir der verdammte Querbalken nicht endg\u00fcltig die Wirbels\u00e4ule ruiniert. Mein Hintern ist netterweise gepolstert genug, daher brauchte ich nicht auf meiner Jacke zu sitzen.<\/p>\n<p><img src='http:\/\/www.ankegroener.de\/Bilder\/BT_foltersthle.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p>So sehen die Qu\u00e4lgeister aus. Beachten Sie auch hier das professionelle Sitzkissen, das auf einen schon mal dagewesenen Gast schlie\u00dfen l\u00e4sst. Und den Holzfu\u00dfboden, der so richtig sch\u00f6n in Schwingung ger\u00e4t, wenn nach der Auff\u00fchrung das F\u00fc\u00dfetrampeln losgeht \u2013 im Falle des Gefallens nat\u00fcrlich. Ansonsten ist das Bayreuther Publikum recht hartherzig und buht auch gerne und ausdauernd.<\/p>\n<p><img src='http:\/\/www.ankegroener.de\/Bilder\/BT_innen.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p>Der Innenraum des Festspielhauses ist noch weitestgehend wie damals zu Richards Zeiten. Eigentlich darf man nicht fotografieren, und daher habe ich nur einmal scheu in der Gegend rumgeblitzt, und auch nur, als ich gesehen habe, dass andere das auch tun (Masse und Macht). Oben sieht man die Seite des Zuschauerraums. Zwischen den S\u00e4ulen befinden sich die verschiedenen T\u00fcren zum Parkett, das amphittheatergleich nach oben geht. Wenn man nicht genau in der Mitte sitzt und die Frau vor einem zwei Dosen Haarspray f\u00fcr ihre Frisur benutzt hat, kann man \u00fcberall gut sehen. Und wenn man in der Mitte sitzt mit der Haarspraydame vor einem, ist es praktisch, eine aufopferungsbereite Mutter dabeizuhaben, die den <em>Tristan<\/em> schon kennt und sowieso gerne in der Oper die Augen zumacht und daher bereitwillig den Platz mit einem tauscht.<\/p>\n<p>Hinter dem Parkett gibt es noch zwei (glaube ich, k\u00f6nnen auch drei sein) R\u00e4nge mit ner Menge weitere S\u00e4ulen, die f\u00fcr eine besondere Preiskategorie in Bayreuth sorgen: die H\u00f6rpl\u00e4tze, auf denen man \u2013 genau: nur h\u00f6ren, aber \u00fcberhaupt nichts sehen kann. Spottbillig und genauso schnell weg wie alle anderen Karten.<\/p>\n<p><img src='http:\/\/www.ankegroener.de\/Bilder\/BT_pausentrten.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p>Die Pausen dauern eine ganze Stunde, weswegen man f\u00fcr alles au\u00dfer dem <em>Holl\u00e4nder<\/em> mit seinen popeligen zweieinhalb Stunden Spieldauer den halben Tag f\u00fcr den Opernbesuch planen muss. Unsere beiden Auff\u00fchrungen gingen jeweils um 16 Uhr los, und kurz nach 22 Uhr war die Sache dann durch. Das Ende der Pausen wird nicht nur durch einen Gong innen im Geb\u00e4ude angek\u00fcndigt, sondern f\u00fcr die G\u00e4ste, die drau\u00dfen stehen, spielen ein paar Bl\u00e4ser jeweils ein Motiv aus dem folgenden Akt: 15 Minuten vor Beginn einmal, zehn Minuten vorher zweimal, und f\u00fcnf Minuten vorher war ich immer schon drin, denn wir haben beide Male fast in der Mitte gesessen, und ich HASSE die Leute im Opernhaus oder im Kino, die in der Mitte sitzen und stets als letzte kommen. Also bin ich brav gewesen, habe die Jungs nie dreimal tr\u00f6ten geh\u00f6rt, sondern war immer schon auf meinem Pl\u00e4tzchen, so dass ich mich an niemandem vorbeidr\u00e4ngeln musste.<\/p>\n<p>Der Balkon, auf dem die Musiker stehen,  ist oben im ersten Bild auch zentral zu sehen. Davor versammeln sich schon die Zuh\u00f6rer. Nicht nur Festspielbesucher \u00fcbrigens; da war auch ne Menge Volk dabei, das einfach mal so vorbeikommt und die Viertelstunde stehen bleibt und guckt. Au\u00dferdem sieht man nicht nur bei Beginn der Auff\u00fchrungen, sondern auch in beiden Pausen die \u00fcblichen Unentwegten, die doch noch auf eine Karte hoffen. Zurzeit muss man, soweit ich wei\u00df, sieben bis zehn Jahre auf eine Karte warten. An der Kasse zu fragen, ist daher ziemlich aussichtslos, aber es stehen bei jeder Auff\u00fchrung Fans vor dem Festspielhaus, die doch noch darauf hoffen, dass irgendjemand nach einem Akt keine Lust mehr hat. Die meisten sind in Abendgarderobe da; der Herr unten war eine Ausnahme. Aber den konnte ich halt fotografieren.<\/p>\n<p><img src='http:\/\/www.ankegroener.de\/Bilder\/BT_suchekarte.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p>Und das w\u00e4ren die Karten gewesen, die er gekriegt h\u00e4tte, hier abgebildet mit dem \u00fcberdimensionieren Programm, das gleich mit Tragetasche zusammen verkauft wurde, so dass viele Besucher in der Pause nicht nur ihre Kissen geschleppt haben, sondern auch die Programmt\u00fcte und das Handt\u00e4schchen und dazu noch irgendwie das Schampusglas.<\/p>\n<p><img src='http:\/\/www.ankegroener.de\/Bilder\/BT_karten.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p>Lesen Sie morgen, ob ich Schlingensiefs <em>Parsifal<\/em> wirklich so doof fand wie ich im Vorfeld dachte und ob mir mein erster <em>Tristan<\/em> auf der B\u00fchne gefallen hat. <\/p>\n<p>(Der Vorhang f\u00e4llt schnell.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Zu den Kl\u00e4ngen der Ouvert\u00fcre \u00f6ffnet sich langsam der Vorhang.) Das ist es also: das Festspielhaus in Bayreuth, das zehn Monate im Jahr leer steht, bis dann Scharen von Wagnerianern in die Stadt einfallen, die \u00fcberzogenen Hotelpreise zahlen und zum Gr\u00fcnen H\u00fcgel pilgern. Der ist \u00fcbrigens w\u00e4hrend der Auff\u00fchrung f\u00fcr den Verkehr gesperrt; das hei\u00dft, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1052","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1052","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1052"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1052\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1052"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1052"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1052"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}