{"id":1054,"date":"2005-08-22T07:57:59","date_gmt":"2005-08-22T05:57:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=1054"},"modified":"2005-08-22T08:03:05","modified_gmt":"2005-08-22T06:03:05","slug":"letzter-bayreuth-eintrag-vor-der-autobahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=1054","title":{"rendered":"Letzter Bayreuth-Eintrag vor der Autobahn"},"content":{"rendered":"<p>Vor den beiden Opern haben meine Mama und ich uns traditionell den Einf\u00fchrungsvortrag zur jeweiligen Auff\u00fchrung gegeben. Ich war das letzte Mal vor \u00fcber zehn Jahren in Bayreuth; damals sa\u00df Erich Rappl in irgendeiner Schulaula und erkl\u00e4rte anhand der Leitmotive das jeweilige St\u00fcck (eine Art Zusammenschnitt seiner Vortr\u00e4ge ist als <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3764925019\/\">Buch<\/a> erh\u00e4ltlich und auch sehr empfehlenswert).<\/p>\n<p>Inzwischen haben andere sein Erbe angetreten, darunter <a href=\"http:\/\/www.mickisch.de\/\">Stefan Mickisch<\/a>, der sich Wagner \u00fcber die Tonarten n\u00e4hert und nebenbei eine Ecke unterhaltsamer, aber nicht weniger fundiert vortr\u00e4gt als Rappl. So habe ich zum Beispiel gelernt, dass h-Moll die Tonart ist, in der sich die Wagner&#8217;schen D\u00e4monen wohlf\u00fchlen (Klingsor aus <em>Parsifal<\/em> oder die Walk\u00fcren und Alberich aus dem <em>Ring<\/em>) oder dass E-Dur die Tonart der Liebenden ist (nat\u00fcrlich Tristan und Isolde, aber auch Elsa und Lohengrin, Senta und der Holl\u00e4nder oder Br\u00fcnnhilde und Wotan, kurz bevor er sie im Flammenmeer einschlie\u00dft; das Motiv des Feuerfelsen ist \u00fcbrigens als einzelner, kurzer Akkord im Liebestod der Isolde zu h\u00f6ren). Weiterhin fand ich interessant, dass der Speer im <em>Parsifal<\/em> durch eine gerade, aufsteigende Tonfolge symbolisiert wird, der Speer von Wotan im <em>Ring<\/em> aber durch eine gerade, absteigende. Die aufsteigende Folge bedeutet Erl\u00f6sung und Verzeihen, die Tonfolge nach unten bekr\u00e4ftigt die Bedeutung des Bundes, den Wotan eingeht. Ebenso spannend: Im Schlussakkord des <em>Tristan<\/em> fehlt als einziges Instrument das Englisch Horn. Und zwar deshalb, weil es im Laufe der Oper stets das Instrument der Sehnsucht war. Die hat sich mit dem Tod der beiden Helden erf\u00fcllt, daher ist das Horn jetzt verstummt.<\/p>\n<p>Und ein paar launige Anekdoten gab&#8217;s auch noch. So erz\u00e4hlte Mickisch \u00fcber einen Tenor in Bayreuth, der w\u00e4hrend einer Probe eine Zeile im <em>Parsifal<\/em> ge\u00e4ndert habe, um zu sehen, ob ihm irgendwer zuh\u00f6rt: Statt \u201eIm Fluge treff ich, was fliegt\u201c (nachdem er den Schwan erschossen hatte) sang dieser Parsifal: \u201eIm Flugzeug fress&#8217; ich, was&#8217;s gibt\u201c. Die Aufmerksamkeit der Mitspielenden war ihm angeblich sicher. Au\u00dferdem war Mickisch der Meinung, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Robert_Schumann\">Robert Schumann<\/a> habe nur deshalb keine anst\u00e4ndige Oper komponieren k\u00f6nnen, weil er zu sehr Edelmann gewesen sei, um richtige B\u00f6sewichter zu erfinden. Und die Oper brauche schlie\u00dflich Kontraste. Was das im Gegenzug \u00fcber <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Richard_Wagner\">Wagners<\/a> Charakter sagt, lasse ich mal unausgesprochen.<\/p>\n<p>Wer auch mal in den Genuss der Vortr\u00e4ge kommen will, muss daf\u00fcr nicht nach Bayreuth fahren; auf der oben verlinkten Website k\u00f6nnen die entsprechenden CDs bestellt werden. Ich finde es immer sehr spannend, ein bisschen Hintergrundwissen mitzubekommen. Das meinte auch Mickisch (sinngem\u00e4\u00df): Nat\u00fcrlich erschlie\u00dft sich die Musik sofort emotional, aber es schadet nicht, sich auch intellektuell mit ihr zu befassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor den beiden Opern haben meine Mama und ich uns traditionell den Einf\u00fchrungsvortrag zur jeweiligen Auff\u00fchrung gegeben. 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