{"id":1157,"date":"2005-10-10T08:09:50","date_gmt":"2005-10-10T06:09:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=1157"},"modified":"2005-10-10T08:15:23","modified_gmt":"2005-10-10T06:15:23","slug":"the-brothers-grimm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=1157","title":{"rendered":"The Brothers Grimm"},"content":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.ankegroener.de\/Bilder\/brothers_grimm.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0355295\/\">The Brothers Grimm<\/a> (USA\/CSR 2005, 118 min)<\/p>\n<p>Darsteller: Matt Damon, Heath Ledger, Lena Headey, Peter Stormare, Monica Bellucci, Jonathan Pryce, Mackenzie Crook, Richard Ridings<br \/>\nMusik: Dario Marianelli<br \/>\nKamera: Nicola Pecorini, Newton Thomas Sigel<br \/>\nDrehbuch: Ehren Kruger<br \/>\nRegie: Terry Gilliam<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.apple.com\/trailers\/miramax\/the_brothers_grimm\/\">Trailer<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.miramax.com\/thebrothersgrimm\/\">Offizielle Seite<\/a><\/em><\/p>\n<p>Die Idee hinter <em>The Brothers Grimm<\/em> ist gut: Man nehme die echten, historischen Figuren der Gebr\u00fcder Grimm und stricke um sie herum ein M\u00e4rchen, wie diese an ihre \u2013 genau \u2013 M\u00e4rchen gekommen sind. Ein M\u00e4rchen mit Hexen, Zauberspr\u00fcchen, einem unheimlichen Wald und lauter Versatzst\u00fccken, die wir kennen: rote \u00c4pfel, lange Haare, die aus hohen T\u00fcrmen herabgelassen werden, gl\u00e4serne Schuhe, Kinder, die Brotkrumen verstreuen und so weiter; eine Geschichte, aus der man theoretisch viele einzelne Geschichten machen und aufschreiben und in ein Buch binden kann, das ein paar Jahrhunderte sp\u00e4ter immer noch Kinder sich wohlig gruseln l\u00e4sst. Klingt erstmal gut. Leider konnte sich Regisseur Terry Gilliam meiner Meinung nach dann aber leider nicht entscheiden, ob er <em>Grimm<\/em> genauso gruselig werden l\u00e4sst wie die M\u00e4rchen oder doch eher eine Slapstickkom\u00f6die daraus macht oder ob es doch eher eine Familiengeschichte wird \u00fcber zwei Br\u00fcder (Matt Damon und Heath Ledger), die sich nicht \u00e4hneln, immer in Konkurrenz zueinander stehen, sich am Ende aber doch total lieb haben. <em>Grimm<\/em> ist alles geworden, aber nichts ganz. <\/p>\n<p>Die m\u00e4rchenhaften Versatzst\u00fccke sind meist, leider nicht immer, aber eben meist, sch\u00f6nes Gilliam&#8217;sches Augenpulver. Er verl\u00e4sst sich auf die Macht von \u00fcppigen Kost\u00fcmen und \u00fcberbordender Ausstattung \u2013 und es funktioniert. Monica Bellucci qu\u00e4lt zwar jeden Zuh\u00f6rer mit einem Hauch von Sprachgef\u00fchl mit einem Englisch, das man eigentlich nicht als solches bezeichnen kann, aber trotzdem waren mir ihre Szenen die liebsten im Film. Sie ist die b\u00f6se K\u00f6nigin, die seit Jahrhunderten in einem Turm wohnt und nun das Blut von zw\u00f6lf jungen M\u00e4dchen braucht, um ihre jugendliche Sch\u00f6nheit wiederzugewinnen. In Wirklichkeit ist sie nat\u00fcrlich nur eine graue, schrumpelige Masse, \u00fcber die Heath Ledger auch jovial scherzt, dass ihr die vielen Jahre im Turm nicht besonders gut getan h\u00e4tten, aber im Zauberspiegel (&#8220;Mirror, mirror, on the wall &#8230;&#8221;) ist sie atemberaubend sch\u00f6n: ebenholzschwarze Haare, schneewei\u00dfe Haut, blutrote Lippen und Kost\u00fcme, an denen sich Legionen von N\u00e4herinnen die Fingerkuppen wund gestickt haben m\u00fcssen. Sie ist das Zentrum, um das eine meist arg bem\u00fchte Handlung kreist, und ihre Szenen sind die einzigen, die wirklich Spa\u00df machen: Das Tempo stimmt, die Mischung aus altert\u00fcmlichem M\u00e4rchen und modernem Actionkintopp funktioniert, die Bilder sind aufregend und spannend, und der humorige Unterton, der den kompletten Rest des Film ruiniert, st\u00f6rt auch nicht weiter, weil er kaum zum Tragen kommt.<\/p>\n<p>Was au\u00dferhalb des Turms passiert, ist dagegen ein unausgegorenes Irgendwas. Es geht um die Franzosen, die Deutschland besetzt haben, es geht um einen italienischen Helfer (Peter Stormare, unertr\u00e4glich \u00fcberzogen) des franz\u00f6sischen Offiziers (Jonathan Pryce, Opfer seines affigen Pariser Akzents), der die Gebr\u00fcder Grimm zur Strecke bringen will, denn diese entpuppen sich schon zu Anfang des Films als klassische Betr\u00fcger: Sie erz\u00e4hlen abergl\u00e4ubigen Hinterw\u00e4ldlern, dass sie D\u00e4monen und Hexen erledigen k\u00f6nnten und kassieren dann viel Geld f\u00fcr viel Budenzauber. Au\u00dferdem lernen wir noch eine sch\u00f6ne Waise kennen, die den Zauberwald um den Turm herum besser kennt als jeder andere, zwischendurch Kr\u00f6ten abschleckt (die moderne Variante des Fr\u00f6schek\u00fcssens f\u00fcr Drogen-erprobte Kids), um den Weg zu erfragen und die nat\u00fcrlich auf Jacketkrone Damon abf\u00e4hrt, obwohl Fusselbart Ledger sie viel lieber hat.<\/p>\n<p>Es sind viel zu viele Einzelteile, die kein Ganzes ergeben haben, mies getimt waren und nie genau wussten, wo sie hinwollten. Pryce und Stormare machen aus ihren Figuren One-Man-Shows, f\u00fcr die ich gerne mein Geld zur\u00fcckverlangt h\u00e4tte. Und es waren Kleinigkeiten, die mich genervt haben, weil sie mich aus meiner Fantasiewelt herausgerissen haben: die blendend wei\u00dfen 21.-Jahrhundert-Z\u00e4hne von Matt Damon, die in unertr\u00e4glicher Konkurrenz zum ansonsten matschigbraunen Film und Zeitkolorit standen. Das komische Dialekt- und Akzentchaos, das einfach nicht zusammenpassen wollte. Die ewig lang erscheinenden Szenen im Folterkeller von Stormare im Gegensatz zu den vertr\u00e4umten M\u00e4rchensettings im Wald, die wahrscheinlich einen Gegensatz zwischen Realit\u00e4t und Fantasie bilden sollten, der aber leider nicht spannend, sondern st\u00f6rend auf mich gewirkt hat.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr gab es zwischendurch Dinge, die mich gefreut haben. Zum Beispiel war das Kinderlied \u201eGuten Abend, gut&#8217; Nacht\u201c ein musikalisches Leitmotiv, das, genau wie sein <a href=\"http:\/\/ingeb.org\/Lieder\/gutenabg.html\">Text<\/a>, immer ein bisschen unheilvoll anstatt beruhigend klang. Die Kost\u00fcme waren durch die Bank detailreich und passend, und wenn man auf die Buddy-Scherze von Damon und Ledger steht: Sie haben beide genug kom\u00f6diantisches Talent, auch die schw\u00e4cheren Lines funktionieren zu lassen. Aber ich pers\u00f6nlich fand den humorvollen Unterton eben leider unpassend und daher auch so ziemlich den ganzen Film sehr anstrengend.<\/p>\n<p>Ich liebe es, wenn in einem Film ein Satz, ein Dialogfetzen vorkommt, der das ganze Spektakel zusammenfasst, denn dann muss ich mir keinen Kopf \u00fcber einen schlauen Ausstieg aus der Kritik machen und kann sogar behaupten, das Urteil kommt aus dem Werk selbst. Hier also meine Meinung zu <em>The Brothers Grimm<\/em>, in Terry Gilliams Worten bzw. denen von Drehbuchautor Ehren Kruger, obwohl es eigentlich um die glitzernden R\u00fcstungen der Grimms ging: It&#8217;s not magic \u2013 it&#8217;s just shiny. Und auch das leider nicht immer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The Brothers Grimm (USA\/CSR 2005, 118 min) Darsteller: Matt Damon, Heath Ledger, Lena Headey, Peter Stormare, Monica Bellucci, Jonathan Pryce, Mackenzie Crook, Richard Ridings Musik: Dario Marianelli Kamera: Nicola Pecorini, Newton Thomas Sigel Drehbuch: Ehren Kruger Regie: Terry Gilliam Trailer Offizielle Seite Die Idee hinter The Brothers Grimm ist gut: Man nehme die echten, historischen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1157","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1157","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1157"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1157\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1157"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1157"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1157"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}