{"id":1175,"date":"2005-10-20T07:39:41","date_gmt":"2005-10-20T05:39:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=1175"},"modified":"2005-10-20T07:46:46","modified_gmt":"2005-10-20T05:46:46","slug":"widersprich-mir-oder-nee-doch-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=1175","title":{"rendered":"Widersprich mir &#8230; oder, nee, doch nicht"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.salon.com\/\">Salon.com<\/a> hat ein neues Feature, das mir ein bisschen Kopfschmerzen bereitet: Man kann inzwischen nicht mehr nur einen <em>letter to the editor<\/em> schreiben, also einen klassischen Leserbrief (per E-Mail), der von der Chefredaktion abgesegnet werden muss, bevor er eventuell das Licht der Welt auf der Leserbriefseite erblickt \u2013 nein, man kann inzwischen zu jedem Artikel einen Kommentar hinterlassen. Wie in Weblogs. Und jeder Kommentar (der aber bei Salon weiterhin <em>letter<\/em> hei\u00dft) wird auch ohne redaktionelle Pr\u00fcfung \u201egedruckt\u201c bzw. freigeschaltet.<\/p>\n<p>Salon <a href=\"http:\/\/www.salon.com\/letters\/editor\/2005\/10\/17\/talkback\/index.html\">argumentiert<\/a> unter anderem damit, dass sie eine derartige Menge an sch\u00f6ner Post bekommen, dass sie gar nicht mehr alles lesen k\u00f6nnen: <\/p>\n<blockquote><p>\u201eOur letters to the editor have always been an extremely popular feature. But we have only been able to publish a small fraction of the mail we get, given the human labor it takes to cull and edit and code the letters for our publishing system before posting them to the site.<\/p>\n<p>That has meant leaving a lot of passionate arguments and disagreement and praise buried in our private in boxes. We began to ask ourselves: What if we delivered on the original promise of Salon, and made our readers partners? What if we invite them to post their letters directly \u2013 mixing it up with us and with each other without editorial intervention?\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Aber genau diese angesprochene Menge an Widerspruch, Zustimmung, Spam oder simplem Blabla nervt mich unter vielen Weblogeintr\u00e4gen. Mein Lieblingsbeispiel: <a href=\"http:\/\/spreeblick.com\/\">Spreeblick<\/a>. Zu fast jedem Eintrag kommen bergeweise Kommentare, und ich muss gestehen, wenn unter einem Eintrag eine Kommentarzahl von \u00fcber 30 erscheint, klicke ich sie nicht mal mehr an, weil ich wei\u00df, dass 25 davon Trackbacks sind zu Weblogs, die nur mal sagen wollten, wie toll sie den betreffenden Eintrag bei Johnny fanden, weitere drei Kommentare sagen bereits im Kommentarfeld, wie toll sie den Eintrag fanden, und gerade mal zwei haben irgendwas Relevantes beizutragen. <\/p>\n<p>Und ehe jetzt bei mir die Kommentarfunktion au\u00dfer Kontrolle ger\u00e4t: Ja, nat\u00fcrlich war das \u00fcberspitzt, und nat\u00fcrlich finden gerade bei Spreeblick auch ziemlich gute Diskussionen statt. Aber des \u00d6fteren geraten solche \u201eDiskussionen\u201c auch mal au\u00dfer Kontrolle, der Tonfall wird ekliger oder die gleichen zwei, drei Argumente werden in diversen Formulierungen wieder und wieder gepostet.<\/p>\n<p>Daher genie\u00dfe ich bei meiner t\u00e4glichen Lesetour, die schon gr\u00f6\u00dftenteils aus Weblogs besteht, eben die kleinen Oasen, in denen ein Artikel noch einfach ein Artikel sein darf und nicht f\u00fcnf Sekunden nach seiner Ver\u00f6ffentlichung in der Luft zerrissen oder zugelobt wird. Ich will bei den meisten Eintr\u00e4gen gar keine anderen Meinungen lesen, weil mir die im Artikel reicht. Und wenn ein Artikel kontrovers ist, dann stehen drei Tage sp\u00e4ter die Leserbriefe auf der Seite, aber eben nur die, die wirklich was zu sagen haben, \u00fcber die man vielleicht l\u00e4nger als f\u00fcnf Sekunden nachgedacht hat, die neue \u00dcberlegungen aufwerfen oder die \u00fcberzeugend und ohne die \u00fcbliche Weblogpolemik die Gegenseite vertreten. <\/p>\n<p>Auch die BBC-Newsseite gestaltet gerade ihre <em>Have Your Say<\/em>-Sektion um \u2013 mit \u00e4hnlichen <a href=\"http:\/\/news.bbc.co.uk\/newswatch\/ukfs\/hi\/newsid_4340000\/newsid_4349000\/4349054.stm\">Argumenten<\/a> wie Salon:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eRunning at around 10,000 emails a day we just do not have enough journalistic eyeballs looking at the inbox. Traditionally every comment which appears in a news debate has been put there by a journalist, carefully checked for grammar and spelling and made to look rather smart with the names and location of sender in bold.<\/p>\n<p>All very good, and for people who prefer to read rather than contribute, a comprehensive collection of interesting thoughts. For those who want to see their name in print, not so good.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Im letzten Satz verbirgt sich noch ein weiterer Aspekt, der mir manche Blogkommentare verleidet hat: der Wunsch, seinen Namen in einem bekannten Blog zu sehen und einen Link auf sein eigenes Weblog zu hinterlassen. Denn aus mehr bestehen einige Kommentare einfach nicht. Und manchmal muss man sich eben durch 20 von denen durchw\u00fchlen, bevor mal wieder ein Beitrag kommt, den man lesen will.<\/p>\n<p>Dieser Eintrag hier ist \u00fcbrigens kein doofes Kommentatoren-Bashing \u2013 ich freue mich \u00fcber jeden (naja, fast jeden) Eintrag, der hier aufl\u00e4uft; ich bin immer noch der Meinung, dass Weblogs auch deswegen so erfolgreich sind, weil es eben eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr jeden Leser gibt, mal kurz \u201eEinspruch!\u201c zu sagen statt der \u201eFriss und stirb\u201c-Mechanik anderer Medien, und ich selbst nutze die M\u00f6glichkeit zum Kommentieren auch recht gerne. Nicht ganz so exzessiv, aber ja, nat\u00fcrlich kommentiere ich auch und garantiert nicht immer wahnsinnig geistreich. Was damit zusammenh\u00e4ngt, dass ich Weblogs als eine Spielart der Kommunikation ansehe, als eine Publikation, die Diskussionen f\u00f6rdert oder sogar verlangt.<\/p>\n<p>Aber Spiegel Online oder die BBC-Newsseite oder Salon sind f\u00fcr mich keine Webseiten, auf denen ich diskutieren will. Ich habe noch nie einen Beitrag auf diesen Seiten gelesen, den ich unbedingt kommentieren wollte (bis auf den oben angesprochenen auf Salon \u2013 deswegen auch dieser Blogeintrag). Ich habe noch nie einen Leserbrief an eine Zeitung oder ein Magazin geschrieben, weil ich so wahnsinnig dringend auf irgendwas aufmerksam machen wollte. Aber jetzt, wo ein kleines, jungfr\u00e4uliches Kommentarfeld lockt, wo ein blinkender \u201eVer\u00f6ffentlichen\u201c-Button nur darauf wartet, angeklickt zu werden, ist die H\u00fcrde verdammt niedrig geworden, \u00fcber die man sich bequemen muss, um seine Meinung ver\u00f6ffentlicht zu sehen. Und ich bef\u00fcrchte f\u00fcr Salon und die BBC die gleichen Folgen, mit denen sich Weblogs zunehmend auseinandersetzen m\u00fcssen: nutzlose Wortbeitr\u00e4ge, ohne die man hervorragend leben kann.<\/p>\n<p>Wozu also diese neue Option? Muss man, nur weil man sich im Internet bewegt, alle M\u00f6glichkeiten nutzen, die das Internet bietet? Nein, muss man nicht. Ganz im Gegenteil: Ich pers\u00f6nlich h\u00e4tte nichts gegen eine Abgrenzung gegen\u00fcber anderen Publikationen. Weblogs sind eine Spielart, Online-Magazine wie Salon eine andere. Man kann voneinander lernen, aber man muss nicht alles mitmachen, was das jeweils andere Medium zu bieten hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Salon.com hat ein neues Feature, das mir ein bisschen Kopfschmerzen bereitet: Man kann inzwischen nicht mehr nur einen letter to the editor schreiben, also einen klassischen Leserbrief (per E-Mail), der von der Chefredaktion abgesegnet werden muss, bevor er eventuell das Licht der Welt auf der Leserbriefseite erblickt \u2013 nein, man kann inzwischen zu jedem Artikel [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1175","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1175","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1175"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1175\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1175"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1175"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1175"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}