{"id":13053,"date":"2011-05-26T10:08:46","date_gmt":"2011-05-26T08:08:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=13053"},"modified":"2011-05-26T14:20:36","modified_gmt":"2011-05-26T12:20:36","slug":"rom-tag-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=13053","title":{"rendered":"Rom, Tag 4"},"content":{"rendered":"<p><em>Donnerstag, 19. Mai<\/em><\/p>\n<p>Der vierte Tag in Rom. Am Montagabend dachte ich noch, die Woche \u00fcberleben meine F\u00fc\u00dfe nicht und so viel kann&#8217;s hier doch gar nicht zum Angucken geben, und jetzt ist es Donnerstag, und ich ahne, dass ein Leben nicht reicht, um alles anzugucken, was hier in 2000 Jahren hingebaut wurde, die F\u00fc\u00dfe meckern mich zwar an, aber ich ignoriere sie, und \u00fcberhaupt: Morgen ist schon der letzte Tag? WIR SIND DOCH GERADE ERST ANGEKOMMEN!<\/p>\n<p>Zum Trost stehen heute die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vatikanische_Museen\">Vatikanischen Museen<\/a> und eine Weinprobe auf dem Programm. Erst die Arbeit, dann der Suff. Wir traben um acht Uhr in Richtung Petersdom (die Strecke kann ich auswendig) und gehen entspannt an der Schlange vorbei, die jetzt schon f\u00fcnfzig Meter lang ist, obwohl die Museen erst in einer Stunde \u00f6ffnen. Deswegen ist es auch noch nicht so voll wie in <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=2063\">Versailles<\/a>, wo ich kaum den Fu\u00dfboden gesehen habe geschweige denn irgendwas anderes, aber als richtig leer kann man den Laden auch nicht bezeichnen, denn ab acht d\u00fcrfen alle Gruppen rein, die reserviert haben.<\/p>\n<p>Wir versammeln uns erstmal im Hof, wo mehrere Schautafeln stehen, auf denen die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sixtinische_Kapelle\">Sixtinische Kapelle<\/a> abgebildet ist, die unseren Rundgang beschlie\u00dfen wird. In der Kapelle darf n\u00e4mlich nicht gesprochen werden, weshalb alle Reiseleiter_innen ihren Sch\u00e4fchen das Meisterwerk an den Tafeln im Hof erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Nochmal eine Ode an den Reiseleiter: Da steht man eben vor Schautafeln und guckt sich zum Beispiel das abgenudelte <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Erschaffung_Adams\">Bild<\/a> mit Adam und Gott und dem Funken an \u2013 und zum ersten Mal sieht man es anders, weil der Mann einem was erz\u00e4hlt, was man eben nicht wusste. N\u00e4mlich dass diese Darstellung von der Erschaffung des Menschen damals eine kleine Revolution war. Bisher wurde immer Gott dargestellt, wie er Adam Leben einhauchte \u2013 nix mit Fingerzeig oder so. Diese Idee war ganz neu und musste erstmal vom Papst abgenickt werden, bevor Michelangelo sie an die Decke malen durfte. Durfte er.<\/p>\n<p>Oder die Szene mit der Arche, bei der man das steigende Wasser sieht. Bisher entschieden sich die Maler immer f\u00fcr das Davor oder Danach \u2013 also entweder die ge\u00f6ffnete Arche, auf die die Tiere str\u00f6men oder nur die Arche, die gem\u00fctlich \u00fcber das glatte Meer schippert. Michelangelo zeigt dagegen die Tsunami-Variante: Man sieht die Arche, auf die sich noch panisch Tiere retten, im Vordergrund steigt das Wasser, einige Menschen sind auf eine kleine Insel gefl\u00fcchtet und klettern auf B\u00e4ume, aber man sieht ihnen an, dass sie wissen, dass dieser Tag ihr letzter sein wird. Eine schreckliche Situation, sehr ungewohnt f\u00fcr so etwas Erbauliches wie die Privatkapelle des Papstes.<\/p>\n<p>Oder die Seitenwand, an der ein riesiges <a href=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/2\/24\/Rome_Sistine_Chapel_01.jpg\">Gem\u00e4lde<\/a> den Weg zu Himmel und H\u00f6lle aufzeigt. Mittendrin sehen wir Jesus als Weltherrscher, und um ihn herum fahren Menschen ins Paradies auf oder enden im Fegefeuer. Auch hier entschied sich Michelangelo f\u00fcr Action statt salbungsvollem Gekuschel. Die Menschen, denen der Weg in den Himmel offensteht, schweben nicht mit Harfenkl\u00e4ngen hinauf, sondern werden, wie das der Tod eben macht, brutal aus dem Leben gerissen. Sie werden nach oben gezerrt und geschleift, ein Mann h\u00e4ngt gequ\u00e4lt am Arm eines anderen, fast so, als ob er das Paradies vielleicht doch gegen das irdische Jammertal eintauschen wollen w\u00fcrde. Und: Im Paradies herrscht eine \u00e4hnlich bedr\u00fcckende Enge wie in der H\u00f6lle. Auch nicht unbedingt eine gem\u00fctliche Vorstellung f\u00fcr das Jenseits.<\/p>\n<p>Ich war schon von dem Vortrag so beeindruckt, dass ich das Ding kaum noch in echt sehen wollte. Aber bis dahin war der Weg ja auch noch lang. Erstmal ein paar Statuen angucken. Als erstes: den <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Apoll_von_Belvedere\">Apoll von Belvedere<\/a>.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/rom4_vatikan_apoll1.jpg\" alt=\"\" title=\"rom4_vatikan_apoll\" width=\"380\" height=\"566\" class=\"alignnone size-full wp-image-13065\" \/><\/p>\n<p>Mein bl\u00f6des Foto wird ihm nicht ganz gerecht. Von der Statue schw\u00e4rmte schon Goethe, und wenn man davor steht, wei\u00df man auch warum. Sie f\u00fchlt sich ganz anders an als die \u00fcblichen Kerle mit ihren R\u00fcstungen oder Speeren. Apoll ist weniger muskul\u00f6s, sehr grazil und vor allem: raumgreifend. Er wirkt nicht kriegerisch, sondern wohlwollend. Und er steht da eben nicht einfach rum, sondern nimmt den ganzen Raum um sich herum in Beschlag. Ich kann es schwer beschreiben, aber man kann sich ihm nicht entziehen. (Deswegen verzeihe ich ihm auch den Baumstamm, an dem er lehnt.)<\/p>\n<p>Direkt nebenan: die Laokoon-Gruppe.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/rom4_vatikan_laokoon1.jpg\" alt=\"\" title=\"rom4_vatikan_laokoon1\" width=\"380\" height=\"567\" class=\"alignnone size-full wp-image-13060\" \/><\/p>\n<p>\u00c4hnlich faszinierend wie Apoll, weil die Statue so unglaublich lebendig wirkt, obwohl sie einen Todeskampf zeigt. Laokoon versucht, sich und seine S\u00f6hne vor einer Schlange zu retten, aber es wird ihm nicht gelingen. Hat nichts mit der Sixtinischen Kapelle zu tun, aber auch hier gucken wir uns wieder einen f\u00fcrchterlichen Moment an. Vielleicht zieht es uns deshalb so in den Bann.<\/p>\n<p>Der rechte Arm des Laokoon war lange Zeit verschollen, und man glaubte, er sei lang ausgestreckt, was der olle Besserwisser Michelangelo stets angezweifelt hatte. Er meinte, der Arm m\u00fcsste verschr\u00e4nkt sein (was er auch ist), denn dann ist der Kopf der h\u00f6chste Punkt der Statue und nicht der Arm. Au\u00dferdem bilden so Kopf \u2013 Schulter \u2013 Schulter \u2013 Kopf eine sch\u00f6ne Linie.<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich konnte mich an den F\u00fc\u00dfen nicht sattsehen, warum auch immer.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/rom4_vatikan_laokoon2.jpg\" alt=\"\" title=\"rom4_vatikan_laokoon2\" width=\"380\" height=\"392\" class=\"alignnone size-full wp-image-13061\" \/><\/p>\n<p>Auf unserem weiteren Weg kamen wir am <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Datei:Torso_Belvedere_01.jpg&#038;filetimestamp=20050902224212\">Torso von Belvedere<\/a> vorbei, von dessen Bauchnabel der Reiseleiter nicht m\u00fcde wurde zu schw\u00e4rmen; an einem riesigen Becken, das wohl mal zu Neros pers\u00f6nlichen Geplantsche gehauen wurde; der gestern erw\u00e4hnten Gartenzwergsammlung und dann an dieser Statue:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/rom4_vatikan_auge.jpg\" alt=\"\" title=\"rom4_vatikan_auge\" width=\"380\" height=\"507\" class=\"alignnone size-full wp-image-13059\" \/><\/p>\n<p>Sie ist eine der wenigen, bei der die Augen erhalten sind. In der Antike waren die ganzen Statuen n\u00e4mlich nicht wei\u00df, wie wir sie kennen, sondern bunt bemalt, und sie hatten Augen. <\/p>\n<p>Ein ewig langer Gang war mit alten Wandteppichen geschm\u00fcckt, an denen wir wortlos vorbeischlenderten und dabei diverse asiatische Tourist_innen fast umrannten; im n\u00e4chsten Saal warteten Landkarten, f\u00fcr die ich gerne etwas mehr Zeit gehabt h\u00e4tte, aber noch toller war die Decke in dem Saal. Sie war so unfassbar reich geschm\u00fcckt und verziert und goldig und bunt, dass daneben der Spiegelsaal von Versailles (bis jetzt meine Blaupause f\u00fcr Wow!) wie eine Barbiewohnung aus den 80ern aussieht. Ich glaube, das ist der zweite Raum in meinem Leben, in den ich reingekommen bin und wirklich Wow! gesagt habe. Au\u00dferdem bin ich fassungslos stehengeblieben, was eine bl\u00f6de Idee ist, weil dir sofort jemand in die Hacken l\u00e4uft. Es wurde allm\u00e4hlich voller.<\/p>\n<p>Kurz vor der Sixtinischen Kapelle kommen die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stanzen_des_Raffael\">Stanzen<\/a> des <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Raffael\">Raffael<\/a>, vier Zimmer, die von Raffael und seiner Schule ausgemalt wurden. Auch hier kann ich kaum sagen, wie sehr es mich beeindruckt hat, diese Wandgem\u00e4lde zu sehen. Bisher habe ich Raffael immer irgendwie puttig-pl\u00fcschig in Erinnerung gehabt, ihn aber nie mit dieser Farbgewalt und Raffinesse in Verbindung gebracht, die einige der Bilder der Stanzen haben.<\/p>\n<p>Im zweiten Zimmer, der Stanza di Eliodoro, haben mich zwei Details fasziniert. Die beiden W\u00e4nde haben jeweils ein Fenster in der Mitte, um das Raffael sehr geschickt \u201erumgemalt\u201c hat. Die eine Wand zeigt eine Kirchenszene mit Altar, und wie wir ja gestern gelernt haben, f\u00fchren zum Altar Stufen hinauf. Das Fenster ist quasi eine perspektivisch korrekte Trennung der beiden Altarseiten; auf der einen gehen Menschen die Stufen hinauf, auf der anderen wieder hinunter. (Fast wie im Comic.) Auch auf der gegen\u00fcberliegenden Seite wird eine <a href=\"http:\/\/it.wikipedia.org\/wiki\/File:Liberazione_di_san_pietro_01.jpg\">Geschichte<\/a> erz\u00e4hlt: Hier ist es Petrus im Gef\u00e4ngnis, der befreit werden soll. Auf der linken Seite werden die Wachen \u00fcberw\u00e4ltigt, in der Mitte sehen wir den gefangenen Petrus, und auf der rechten f\u00fchrt ein Engel den nun befreiten Petrus \u00fcber die bewusstlosen Wachen hinweg. <\/p>\n<p>Ich fand den Unterschied zwischen Michelangelos und Raffaels Bildern so faszinierend, vor allem, weil die beiden gleichzeitig an ihren Gro\u00dfprojekten gearbeitet haben. W\u00e4hrend Michelangelo viel mehr Wert auf die Menschen und ihre beweglichen K\u00f6rper legte, auf seltsame Verdrehungen und Muskeln, stand f\u00fcr Raffael die Bildkomposition im Vordergrund. Seine Menschen sind keine Idealtypen, sondern \u201enormale\u201c Gestalten, die weitaus weniger entr\u00fcckt aussehen. Vielleicht sind sie deshalb nahbarer; ich pers\u00f6nlich w\u00e4re gerne noch viel l\u00e4nger bei ihnen geblieben. <\/p>\n<p>Ein kurzer Abschied von Raffael, der sich in einem Zimmer selbst portr\u00e4tierte; er ist der Typ, der uns anschaut \u2013<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/rom4_raffael2.jpg\" alt=\"\" title=\"rom4_raffael2\" width=\"380\" height=\"509\" class=\"alignnone size-full wp-image-13057\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/rom4_raffael.jpg\" alt=\"\" title=\"rom4_raffael\" width=\"380\" height=\"376\" class=\"alignnone size-full wp-image-13056\" \/><\/p>\n<p>\u2013, dann sprinteten wir durch die moderne Kunst, f\u00fcr die ich auch gerne nochmal wiederkommen w\u00fcrde, und dann standen wir am Fu\u00df einer Treppe, die uns endlich in die Sixtinische Kapelle leiten w\u00fcrde. Inzwischen waren anscheinend alle Gruppen hier angekommen. Mehrere Aufseher deuteten wiederholt auf die dutzendweise rumstehenden Schilder mit Piktogrammen \u2013 nicht sprechen, nicht fotografieren \u2013, und dann schoben wir uns gemeinsam \u00fcber die T\u00fcrschwelle. Hier ein Foto. (Haha.)<\/p>\n<p>Ich gucke mal wieder auf meine F\u00fc\u00dfe, w\u00e4hrend ich den Raum betrete, und noch bevor ich wieder nach oben schauen kann, h\u00f6re ich den ersten Aufseher in der Kapelle: &#8220;Don&#8217;t stop. Keep walking.&#8221; Daher kam ich nicht dazu, wow! zu sagen, aber das soll ich ja eh nicht. Nach zehn Schritten, in denen ich nur die Masse um mich herum wahrnehme, gucke ich endlich nach oben. Weit nach oben. Die Decke mit dem Gem\u00e4lde ist doch weiter weg als ich dachte, und ich kann kaum etwas erkennen. Hinter mir h\u00f6re ich nochmals die Aufseher: &#8220;Shhhhh! No photo! Quiet!&#8221;, was relativ sinnlos ist, denn anscheinend sagen alle wow!, wenn sie reinkommen und h\u00f6ren auch nicht mehr damit auf. Einige Blitzmerker aus unserer Reisegruppe unterhalten sich ernsthaft dar\u00fcber, warum man sich hier nicht unterhalten soll, w\u00e4hrend ich mir einen freien Platz in der Mitte der Kapelle suche, um stehenzubleiben und zu gucken. So. Das ist sie also. Die Sixtinische Kapelle. Erf\u00fcllt von vielsprachigem Gemurmel und den blaffenden Anweisungen Shhhh, no photo und quiet. Neben mir fotografiert ein Trottel auch noch mit Blitz, worauf zwei Sekunden sp\u00e4ter ein Aufseher neben ihm steht \u2013 &#8220;You go!&#8221; \u2013 und ihn gnadenlos zum Ausgang zerrt. Was nat\u00fcrlich wieder Gemurmel der Umstehenden zur Folge hat. Ich glaube, als Aufseher in der Kapelle muss man abends ne Menge meditieren oder Egoshooter spielen, um nicht irgendwann mit einem Flammenwerfer zur Arbeit zu kommen.<\/p>\n<p>Wenn man den ganzen Quatsch um sich rum ausblendet, kann man aber endlich mal gucken. Die hohe Decke mit den vielen Einzelbildern ist wirklich zu weit weg. Wenn ich nicht w\u00fcsste, dass Gott \u00fcber mir Adam seinen Finger entgegenstreckt, w\u00fcrde ich es nicht erkennen. Trotzdem kann ich die frisch restaurierte Farbigkeit genie\u00dfen, die schiere Gr\u00f6\u00dfe, und trotz des Gemurmels die seltsam erhabene Stimmung. Man sp\u00fcrt, dass man gerade etwas Besonderes sieht. Ich erkenne ein knalliges Orange, ein helles Gelb von verschiedenen Gew\u00e4ndern, ich bewundere die vielen Blaut\u00f6ne, und schlie\u00dflich setze ich mich auf die lange Bank, die an der Wand langgeht und gucke einfach nach oben. Ich nehme kein besonderes Bild mit, sondern ein Gef\u00fchl, das ich nicht in Worte fassen kann. Und das knallige Orange.<\/p>\n<p>(Die <a href=\"http:\/\/mv.vatican.va\/2_IT\/pages\/SDR\/SDR_00_Main.html\">Stanzen<\/a> und die <a href=\"http:\/\/mv.vatican.va\/2_IT\/pages\/CSN\/CSN_Main.html\">Kapelle<\/a> zum Selberangucken.)<\/p>\n<p>Aus der Kapelle stolpert man wieder in den Petersdom, den wir uns aber nicht nochmal angucken wollen. Wir haben zwei Stunden frei, bevor uns ein Bus \u2013\u00a0ein Bus! wir m\u00fcssen nicht mehr laufen, wobei eher das Rumstehen allm\u00e4hlich die F\u00fc\u00dfe t\u00f6tet \u2013 in die Katakomben bringt. Der Kerl und ich suchen uns eine winzige Trattoria, in der keine offensichtlichen Touris sitzen; ich esse endlich <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/ankegroener\/5743300845\/\">Pizza<\/a>, und obwohl ich ahne, dass sie tiefgek\u00fchlt war, fand ich sie fantastisch. Zur\u00fcck ins Hotel, duschen, abtrocknen, wieder anziehen, ab zum Bus.<\/p>\n<p>Die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Katakomben_in_Rom\">Katakomben<\/a> liegen etwas au\u00dferhalb von Rom und dienten den ersten christlichen Gemeinden als Friedhof. Wobei das jetzt nach lauschigen Gr\u00e4bern unter immergr\u00fcnen B\u00e4umen klingt. Stattdessen klettern wir in ein Labyrinth aus dunkelgrauem Tuffstein. Es ist nicht so d\u00fcster und eng und klaustrophobisch wie ich erwartet hatte, aber trotzdem w\u00fcrde ich es nicht unbedingt als gem\u00fctlich bezeichnen. Wir haben die Calixtus-Katakomben besichtigt, in die man gruppenweise, nach Sprache geordnet, eingelassen wird. Man kommt also an, wartet, bis gen\u00fcgend deutschsprachige Menschlein da sind, und dann rattert der F\u00fchrer oder die F\u00fchrerin einen Vortrag runter: 20 Kilometer G\u00e4nge. 500.000 Gr\u00e4ber, davon 45% Kindergr\u00e4ber. \u00dcber 100 Jahre Ausgrabungsdauer. Was sie einem nicht erz\u00e4hlt: Die Luft in den Katakomben ist weitaus besser als ich dachte, denn man sieht ab und zu den Himmel am Ende der langen Luftsch\u00e4chte. Au\u00dferdem kann man noch einige Wandmalereien erkennen, aber im Prinzip guckt man sich 20 Minuten lang Tuffsteinw\u00e4nde mit L\u00f6chern drin an. <\/p>\n<p>Wir klettern wieder nach oben und steigen in den Bus, denn nun beginnt der entspannte Teil des Tages: ein Besuch in Frascati auf dem Weingut <a href=\"http:\/\/www.casalemarchese.it\/\">Casale Marchese<\/a>. Ich habe in den ersten Rom-Tagen, wo immer es ging, Frascati zum Essen bestellt und hatte jedesmal das Gef\u00fchl, die Flasche k\u00e4me direkt aus dem Supermarktregal. Der Wein war ziemlich geradaus und flach, blubberte manchmal ein bisschen, war aber nie etwas, an das ich mich lange erinnern wollte. Ich stellte mich geistig auf etwas Besseres ein, als der Busfahrer dem Reiseleiter zurief, dass er gerne einen Umweg \u00fcber die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Via_Appia_Antica\">Via Appia Antica<\/a> machen k\u00f6nne. Ich verstand nat\u00fcrlich nur \u201eVia Appia Antica\u201c und fing sofort an, hysterisch zu fiepsen, denn das habe ich bedauert, seit ich die Reise gebucht habe: keine Via Appia im Programm. Der Rest des Busses fiepste auch, und so hielten wir spontan und ungeplant an einer Stra\u00dfe an, die pl\u00f6tzlich von modernem Asphalt in riesige, graue, glatte Steine \u00fcberging. In den Ritzen zwischen ihnen hatte sich Kies und Schotter gesammelt, und alles zusammen war eine einzige Ruckelpiste. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/rom4_viaappia.jpg\" alt=\"\" title=\"rom4_viaappia\" width=\"380\" height=\"509\" class=\"alignnone size-full wp-image-13062\" \/><\/p>\n<p>Das scheint aber kein italienisches Auto zu st\u00f6ren, denn die wenigen Karren, die sich vom \u201eHier bitte nicht langfahren, au\u00dfer du bist ein Krankenwagen\u201c-Schild nicht beeindrucken lassen, bremsen nur minimal ab, bevor sie ihr Fahrwerk mit der Folterstra\u00dfe qu\u00e4len. Die Stra\u00dfe verbindet einen noblen Vorort mit einer Verbindungsstra\u00dfe zu Rom, wenn ich mir das richtig gemerkt habe, und ehe man einen Schlenker f\u00e4hrt, macht man eben die Antike platt. War mir egal, ich trocknete mal wieder Tr\u00e4nchen, mit denen ich gar nicht gerechnet hatte. Aber genau wie das Kolosseum schleppe ich diese Stra\u00dfe schon so lange mit mir rum, dass ich es kaum glauben kann, sie selbst zu sehen. Beziehungsweise kann ich es kaum glauben, auf den gleichen Steinen rumzulaufen, auf denen vielleicht Caesar mal rumgelaufen ist. Wobei der wohl eher im Streitwagen gefahren ist, denn die Via Appia diente vor allem dazu, die Truppen schnellstm\u00f6glich aus der Stadt zu kriegen.<\/p>\n<p>Nach zehn Minuten ist die allgemeine R\u00fchrung vorbei, und die Fahrt geht weiter. Es wird sehr h\u00fcgelig, viel gr\u00fcner, wir kommen an einem See vorbei, an den ewig langen Resten des einzig gut erhaltenen Aqu\u00e4dukts (FIEPS!) und an der p\u00e4pstlichen Sommerresidenz, bevor der Bus durch das winzige Frascati schaukelt und ich alle Sinne auf Wein einstelle. Uns wurde vom Gutsbesitzer erkl\u00e4rt, wie sie Wein und Oliven anbauen und was alles so f\u00fcr antike Steine auf ihren Grundst\u00fccken gefunden wurden. Unter anderem war ein Teil des Guts fr\u00fcher eine Station, an der Pferde gewechselt wurden bzw. man Rast machen konnte, weil hier eine frische Wasserquelle sprudelte. Aus der Zeit ist noch ein Brunnen erhalten \u2013\u00a0und ein paar unanst\u00e4ndige Gravuren in den Steinen um den Brunnen. Mit dem Satz \u201eSie stehen gerade auf einem Phallussymbol\u201c habe ich jedenfalls nicht gerechnet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/rom4_frascati.jpg\" alt=\"\" title=\"rom4_frascati\" width=\"380\" height=\"509\" class=\"alignnone size-full wp-image-13070\" \/><\/p>\n<p>Den Rest des Abends habe ich mit wohliger guter Laune zugesch\u00fcttet; sowohl der Wei\u00df- als auch der Rotwein, den wir genossen, war wunderbar, dazu wurden immer neue Platten mit Porchetta, Schinken, Salami, Pecorino und Bruschetta aufgetragen, die Luft war warm, die Konversation entspannt, und \u00fcberhaupt war das Leben gerade mal wieder ganz, ganz gro\u00dfartig. Was war nochmal Hamburg?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Donnerstag, 19. Mai Der vierte Tag in Rom. 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