{"id":13078,"date":"2011-05-27T07:51:36","date_gmt":"2011-05-27T05:51:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=13078"},"modified":"2011-05-27T07:52:12","modified_gmt":"2011-05-27T05:52:12","slug":"%e2%80%9eviel-raum-und-viel-schweigen%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=13078","title":{"rendered":"\u201eViel Raum und viel Schweigen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin gerade auf den letzten Seiten von <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Die-Erfindung-Lebens-Hanns-Josef-Ortheil\/dp\/3442739780\/\">Die Erfindung des Lebens<\/a><\/em> von Hanns-Josef Ortheil, von dem ich noch nie geh\u00f6rt hatte, bis mir eine Buchh\u00e4ndlerin dieses Werk in die Hand dr\u00fcckte. Gute Sache, denn: toll. Zuf\u00e4llig spielt ein Teil des Romans in Rom, und genau dorthin reist die junge Hauptfigur hier zum ersten Mal, Ende der 60er Jahre, ohne Sprach- und Ortskenntnisse:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eAls wenige Meter von mir entfernt eine kleine Bar ge\u00f6ffnet wird, gehe ich sofort hin. Der Mann hinter der silbernen, gerade sauber gewischten Theke begr\u00fc\u00dft mich leise, und ich murmle die Klanglinie nach, die ich gerade geh\u00f6rt habe, ohne ein Wort zu verstehen. Er fragt mich etwas, wahrscheinlich nennt er den Namen eines Getr\u00e4nks, ich wiederhole, was er gesagt hat, und sofort beginnt er, sich um mein Getr\u00e4nk zu k\u00fcmmern. Es kommt wenig sp\u00e4ter in einer gro\u00dfen wei\u00dfen Tasse und duftet nach einem starken Kaffee. Seine Oberfl\u00e4che aber ist mit dichtem Milchschaum bedeckt. Etwas Kakao? Ja, das habe ich jetzt sogar verstanden, etwas Kakao?<\/p>\n<p>Es ist ganz einfach, mit diesem Mann zu sprechen, er baut sich nicht vor mir auf und macht aus mir keinen sprachlosen, fremdsprachigen Clown, nein, er bietet mir laufend Bruchst\u00fccke seiner eigenen Sprache an. Ich muss nur genau hinh\u00f6ren und sie aufschnappen und sie dann wieder zur\u00fcckgeben.<\/p>\n<p>Ich habe verstanden, ich habe bereits ein wenig verstanden, wie das Italienische geht. Das Italienische geht vollkommen anders als das Deutsche. Es ist ein Geben und Anbieten von S\u00e4tzen, die der Gegen\u00fcber dann wieder zur\u00fcckgibt. Was der eine sagt, greift der andere auf, dreht es um eine Nuance und sagt dann den Satz leicht ver\u00e4ndert noch einmal. Und so geht es weiter und weiter, ohne Pause. Es ist mit einem guten Duett zu vergleichen, mit Gesang und Gegengesang. Das Deutsche aber ist anders. Im Deutschen sagt einer einen Satz, um den Satz irgendwo in die Landschaft zu stellen und dort stehen zu lassen. Danach ist es still. Derjenige, der antwortet, sagt einen anderen Satz und stellt ihn in etwas gr\u00f6\u00dferer Entfernung in die Landschaft. So ist zwischen den S\u00e4tzen viel Raum und viel Schweigen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Hanns-Josef Ortheil, <em>Die Erfindung des Lebens<\/em>, btb, S. 459\/460<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin gerade auf den letzten Seiten von Die Erfindung des Lebens von Hanns-Josef Ortheil, von dem ich noch nie geh\u00f6rt hatte, bis mir eine Buchh\u00e4ndlerin dieses Werk in die Hand dr\u00fcckte. Gute Sache, denn: toll. Zuf\u00e4llig spielt ein Teil des Romans in Rom, und genau dorthin reist die junge Hauptfigur hier zum ersten Mal, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-13078","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13078","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13078"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13078\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13080,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13078\/revisions\/13080"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13078"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13078"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13078"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}