{"id":13239,"date":"2011-06-07T07:55:36","date_gmt":"2011-06-07T05:55:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=13239"},"modified":"2011-06-07T12:51:42","modified_gmt":"2011-06-07T10:51:42","slug":"unbezahlte-werbung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=13239","title":{"rendered":"Unbezahlte Werbung"},"content":{"rendered":"<p>Wo ich gerade einige Mails kriege, die sich nach <a href=\"http:\/\/www.studiosus.com\/\">Studiosus<\/a> erkundigen, mit denen ich in <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=12981\">Rom<\/a> ja augenscheinlich extrem zufrieden war: Ich schrieb <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=2522\">schon einmal<\/a> (weitaus k\u00fcrzer) \u00fcber meine drei bisherigen Reisen mit dieser Organisation nach \u00c4gypten, China und Israel. <\/p>\n<p>Ich wei\u00df, dass das nicht f\u00fcr jede\/n was ist, mit einer Gruppe rumzureisen, es ist nicht ganz billig, und ich kenne auch das (nicht ganz falsche) Vorurteil, dass bei Studiosus gerne besserwisserische Studienr\u00e4t_innen mitreisen. Und nat\u00fcrlich gibt es bei Gruppenreisen immer das Risiko, dass mindestens eine totale Nervens\u00e4ge dabei ist (war bis jetzt auch immer so). Trotzdem empfehle ich den Laden allen Menschen, die mich danach fragen, bedenkenlos weiter. Die Studienreisen waren immer ausgezeichnet organisiert \u2013 andere Reiseformen wie City Lights, Sprachreisen etc. habe ich noch nicht ausprobiert \u2013, und die Reiseleitungen waren, bis auf einen Ausrutscher in Israel (siehe alter Blogeintrag), fantastisch. Meine Eltern sind noch deutlich \u00f6fter als ich mit Studiosus unterwegs gewesen, und auch sie meinen, Israel sei die einzige Reise, wo sie mit der Reiseleitung nicht ganz so gl\u00fccklich waren.<\/p>\n<p>Worauf man sich einstellen muss: Wer in meinem Alter ist, ist durchschnittlich 25 bis 35 Jahre j\u00fcnger als der Rest. Das hat Vor- und Nachteile. Die Mitreisenden haben zum Beispiel 25 bis 35 Jahre Vorsprung, was die Bildung angeht. So meinte unser Reiseleiter in Rom des \u00d6fteren, diesen Baustil\/diesen Malstil\/diese Deko kennen Sie ja sicher alle, Florenz, Uffizien und so weiter. Und alle nickten total wissend, w\u00e4hrend ich mir eine mentale Notiz machte, dass ich das nachher im Hotel dringend mal googeln m\u00fcsste. Gleichzeitig mag ich das an Studiosus: dass man ein bisschen Wissen voraussetzt und die Reiseleitung nicht erkl\u00e4rt, wer eigentlich dieser komische Konstantin war, dem wir in Rom ab und zu begegnen. Ich habe im Nachhinein aber gemerkt, dass es mir nicht geschadet h\u00e4tte, vor Reiseantritt nochmal kurz den Wikipedia-Eintrag zur <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Renaissance\">Renaissance<\/a> zu \u00fcberfliegen.<\/p>\n<p>Die meisten Teilnehmer_innen haben, auch bedingt durch ihr Alter, schon die halbe Welt gesehen, und wenn man Pech hat, erz\u00e4hlen sie einem das dauernd. Was ziemlich nervt, w\u00e4hrend man vor einer Kirche steht und eigentlich was \u00fcber diese Kirche h\u00f6ren m\u00f6chte. Was aber toll ist, wenn man beim gemeinsamen Abendessen ein Gespr\u00e4chsthema sucht. Ich bin jedenfalls immer mit der Frage \u201eUnd was machen Sie so beruflich?\u201c gescheitert, weil so gut wie alle Mitreisenden ihr berufliches Leben schon hinter sich hatten.<\/p>\n<p>Die ganzen Marotten, die ich von meinen Eltern kenne, erlebt man hier potenziert. Meine Eltern fragen auch f\u00fcnfmal nach, wann genau ich denn mit dem Zug komme und auf welchem Gleis er ankommt und ob ich wirklich den Weg alleine nach Hause finde und ob sie mich nicht doch lieber abholen sollten \u2013 von dem Bahnhof, in dessen N\u00e4he ich 25 Jahre lang gelebt habe. So \u00e4hnlich laufen auch Verabredungen auf den Reisen: Wenn die Reiseleitung sagt, Sie haben jetzt 30 Minuten f\u00fcr sich, dann gehen zehn Minuten daf\u00fcr drauf, dass der Treffpunkt genauestens beschrieben werden muss. Man k\u00f6nnte sich ja sonst verlaufen. Selbst wenn es hei\u00dft, wir treffen uns genau hier wieder, kann man dar\u00fcber nochmal reden. Das sind dann die Momente, wo man selbst auf sein Smartphone mit Google Maps guckt und schon mal losgeht. (Wobei man gerade mit Google Maps richtig Eindruck schinden kann. Mit Foursquare eher weniger; das konnte der Kerl wirklich niemandem erkl\u00e4ren, was daran so lustig ist, im Petersdom einzuschecken.)<\/p>\n<p>Andere seniorige Marotte, die mich wahnsinnig gemacht hat: beim Essen gnadenlos auf Deutsch zu bestellen und davon auszugehen, dass der Italiener an sich Deutsch bestimmt versteht, wenn man es nur laut genug nutzt. Auch das \u00fcbliche \u201eBei uns g\u00e4b&#8217;s das ja nicht\u201c h\u00f6rt man manchmal, und bei sowas frage ich mich dann schon, wie das damit zusammenpasst, dass die meisten schon die halbe Welt kennen. Gerade dann sollte man doch wissen, dass es verdammt vieles \u201ebei uns nicht so gibt\u201c.<\/p>\n<p>Den Quatsch kann ich aber ausblenden, denn es wird ausgeglichen durch die schon angesprochene Organisation, die durchweg tollen Hotels und eben die Reiseleitungen, bei denen ich fast immer das Gef\u00fchl hatte, sie w\u00fcssten nicht nur, wovon sie reden, nein, sie tun das auch noch gerne. Au\u00dferdem: Wenn ich Reisen buche, bei denen ich wei\u00df, dass sie haupts\u00e4chlich von Senior_innen gebucht werden, wei\u00df ich auch, dass das Tempo nicht so wahnwitzig hoch ist. Ich wei\u00df, dass es gen\u00fcgend Pinkel- und Fotopausen gibt und dass die k\u00f6rperlichen Anforderungen nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig fies sind; so bin ich gerade mal bei den 300 Stufen in die Kuppel des Petersdoms herausgefordert worden, und wenn ich mich richtig an die Menschenschlange vor und hinter mir erinnere, war das auch f\u00fcr schlanke und j\u00fcngere Menschen nicht zu bew\u00e4ltigen, ohne etwas au\u00dfer Atem zu kommen. (Sowas beruhigt mich ja immer.) <\/p>\n<p>Das geringe Tempo hei\u00dft nicht, dass man sich im Schneckentempo zu zwei Aussichtspunkten pro Tag bewegt, ganz im Gegenteil. Es hei\u00dft stattdessen, dass man f\u00fcr f\u00fcnf Kirchen keine f\u00fcnf, sondern acht Stunden einrechnet. Was ein bisschen zu Lasten von Freizeit geht, aber daf\u00fcr k\u00f6nnen alle Fragen dieser Welt gestellt und beantwortet werden. Wobei wir in Rom schon recht viel freie Zeit hatten. Ich erinnere mich an einen Tag in China, der morgens um 7 losging und abends um 23 Uhr endete. Ein gem\u00fctlicher Strandurlaub ist eine Studienreise nicht. Aber, und ich hoffe, das ist bei meinen Eintr\u00e4gen auch r\u00fcbergekommen, man nimmt unglaublich viel wieder mit nach Hause.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo ich gerade einige Mails kriege, die sich nach Studiosus erkundigen, mit denen ich in Rom ja augenscheinlich extrem zufrieden war: Ich schrieb schon einmal (weitaus k\u00fcrzer) \u00fcber meine drei bisherigen Reisen mit dieser Organisation nach \u00c4gypten, China und Israel. 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