{"id":13794,"date":"2011-08-10T07:44:13","date_gmt":"2011-08-10T05:44:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=13794"},"modified":"2011-08-10T07:44:13","modified_gmt":"2011-08-10T05:44:13","slug":"bayreuth-2011-drumherum-und-drinnerin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=13794","title":{"rendered":"Bayreuth 2011: Drumherum und drinnerin"},"content":{"rendered":"<p>Ich hatte v\u00f6llig vergessen, wie winzig Bayreuth ist. Im Tran buchte ich das gleiche Hotel wie 2005, obwohl ich ja damals schon \u00fcber fehlendes WLAN gequengelt hatte. Diesmal waren iPhone und iPad dabei, und das reichte dann auch locker. Die Taxifahrerin war wahrscheinlich nicht ganz so gl\u00fccklich \u00fcber meine Hotelwahl, denn die Fahrt vom Bahnhof dorthin dauerte ungef\u00e4hr anderthalb Minuten und kostete mich 4,30. Die Dame schlug noch 50 Cent f\u00fcr ein Gep\u00e4ckst\u00fcck auf. Macht man das so bei euch im S\u00fcden? Oder nur zu Festspielzeiten? Oder nur, wenn die Fahrt so arschkurz ist? Ich habe trotzdem auf 8 aufgerundet, sonst w\u00e4r mir das selber peinlich gewesen.<\/p>\n<p>Das Hotel bot einen Shuttleservice zum Festspielhaus an, weswegen ab 15 Uhr der Vorplatz des Hotels mit Pinguinen und Damen in Abendroben \u00fcberf\u00fcllt war. Trotzdem kann man nat\u00fcrlich dr\u00e4ngeln, um in den Bus zu kommen, denn anscheinend lernt man auch in 70 Lebensjahren nicht, dass wir schon irgendwie alle irgendwo ankommen werden. Nebenbei: Liebe Busfahrer_innen: Wenn der Bus voll mit Menschen ist, diese auch noch Abendgarderobe tragen und es drau\u00dfen 25 Grad sind, ist die vorhandene Klimaanlage zu benutzen. Immer. Ohne Ausnahme. Herrgottnochmal. Wozu hat die denn wer erfunden?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/BT11_draussen.jpeg\" alt=\"\" title=\"BT11_draussen\" width=\"380\" height=\"411\" class=\"alignnone size-full wp-image-13810\" \/><\/p>\n<p>Only in Bayreuth: mit wildfremden Menschen ins Gespr\u00e4ch kommen und nur \u00fcber Wagner reden. Mein <em>Lohengrin<\/em>-Begleiter und ich wollten den Abend nach dem Schwan noch bei einem Kaltgetr\u00e4nk ausklingen lassen. Irrsinnigerweise machen alle Restaurationen auf dem Gr\u00fcnen H\u00fcgel w\u00e4hrend des 3. Aktes zu, obwohl sie danach sicherlich noch das eine oder andere loswerden k\u00f6nnten. Weder Google Maps noch Qype waren eine gro\u00dfe Hilfe bei der Locationfindung, und deswegen trabten Begleiter und ich zu des Begleiters Privatunterkunft in der N\u00e4he des Festspielhauses; ein \u00e4lteres Ehepaar, das zu Festspielzeiten drei seiner Zimmer an Mitwirkende oder Publikum vermietet. Dort erhielten wir einen Kneipentipp direkt um die Ecke. Wir also in die angegebene Richtung, und auf dem Weg dorthin kam uns ein weiteres Paar entgegen, das im gleichen Haus wie der Begleiter wohnte. Sie kamen gerade aus der Pinte und meinten, der Kneipeneingang vorne w\u00e4re verschlossen, wir sollten \u00fcber den Hof in den Biergarten gehen. Sie h\u00e4tten die Wirtin gefragt, warum die Vordert\u00fcr geschlossen w\u00e4re, woraufhin diese gemeinte h\u00e4tte, wenn sie offen w\u00e4re, w\u00fcrden ja die ganzen Leute reinkommen. Kinnings: <em>Will<\/em> bei euch keiner Geld verdienen? Nehmt euch ein Beispiel an der Taxitante!<\/p>\n<p>Als Entsch\u00e4digung gab&#8217;s im Biergarten sch\u00f6ne B\u00e4nke und noch sch\u00f6nere Gartenst\u00fchlchen mit Lehne, auf die ich sehr gro\u00dfen Wert lege. Die waren leider gr\u00f6\u00dftenteils besetzt, aber ein \u00e4lteres, leger gewandetes Paar winkte uns zu sich an den Tisch und meinte, wir k\u00f6nnten uns gerne dazusetzen. Nat\u00fcrlich wurden wir gefragt, wie uns die Oper gefallen h\u00e4tte \u2013 an unseren Klamotten waren wir deutlich als Festspielg\u00e4ste zu erkennen \u2013, woraufhin wir begeistert schw\u00e4rmten, und die Dame etwas pikiert meinte, ihr Ding w\u00e4r das ja nicht so gewesen. Und schon waren wir mitten im Gespr\u00e4ch: Sie ist geborene Bayreutherin, mit Eva Wagner zur Schule gegangen, guckt sich seit 50 Jahren die Generalproben an und kennt wirklich alle Auff\u00fchrungen der letzten Jahrzehnte. Sie erz\u00e4hlte uns von den Wieland-Wagner-Inszenierungen in den 50er und 60er Jahren, wobei ich sehr and\u00e4chtig lauschte, wir diskutierten \u00fcber Schlingensief, Peter Hofmann, Placido Domingo, Waltraud Meier, Patrice Ch\u00e9reau und Pierre Boulez, \u00fcber die Religi\u00f6sit\u00e4t im <em>Parsifal<\/em> und ob man unbedingt Drachen und Riesen auf der B\u00fchne brauche. Dazu genoss ich das selbstgebraute dunkle Bier und fand es schlicht gro\u00dfartig, einen Sommerabend damit ausklingen zu lassen, mit mir bis vor f\u00fcnf Minuten unbekannten Menschen Gemeinsamkeiten, Vorlieben und Differenzen auszudiskutieren, in Opernklamotten, T-Shirt und Jeans, mit Wein oder Bier vor der Nase, w\u00e4hrend ich mir mit der Festspielkarte Luft zuf\u00e4chelte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/BT11_bier.jpeg\" alt=\"\" title=\"BT11_bier\" width=\"380\" height=\"509\" class=\"alignnone size-full wp-image-13808\" \/><\/p>\n<p>Auf den <em>Parsifal<\/em> am zweiten Bayreuth-Tag freute ich mich zus\u00e4tzlich, denn ich traf endlich Katharina von <a href=\"http:\/\/www.esskultur.at\/\">esskultur.at<\/a>, die mit Begleitung erstmals Karten ergattert hatte. Wir trafen allerdings auch auf alle Wespen, die in diesem Sommer Hamburg anscheinend eher meiden, sich aber daf\u00fcr in Bayreuth zusammenrotten, vor allem da, wo es warm ist und es Sekt, Festspiel-Bratwurst (ja, wirklich), Lachsh\u00e4ppchen, Torte und Eis gibt. Eine von den Mistviechern schlich sich von hinten an mich ran, ich bemerkte sie erst, als sie an meinem Ohr rumbrummte, woraufhin ich erstens einen \u2013 dem Ort absolut angemessenen \u2013 spitzen Schreckensschrei ausstie\u00df und zweitens die H\u00e4lfte meines Sektglases \u00fcber Katha auskippte. Sie nahm es gelassen und bezeichnete es als Bayreuth-Taufe, mir pers\u00f6nlich war das nat\u00fcrlich alles \u00e4u\u00dferst unangenehm (den ersten Eindruck gleich wieder verkackt). Trotzdem verbrachten die beiden auch die zweite Pause mit Mama und mir, was mich sehr gefreut hat. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/BT11_bratwurst.jpeg\" alt=\"\" title=\"BT11_bratwurst\" width=\"380\" height=\"509\" class=\"alignnone size-full wp-image-13809\" \/><\/p>\n<p>Auf dem Weg nach Bayreuth h\u00f6rte ich im Zug den <em>Holl\u00e4nder<\/em>, zuhause nochmal zum Ausklingen und Runterkommen den <em>Lohengrin<\/em>, und seitdem ich wieder zur Arbeit gehe bzw. am Agenturschreibtisch sitze, l\u00e4uft Beethoven auf dem iPod bzw. dem MacBook, wenn ich mich mal von der Welt abkapseln will. Das Alltagsgef\u00fchl kam viel schneller an mich ran als nach <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=13110\">Rom<\/a>, und leider nervt es diesmal weitaus mehr. Rom war eine Stadt wie Hamburg, das war echtes Leben. Bayreuth ist ein kleiner Sonderplanet, die Musik, die auf ihm gespielt wird, ein anderes Universum, und die Inszenierungen sind Reisen ins All. Das passt alles noch nicht so recht mit den Autokatalogen und der anstehenden Buchver\u00f6ffentlichung zusammen, und mich hat seit Tagen ziemlich die Schwermut gepackt. Hilft auch nicht wirklich, dabei Beethoven zu h\u00f6ren. Vielleicht sollte ich meinen Shuffle anmachen und wieder weltliche Musik h\u00f6ren. <\/p>\n<p>Vielleicht sollte ich aber auch genau das nicht tun.<\/p>\n<p>Doppelseufz mit Fragezeichen. (Keine Pointe.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte v\u00f6llig vergessen, wie winzig Bayreuth ist. Im Tran buchte ich das gleiche Hotel wie 2005, obwohl ich ja damals schon \u00fcber fehlendes WLAN gequengelt hatte. Diesmal waren iPhone und iPad dabei, und das reichte dann auch locker. 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