{"id":15593,"date":"2012-02-13T09:48:24","date_gmt":"2012-02-13T07:48:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=15593"},"modified":"2012-02-14T10:19:48","modified_gmt":"2012-02-14T08:19:48","slug":"tagebuch-11-12-februar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=15593","title":{"rendered":"Tagebuch 11.\/12. Februar \u2013 MUC"},"content":{"rendered":"<p>Morgens ins Taxi geklettert, das mich zum Flughafen bringt. Das wirklich allererste Mal eine Fahrerin gehabt (hier k\u00f6nnte auch \u201eein Fahrer\u201c stehen, war aber eine Dame), die mich null volltextet nach \u201eWo soll&#8217;s denn hingehen\u201c und zum Schluss \u201eDas w\u00e4rn dann 18 Euro, guten Flug.\u201c Kein einziges Wort. Gerne wieder.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Mein \u00fcbliches inneres Gequengele am Pier 2 im Terminal: \u201eSieben Mark f\u00fcr ein Fl\u00e4schchen Wasser?\u201c<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Bordverpflegung der Lufthansa: Corny Erdbeer, Kaffee mit Milch und Zucker.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Hinter mir im Flieger jemand, der offensichtlich noch nie geflogen ist. Jedenfalls erz\u00e4hlt er seinen beiden Freunden genau, was er sieht, w\u00e4hrend sie ihm die Ger\u00e4usche erkl\u00e4ren und was so an Bord passiert. Ich kann mich nicht an meinen ersten Flug erinnern, aber ich hoffe, ich klang genau so wie er. Diese begeisterte Fassungslosigkeit, wenn man pl\u00f6tzlich die Welt, die man gewohnt ist, aus ganz anderer Perspektive sieht.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>S-Bahn Flughafen M\u00fcnchen bis Marienplatz, dann umsteigen. Ich beschalle mich per iPhone anstatt zu lesen, wie immer auf der S-Bahn-Fahrt, die ich jedesmal genie\u00dfe, weil sie sich anf\u00fchlt wie ein langsames Hochfahren der eigenen Betriebstemperatur. Vom Hamburger Alltag in die M\u00fcnchener Ferien. Mit Musike. In der S-Bahn sitzt mir jemand gegen\u00fcber, der sich pl\u00f6tzlich die Ohren zuh\u00e4lt. Ich klicke die Lautst\u00e4rke herunter, merke dann aber in der n\u00e4chsten unterirdischen S-Bahn-Station, dass er das jedesmal macht, wenn wir unter die Erde fahren bzw. wieder nach oben. Druckausgleich von 30 H\u00f6henmetern.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>In M\u00fcnchen ist es wie immer gef\u00fchlt 20 Grad k\u00e4lter als in Hamburg. Ich bin dankbar f\u00fcr meine dicke Bayernjacke, die ich ausnahmsweise (wie die letzten Tage in Hamburg) nicht nur anziehe, weil es arschkalt ist, sondern weil ich eine Karte f\u00fcr das Spiel FCB-Kaiserslautern habe. Am Marienplatz bekomme ich ein \u201eSchei\u00df FC Bayern\u201c hinterhergezischt, was ich zwar aus Hamburg gewohnt bin, mich in M\u00fcnchen aber doch erstaunt. (Schei\u00df Sechziger.) (Klammer 2: Verstehe allm\u00e4hlich den rauen Umgangston von Fu\u00dfballfans.)<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Herr <a href=\"https:\/\/twitter.com\/#!\/probek\">Probek<\/a>, meine ewige \u00dcbernachtungsgelegenheit, l\u00e4sst mich endlich mal daf\u00fcr arbeiten, dass ich dauernd Hotelkosten spare. Ich trockne Geschirr ab, w\u00e4hrend er in 20 Minuten eine Lauchsuppe fabriziert. Die Zutat Hackfleisch \u00fcberrascht mich bei dem Gericht zwar etwas, das Ergebnis kann aber sehr \u00fcberzeugen. Der zweite Essensgast und Stadionbegleitung <a href=\"http:\/\/www.abspannsitzenbleiber.de\/\">@abspann<\/a> ist auch schon da. Am Tisch zwei Bayerntrikots, ein schwarzer Mann, gefr\u00e4\u00dfiges Schl\u00fcrfen in Eile, denn wir m\u00fcssen losloslos.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Drei Paar Socken, gerade mal zwei Shirts (die dicke Jacke ist eine wirklich dicke Jacke, wie ich beim <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=15551\">Spiel<\/a> im Volksparkstadion feststellen durfte), zwei Paar Leggings, eine Jeans, Decke, die dicken Stadionschuhe und zum ersten Mal Zehenw\u00e4rmer, die ein puscheliges Fu\u00dfgef\u00fchl erzeugen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>In der U-Bahn zum Stadion die alte Dame, praktische Omaschuhe, Rock, violetter Mantel, graue Handtasche, gepflegt frisiert, Bayernschal.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>2:0. Gomez, M\u00fcller. Bei jedem \u201ePing\u201c der Anzeigetafel, die uns \u00fcber das <a href=\"http:\/\/www.bundesliga.de\/de\/liga\/matches\/2011\/index.php?bmi=130448&#038;reiter=b&#038;tag=21\">Ergebnis<\/a> in Stuttgart informiert, wird das Gel\u00e4chter in der Arena lauter.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Ab Minuten 75 waren die F\u00fc\u00dfe genauso kalt wie in Hamburg. Aber bis dahin eben puschelig. -10 Grad sind deutlich k\u00e4lter als -5, aber: Keiner wirft mit Bier, alle br\u00fcllen f\u00fcr das richtige Team, die Sitze sind bequemer, und ich mag die Arena einfach sehr. Mit dem Abpfiff traben 69.000 Menschen den zwei U-Bahn-Gleisen entgegen, und das Gedr\u00e4ngele h\u00e4lt sich in Grenzen. Ich kriege sogar einen Sitzplatz und diskutiere mit Probek das Thema Piratenpartei aus. Wir vergessen, unsere Wette schriftlich niederzulegen, in wievielen Parlamenten die Partei in zehn Jahren wohl sitzen wird. Ich behaupte: in keinem, argumentiere mir das aber fast selber wieder weg. \u201eMir fehlt die Kompetenz, die Berufserfahrung als Politiker.\u201c \u2013\u00a0\u201eDaf\u00fcr haben sie ja noch zehn Jahre.\u201c \u2013 \u201e\u00c4hm. Richtig. TROTZDEM.\u201c Wetteverlieren aus Bockigkeit. Werde in zehn Jahren eventuell eine Kiste Astra kaufen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Sofa, Gl\u00fchwein, Sportschau. Mal gucken, was die Konkurrenz so macht. Der bl\u00f6de BVB schl\u00e4gt das bl\u00f6de Leverkusen. Immer noch Platz 2 in der Tabelle.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Abends ins Lindwurmst\u00fcberl, <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/ankegroener\/6863209817\/\">Fleisch essen<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/ankegroener\/6863203227\/\">Bier trinken<\/a>, danach weiteres <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/ankegroener\/6863219845\/\">Biertrinken<\/a> auf dem Sofa und nebenbei erst das Sportstudio, dann arte laufen lassen (f\u00fcrs Karma). Gespr\u00e4chsthemen: Beziehungen, Emanzipation, Wagner, der Holocaust (kein Zusammenhang), eigene und fremde Lebensentw\u00fcrfe, die Schnelllebigkeit und Erwartungshaltung der Moderne, Karriereplanungen, die Frau und der Mann so an sich so, und irgendwann ist es 3 Uhr morgens und das Bier alle. Schnell noch betrunken twittern.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Ich glaube, ich habe meine benutzten Abschminkpads auf dem Waschbecken liegengelassen. Sorry, Probek! Und danke f\u00fcrs Wegr\u00e4umen. (In diesem Zusammenhang: Jungswohnungen erkennt man am miesen Schminklicht.)<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Fr\u00fchst\u00fcck. \u201eKaffee?\u201c \u2013 \u201eErstmal einen halben Liter Wasser, bitte.\u201c Probek hat Monchichi-Haare, und ich versichere ihm, dass Monchichis die total kerligen Holzf\u00e4ller unter den Stofftieren sind.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>S-Bahn-Fahrt. Sonne, blauester Blauhimmel, Glitzerschnee, der Shuffle schmei\u00dft mir Beethovens Neunte auf die Ohren. Freude. System langsam wieder auf Alltag vorbereiten.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Bordverpflegung der Lufthansa: Milka Nussini, schwarzer Tee ohne alles.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Am Terminal 2 wartet der Kerl.<br \/>\nZuhause. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Morgens ins Taxi geklettert, das mich zum Flughafen bringt. Das wirklich allererste Mal eine Fahrerin gehabt (hier k\u00f6nnte auch \u201eein Fahrer\u201c stehen, war aber eine Dame), die mich null volltextet nach \u201eWo soll&#8217;s denn hingehen\u201c und zum Schluss \u201eDas w\u00e4rn dann 18 Euro, guten Flug.\u201c Kein einziges Wort. 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