{"id":1614,"date":"2006-08-02T07:16:15","date_gmt":"2006-08-02T06:16:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=1614"},"modified":"2006-08-02T07:22:15","modified_gmt":"2006-08-02T06:22:15","slug":"durchluften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=1614","title":{"rendered":"durchl\u00fcften"},"content":{"rendered":"<p>So. Gek\u00fcndigt. Neuer Vertrag ist unterschrieben. Nur noch drei Wochen in der im Prinzip sch\u00f6nsten Agentur der Welt. Wenn doch nur die Kunden &#8230; oder ein bestimmter Kollege &#8230; wenn doch alles ein klitzekleines bisschen anders w\u00e4re, h\u00e4tte ich es gerne noch ein wenig l\u00e4nger hier ausgehalten. Nun sind die Dinge aber nun mal so, wie sie nun mal sind, und ich kann es leider nicht \u00e4ndern. Also die Kunden oder den Kollegen. Aber ich kann mich selber \u00e4ndern bzw. den Ort, an dem mein Schreibtisch steht. <\/p>\n<p>Das letzte Mal stand ich vor drei Jahren vor einem Ortswechsel. Damals war der Wunsch ziemlich gro\u00df, der Werbung Adios zu sagen und mal was anderes zu machen. Komischerweise war der Wunsch, ganz dringend wieder Werbung machen zu wollen, sofort da, als mein letzter Tag in der Agentur und der dementsprechende Tr\u00e4nenschleier sich verzogen hatten. Damals hatte eine Bewerbung gereicht, um einen neuen Job zu kriegen; diesmal musste ich mich noch weniger anstrengen, denn netterweise ist Texter ein recht krisensicherer Job, und wenn man einen halbwegs vern\u00fcnftigen Ruf hat, hinterlassen die  vielen, netten Persotanten Hamburgs ganz freiwillig Einladungen zum \u201eAch, komm doch mal vorbei, so mit M\u00e4ppchen, nur mal schnacken, irgendwelche Pl\u00e4ne?\u201c auf dem Handy. Was mich und mein kleines, memmiges Ego sehr gefreut hat. Ich habe mir mehrere L\u00e4den angeguckt, mein Bauch fand auch erstmal alles spannend und toll und Hauptsache erstmal raus hier, aber nach einigen N\u00e4chten, in denen ich \u00fcber alles geschlafen habe, bin ich eines Morgens wachgeworden und wusste ganz genau, wo ich hinwollte. Und da geh ich jetzt auch hin. Und ich freue mich sehr darauf.<\/p>\n<p>Es hat mich auch gefreut, dass es dieses Mal gar nicht zur Diskussion stand, die Werbung zu verlassen. Anscheinend mag ich meinen Job heute lieber als damals. K\u00f6nnte daran liegen, dass ich inzwischen mehr Erfahrung habe und schlicht gut in dem bin, was ich tue. Dementsprechend macht es auch mehr Spa\u00df, wenn man nicht mehr klein und doof ist und alles erfragen muss, sondern es stattdessen einfach macht und dann passt das schon.<\/p>\n<p>Die K\u00fcndigung lag, wie gesagt, nicht nur an bestimmten Kunden, sondern eher an der \u2013 auch wenn das Wort seit <em>Manitu<\/em> nicht mehr ganz so ernstgenommen werden kann \u2013 Gesamtsituation. Ich habe schon seit Wochen bzw. Monaten gemerkt, dass irgendwas in mir nicht in Ordnung ist, ohne wirklich den Finger draufpacken zu k\u00f6nnen. Leider habe ich das an der Waage gemerkt, denn die \u2013 f\u00fcr mich immer noch unglaublichen \u2013 abgenommenen <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=1411\">25 Kilo<\/a> sind inzwischen eher wieder 20. An guten Tagen hat das gesunde Essen geschmeckt \u2013 und ich wei\u00df ja auch, dass ich mich damit weitaus besser f\u00fchle als wenn ich Quatsch esse. An schlechten Tagen wusste ich das auch, aber es war mir egal, und ich wollte jetzt ganz dringend einen Becher Ben &#038; Jerry&#8217;s einatmen und eine Pizza und noch ne Runde Schokolade und Chips hinterher, um meinen Tag zu vergessen. Beziehungsweise eben einen einzigen Bl\u00f6dmann, mit dem ich arbeiten muss. Denn das ist es, was mich so kirre gemacht hat.<\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte nicht gedacht, dass es soviel Kraft kostet, sich tagt\u00e4glich mit einem Menschen auseinanderzusetzen, dessen Arbeitsweise und pers\u00f6nliche Eigenarten mir so derma\u00dfen gegen den Strich gehen wie ich es noch nie vorher erlebt habe. Ich habe zeitweilig die \u201eIch ignorier ihn einfach\u201c-Schiene ausprobiert (was aus praktischen Gr\u00fcnden nicht ging), ich habe die \u201eIch find ihn jetzt einfach nett, und wenn&#8217;s das letzte ist, was ich tue\u201c-Schiene ausprobiert (was nicht ging, weil ich kein Heiliger bin, verdammt nochmal), und ich hab die \u201eIch muss ihn ja nicht heiraten, ich muss nur mit ihm arbeiten\u201c-Schiene ausprobiert \u2013 was halbwegs ging, den langen Arbeitstag aber auch nicht gerade zu einem Vergn\u00fcgen gemacht hat. Ich habe erst verstanden, wie f\u00fcrchterlich ich die Tage finde, an denen er da ist, als ich bemerkt habe, wie sehr ich mich auf die Tage gefreut habe, an denen er nicht in der Agentur ist.<\/p>\n<p>Jetzt, da ich wei\u00df, dass es nur noch wenige Wochen sind, geht&#8217;s mir besser. Seit ein paar Tagen klappt die vern\u00fcnftige Ern\u00e4hrung wieder, ohne dass ich sie mir sch\u00f6nreden muss. Ich verliere meine Kraft nicht mehr auf sinnlosen Nebenschaupl\u00e4tzen \u2013 denn ich brauche meine Kraft eben f\u00fcr die Ern\u00e4hrungsumstellung bzw. den Umgang mit meiner Essst\u00f6rung. Ich schlafe wieder halbwegs gut (verdammte Hitze), und \u00fcberhaupt merke ich jetzt erst, dass ich mal wieder durchatmen kann. <\/p>\n<p>Wenn nun noch die Zerrung komplett abheilen w\u00fcrde, damit ich wieder den Golfschl\u00e4ger schwingen (und viele Leser mit den Schilderungen dar\u00fcber vergr\u00e4tzen) kann, w\u00e4re eigentlich alles perfekt. So ist es immerhin fast perfekt. <\/p>\n<p>Auch nicht so schlecht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So. Gek\u00fcndigt. Neuer Vertrag ist unterschrieben. Nur noch drei Wochen in der im Prinzip sch\u00f6nsten Agentur der Welt. Wenn doch nur die Kunden &#8230; oder ein bestimmter Kollege &#8230; wenn doch alles ein klitzekleines bisschen anders w\u00e4re, h\u00e4tte ich es gerne noch ein wenig l\u00e4nger hier ausgehalten. 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