{"id":17283,"date":"2012-11-24T11:08:15","date_gmt":"2012-11-24T09:08:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=17283"},"modified":"2012-11-24T11:22:00","modified_gmt":"2012-11-24T09:22:00","slug":"drei-shootings-und-der-katalog-der-daraus-entstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=17283","title":{"rendered":"Drei Shootings und der Katalog, der daraus entstand"},"content":{"rendered":"<p>Wie die meisten meiner gesch\u00e4tzten Leser_innen wissen, schreibe ich beruflich am liebsten Autokataloge. (Ich schreibe auch alles andere, aber in den Katalogen ist jedesmal Herzblut drin.) Mein Hauptarbeitgeber ist die <a href=\"http:\/\/philippundkeuntje.de\/\">Agentur<\/a>, in der ich als piepsige Juniortexterin angefangen habe, in die ich nach einem kurzen Abstecher zur <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Springer_%26_Jacoby\">Konkurrenz<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.mercedes-benz.de\/\">Mercedes-Benz<\/a> als Seniorin zur\u00fcckkam, um mich irgendwann selbst\u00e4ndig zu machen und wieder gebucht zu werden. Immer f\u00fcr einen Kunden, der bis heute mein liebster ist und es wohl auch immer bleiben wird: <a href=\"http:\/\/www.audi.de\/de\/brand\/de.html\">Audi<\/a>.<\/p>\n<p>Audi baut nicht nur sch\u00f6ne Autos, sondern stattet sie auch auf Wunsch mit Fahrhilfen f\u00fcr Menschen aus, die k\u00f6rperlich eingeschr\u00e4nkt sind. Genau f\u00fcr diese Zielgruppe produzierten wir in den letzten Monaten einen Katalog, den ich ausnahmsweise nicht nur auf meine <a href=\"http:\/\/work.ankegroener.de\/\">Arbeitsseite<\/a> packe, sondern auch hier im Blog vorstellen m\u00f6chte. In meiner pers\u00f6nlichen Hitliste kommt er direkt nach meinem <a href=\"http:\/\/work.ankegroener.de\/_pdfs\/Audi_LeMans.pdf\">Lieblingskatalog \u00fcber die 24 Stunden von Le Mans<\/a>, den ich bereits 2003 geschrieben habe. <\/p>\n<p>Was ihn f\u00fcr mich so besonders macht, ist die Herangehensweise. Ich schrieb nicht \u00fcber die \u00fcblichen Themen, die ich sonst liebevoll im Katalog abfiedele, den Motor, das Design, den Innenraum, die Neuheiten, die das Fahrzeug hat. Dieses Mal schrieb ich stattdessen \u00fcber die Menschen, die mit dem Fahrzeug unterwegs sind. <\/p>\n<p>Unsere Konzeptidee war, drei Sportler_innen vorzustellen, die die Audi-Fahrhilfen nutzen: <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/maria.kuehn.7\">Maria K\u00fchn<\/a>, Rollstuhl-Basketball, <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/vico.merklein\">Vico Merklein<\/a>, Handbike, und <a href=\"http:\/\/www.gerd-schoenfelder.de\/01home_de.php\">Gerd Sch\u00f6nfelder<\/a>, Alpinski. Daf\u00fcr wurden drei Low-Budget-Shootingtage geplant, eher spontan on location anstatt gro\u00dfe Studioproduktion, und ausnahmsweise war ich dabei. Als Texterin sitze ich eigentlich brav in der Agentur, w\u00e4hrend die Art-Fraktion unter Palmen drei Wochen lang ein Auto fotografiert. Dieses Mal guckte ich meiner Art Direktorin und dem Junior-AD dabei zu, wie sie mit dem Fotografen und seinem Assistenten Bilder komponierten. W\u00e4hrend sie sich zwischen den Aufnahmen \u00fcber die Digitalkamera beugten und die n\u00e4chsten Einstellungen diskutierten, gr\u00e4tschte ich kurz dazwischen und stellte unseren Modellen zwei, drei Fragen. Und w\u00e4hrend die anderen Mittagspause machten, schnappte ich mir die Sportler_innen und hatte jeweils eine gute Stunde Zeit, um sie mal in Ruhe auszuquetschen, wobei mir da <a href=\"http:\/\/jomagrean.com\/\">Jo Magrean<\/a>, der Fotograf, gerne \u00fcber die Schulter guckte und die Menschen fotografierte, w\u00e4hrend sie mit mir redeten. Am Anfang war ich etwas skeptisch, ob wir uns nicht st\u00e4ndig in die Quere k\u00e4men, aber schon nach wenigen Stunden des ersten Tages war ich begeistert von dieser Art des Arbeitens.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/fahrhilfen1.jpg\" alt=\"\" title=\"fahrhilfen1\" width=\"500\" height=\"669\" class=\"alignnone size-full wp-image-17288\" \/><\/p>\n<p><em>(Junior-AD, Art Direktorin, Vico, Jo, Nancy, Kundin beim ersten Blick auf die Bilder, alles beim Staatstheater Darmstadt, wo wir zuerst fotografierten.)<\/em><\/p>\n<p>Das hatte zum einen mit Jo zu tun. Meine Art Direktorin hatte ihn ausgew\u00e4hlt, weil ihr seine Art, Menschen zu fotografieren, so gut gefallen hat: Jedes Bild sieht pers\u00f6nlich aus, ungestellt, schlicht. Weit weg von der \u00fcblichen Hochglanzwerbeknipsigkeit, die wir bei diesem Projekt nicht haben wollten. Sein Assistent Matthieu ist Franzose und lebt in Spanien; mit ihm radebrechten wir auf Deutsch, Englisch, Franz\u00f6sisch und Spanisch, Jo sprach stets Franz\u00f6sisch mit ihm, dann unwillk\u00fcrlich auch mit uns, was seltsamerweise meist funktionierte, es war an allen Shootingtagen richtig warm, wir haben in Hessen und dann in Bayern unter einem stahlblauen Himmel geshootet, und so f\u00fchlte es sich ein winziges bisschen wie Urlaub an, den man mit entspannten Freunden verbringt. Denn was Jo f\u00fcr mich so gro\u00dfartig gemacht hat, war seine Art, die Menschen vor der Kamera innerhalb von unglaublichen f\u00fcnf Minuten locker zu kriegen. <\/p>\n<p>Wir hatten gerade erst Hallo gesagt, da quatschte er Maria K\u00fchn schon in ein Schwimmbad und Vico Merklein in die Sauna. Der einarmige Gerd Sch\u00f6nfelder flachste in Minutenschnelle zur\u00fcck, als er die Ansage bekam:\u00a0\u201eLass den einen Arm ruhig aus dem Autofenster h\u00e4ngen.\u201c \u2013 \u201eDen anderen auch?\u201c, Maria tauschte zwischen den Aufnahmen Shoppingtipps mit der Audi-Vertreterin am Set aus, und Vico knutschte seine Freundin Nancy, sobald kurz mal niemand was von ihm wollte. Die Atmosph\u00e4re war von Anfang an gut gelaunt und vertrauensvoll, und ich glaube nicht, dass ich das so hervorragend hinbekommen h\u00e4tte wie Jo. Das Bl\u00f6de ist: Ich wei\u00df bis heute nicht, was er genau gemacht hat, denn er hat sich an jedem Shootingtag die jeweilige Hauptperson geschnappt und ist mit ihm oder ihr vom Rest der Gruppe weggegangen. Bei Maria und Gerd nahm er auf dem Beifahrersitz Platz, w\u00e4hrend wir zum ersten Shootingort fuhren, bei Vico bestand er darauf, ihn kurz alleine fotografieren zu d\u00fcrfen. Und als wir wieder alle zusammen waren, hatte ich das Gef\u00fchl, wir seien auf einmal beste Freunde.<\/p>\n<p>Und das war das zweite Tolle am Job: die Menschen, die ich kennenlernen durfte. Bei keinem war auch nur ein Hauch Arroganz oder Langeweile zu sp\u00fcren \u2013\u00a0\u201eMeh, schon wieder so ein oller Termin, den ich wahrnehmen muss\u201c \u2013, ganz im Gegenteil. Vico hat mich mit seiner absoluten, fast zen-gleichen Ruhe beeindruckt. Egal ob er \u00fcber seinen Unfall, seinen Sport, seine Familie sprach \u2013 er wirkte, als ob ihn nichts und niemand ersch\u00fcttern kann. Umso spannender fand ich es, von ihm zu h\u00f6ren, dass er scheinbar am meisten von den dreien mit seinem neuen, anderen K\u00f6rper nach dem Unfall zu k\u00e4mpfen hatte. Maria hingegen ist ein B\u00fcndel von guter Laune; sie hatte einen Tag mit circa 33 Grad erwischt und musste mehrere Stunden lang in praller Sonne agieren. Das schien ihr alles nichts, aber auch gar nichts auszumachen, sie l\u00e4chelte und lachte zu jeder Sekunde, und nat\u00fcrlich ist es ein Foto von ihr geworden, das auf dem Titel des Katalogs landete. Bei Gerd brauchte es nur ein Grinsen, und meine Art Direktorin und ich schmolzen dahin (wie bei Vico auch). Gerd ist ein Charmeur und Showman wie aus dem Bilderbuch, und das wei\u00df er auch. Hier habe ich vor allem die stillen Momente genossen, die ich alleine mit ihm hatte. Jo und Matthieu bereiteten die n\u00e4chsten Aufnahmen vor, das Art-Team war mit der Kundin verschwunden, und ich sa\u00df mit Gerd in Jos Hotelbett und quatschte, als ob wir uns schon 20 Jahre lang kennen w\u00fcrden. Irgendwann kam Jo dazu und fotografierte, und das Foto ist auch mein liebstes von Gerd im Katalog, wo man ihn im Profil sieht, mit mir nachdenklich sprechend, das dunkle Holz des Hotelbetts im Hintergrund, das weiche Mittagslicht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/fahrhilfen2.jpg\" alt=\"\" title=\"fahrhilfen2\" width=\"500\" height=\"669\" class=\"alignnone size-full wp-image-17289\" \/><\/p>\n<p><em>(Jo und Matthieu fotografieren Maria vor dem R\u00f6mer-Kelten-Museum in Manching.)<\/em><\/p>\n<p>Beim Schreiben hatte ich die Seite <a href=\"http:\/\/leidmedien.de\/\">Leidmedien<\/a> im Hinterkopf, die netterweise gerade online ging, als ich mit dem Texten begann. Ich hoffe, mir ist nichts Bl\u00f6des durchgerutscht, keine Menschen, die an den Rollstuhl \u201egefesselt sind\u201c oder \u201eihr schweres Schicksal meistern\u201c. Unsere drei Sportler_innen haben die Texte vor der Ver\u00f6ffentlichung nat\u00fcrlich abgenickt und ich freue mich sehr dar\u00fcber, dass sie nichts daran zu bem\u00e4ngeln hatten. Jedenfalls an der 24-seitigen Version, die Audi gedruckt hat. Intern haben wir eine 32-seitige Fassung erstellt, weil wir a) so viel zu erz\u00e4hlen und b) so viele schicke Bilder hatten. Auf meiner Arbeitsseite steht der 24-Seiter, und in einem weiteren Blogeintrag steht der Text, der in der 32-seitigen Brosch\u00fcre gestanden h\u00e4tte, zusammen mit ein paar Fotos. Im Blogeintrag fehlt die \u201eVerkoofe\u201c, also die Seite, auf der die Fahrhilfen zu sehen sind. Auch das war etwas, was mich am Projekt begeistert hat: dass wir eben kein Hardselling machen mussten und auf jeder Seite das Produkt zu sehen sein musste. Nat\u00fcrlich wird Audi erw\u00e4hnt \u2013 he, es ist immer noch Werbung \u2013, aber ich finde, es liest sich trotzdem wie eine Reportage. Zumindest hoffe ich das.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/fahrhilfen3.jpg\" alt=\"\" title=\"fahrhilfen3\" width=\"500\" height=\"543\" class=\"alignnone size-full wp-image-17290\" \/><\/p>\n<p><em>(Gerd schreibt schnell noch ein paar Autogramme, nachdem wir ihn durch Bayreuth und in einen Badesee gejagt haben.)<\/em><\/p>\n<p>Bei Interesse: <a href=\"http:\/\/work.ankegroener.de\/_pdfs\/Audi_Fahrhilfen.pdf\">Hier<\/a> steht der ver\u00f6ffentlichte 24-Seiter, und <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=17298\">hier<\/a> geht es zum Blogeintrag, aus dem leider kein 32-Seiter geworden ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie die meisten meiner gesch\u00e4tzten Leser_innen wissen, schreibe ich beruflich am liebsten Autokataloge. (Ich schreibe auch alles andere, aber in den Katalogen ist jedesmal Herzblut drin.) 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