{"id":17719,"date":"2012-11-12T09:53:46","date_gmt":"2012-11-12T07:53:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=17719"},"modified":"2012-11-12T10:00:20","modified_gmt":"2012-11-12T08:00:20","slug":"november-journal-12-11-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=17719","title":{"rendered":"November-Journal, 12.11.2012"},"content":{"rendered":"<p>Morgens die totale Streberin gemacht und f\u00fcr vier Stunden im Lesesaal der Zentralbibliothek verschwunden. Alleine zwei Stunden \u00fcber Beethovens Klaviertrio Op. 1 gebr\u00fctet. Nachdem wir in der letzten Stunde den ersten Satz durchgekaut haben, kommen n\u00e4chstes Mal die letzten drei S\u00e4tze dran. Ich suchte also nach der Grundtonart, Variationen, Imitationen, lustigen Akkordfolgen, die mir irgendwas sagen wollen \u2013 und nach und nach war das ganze Notengewirr kein Notengewirr mehr, sondern eine verdammt clevere Ansammlung von Tonfolgen, die mich sogar in Schriftform begeistern konnten, ohne dass ich sie h\u00f6re. Nebeneffekt: Ich h\u00f6re jetzt auch bei Popsongs genauer hin und suche Wiederholungen, Terzen, Synkopen. Der tempor\u00e4re Mitbewohner meint: \u201eDu hast deine Unschuld verloren.\u201c Ich meine: Das ist alles sehr aufregend.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Danach zu meiner Wohnung gefahren und die Saturn-Eink\u00e4ufe von vorgestern aus ihren Pappkartons befreit. Der tempor\u00e4re Mitbewohner war von der Hochgeschwindigkeit entsetzt, mit der ich durch den Elektromarkt sprintete: Die Nespresso-Maschine hatte ich mir vorher ausgesucht, der Rest war Spontankauf. \u201eDu musst doch vergleichen, dich informieren, Testberichte lesen &#8230;\u201c (ab hier habe ich nicht mehr zugeh\u00f6rt.) Ich kaufe, was mir gef\u00e4llt. Von einem Staubsauger erwarte ich, dass er staubsaugt. Das werden wohl alle Ger\u00e4te k\u00f6nnen, die da vor mir stehen, und wenn er noch halbwegs okay aussieht und kein Monatsgehalt kostet, passt das. In nicht einmal 45 Minuten waren wir wieder drau\u00dfen. Der Mitbewohner hatte Schnappatmung und ich ein befriedigtes \u201eKeine Zeit f\u00fcr Quatsch verschwenden\u201c-Gesicht.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Meine Eltern angerufen, die immer noch etwas z\u00f6gerlich auf meinen M\u00fcnchen-Enthusiasmus reagieren. \u201eAber du hast doch so einen guten Job.\u201c Ja, Mama. \u201eDu brauchst das doch gar nicht.\u201c Nein, Mama. \u201eUnd was das kostet!\u201c Wem sagst du das, Mama. Sie versuchen sich f\u00fcr mich zu freuen, aber so ganz haut das nicht hin. <\/p>\n<p>Die beiden haben quasi ihr ganzes Leben lang gearbeitet, weswegen es f\u00fcr sie schwer nachzuvollziehen ist, wie jemand freiwillig einen Job ruhen l\u00e4sst, bei dem man mehr verdient als es die beiden jemals hinbekommen haben. Ich war aber sehr ger\u00fchrt davon, dass mein Papa mich w\u00e4hrend des ganzen <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=17347\">Immatrikulationsstresses<\/a> anrief und mir sehr lange seine Laufbahn beschrieb, w\u00e4hrend der er auch mal den Wunsch versp\u00fcrt habe, sich zu ver\u00e4ndern, etwas anderes zu machen. Hat er aber nie, und im Nachhinein war das auch die richtige Entscheidung. Dagegen konnte ich nat\u00fcrlich nicht anstinken, denn au\u00dfer \u201eIch mach das, weil ich das gerade will\u201c habe ich argumentativ nicht viel zu bieten. Wobei ich als Wohlstandskind ja eh nix zu bieten habe, was gegen die Kriegsgeneration anstinken kann. Ich wei\u00df sehr wohl, was meine Eltern geleistet haben \u2013 abgesehen von so cleveren Ideen wie die zehnj\u00e4hrige Anke in eine Wagner-Oper oder in eine Ausstellung \u00fcber \u00e4gyptische Kunst zu schleppen \u2013, und das sage ich ihnen auch. Aber umgekehrt hadern sie noch etwas damit, dass ich mich auf einmal mit Dingen \u201ehauptberuflich\u201c besch\u00e4ftigen will, die doch eher f\u00fcr die Freizeit da sind. (Stichwort \u201ebrotlose Kunst\u201c.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Morgens die totale Streberin gemacht und f\u00fcr vier Stunden im Lesesaal der Zentralbibliothek verschwunden. Alleine zwei Stunden \u00fcber Beethovens Klaviertrio Op. 1 gebr\u00fctet. Nachdem wir in der letzten Stunde den ersten Satz durchgekaut haben, kommen n\u00e4chstes Mal die letzten drei S\u00e4tze dran. Ich suchte also nach der Grundtonart, Variationen, Imitationen, lustigen Akkordfolgen, die mir irgendwas [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-17719","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17719","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17719"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17719\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17726,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17719\/revisions\/17726"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17719"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17719"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17719"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}