{"id":17762,"date":"2012-11-18T19:22:07","date_gmt":"2012-11-18T17:22:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=17762"},"modified":"2012-11-18T19:26:19","modified_gmt":"2012-11-18T17:26:19","slug":"der-rest-von-hamburg-hoheluft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=17762","title":{"rendered":"Der Rest von Hamburg \u2013 Hoheluft"},"content":{"rendered":"<p><em>(An diesem Eintrag ist Herr Buddenbohm Schuld. <a href=\"http:\/\/www.herzdamengeschichten.de\/2012\/11\/14\/der-rest-von-hamburg-kleine-korrektur-und-einladung\/\">Eins<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.herzdamengeschichten.de\/der-rest-von-hamburg\/\">zwei<\/a>.)<\/em><\/p>\n<p>Als ich 1999 von Hannover nach Hamburg zog, um Werbetextpraktikantin zu werden, war es mir egal, wo ich wohnte. Vor Twitter und in der Wild-West-Phase des Internets hatte ich immerhin herausgefunden, dass man westlich der Alster und n\u00f6rdlich der Elbe wohnen sollte, um zu den <em>cool people<\/em> zu geh\u00f6ren, und das wollen wir Werber ja alle. Also schaute ich im Hamburger Abendblatt nach Wohnungen, guckte mir eine an, sagte dem Vermieter, dass ich sie gerne haben wollte, mein V\u00e4terchen b\u00fcrgte f\u00fcr mich, und schon hatte ich die Wohnung. Die lag in Altona-Nord, ganz in der N\u00e4he des Bahnhofs, und sie war gro\u00dfartig, wenn man vom Nachbarn absah, der gerne morgens um 4 anfing, die Begleitstimme zu seinen Bluesplatten zu geben. Oder das, was er f\u00fcr die Begleistimme hielt. Anfangs trat ich gegen die Wand, dann entdeckte ich Ohropax und lebte weiter in Altona vor mich hin.<\/p>\n<p>Bis ich eines Tages im firmeneigenen Intranet eine Wohnung ins Eimsb\u00fcttel entdeckte. Sie war einen Hauch gr\u00f6\u00dfer, und weil ich inzwischen keine Praktikantin mehr war, sondern ausgewachsene Texterin, konnte ich dieses Mal auch selber die Miete zahlen. Ich sagte der Vermieterin, dass ich die Wohnung gerne h\u00e4tte, und schon hatte ich sie. Eimsb\u00fcttel also, immer noch westlich der Alster und n\u00f6rdlich der Elbe. Ein bisschen schicker als Altona-Nord und vor allem: mit scheinbar stummen Nachbarn. Ich habe nicht mal auf dem Land in der N\u00e4he von Hannover so ruhig gewohnt wie in dieser Wohnung, obwohl die Osterstra\u00dfe quasi vor meiner Haust\u00fcr lag.<\/p>\n<p>Kurz vor dem Umzug lernte ich den Kerl kennen. Der lebte verwegen in Hoheluft-West, knapp zwei Kilometer n\u00f6rdlich von mir. Der Kerl war und ist \u00fcberzeugter Fu\u00dfg\u00e4nger und streift gerne durch alle Stadtviertel, die ihm unterkommen. Dabei nutzt er seltsame Seitenstra\u00dfen, die ich nicht mal auf dem Stadtplan finde, aber er kommt immer wieder nach Hause. Ich selber ging brav die gro\u00dfe G\u00e4rtnerstra\u00dfe entlang, die mit dreimal Abbiegen direkt von mir zu ihm f\u00fchrte. Dabei musste ich die Hoheluftchaussee \u00fcberqueren, die bis heute mit einem seltsamen Fluch belegt ist. <\/p>\n<p>Die n\u00f6rdliche Stra\u00dfenseite floriert und ist voller gut gehender Gesch\u00e4fte; Buchl\u00e4den, B\u00e4cker, Floristen, Apotheken, ein Supermarkt, ein Bioladen, ein Gesch\u00e4ft f\u00fcr Schokolade, ein vietnamesisches Restaurant. Wenn man ein paar Meter weiter n\u00f6rdlich von der Hoheluftchaussee weggeht, entdeckt man den Stra\u00dfenbahnring, wo sich ein hochpreisiges M\u00f6belgesch\u00e4ft, ein wundervoller Buchladen, eine Werbeagentur und ein K\u00fcchentempel abwechseln.<\/p>\n<p>Auf der s\u00fcdlichen Stra\u00dfenseite dagegen: Untergangsstimmung. Die L\u00e4den wechseln im Jahrestakt die Besitzer, und die, die noch da sind, sind Imbisse oder Billoshops. Alles andere tauscht sich st\u00e4ndig aus oder steht ewig leer. Dieses Ph\u00e4nomen beobachtete auch der Kerl vor Jahren schon und schrieb im November 2003 einen Blogeintrag dar\u00fcber. Dieser Blogeintrag war der erste, bei dem ich dachte, dem Mann w\u00fcrdest du gerne mal <strike>die Zunge in den Hals stecken<\/strike> einen D\u00f6ner an der Hoheluftchaussee ausgeben. <\/p>\n<p>Seit Januar 2004 bezeichnen wir uns als P\u00e4rchen, und im Oktober 2006 zogen wir zusammen. Ich guckte mir drei Wohnungen an, aus denen ich bereits nach zwei Sekunden wieder rausgehen wollte, und betrat dann die vierte. Direkt an der G\u00e4rtnerstra\u00dfe, die ich schon hunderte Male zum Kerl spaziert war. Ich sagte dem Vermieter, dass wir die Wohnung gerne h\u00e4tten, und schon hatten wir sie. Der Kerl zog knapp einen Kilometer nach S\u00fcden und ich knapp einen Kilometer nach Norden \u2013 nach Hoheluft-West, dem Stadtteil der schw\u00e4rmerischen Liebe. Und der mit der seltsamsten Stra\u00dfe Hamburgs.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(An diesem Eintrag ist Herr Buddenbohm Schuld. Eins, zwei.) Als ich 1999 von Hannover nach Hamburg zog, um Werbetextpraktikantin zu werden, war es mir egal, wo ich wohnte. Vor Twitter und in der Wild-West-Phase des Internets hatte ich immerhin herausgefunden, dass man westlich der Alster und n\u00f6rdlich der Elbe wohnen sollte, um zu den cool [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-17762","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17762","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17762"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17762\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17773,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17762\/revisions\/17773"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17762"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17762"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17762"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}