{"id":17958,"date":"2012-12-11T09:56:43","date_gmt":"2012-12-11T07:56:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=17958"},"modified":"2012-12-11T10:03:15","modified_gmt":"2012-12-11T08:03:15","slug":"oh-boy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=17958","title":{"rendered":"Oh Boy"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/ohboy.jpg\" alt=\"\" title=\"ohboy\" width=\"500\" height=\"707\" class=\"alignnone size-full wp-image-17959\" \/><\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt1954701\/\">Oh Boy<\/a> (D 2012, 88 min.)<\/p>\n<p>Darsteller: Tom Schilling, Marc Hosemann, Friederike Kempter, Ulrich Noethen, Justus von Dohn\u00e1nyi, Michael Gwisdek<br \/>\nKamera: Philipp Kirsamer<br \/>\nMusik: The Major Minors<br \/>\nDrehbuch: Jan Ole Gerster<br \/>\nRegie: Jan Ole Gerster<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ohboy.x-verleih.de\/\">Trailer<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ohboy.x-verleih.de\/\">Offizielle Website<\/a><\/em><\/p>\n<p>Bei der ersten Einstellung dachte ich noch, uh, b\u00f6ser \u201eLost in Translation\u201c-Rip-Off, als ich die halbbekleidete Dame mit dem R\u00fccken zu mir im Bett liegen sah und sofort an Scarletts Hintern denken musste. Aber dieses Mal legt sich kein Bill Murray dazu, sondern Tom Schilling tut das Gegenteil: Er versucht sich davonzuschleichen, was ihm nicht gelingt. Die Dame erwacht, bittet ihn, sich doch noch mal zu setzen, die beiden plaudern schmerzhaft oberfl\u00e4chlich, bis er auf die Frage nach einem abendlichen Treffen erwidert, er habe noch zu tun. Worauf ihr liebevolles L\u00e4cheln erlischt und sie schn\u00f6de fragt, was er denn bitte zu tun habe.<\/p>\n<p>Das fragt man sich eigentlich die ganze Zeit, w\u00e4hrend \u201eOh Boy\u201c l\u00e4uft. Schilling spielt Niko, einen jungen Mann in Berlin, der sein Jurastudium abgebrochen hat und nun den Tag damit verbringt, eine Kaffeequelle aufzutun und sich von jedem in seiner N\u00e4he Feuer zu erbitten (zuhause tut es der Toaster). Dazwischen trifft er Menschen: Familie, alte Freunde, uralte Bekannte und neue Gesichter. Und diese Begegnungen, in denen so viele Lebensentw\u00fcrfe stecken, tragen den ganzen Film und retten ihn davor, einer der \u00fcblichen \u201eSlacker in Berlin\u201c-Filme zu sein. <\/p>\n<p>Da ist sein Nachbar, der nach dem \u00fcblichen An-der-T\u00fcr-Gepl\u00e4nkel mit einer Enth\u00fcllung und einem Gef\u00fchlsausbruch \u00fcberrascht, der einen zur\u00fcckschrecken l\u00e4sst \u2013\u00a0und ihn uns gleichzeitig n\u00e4her bringt. Da ist sein Kumpel Matze, der \u00fcber allem zu stehen scheint und mit seiner unersch\u00fctterlichen Gradlinigkeit einen ruhigen roten Faden in den Film bringt, der sonst vielleicht eine blo\u00dfe Nummernrevue geworden w\u00e4re. Und da ist Nikos alte Schulfreundin Julika, die sich \u00e4u\u00dferlich ver\u00e4ndert hat und innerlich noch genauso verletzt, zerrissen und unfassbar traurig ist. Gerade ihre Rolle hat mir aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden sehr gut gefallen; ich habe bei vielen ihrer S\u00e4tze den Atem angehalten, weil es sonst zu sehr weh getan h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Auch Niko muss einiges an Schmerzen wegpacken: die Konfrontation mit einigen Staatsbeamten und mit der Familie, die, wie wir wahrscheinlich alle wissen, noch anstrengender sein kann. Sein Vater hat nach zwei Jahren endlich herausgefunden, dass er Nikos Nichtstun finanziert. Jedenfalls kommt es ihm so vor. Niko dagegen erwidert auf die Frage, was er die ganze Zeit gemacht habe, schlicht, \u00fcberzeugend und ehrlich: Er habe \u00fcber sich nachgedacht. Und in diesem einen Satz verbirgt sich die ganze Naivit\u00e4t, die ganze Hoffnung und die \u00fcberbordende Zuversicht, dass alles so richtig ist und alles irgendwann gut sein wird. Im Moment sieht es zwar nicht so toll aus, ohne Freundin, ohne Geld und ohne F\u00fchrerschein und dann gibt es auch in dieser ganzen verdammten Stadt keinen Kaffee &#8230; wobei: die Stadt. Berlin ist in \u201eOh Boy\u201c mehr als nur Kulisse, aber netterweise weniger als das vielbeschworene Lebensgef\u00fchl, das sich angeblich hinter diesen Postleitzahlen verbirgt. Obwohl der Film in schwarzwei\u00df ist, scheint die Stadt zu strahlen. Sie ist eine einzige gro\u00dfe M\u00f6glichkeit mit ihren S-Bahnen und Trams, die nie stillstehen, den tiefen H\u00e4userschluchten, weiten Pl\u00e4tzen und den Menschen, Menschen, Menschen, die sich in ihr verteilen. Wen st\u00f6rt da eine fehlende EC-Karte.<\/p>\n<p>\u201eOh Boy\u201c irrlichtert zwischen Kom\u00f6die und Trag\u00f6die hin und her und er tut das mit bemerkenswerter Leichtigkeit und Konsequenz. Der letzte Mensch, den Niko nach einem langen, langen Tag trifft, fasst dann auch noch einmal alles zusammen, was die Menschheit ausmacht: Schrecken und Sch\u00f6nheit und es h\u00f6rt nie auf und es wird nie anders. Aber irgendwann kriegt Niko seinen Kaffee. Und die Stadt erwacht. Und alles wird gut.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Der <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=8865\">Bechdel-Test<\/a>:<\/p>\n<p>1. Es m\u00fcssen mindestens zwei Frauen mitspielen, die<br \/>\n2. miteinander reden<br \/>\n3. und zwar \u00fcber etwas anderes als M\u00e4nner.<\/p>\n<p>Es spielen deutlich mehr M\u00e4nner als Frauen eine tragende Rolle, und die wenigen Frauen, die dabei sind, reden nicht miteinander.  <\/p>\n<p>Test bestanden? So gar nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oh Boy (D 2012, 88 min.) 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