{"id":18032,"date":"2012-12-21T11:41:39","date_gmt":"2012-12-21T09:41:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=18032"},"modified":"2012-12-21T11:43:51","modified_gmt":"2012-12-21T09:43:51","slug":"he-bologna-listen-up","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=18032","title":{"rendered":"He, Bologna, listen up"},"content":{"rendered":"<p>Herr Buddenbohm l\u00e4sst sich von Sohn I erkl\u00e4ren, <a href=\"http:\/\/www.herzdamengeschichten.de\/2012\/12\/20\/kunst-dings-deko\/\">was Kunst ist<\/a>. Die Definition werde ich versuchen, in einer Hausarbeit unterzubringen.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eSohn I findet Kunst spannend. Mit f\u00fcnf Jahren wei\u00df man schon genug dar\u00fcber, um Kategorien von Kunst im Alltag zu erkennen. Ich habe mit ihm und seinen Freunden \u00fcber Kunst gesprochen, das war sehr erhellend. Es gibt, nach diesem Expertengremium jedenfalls, drei Kategorien von Kunst, die verbl\u00fcffend klar definiert sind: Kunst, Dings und Deko.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Frau Paradise <a href=\"http:\/\/www.julieparadise.de\/2012\/12\/20\/die-neue-im-seminar\/\">studiert ebenfalls<\/a> wieder nach l\u00e4ngerer Pause und vergleicht. In diesen S\u00e4tzen habe ich mich sehr wiedergefunden:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eNicht da\u00df ich denke, ich w\u00e4re soviel schlauer als die anderen Studenten (dann h\u00e4tte ich ja schon l\u00e4ngst fertig sein m\u00fcssen mit meinem Studium), eines bin ich sicherlich: Dankbarer. Das mag jetzt pathetisch klingen, aber den meisten ist wohl wirklich nicht bewu\u00dft, was f\u00fcr eine Riesenchance ihr Studium f\u00fcr sie bedeutet, wieviel Zeit einem praktisch geschenkt wird, zum Lernen und Finden und ja, auch Suchen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Der \u201egeschenkten Zeit\u201c muss ich allerdings kurz widersprechen. Den Aspekt habe ich in meinem <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=18014\">Vergleich<\/a> vergessen: dass neben mir 20-J\u00e4hrige sitzen, die schon im ersten Semester dar\u00fcber nachdenken, ob sie nach dem Bachelor noch einen Master dranh\u00e4ngen, denn der Bachelor z\u00e4hle ja gar nicht als \u201erichtiges\u201c Studium. Ob sie jemals einen Job bek\u00e4men, wenn sie durch die anstehenden Klausuren fielen. Ob sie noch eine dritte, vierte, f\u00fcnfte Sprache lernen m\u00fcssten. Ob ihre Praktikumswahl ihre Berufschancen beeinflusse. Und welche Kurse sie am sinnvollsten miteinander kombinieren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Und dabei blutet mir immer das Herz: dass sie von Anfang an darauf gedrillt werden, m\u00f6glichst schnell produktiv zu denken. Anstatt sich die Zeit nehmen zu k\u00f6nnen, sich mal umzugucken. Sich als Kunstgeschichtsstudi zur Abwechslung in Theologie- oder Philosophievorlesungen zu setzen. Oder im eigenen Fach in Kurse zu gehen, f\u00fcr die man keinen Schein (bzw. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/European_Credit_Transfer_System\">ECTS-Punkte<\/a>) erwerben will, sondern weil einen das Thema interessiert. <\/p>\n<p>Ich kann sie allerdings alle verstehen, denn ich pers\u00f6nlich bin \u00fcberrascht davon, wie straff getaktet das Bachelorstudium ist, wie wenig Wahlm\u00f6glichkeiten man hat und wie irrsinnig viel Wissen jede Woche \u00fcber uns ausgekippt wird \u2013 und wir m\u00fcssen es doof auswendig lernen. In meinen Kursen schreibe ich gerade mal eine Hausarbeit sowie ein wissenschaftliches Protokoll, in denen ich selbst\u00e4ndig denken darf \u2013 ansonsten warten drei Klausuren auf mich, in denen ich gr\u00f6\u00dftenteils per Multiple Choice gepr\u00fcft werde, ob ich mir auch ja gemerkt habe, wann <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/St._Michael_(Hildesheim)\">St. Michael in Hildesheim<\/a> gebaut wurde oder wann Mozart den <em><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Figaros_Hochzeit\">Figaro<\/a><\/em> komponierte. <\/p>\n<p>Das kenne ich aus dem Magisterstudium ganz anders. Ja, das hat l\u00e4nger gedauert. Ja, man konnte da sehr viel rumschlumpfen. Aber ja, verdammt, man konnte davon auch sehr viel mitnehmen. Das Bachelorstudium ist f\u00fcr mich die kapitalistische Variante von Wissenserwerb \u2013 es kommt eher auf den Erwerb als auf das Wissen an. Und das bedauere ich pers\u00f6nlich an jedem Unitag sehr. Ich als Luxusstudentin, die das aus Spa\u00df an der Freud macht, ziehe nat\u00fcrlich trotzdem noch viel aus jeder Stunde, aber ich ahne, dass das f\u00fcr die Erststudierenden mit viel weniger Freude und stattdessen mit viel mehr Leistungsdruck verbunden ist. Daher kann ich jede\/n verstehen, der oder die sich die Rosinen rauspickt, die am wenigsten Arbeit machen, denn hey, die machen immer noch genug Arbeit. Mir erscheint das Bachelorstudium als eine sehr bl\u00f6de Verschlimmbesserung des Systems Universit\u00e4t, aber vielleicht trauere ich auch nur dem langsameren Tempo des Magisters hinterher. Ich frage mich allerdings aus meiner Warte der \u00e4lteren Dame, die schon einiges an Kollegen und Kolleginnen in verschiedenen Jobs mitgekriegt hat, ob ich wirklich mit hektisch fertiggewordenen Karrierestudis arbeiten m\u00f6chte oder eher mit Menschen, die die Zeit hatten, sich selbst und ihre F\u00e4higkeiten und Vorlieben entdecken zu k\u00f6nnen. Die sind n\u00e4mlich im allt\u00e4glichen Umgang weitaus entspannter. Und wissen meistens auch mehr, aber das mag mein pers\u00f6nliches Vorurteil sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Buddenbohm l\u00e4sst sich von Sohn I erkl\u00e4ren, was Kunst ist. Die Definition werde ich versuchen, in einer Hausarbeit unterzubringen. \u201eSohn I findet Kunst spannend. Mit f\u00fcnf Jahren wei\u00df man schon genug dar\u00fcber, um Kategorien von Kunst im Alltag zu erkennen. Ich habe mit ihm und seinen Freunden \u00fcber Kunst gesprochen, das war sehr erhellend. 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