{"id":18271,"date":"2013-01-11T12:20:33","date_gmt":"2013-01-11T10:20:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=18271"},"modified":"2013-01-11T12:20:33","modified_gmt":"2013-01-11T10:20:33","slug":"quote-vlravery-long-read-anyway","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=18271","title":{"rendered":"< quote > vl;ra\/Very long, read anyway"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>\u201eWir haben oben schon darauf hingewiesen, dass das Kunstwerk im Gegensatz zur face-to-face-Kommunikation eine asymmetrische Kommunikation ausl\u00f6st. Diese Feststellung ist eine relative, denn totale Asymmetrie kennt die Kommunikationstheorie nicht \u2013 immer muss ein Gegen\u00fcber anerkannt werden, immer muss ein gemeinsamer Bezugsrahmen angesprochen sein. Im Falle der \u00e4sthetischen Kommunikation erweist sich die relative Asymmetrie als Antrieb, den Betrachter nicht nur zu disponieren \u2013 durch \u00e4u\u00dfere Vorgaben, deren Ber\u00fccksichtigung vorausgesetzt wird \u2013, sondern auch zu stimulieren, zu aktivieren, am Aufbau des Werks zu beteiligen. Dies geschieht durch die Art und Weise, wie der Betrachter an der innerbildlichen Kommunikation beteiligt ist. Genauer: Wie er an einer Kommunikation teilnimmt, an der er nur als Betrachter, nicht als Akteur beteiligt sein kann. Die <em>innere Kommunikation<\/em>, das, was wir h\u00e4ufig Darstellung, Komposition, Handlung nennen, besteht aus \u201eMenschen, die sich Zeichen geben [&#8230;], Dinge[n], die Zeichen sind [&#8230;], Vorg\u00e4nge[n], die selbst schon Kommunikation sind oder zumindest von Kommunikation begleitet werden oder aber der Gegenstand von Kommunikation sind, die von den Menschen im Bild gemacht wird.\u201c(1) Im Unterschied zu den meisten Formen der Alltagskommunikation ist f\u00fcr die inner\u00e4sthetische Kommunikation wesentlich, dass sie unter den Augen von Betrachtern stattfindet. \u201eIn das Medium sind bestimmte Formen eingelegt, die die Wahrnehmung der Zuschauer, die Weise, in der sie auf die innere Kommunikation schauen, organisieren; die innere Kommunikation wird <em>pr\u00e4sentiert<\/em>, und zwar so, dass sie nicht nur das bedeutet, was sie ohne Zuschauer f\u00fcr die beteiligten Akteure der inneren Kommunikation bedeuten w\u00fcrde, sondern dass sie eine zus\u00e4tzliche Bedeutung hat, die gerade aus dem Umstand der Anwesenheit von Zuschauern resultiert.\u201c(2)\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>(1) Bitomsky, H.: <em>Die R\u00f6te des Rots von Technicolor. Kinorealit\u00e4t und Produktionswirklichkeit<\/em>, Neuwied\/Darmstadt 1972, S. 30.<br \/>\n(2) ebd., S. 105.<\/p>\n<p>Kemp, Wolfgang: <em>Kunstwerk und Betrachter: Der rezeptions\u00e4sthetische Ansatz<\/em>, in: Belting, Hans u.a. (Hrsg.): <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3496013877\/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&#038;tag=httpwwwankegr-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3496013877\">Kunstgeschichte: Eine Einf\u00fchrung<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3496013877\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/em>, Berlin 1985, 7. u\u0308berarbeitete Auflage 2008, S. 252\/253.<\/p>\n<p>Ich bin sehr in das Buch verliebt, wie man vielleicht merkt. Es rei\u00dft so viele Themen an, die unbewusst mitschwingen, wenn ich mich mit Kunst auseinandersetze, die ich aber noch nie in Worte gefasst gelesen habe. Und es zeigt mir gleichzeitig viele neue Perspektiven und Denkans\u00e4tze auf, die bisher noch nicht in meiner Wahrnehmung stattfanden. Zum Beispiel, dass Bildbeschreibungen ein bisschen wie Architekturtanzen ist:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eInterpretationen werden gesprochen oder geschrieben, die Werke der bildenden Kunst sind aber gezeichnet, gemei\u00dfelt, gegossen, gemalt, gebaut, montiert; und die Schrift ist nicht ihr Darstellungsmittel, auch wenn sie in Signaturen und Inschriften auftritt. Wir neigen dazu, die Unterschiedlichkeit der Darstellungsmittel zu verwischen mit einer Reihe von Metaphern: Wir sprechen vom Lesen oder von der Lekt\u00fcre der Bilder, als w\u00e4ren sie Texte, wir lesen von \u201earchitecture parlante\u201c und von \u201epeinture parlante\u201c. Wir sprechen von der Aussage eines Bildes, als k\u00f6nnte es die sprachliche Darstellung eines Sachverhaltes sein, und wir bemerken, dass ein Bild uns \u201enichts sagt\u201c, wenn wir meinen, dass es uns gleichg\u00fcltig sei. (&#8230;) Mit der Metaphorik vom Sprechen der Werke, die auf die Antike zur\u00fcckgeht, \u00e4u\u00dfern wir den Wunsch, das Kerygma, die an uns gerichtete Botschaft der Werke, zu entziffern und zu h\u00f6ren \u2013 k\u00fchler gesagt, ihren \u201eAppell\u201c zu erfahren. (&#8230;)<\/p>\n<p><em>Das Verstehen der Werke setzt die Unterbrechung der fl\u00fcchtigen Wahrnehmung und des allt\u00e4glichen Gebrauchs der Werke voraus und kommt in Gang durch die Feststellung der Unverst\u00e4ndlichkeit der Werke.<\/em> <\/p>\n<p>(&#8230;) Wir erkennen im \u201eAppell\u201c oder in unserem Unverst\u00e4ndnis die Aufforderung, mit der T\u00e4tigkeit des Verstehens zu beginnen. Wir k\u00f6nnen das Verstehen von Werken der bildenden Kunst allgemein als jene T\u00e4tigkeit umschreiben, durch die wir unser Unverst\u00e4ndnis beseitigen wollen. Wir unterscheiden den \u201eAppell\u201c der Werke, der sich an unser Verstehen richtet, von der Aufforderung an unser Verhalten, die z.B. von Plakaten ausgeht und zum Konsum von diesem oder jenem Bier leiten will. Ich glaube auch, dass wir einen Unterschied machen m\u00fcssen zwischen dem Verstehen von Werken der bildenden Kunst und dem Verstehen beim Lesen von Texten. Klaus Weimar hat das Verstehen beim Lesen (den Vorgriff auf die folgenden S\u00e4tze und den R\u00fcckgriff auf das Gelesene) als einen \u201egeistigen Reflex\u201c bezeichnet: Das Verstehen beim Lesen kann man nicht willentlich unterdr\u00fccken, es sei denn, man h\u00f6rt auf zu lesen.(3) Dagegen kann man Werke der bildenden Kunst gebrauchen oder wahrnehmen, ohne die T\u00e4tigkeit des Verstehens zu beginnen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>(3) Weimar, Klaus: <em>Enzyklop\u00e4die<\/em>, \u00a7\u00a7 285\u2013297<\/p>\n<p>B\u00e4tschmann, Oskar: <em>Anleitung zur Interpretation: Kunstgeschichtliche Hermeneutik<\/em>, in: Belting, Hans: ebd, S. 201\/202.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWir haben oben schon darauf hingewiesen, dass das Kunstwerk im Gegensatz zur face-to-face-Kommunikation eine asymmetrische Kommunikation ausl\u00f6st. 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