{"id":18682,"date":"2013-03-19T09:40:58","date_gmt":"2013-03-19T07:40:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=18682"},"modified":"2013-03-19T09:40:58","modified_gmt":"2013-03-19T07:40:58","slug":"girls","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=18682","title":{"rendered":"Girls"},"content":{"rendered":"<p>Von <em><a href=\"http:\/\/www.hbo.com\/girls\/index.html\">Girls<\/a><\/em> ist gerade die zweite Staffel in den USA zuende gegangen, und ich bin jetzt schon hibbelig auf die dritte, obwohl sie noch nicht einmal gedreht ist. W\u00e4hrend der ersten ein, zwei Folgen habe ich etwas fassungslos vor dem Rechner gesessen, weil ich derartiges noch nie gesehen habe. Dachte ich. Bis mir auffiel: Ich habe derartiges noch nie mit <em>weiblichen<\/em> Hauptdarstellern gesehen.<\/p>\n<p>In <em>Girls<\/em> geht es um vier junge Frauen in ihren 20ern in New York, die mit ihren Jobs, ihren Beziehungen und dem ganzen Rest klarkommen m\u00fcssen. In vielen Kommentaren, die ich nur \u00fcberflogen habe, because Kommentare eben, wird die Show als <em>self-indulgent<\/em> bezeichnet, v\u00f6llig \u00fcberzeichnet, von vier neurotischen Charakteren wird gesprochen, bl\u00f6des Weibergequatsche, unlustig, doof und dann ist die Hauptdarstellerin auch noch h\u00e4sslich. Und da steckt f\u00fcr mich das Gro\u00dfartige in der Show. Wenn es in der Sendung um vier junge M\u00e4nner ginge, die in New York mit ihren Jobs, ihren Beziehungen und dem ganzen Rest klarkommen m\u00fcssen, h\u00e4tte man das ganze sehr wahrscheinlich als lebensechte <em>coming-of-age<\/em>-Story bezeichnet, als schonungsloses Abbild einer verlorenen Generation mit tiefsinnigen Dialogen und was wei\u00df ich noch. Aber da es Frauen sind, ist es eben selbstbezogene Nabelschau. Ged\u00f6ns. I call bullshit.<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich finde alle Charaktere hinrei\u00dfend, weil sie mir stimmig vorkommen. Das musste sich allerdings erst entwickeln; in den ersten Folgen hatten alle M\u00e4dels bei mir sofort einen Stempel weg: M\u00f6chtegern-Schriftstellerin, Definiert-sich-\u00fcber-ihren-Freund, Hippie, Uptown-Girlie. Das stimmt alles zum Teil, aber eben nur zum Teil. Denn die M\u00f6chtegern-Schriftstellerin Hannah ist au\u00dferdem jemand, die Rollen ausprobiert, auch sexuell, nur um zu gucken, was alles geht \u2013\u00a0und dabei schaue ich ihr ausgesprochen gerne zu, weil sie mir nicht wie ein kleines M\u00e4dchen vorkommt, das nicht wei\u00df, was sie will, sondern wie eine selbstbewusste junge Frau, die ihre Pers\u00f6nlichkeit erst noch ausformulieren muss. Lena Dunham ist <em>creator<\/em> der Show, hat die meisten B\u00fccher (mit-)geschrieben und oft genug f\u00fchrt sie auch Regie. Ihre Figur Hannah haut mich in jeder Folge um, weil sie mich immer wieder \u00fcberrascht \u2013\u00a0und sich dabei immer treu bleibt.<\/p>\n<p>Wof\u00fcr ich ihr au\u00dferdem stets die F\u00fc\u00dfe k\u00fcssen m\u00f6chte: dass sie ihren nicht-hollywoodgerechten K\u00f6rper gnadenlos einsetzt. Die Folgen, in denen wir mal nicht ihre Br\u00fcste sehen, kann man, glaube ich, an einer Hand abz\u00e4hlen. Und wo ich mich sonst gerne \u00fcber nutzlose Nacktheit aufrege, ging mir das hier ganz anders, weil ich hier einen K\u00f6rper zu Gesicht bekomme, der nicht den \u00fcblichen Barbie-Ma\u00dfen entspricht. <\/p>\n<p>Noch toller: dass dieses ganze K\u00f6rperding so gut wie nie thematisiert wird. In jeder, ich werfe das mal so in den Raum, wirklich jeder anderen Show, in der irgendeine Frau mitspielt, die eine pers\u00f6nliche Entwicklung durchlebt, kommt irgendwann ein Satz in die Richtung \u201eSehe ich in dieser Hose fett aus?\u201c <em>Sex and the City<\/em> (wird gerne als \u201eerwachsene\u201c Ausgabe von <em>Girls<\/em> genannt, und nichts k\u00f6nnte falscher sein) hat sechs Staffeln aus dieser Schei\u00dffrage gemacht. In den 20 bisherigen Folgen von <em>Girls<\/em> gibt es eine einzige Szene, in der \u00fcber dieses Thema gesprochen wird \u2013 als Adam, Hannahs Freund, ihr w\u00fctend zu verstehen geben will, dass sie gerade ein bisschen \u00fcbertreibt: <\/p>\n<blockquote><p>\u2013 &#8220;You think cause you&#8217;re, what&#8230; 11 pounds overweight, you know struggle?&#8221;<br \/>\n\u2013 &#8220;I&#8217;m <em>13 pounds<\/em> overweight, and it has been awful for me my whole life!&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Satz steht da, aber wir haben noch nie gesehen, dass ihr K\u00f6rper f\u00fcr Hannah irgendwie <em>awful<\/em> gewesen ist, ganz im Gegenteil. Ich liebe die Szene, in der sie an ihrer kleinen Speckrolle rumknetet, und ich liebe es, dass sie, Achtung, Figurberater_innensprech, des \u00d6fteren \u201eunvorteilhafte\u201c Kleidung tr\u00e4gt, schlicht weil ihr der Begriff \u201eunvorteilhaft\u201c ziemlich schei\u00dfegal sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Auch die anderen drei, denen ich voreilig einen Charakter gegeben hatte, entpuppen sich als viel mehr. Definiert-sich-\u00fcber-ihren-Freund muckt irgendwann auf und stellt fest, dass ihr Kerl und alles, was mit ihm zu tun hat, nicht mehr dem entspricht, was sie gerne h\u00e4tte \u2013 wobei sie erstmal rausfinden muss, was sie denn \u00fcberhaupt gerne h\u00e4tte. Die Hippietante, die immer so frei und ungebunden r\u00fcberkommt, stellt fest, dass in ihr vieles steckt, was sie bisher nonchalant weggekifft und weggefickt hat, und aus dem Uptown-Girlie wird irgendwann eine Frau (wobei mir Shoshanna noch am wenigsten gut gezeichnet ist, die kommt ein bisschen zu kurz bei den vieren).<\/p>\n<p>Zu den vier Frauen kommen nach und nach m\u00e4nnliche Bezugspunkte, die aber fast immer genau das bleiben: Bezugspunkte. Nebenrollen. Sie sind wichtig, aber die Show geh\u00f6rt den Frauen. Es gibt eine Folge (die netterweise <em>Boys<\/em> hei\u00dft), in der Adam und Ray mal ein paar Szenen zusammen haben. Und da fiel mir auf, dass ich nach 15 wundervollen Folgen das erste Mal eine Szene sehe, in der keine einzige Frau mitspielt.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, ob <em>Girls<\/em> eine Kom\u00f6die sein soll, ein Drama, ein bewegtes Tagebuch. Ich finde die Show nicht lustig, aber stellenweise muss ich laut lachen. Ich werde nicht so fies gef\u00fchlsmanipuliert wie in den \u00fcblichen TV-Dramen, wo ich irgendwann brav zum Taschentuch greife, wenn der Soundtrack es von mir verlangt; stattdessen hat <em>Girls<\/em> viele Szenen, bei denen ich kurz die Luft anhalten muss, weil mich die Story, der Dialog oder idealerweise beides zusammen v\u00f6llig fasziniert haben, weil sie neu sind, ungewohnt, ungesehen, ungef\u00fchlt. <em>Girls<\/em> erz\u00e4hlt f\u00fcr mich ein paar sehr allt\u00e4gliche Geschichten auf eine absolut nicht-allt\u00e4gliche Weise. Und ich hoffe, die Serie macht genau so weiter, wie sie gerade aufgeh\u00f6rt hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Girls ist gerade die zweite Staffel in den USA zuende gegangen, und ich bin jetzt schon hibbelig auf die dritte, obwohl sie noch nicht einmal gedreht ist. W\u00e4hrend der ersten ein, zwei Folgen habe ich etwas fassungslos vor dem Rechner gesessen, weil ich derartiges noch nie gesehen habe. Dachte ich. 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