{"id":18831,"date":"2013-04-03T07:58:21","date_gmt":"2013-04-03T05:58:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=18831"},"modified":"2013-04-03T10:14:27","modified_gmt":"2013-04-03T08:14:27","slug":"lobhudelei-auf-das-wallraf-richartz-museum-mit-kleinen-abzugen-in-der-b-note","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=18831","title":{"rendered":"Lobhudelei auf das K\u00f6lner Wallraf-Richartz-Museum mit kleinen Abz\u00fcgen in der B-Note"},"content":{"rendered":"<p>Bei meinem K\u00f6lnbesuch vor knapp zwei Wochen schaute ich mir nicht nur <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=18702\">den Dom interessiert an<\/a>, sondern auch die Mittelalterabteilung im <a href=\"http:\/\/www.wallraf.museum\/\">Wallraf-Richartz-Museum<\/a>. Dabei fiel mir auf, wie klug die Werke pr\u00e4sentiert wurden \u2013\u00a0und wie gut die Texte dazu waren. Ich war mehr mit Gucken besch\u00e4ftigt als mit Knipsen, daher habe ich weder die Werke noch ihre Beschriftungen mit dem iPhone geschnappschusst; da m\u00fcssen wir jetzt durch, und ihr m\u00fcsst mir einfach mal glauben. Oder ihr geht selbst im Museum vorbei und korrigiert mich notfalls, was f\u00fcr uns alle das Beste w\u00e4re.<\/p>\n<p>Die normale H\u00e4ngung in Museen, soweit ich das beurteilen kann, ist gerne nach K\u00fcnstlern und K\u00fcnstlerinnen geordnet, die sich zudem in einem Raum mit weiteren Menschen aus ihrer Epoche oder ihrer Stilrichtung befinden. Gerne h\u00e4ngt auch alles in zeitlicher Anordnung, so dass man von alt nach neu oder umgekehrt spazieren kann. Das kenne ich am besten von der Alten Pinakothek: Wenn man rechts die Treppe vom Eingang hochgeht, kommen zuerst die \u201eneuen\u201c Franzosen, wenn man links hochgeht, zuerst die \u201ealten\u201c Niederl\u00e4nder. Und je nachdem, zu wem ich gerade dringend will, wei\u00df ich inzwischen, wo ich hochrennen muss. (Der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/D%C3%BCrers_Selbstbildnisse#Selbstbildnis_im_Pelzrock_.28M.C3.BCnchner_Selbstbildnis.29\">sch\u00f6nste D\u00fcrer von allen<\/a> h\u00e4ngt links, danach kommen gleich die <a href=\"http:\/\/www.pinakothek.de\/alte-pinakothek\/die-sammlung\/rundgang\/obergeschoss-saal-iv\">Raffaels<\/a>. #servicetweet)<\/p>\n<p>Die meisten Museen bieten Audioguides an, die ich auch gerne nutze, gerade weil an den Werken nur das N\u00f6tigste steht: K\u00fcnstler oder K\u00fcnstlerin, Lebensdaten, manchmal das Ankaufdatum. Wobei mich pers\u00f6nlich eher der Zeitraum interessiert, in dem das Bild entstanden ist anstatt der, in dem der Maler oder die Malerin gelebt hat. Das steht seltsamerweise recht selten dabei. Wenn ich richtig gesehen habe, hat das Wallraf-Richartz-Museum keine Audioguides; daf\u00fcr steht in jedem Raum eine Sitzlandschaft, in die ein Bildschirm eingelassen ist. Dort kann man sich bestimmt was total Funkyges angucken; auch das habe ich nicht ausprobiert, denn ich war mit den Texten schon gl\u00fccklich genug. <\/p>\n<p>Was mich so beeindruckt hat, war die Logik, die die gesch\u00e4tzt 100 Werke zusammenhielt. Jeder Raum hatte ein Thema, und das wurde per Schrifttafel auf deutsch und englisch erkl\u00e4rt: wissenschaftlich genug, um mir was Neues zu bieten (ich habe in den letzten Monaten recht viel \u00fcber dieses Thema gelesen \u2013 nicht dass ich mir einbilde, schon wirklich was zu wissen) und popul\u00e4r genug, um den Text bis zum Ende lesen zu wollen. Teilweise mit \u00dcberschriften, die ich nicht unbedingt in einem Museum erwartet h\u00e4tte. So war ein Text \u00fcber das j\u00fcngste Gericht (?) mit <em>Apocalypse Now<\/em> \u00fcbertitelt. Die Themen begannen mit \u201eDie Erfindung der Kunst\u201c, wo erkl\u00e4rt wurde, wann ungef\u00e4hr die ersten transportablen Bildnisse entstanden und welchen Eindruck diese meist auf strahlendem Goldgrund gemalten Werke auf die Betrachter hatten. (Ich wiederhole mich: Ich zitiere wild aus der Erinnerung.) Dann gab es einen Raum, in dem sich ausschlie\u00dflich Fl\u00fcgelalt\u00e4re befanden. Die Texttafel informierte \u00fcber die Besonderheit von Triptychen, ihre r\u00e4umliche Aufteilung und ihr Bildprogramm. Nette Zusatzidee: Die Sitzgelegenheiten in diesem Raum waren Kirchenb\u00e4nke.<\/p>\n<p>Einschub: Bei den Alt\u00e4ren bzw. Bildwerken, die gleich mehrere Geschichten auf einmal erz\u00e4hlen, ist mir aufgefallen, wieviel dann doch in den letzten Monaten schon an ikonografischen Grundkenntnissen h\u00e4ngengeblieben ist. Vor den meisten gro\u00dfformatigen Werken begann ich im Kopf automatisch den Jesus-Countdown und beschrieb mir selbst, was ich sah: Verk\u00fcndigung an Maria (Taube, Lilie, Engel), manchmal der Kindermord von Bethlehem, Flucht nach \u00c4gypten (Esel 1), Geburt, die Heiligen Drei K\u00f6nige, Darbringung im Tempel (Mama streckt einem alten Mann ein Baby entgegen), das eine oder andere illustrierte Gleichnis, ab und zu der Einzug nach Jerusalem (Esel 2), Abendmahl, Judaskuss, Gei\u00dfels\u00e4ule\/Dornenkrone\/Mantel (Arschloch-Soldaten, viel Blut), <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ecce_homo\">Ecce Homo<\/a> (viele Menschen, viel Blut), der kreuztragende Jesus (kreuztragender Jesus, viel Blut), Kreuzigung, Kreuzabnahme, Wiederauferstehung (stehender Jesus im steinernen Sarg, schlafende Soldaten, wehende Fahne, mal rotes Kreuz auf wei\u00dfem Grund, mal umgekehrt \u2013 wissen D\u00e4nemark und England davon?) und damit h\u00f6rt die Bilderfolge meistens auf. Einschub Ende.<\/p>\n<p>Ein Raum besch\u00e4ftigte sich mit den ersten Privatportr\u00e4ts, was mir pers\u00f6nlich besonders gut gefiel, weil ich genau dar\u00fcber gerade ein sch\u00f6nes Seminar hatte; ein Raum ist dem Lokalhelden <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stefan_Lochner\">Stefan Lochner<\/a> vorbehalten, der zeitlich und ikonografisch sehr stimmig in den ganzen Rundgang eingeordnet war. Ein anderer Raum informierte \u00fcber weitere K\u00f6lner K\u00fcnstler und \u00fcberhaupt den Kunst- und Kirchenstandort K\u00f6ln (was sich bedingte), ein weiterer \u00fcber die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hl._Ursula\">Heilige Ursula<\/a>, wiederum ein anderer hatte den bildlichen Schwerpunkt \u201eVision und Wirklichkeit\u201c. <\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zu der gro\u00dfen Tafeln, die einen groben \u00dcberblick schufen, informierten an einigen Gem\u00e4lden und Alt\u00e4ren noch weitere kurze Texte \u00fcber die jeweiligen Besonderheiten. Da gab es zum Beispiel einmal eine Erkl\u00e4rung zu den erhaben gestalteten, \u201egeriffelten\u201c Nimbussen, die lustigerweise mit der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Girolle\">Girolle<\/a> erkl\u00e4rt wurden (ja, das musste ich googeln), mit der runder K\u00e4se geschabt wird. Ein Satz wies mich darauf hin, dass mir diese Art der Heiligenscheingestaltung in der Ausstellung noch \u00f6fter begegnen w\u00fcrde, was nat\u00fcrlich dazu f\u00fchrte, dass ich zus\u00e4tzlich zu all den anderen Details, nach denen ich inzwischen suchte, auch noch auf den Nimbus achtete. Toll.<\/p>\n<p>Ich habe mich selten so umfassend und doch so unangestrengt von einem Museum informiert gef\u00fchlt, und wenn ich nicht nach zwei Stunden mit Gold und Marias und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schmerzensmann\">Schmerzensm\u00e4nnern<\/a> vollgepackt gewesen w\u00e4re, h\u00e4tte ich mir gerne auch noch Barock und Impressionismus geg\u00f6nnt, einfach um zu gucken, ob die anderen R\u00e4ume auch so toll sind. Beim n\u00e4chsten Mal.<\/p>\n<p>Ein bisschen habe ich aber doch zu quengeln: Als ich an der Kasse nach einer Erm\u00e4\u00dfigung f\u00fcr Studierende fragte, antwortete mir der durchaus freundliche Herr, dass es keine g\u00e4be. Das wunderte mich zwar, aber ich nahm das mal so hin, bezahlte meine acht Euro und genoss die Kunst.<\/p>\n<p>Auf der Website las ich aber nachtr\u00e4glich, dass Studis nat\u00fcrlich g\u00fcnstiger reinkommen und Studierende der Kunstgeschichte sogar umsonst. Und sogar ohne dusselige Altersbeschr\u00e4nkung, wie sie zum Beispiel die <a href=\"http:\/\/www.hamburger-kunsthalle.de\/index.php\">Hamburger Kunsthalle<\/a> hat; da darf man nur verg\u00fcnstigt rein, wenn man unter 27 ist, ganz egal was man studiert.<\/p>\n<p>Ich n\u00f6rgele jetzt nicht wegen der acht Euro \u2013 ich habe f\u00fcnf Minuten nach dem Museumsbesuch 4,50 Euro f\u00fcr einen Becher Kaffee gel\u00f6hnt, ohne mit der Wimper zu zucken. Mich nervt es nur, dass mir so d\u00e4mlich ins Gesicht gelogen wurde. Wenn ich schon nach einer Erm\u00e4\u00dfigung frage, werde ich wohl auch einen Grund daf\u00fcr haben. Ich nutze meinen Studiausweis f\u00fcr nix, ich will nicht billiger in Filme oder Schwimmb\u00e4der, aber ja, in Museen will ich f\u00fcr weniger Geld oder f\u00fcr lau. Ich finanziere mir gerade eine nicht besonders g\u00fcnstige Ausbildungsvariante, und wenn ich mir schon FCB- und Staatsoperkarten verkneife, w\u00fcrde ich mir gerne was anderes g\u00f6nnen. So wie ein tolles Museum. Das n\u00e4chste Mal z\u00fccke ich gleich den Ausweis, anstatt freundlich zu fragen, denn ich will auf jeden Fall noch mal hin. Und in den Dom sowieso. In den darf man \u00fcbrigens umsonst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei meinem K\u00f6lnbesuch vor knapp zwei Wochen schaute ich mir nicht nur den Dom interessiert an, sondern auch die Mittelalterabteilung im Wallraf-Richartz-Museum. Dabei fiel mir auf, wie klug die Werke pr\u00e4sentiert wurden \u2013\u00a0und wie gut die Texte dazu waren. 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