{"id":18892,"date":"2013-04-11T10:58:12","date_gmt":"2013-04-11T08:58:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=18892"},"modified":"2013-04-11T14:57:09","modified_gmt":"2013-04-11T12:57:09","slug":"the-first-rule-of-food-club-isyou-do-not-talk-about-food-club","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=18892","title":{"rendered":"The first rule of Food Club is:<br>You do not talk about Food Club."},"content":{"rendered":"<p>Isa schreibt gerade <a href=\"http:\/\/isabelbogdan.de\/2013\/04\/05\/besser-ist-das\/\">eine sch\u00f6ne Serie<\/a> \u00fcber das bessere Leben. Also das bewusstere, vielleicht auch ges\u00fcndere, aber das ist egal, erstmal geht&#8217;s um Bewusstmachen von Dingen, die wir gerne ausblenden. <a href=\"http:\/\/isabelbogdan.de\/2013\/04\/07\/besser-ist-das-fleisch\/\">Fleischkonsum<\/a> und was alles an Ekligem dahintersteckt, zum Beispiel.<\/p>\n<p>Jenny schrieb am Dienstag einen <a href=\"http:\/\/isabelbogdan.de\/2013\/04\/08\/gastbeitrag-von-wegen-vegan\/\">Gastbeitrag<\/a>, in dem sie \u00fcber ein Experiment berichtet, das ihr Mann und sie gerade durchf\u00fchren: einen Monat lang vegan zu leben. Bei der Lekt\u00fcre fiel mir wieder einmal auf, wie ungern ich solche Texte lese, selbst wenn ich ihre Intention sch\u00e4tze und sie gut geschrieben sind. Aber bei S\u00e4tzen wie \u201eda kommen harte Zeiten auf mich zu\u201c oder \u201eHeute ist das Schlumpf-Lakritz-Keksregal tabu\u201c zieht sich bei mir innerlich alles zusammen.<\/p>\n<p>Ich kommentierte schon dr\u00fcben und ich sage das noch mal: Ich wei\u00df, dass Jennys Artikel kein Di\u00e4tartikel ist und sie schreibt auch sehr deutlich, dass ihr jede Hinwendung in diese Richtung, zum Beispiel bei einem veganen Kochbuch, richtig auf den Zeiger geht. Trotzdem macht sie mit ihrer Nahrungsumstellung nat\u00fcrlich nichts anderes: Sie verkneift sich bestimmte Lebensmittel, obwohl sie Lust darauf h\u00e4tte. Aus welchem Grund sie das tut, ist f\u00fcr mich als Leserin erstmal egal, bei mir kommt nur an: Ich verzichte gerade auf was.<\/p>\n<p>Seit meinem Foodcoaching und dem Gutfinden meines eigenen K\u00f6rpers, das einfach so lustig passiert ist, ohne dass ich damit gerechnet h\u00e4tte, habe ich nie wieder auf irgendetwas verzichtet. Anfangs ploppte immer noch das Di\u00e4tteufelchen auf, das ich psychotisch jahrzehntelang als Di\u00e4tengelchen bezeichnete, und fl\u00fcsterte bei jeder Avocado was von Fettgehalt oder bei Pizza was von Kalorien oder bei Schokolade was von OMGwirwerdenallesterben. Ich h\u00f6rte dem Teufelchen nat\u00fcrlich zu, denn ich habe ihm schlie\u00dflich sehr lange brav zugeh\u00f6rt, aber dann nahm ich allen Mut zusammen und sagte: \u201eMir ist es 25 Jahre lang schlecht gegangen, weil ich auf dich und deine beknackten Phobien geh\u00f6rt habe. Jetzt geht&#8217;s mir so gut wie nie zuvor, also halt&#8217; die Fresse und hunger&#8217; wen anders aus.\u201c Und dann a\u00df ich Avocados und Pizza und Schokolade und nahm dabei sogar ab, aber das war sehr egal, denn ich war gl\u00fccklich damit besch\u00e4ftigt, alles, was mit Essen zu tun hat, toll zu finden anstatt f\u00fcrchterlich.<\/p>\n<p>Dabei ist es geblieben. Allerdings gab es auch hier Entwicklungen. Direkt nach der <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=9854\">Foer-Lekt\u00fcre<\/a> fuhr ich meinen Fleischkonsum extrem runter bzw. lebte eine Zeitlang wirklich vegetarisch. Zumindest in den eigenen vier W\u00e4nden. Wenn ich abends essen ging, orderte ich durchaus schon mal ein Steak. Vegan habe ich nie gelebt, dazu esse ich zu gerne K\u00e4se und kippe zu viel Milch in den Kaffee. Gem\u00fcse wurde brav beim Bioladen oder auf dem Markt gekauft, bis die eigene Bequemlichkeit zuschlug und doch wieder die Gew\u00e4chshauspaprika im K\u00f6rbchen landete. Was mir allerdings auffiel: Die schmeckte genauso gut wie die aus dem Biosupermarkt \u2013 manchmal sogar besser. Und das ist schlie\u00dflich irgendwann mein Kompass geworden: Was schmeckt mir?<\/p>\n<p>Nachdem ich jahrzehntelang Di\u00e4tschei\u00df in mich reingeworfen habe, der genauso schmeckt wie er hei\u00dft, genoss ich mit seligem L\u00e4cheln 3,5-prozentige Milch und 42-prozentigen K\u00e4se statt der 0,3-Pl\u00f6rre und den Chemobr\u00f6seln, die sich \u201efettreduziert\u201c nennen. Jetzt wo ich wei\u00df, wie toll Gem\u00fcse schmeckt, indem man es in Oliven\u00f6l anbr\u00e4t anstatt in fettfreiem Pfannenspray, genie\u00dfe ich auch hier in vollen Z\u00fcgen. Und wenn die Milch und das Gem\u00fcse nicht bio sind, ist mir das, Vorsicht, b\u00f6ses Wort: egal. Eigentlich kaufe ich wirklich nur Kartoffeln bewusst in Bio-Qualit\u00e4t, weil ich wei\u00df, dass sie besser schmecken, und Eier, weil das kein Aufwand ist; die liegen ja direkt neben den schlimmen Eiern. Bei allem anderen achte ich zuerst auf den Geschmack und dann auf die Herkunft. Und so leid mir das f\u00fcr viele Biobauern und -b\u00e4uerinnen tut: Mir schmeckt manches unbiologische Lebensmittel besser als ihre Produkte. <\/p>\n<p>Auch Gem\u00fcsekisten,  ob nun bio oder nicht, haben bei mir keine Chance. Hier spielt ebenfalls meine Di\u00e4terfahrung eine Rolle. Ich habe mich recht lange an Ern\u00e4hrungspl\u00e4ne gehalten, habe Tagebuch dar\u00fcber gef\u00fchrt, was ich esse, habe wochenweise eingekauft, um blo\u00df nicht in Versuchung zu geraten, in den Supermarkt zu m\u00fcssen, wo die b\u00f6se Schokolade auf mich lauert. Generell finde ich die Idee von Gem\u00fcsekisten genial und sie k\u00e4me auch meiner Faulheit entgegen, was schwere T\u00fcten in den zweiten Stock zu schleppen, betrifft, aber: Ich habe dann eben Zeug f\u00fcr eine Woche im Haus und muss das irgendwie wegbekommen. Das f\u00fchlt sich f\u00fcr mich genauso an wie eine Woche nach Plan zu leben, und genau das will ich nicht mehr. Ich genie\u00dfe die Freiheit sehr, mehrmals in der Woche in den Supermarkt gehen zu k\u00f6nnen und spontan zu entscheiden, <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/ankegroener\/\">was ich abends kochen werde<\/a>. Wenn ich in der Agentur sitze, bekomme ich meist gegen 17 Uhr Hunger und \u00fcberlege dann, worauf ich jetzt gerade, in diesem Moment, Lust habe. Und genau das wird dann gekauft. Meist bleiben Reste f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag, oder ich kaufe Kram, den man f\u00fcr zwei Rezepte verwenden kann; auch gut. Aber ich plane nie mehr als einen Tag im Voraus. Und ich genie\u00dfe das mehr, als ihr euch wahrscheinlich vorstellen k\u00f6nnt.<\/p>\n<p>Ich habe so lange verzichtet bzw. vollkommen bescheuerte Essensregeln eingehalten, dass ich darauf schlicht keine Lust mehr habe. Ich will mir nichts mehr verkneifen, sondern ganz im Gegenteil alles mitnehmen, was geht. Dass das manchmal (oder, wenn ich ehrlich bin, meistens) auf Kosten von Biolebensmitteln geht, ist mir klar. Die einzige Einschr\u00e4nkung, die ich hinnehme, ist Fleisch, das ich selbst zubereite. Da wird fast ausnahmslos Bioware gekauft \u2013\u00a0aber auch hier gilt: \u201efast\u201c. Letzte Woche hatte ich f\u00fcrchterlichen Schmacht auf eine Cabanossi, und die habe ich nicht gefragt, ob sie von einem gl\u00fccklichen Tier kommt oder nicht. Und wenn ich essen gehe, frage ich das mein Schnitzel auch recht selten.<\/p>\n<p>Das klingt jetzt wahrscheinlich etwas \u00fcberraschend f\u00fcr einige von euch, denn in meinem Buch schreibe ich ja sch\u00f6n was von Bio und M\u00e4rkten. Ich schreibe aber auch den Satz, der bei mir alles in Bewegung gesetzt hat und den ich f\u00fcr den wichtigsten im ganzen Buch halte \u2013 das sich, ich sollte das vielleicht noch mal sagen, an dicke Menschen richtet, die den ganzen Tag damit besch\u00e4ftigt sind, sich mies zu f\u00fchlen, und nicht an Menschen, die aus anderen Gr\u00fcnden \u00fcber ihr Essen nachdenken. Der Satz lautet: \u201eDu darfst alles essen, was du willst.\u201c Ohne schlechtes Gewissen, ohne mich selbst daf\u00fcr runterzumachen, ohne mir etwas vorzuwerfen. Deswegen stellen sich bei Artikeln wie den oben beschriebenen immer sofort meine Nackenhaare hoch, weil sie von Verzicht reden. Ich bin mir sicher, dass die meisten Menschen, die bewusst vegetarisch oder vegan leben, das nicht tun, um sich in Selbstvorw\u00fcrfen zu winden, wenn doch mal Fleisch oder Milchprodukte auf dem Teller landen, weil es jetzt in diesem Moment nicht anders geht, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer. Deswegen ist das nat\u00fcrlich eine andere Rangehensweise an Essen als die, die ich jahrelang gepflegt habe. Aber noch einmal: Der Grundtenor ist der gleiche \u2013 ich verzichte auf etwas, ich versage mir etwas. Ich glaube, dass Verzicht leichter ist, wenn er aus moralischen Gr\u00fcnden geschieht, aber er bleibt ein Verzicht. <\/p>\n<p>Der einzige Verzicht, den ich leiste, ist der, mir mieses Essen zu verkneifen. Ich bestelle nur, was mir schmeckt, genau wie ich nur mit Zutaten koche, die mir schmecken. Klingt nach einem selbstverst\u00e4ndlichen Satz, aber jeder, der mal versucht hat, im Rahmen eines Di\u00e4tplans lauter Leckerzeug mit lauter Null-Kalorienzeug zu ersetzen, wei\u00df, was ich meine. Dann bereitet man aus Eiwei\u00df statt ganzem Ei, S\u00fc\u00dfstoff und fettreduzierter Milch einen Pfannkuchen zu und br\u00e4t ihn ohne Fett an, und der schmeckt dann nat\u00fcrlich genau so wie ihr euch das gerade vorstellt. Das tut man, weil es von den Kalorien in den Plan passt, und den Plan interessiert es nicht, ob es mir schmeckt. Arschlochplan.<\/p>\n<p>Ich knobele seit drei Tagen an diesem Blogeintrag rum, ohne genau zu wissen, was eigentlich mein Punkt ist. (Wolf Schneider w\u00fcrde mich erschie\u00dfen.) Ich glaube, mein Punkt ist: Ich freue mich, dass andere sich den Luxus erlauben, sich beim Essen Dinge zu verkneifen. Das ist ein Luxus, denn wir leben in einer \u00dcberflussgesellschaft. Niemand muss sich etwas verkneifen; wenn wir das tun, hat das Gr\u00fcnde, wovon Di\u00e4t der beknackteste ist und Moral ein ziemlich guter. Ich w\u00fcrde gerne einer dieser moralischen Menschen sein, aber ich muss mir nach fast vier Jahren \u201eNormal\u201cessens eingestehen, dass ich es nicht bin. Mir pers\u00f6nlich ist es wichtiger, nach Jahren der idiotischen Futterpl\u00e4ne genussvoll zu essen. Das kann ich vor mir damit rechtfertigen, dass es mir seit dem Foodcoaching endlich gut geht mit mir und meinem K\u00f6rper und meiner Nahrung. Das kann ich allerdings nicht vor den Masttieren rechtfertigen, der miesen Umweltbilanz meines Tropenobstes oder den Milchk\u00fchen. Damit muss ich leben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Isa schreibt gerade eine sch\u00f6ne Serie \u00fcber das bessere Leben. Also das bewusstere, vielleicht auch ges\u00fcndere, aber das ist egal, erstmal geht&#8217;s um Bewusstmachen von Dingen, die wir gerne ausblenden. Fleischkonsum und was alles an Ekligem dahintersteckt, zum Beispiel. 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