{"id":20074,"date":"2013-11-06T17:49:00","date_gmt":"2013-11-06T15:49:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=20074"},"modified":"2013-11-07T00:05:37","modified_gmt":"2013-11-06T22:05:37","slug":"kunstgeschichte-live","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=20074","title":{"rendered":"Kunstgeschichte live"},"content":{"rendered":"<p>(Very long, read anyway.)<\/p>\n<p>Ich erw\u00e4hnte in meinem <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=19986\">ersten<\/a> Blogeintrag zum neuen Semester eines meiner <a href=\"https:\/\/lsf.verwaltung.uni-muenchen.de\/qisserver\/rds?state=verpublish&#038;status=init&#038;vmfile=no&#038;publishid=463807&#038;moduleCall=webInfo&#038;publishConfFile=webInfo&#038;publishSubDir=veranstaltung\">Seminare<\/a> \u201eProvenienzforschung. Einf\u00fchrung, \u00dcberblick, Perspektiven\u201c und was wir dort so lernen. Es erh\u00e4lt durch den <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/kunst\/2013-11\/kunstraub-muenchen\">Kunstfund<\/a> in M\u00fcnchen gerade nat\u00fcrlich eine sehr aktuelle Dimension, die auch im Kurs diskutiert wurde.<\/p>\n<p>In den ersten Sitzungen sprachen wir \u00fcber die Hintergr\u00fcnde von Restitution \u2013 also die R\u00fcckgabe oder Erstattung von Kulturg\u00fctern, die verfolgungsbedingt entzogen wurden. (Mit dieser Formulierung umgeht man das unsch\u00f6ne Wort \u201eRaubkunst\u201c, das zum Beispiel Kunsthandwerk, M\u00f6bel oder B\u00fccher nicht einbezieht, die nat\u00fcrlich auch massenweise geraubt wurden.) Wir lernten die <a href=\"http:\/\/www.state.gov\/p\/eur\/rt\/hlcst\/122038.htm\">Washington Principles<\/a> kennen, in denen 1998 eine \u00dcbereinkunft zwischen verschiedenen L\u00e4ndern erreicht wurde, wie mit diesen Kulturg\u00fctern zu verfahren sei. Dort steht unter anderem, dass nicht restituierte G\u00fcter identifiziert, \u00f6ffentlich gemacht werden und Anstrengungen unternommen werden sollten, sie zur\u00fcckzugeben. Dort steht aber auch, dass man die Umst\u00e4nde des Holocaust (Ausrottung kompletter Erbenfamilien) und die inzwischen verstrichene Zeit nicht vergessen sollte. Angestrebt werden \u201egerechte und faire\u201c L\u00f6sungen, die auch finanzielle Entsch\u00e4digungen bedeuten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir lernten die Website <a href=\"http:\/\/www.lostart.de\/Webs\/DE\/Start\/Index.html\">Lost Art<\/a> kennen, auf der die Bundesrepublik ein Register geschaffen hat, in dem Kulturg\u00fcter als vermisst oder aufgefunden <a href=\"http:\/\/www.lostart.de\/Webs\/DE\/Datenbank\/Index.html;jsessionid=D7B605BBDABABB91DAC75BF5587C0A71\">gemeldet<\/a> werden k\u00f6nnen. Auf der Seite finden sich zus\u00e4tzlich diverse Hilfsmittel zur Provenienzrecherche, zum Beispiel eine kleine <a href=\"http:\/\/www.lostart.de\/Content\/051_ProvenienzRaubkunst\/DE\/Quellen.html\">Auflistung<\/a> der Reichsgesetze, mit denen der Entzug von Kulturg\u00fctern rechtlich verbr\u00e4mt wurde oder eine sehr ausf\u00fchrliche und stets aktuelle <a href=\"http:\/\/www.lostart.de\/Webs\/DE\/Infocenter\/Bibliographie.html\">Bibliografie<\/a> zu Raub- und Beutekunst.<\/p>\n<p>Vergangenen Mittwoch fand im <a href=\"http:\/\/www.zikg.eu\/\">Zentralinstitut f\u00fcr Kunstgeschichte<\/a> ein Kolloquium zum Thema statt, das uns Kursteilnehmern und -teilnehmerinnen dringend ans Herz gelegt wurde. Zu Recht, denn das waren sehr spannende vier Stunden. Verschiedene <a href=\"http:\/\/www.zikg.eu\/veranstaltungen\/pdf\/programm-provenienz-iv\">Redner und Rednerinnen<\/a> informierten \u00fcber den Forschungsstand bzw. ihre Projekte. So berichtete eine Mitarbeiterin der Bayerischen Staatsbibliothek \u00fcber ihre Versuche, B\u00fccher zu restituieren, die damals direkt von der Gestapo eingeliefert wurden (so nach dem Motto, wir haben hier ein paar Kisten B\u00fccher, enjoy), bei denen sie anhand von Widmungen und Einwohnerdaten versuchte, die Besitzer herauszufinden. Auch das klang schon im Seminar an: Die verschiedenen Arten, wie Kulturg\u00fcter entwendet und weitergegeben wurden. In meinem Referat habe ich mich mit der Datenbank <a href=\"http:\/\/www.arthistoricum.net\/themen\/themenportale\/german-sales\/\">German Sales 1930\u20131945<\/a> befasst, in der 3.000 Auktionskataloge digitalisiert und als durchsuchbare Textdateien aufbereitet wurden. Ich lernte unter anderem, dass Auktionen nicht nur von Auktionsh\u00e4usern durchgef\u00fchrt wurden, sondern teilweise von Zoll und Gestapo, die ganz simpel die Container \u00f6ffneten, die am Hamburger Hafen standen, w\u00e4hrend ihre Besitzer ausreisten (hoffentlich). Wenn j\u00fcdische Familien verschleppt wurden, fielen ihre Wohnungen an die Finanz\u00e4mter der jeweiligen St\u00e4dte, die gemeinsame Sache mit den Gerichtsvollziehern machten und unter der Hand G\u00fcter losschlugen. Die US-amerikanische Milit\u00e4rregierung sch\u00e4tzt, dass seit 1941 \u00fcber 15.000 Versteigerungen stattgefunden haben; daher sind die 3.000 Kataloge nur ein winziger Einblick in die Massen von Waren, die geraubt und verkauft wurden. (Mehr zu diesem Thema steht <a href=\"http:\/\/www.arthistoricum.net\/themen\/portale\/german-sales\/auktionsmarkt\/\">hier<\/a>; meine Infos habe ich auch aus diesem Text.)<\/p>\n<p>Ein weiterer Vortrag auf dem Kolloquium berichtete \u00fcber \u201eRussische Kunst in deutscher Hand \u2013 Ansichten zu einer Ausstellung in Pskov 1943\u201c, wo es um russische Kunst ging, die von Deutschen zusammengetragen wurde (ich hoffe, ich erinnere mich richtig). Der sogenannte milit\u00e4rische <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kunstschutz\">Kunstschutz<\/a> war \u2013 in Verkennung seines eigentlichen Auftrags, siehe den Wikipedia-Link \u2013 in den besetzten Gebieten daf\u00fcr zust\u00e4ndig, Kunst f\u00fcr deutsche Museen zusammenzutragen; dabei wurde anfangs weitaus mehr Sorgfalt gewahrt als in den letzten Kriegsjahren, wo zum Beispiel Bilder teilweise aus den Rahmen gerissen und mitgenommen oder Werke schlicht zerst\u00f6rt wurden, um sie der n\u00e4herr\u00fcckenden Roten Armee zu entziehen. Die Werke, die f\u00fcr die Ausstellung zusammengetragen wurden, stammen auch aus verschiedenen Quellen, die wiedergefunden werden m\u00fcssen. Und Teile davon landeten wahrscheinlich in deutschen Museen, wo sie heute unbehelligt ausgestellt werden. Ein Problem der Z\u00e4sur 1945: Teilweise wurden Kulturg\u00fcter vor Kriegsende in Depots geschafft, um sie vor Zerst\u00f6rung zu sch\u00fctzen, aber erst nach Kriegsende in Museen oder Bibliotheken inventarisiert. Es ist teilweise nicht mehr feststellbar, wann ein Kunstwerk wohin eingeliefert wurde geschweige denn, woher es stammt.<\/p>\n<p>Den vorletzten Vortrag des Kolloquiums hielt eine unserer Dozentinnen, deren Dissertation zum Thema auch als Buch <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3412208078\/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3412208078&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21\">Kunsthandel im Nationalsozialismus: Adolf Weinm\u00fcller in M\u00fcnchen und Wien<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3412208078\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/em> erh\u00e4ltlich ist (Affiliate Link). Sie besch\u00e4ftigt sich seit Jahren mit dem Auktionshaus Weinm\u00fcller, deren heutige Leiterin als einzige (!) von allen Auktionsh\u00e4usern Deutschlands die Geschichte ihres Hauses erforschen l\u00e4sst. Der Rest war wahrscheinlich zw\u00f6lf Jahre lang irgendwie nicht da.<\/p>\n<p>Der letzte Vortrag f\u00fchrte dann wieder in die Gegenwart \u2013 es ging um den Datenschutz bei der Provenienzforschung. So gibt es durchaus Nachfahren, die den Namen ihrer Gro\u00dfeltern aus der Datenbank von Lost Art haben entfernen lassen, weil sie nicht m\u00f6chten, dass irgendjemand sieht, dass Opa Raubkunst gekauft hat. Dabei stellt sich nat\u00fcrlich die Frage, wie weit das Allgemeinwohl bzw. die Aufkl\u00e4rung Vorrang hat vor Pers\u00f6nlichkeitsrecht. \u00dcber Lost Art wurde auch in der anschlie\u00dfenden Diskussion gesprochen: Es wurde ein Fall eines Gem\u00e4ldes skizziert, das zweimal als vermisst gemeldet wurde \u2013\u00a0von einem ersten Besitzer, der es (die Zahlen sind erfunden, aber die Richtung stimmt) 1935 verkaufen musste und einem zweiten, der es 1938 verkaufen musste. Wem geh\u00f6rt das Bild? Wessen Leiden ist gr\u00f6\u00dfer, wer hat mehr Anspruch darauf?<\/p>\n<p>Das war der Mittwoch. Ich bereitete lustig mein Referat vor, das ich Montag halten sollte, als Sonntag pl\u00f6tzlich die Nachrichten \u00fcber den M\u00fcnchner Kunstfund aufschlugen. (Nebenbei, liebe effektheischende Headlines: \u201eNazikunst\u201c ist es eben nicht.) Im Laufe des Tages schickten unsere Dozierenden auch lustig Mails mit den Schlagzeilen rum, und die Begr\u00fc\u00dfung am Montag ging in die gleiche Richtung: \u201eWenn Sie geglaubt haben, dass Kunstgeschichte ein Orchideenfach im Elfenbeinturm ist, lernen Sie gerade dazu.\u201c Und 30 Menschen im Proseminar hatten auf einmal einen neuen Berufswunsch.<\/p>\n<p>Wieder gab es Referate, unter anderem meins \u2013 wenn ihr selbst mal lustig durch alte Kataloge suchen wollt: <a href=\"http:\/\/piprod.getty.edu\/starweb\/pi\/servlet.starweb?path=pi\/pi.web\">hier<\/a> ist die Suchmaske des <a href=\"http:\/\/www.getty.edu\/research\/tools\/provenance\/index.html\">Getty Provenance Index<\/a>, <a href=\"http:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/de\/sammlungen\/artsales.html\">hier<\/a> die der UB Heidelberg, die 200.000 Katalogseiten eingescannt hat. (Edit:) Man kann bei der UB Heidelberg \u00fcbrigens auch nach Stichworten suchen: Bei \u201earisch\u201c erh\u00e4lt man des \u00d6fteren den Hinweis auf \u201enicht-arische\u201c G\u00fcter, die versteigert wurden. Dieser Hinweis musste ab 1938 (? Nagelt mich nicht auf das Jahr fest) angegeben werden, war aber gleichzeitig ein verklausulierter Hinweis darauf, dass diese Gegenst\u00e4nde wahrscheinlich g\u00fcnstiger zu haben sind als \u201earische\u201c. <\/p>\n<p>Ein weiteres Referat zeigte die <a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/sammlungen\/datenbanken_ns_archivalien.html\">Datenbanken<\/a> des Deutschen Historischen Museums in Berlin, bei dem man durch die Sammlung Hermann G\u00f6rings suchen, alle Karteikarten des Central Collecting Points in M\u00fcnchen angucken oder sich mit den St\u00fccken des \u201eSonderauftrag Linz\u201c befassen kann. Im Central Collecting Point wurden alle G\u00fcter der amerikanischen Besatzungszone zusammengetragen; der Sonderauftrag Linz galt einem zu errichtenden Museum in Linz, mit dem Hitler Wien Konkurrenz machen wollte, das ihn ja nicht als Maler hatte haben wollen. (Historisch halbwegs fundierte K\u00fcchenpsychologie.)<\/p>\n<p>Ein weiteres Referat befasste sich dann mit der internationalen Provenienzforschung. Das klang in einigen Zeitungsartikeln an, dass Deutschland sich gef\u00e4lligst mal mehr M\u00fche geben sollte, wenn&#8217;s um Restitution ginge. Ich w\u00fcrde vorsichtig behaupten, dass Deutschland das inzwischen tut, obwohl es der ehemaligen Bundesrepublik ziemlich lange ziemlich egal war und es auch nicht als selbstverst\u00e4ndlich oder moralische Verpflichtung ansah; Umfragen Anfang der 50er Jahre sahen Wiedergutmachung nicht als zentrales Anliegen, das \u00e4nderte sich aber netterweise in den letzten Jahrzehnten. In der DDR widersprach die Restitution der \u201ePolitik der Sozialisierung des Volkseigentums\u201c (1); zus\u00e4tzlich gingen in den sowjetisch besetzten Gebieten Kunstwerke direkt nach dem Krieg eher in Richtung Moskau als in Richtung Schwerin, Berlin oder Dresden, genau wie komplette Fabriken, wir erinnern uns an die lustigen Reparationen. Auf der <a href=\"http:\/\/www.holocausteraassets.eu\/\">Holocaust Era Asset Conference<\/a> 2009 in Prag wurde erstmals <a href=\"http:\/\/www.claimscon.org\/forms\/prague\/looted-art.pdf\">festgehalten<\/a>, welche L\u00e4nder sich besonders oder \u00fcberhaupt nicht hervortun bei der Provenienzrecherche. Die vier L\u00e4nder, die <em>major progress<\/em> gemacht haben, sind \u00d6sterreich, die Tschechische Republik, Deutschland und die Niederlande. Vielleicht \u00fcberraschend, aber in der letzten Gruppe (\u201ecountries that do not appear to have made significant progress towards implementing the Washington Conference Principles on Nazi-Confiscated Art\u201c) befinden sich unter anderem Italien und Spanien, denen bekannt ist, dass sie \u201eRaubkunst\u201c in ihren Museen haben, es aber anscheinend nicht \u00e4ndern m\u00f6chten.<\/p>\n<p>In Deutschland gibt es, wie erw\u00e4hnt, Lost Art als zentrale Anlaufstelle f\u00fcr diese Kulturg\u00fcter. Die Datenbank ist zwar nett, hat aber nat\u00fcrlich das Problem, dass sie nur funktioniert, wenn ihr Daten zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Wenn man unter dem Men\u00fcpunkt \u201eDatenbank\u201c weiterklickt zu Bayern \u2013 Melder\/Fund \u2013 Staatliche Gem\u00e4ldesammlung \u2013 Objektgruppen \u2013 <a href=\"http:\/\/www.lostart.de\/Webs\/DE\/Datenbank\/ObjektgruppeFund.html?cms_param=OBJGRP_ID%3D17938\">Malerei (125 Objekte)<\/a> gelangt man zwar zu einer h\u00fcbschen Liste, aber die steht auch nur da, weil die Gem\u00e4ldesammlung jemanden hat, der oder die Zeit und Ahnung hat, diese Liste zu erstellen. Die Gem\u00e4ldesammlung hat \u00fcbrigens gleichzeitig 607 Gem\u00e4lde als <a href=\"http:\/\/www.lostart.de\/Webs\/DE\/Datenbank\/ObjektgruppeVerlust.html?cms_param=OBJGRP_ID%3D25529\">vermisst<\/a> gemeldet. Gegenbeispiel: Das Ministerium f\u00fcr Kultur und Nationalerbe in Warschau hat gerade <a href=\"http:\/\/www.lostart.de\/Webs\/DE\/Datenbank\/InstitutionVerlust.html?cms_param=menu%3Dobjgrp%26INST_ID%3D11717#id52126\">ein Bild<\/a> in ganz Polen als vermisst gemeldet, und ich kann mir nicht vorstellen, dass das die Zahl der fehlenden Kunstwerke im Land ist. Das meine ich mit \u201edaf\u00fcr muss man Zeit, Kenntnisse und Mittel haben\u201c.<\/p>\n<p>Das Mus\u00e9es Nationaux R\u00e9cup\u00e9ration in Frankreich hat eine recht clever gestaltete Website, bei der man sich durch Kunstwerke klicken und nachschauen kann, ob sie bereits restituiert wurden oder nicht. <a href=\"http:\/\/www.culture.gouv.fr\/documentation\/mnr\/MnR-jdp.htm\">Hier<\/a> ist die Startseite, bei der man die teilweise nachl\u00e4ssig gef\u00fcllten Raume des <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Galerie_nationale_du_Jeu_de_Paume\">Jeu de Paume<\/a> w\u00e4hrend der Besetzung von Paris sieht; klickt man einen Raum an, sind dort wiederum die Werke klickbar und sogar perspektivisch entzerrt, so dass man auch so nach ihnen suchen kann. Die Links f\u00fchren zum <a href=\"http:\/\/www.errproject.org\/jeudepaume\/\">errproject<\/a>, bei dem \u201e20.000 w\u00e4hrend der deutschen Besetzung in Frankreich und Belgien geraubte Kunstobjekte registriert sind\u201c (Zitat von <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/raubkunst-datenbank-eroeffnet-erschuetternd-nuechtern-1.1013269\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>In \u00d6sterreich liegt die Datenbank beim <a href=\"http:\/\/de.nationalfonds.org\/\">Nationalfond f\u00fcr Opfer des Nationalsozialismus<\/a>, in den Niederlanden bei <a href=\"http:\/\/www.herkomstgezocht.nl\/index.html\">Herkomst Gezocht<\/a> (Herkunft unbekannt).<\/p>\n<p>Ich besch\u00e4ftige mich gerade seit vier Wochen mit diesem Themenkomplex und bin durch den Kunstfund von M\u00fcnchen gleichzeitig fasziniert und abgeschreckt davon, was in dem Bereich passiert bzw. wie die \u00d6ffentlichkeit reagiert. Bei den \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen im Spon-Forum las ich zum Beispiel, dass man dem Sammler dankbar sein m\u00fcsste, weil er die Werke vor den Nazis gerettet habe. Okay, Hase: Geh bitte vor die T\u00fcr, denk kurz nach und dann komm noch mal rein. Au\u00dferdem kamen nat\u00fcrlich des \u00d6fteren die Klassiker \u201eEs muss doch irgendwann mal gut sein\u201c und \u201eAber die Russen haben uns auch beklaut\u201c, was beides bei kurzsichtiger Betrachtungsweise berechtigt scheint, was aber die Einzigartigkeit des Holocausts und seiner Begleitumst\u00e4nde verkennt. Wenn man sich durch die diversen Reichsgesetze und Verordnungen liest, wird klar, dass hier eine Volksgruppe systematisch um ihren Besitz gebracht werden sollte. Und wenn wir als Kunsthistoriker und Kunsthistorikerinnen auch nur ein winziges bisschen dazu beitragen k\u00f6nnen, dieses Unrecht in Ans\u00e4tzen zu mildern, dann ist es eben nicht irgendwann mal gut, denn es <em>kann<\/em> nicht irgendwann mal wieder gut sein.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDer Wert des Lebens ist weder in Ziffern auszudr\u00fccken noch in Gold aufzuwiegen. Er ist nicht quantifizierbar und insofern auch nicht verhandelbar. So kommt es, dass mit der Rede \u00fcber Sachen die Rede \u00fcber die ermordeten Menschen ersetzt wird. Sie wird diskursiv substituiert. Den restituierten Dingen ist der Schatten der einst \u00fcber sie verf\u00fcgenden Menschen eingeschrieben. <\/p>\n<p>Der Genozid zieht eine merkw\u00fcrdige, eine kategoriale Transformation nach sich: Die Transformation von individuell nicht mehr zu realisierenden privateigent\u00fcmlichen Anspr\u00fcchen in den kollektiven Anspruch einer sich hierf\u00fcr konstituierenden K\u00f6rperschaft. Hier handelt es sich um die K\u00f6rperschaft eines \u201ej\u00fcdischen Volkes\u201c, das \u2013 als kollektive Rechtsnachfolge erbenlos gemachten individuellen Eigentums \u2013 Anspruch erhebt und darin von anderen, vor allem aber von den Beanspruchten, anerkannt wurde. (&#8230;)<\/p>\n<p>Das durch den Charakter dieses Genozids individuell nicht mehr restituierbare, erbenlose Eigentum hatte sich aus ethischen Gr\u00fcnden \u2013 um das Geraubte nicht einfach den M\u00f6rdern und R\u00e4ubern zu \u00fcberlassen und somit die Aneignung durch Unterlassen wom\u00f6glich noch zu rechtfertigen \u2013 notwendig in ein kollektives j\u00fcdisches Gut verwandelt.\u201c (2)<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>(1) Goschler, Constantin: <em>Zwei Wellen der Restitution: Die R\u00fcckgabe j\u00fcdischen Eigentums nach 1945 und 1990<\/em>, in: Bertz, Inka, Dorrmann, Michael (Hrsg.): <em>Raub und Restitution. Kulturgut aus j\u00fcdischem Besitz von 1933 bis heute<\/em>, Begleitbuch zur Ausstellung des J\u00fcdischen Museums Berlin in Zusammenarbeit mit dem J\u00fcdischen Museum Frankfurt am Main; 19. September 2008 bis 25. Januar 2009 (Berlin), 22. April bis 2. August 2009 (Frankfurt am Main)], S. 30.<\/p>\n<p>(2) Diner, Dan: <em>Restitution. \u00dcber die Suche des Eigentums nach seinem Eigent\u00fcmer<\/em>, ebd., S. 18\/19.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Very long, read anyway.) Ich erw\u00e4hnte in meinem ersten Blogeintrag zum neuen Semester eines meiner Seminare \u201eProvenienzforschung. Einf\u00fchrung, \u00dcberblick, Perspektiven\u201c und was wir dort so lernen. Es erh\u00e4lt durch den Kunstfund in M\u00fcnchen gerade nat\u00fcrlich eine sehr aktuelle Dimension, die auch im Kurs diskutiert wurde. 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