{"id":20606,"date":"2014-03-31T09:04:00","date_gmt":"2014-03-31T07:04:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=20606"},"modified":"2014-12-25T12:21:12","modified_gmt":"2014-12-25T10:21:12","slug":"bucher-januar-marz-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=20606","title":{"rendered":"B\u00fccher Januar\u2013M\u00e4rz 2014"},"content":{"rendered":"<p>Meine Leseliste nimmt erschreckend kurze Formen an \u2013 das sah vor meinem Studium <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=15477\">ganz anders<\/a> aus. Aber seitdem steckt mein Hirn eben eher in Fachb\u00fcchern, Aufs\u00e4tzen und Texten, die uns die Dozierenden als zentimeterdicken Reader vorlegen. Ich lese das alles sehr gerne, aber dar\u00fcber kommt die Nebenbeilekt\u00fcre anscheinend v\u00f6llig unter die R\u00e4der. Aber hey: F\u00fcr vier B\u00fccher hat&#8217;s gereicht. Okay, eigentlich drei, das Geschichtsbuch habe ich an einem Tag als Klausurvorbereitung gelesen, aber sonst ist die Liste echt zu l\u00e4cherlich f\u00fcr meine Verh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/keun.png\" alt=\"keun\" width=\"500\" height=\"572\" class=\"alignnone size-full wp-image-20833\" \/><\/p>\n<p><strong>Irmgard Keun \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3548602673\/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3548602673&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21\">Gilgi &#8211; eine von uns<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3548602673\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Warum ich das Buch lesen wollte, habe ich schon mal <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=20409\">beschrieben<\/a>, und was ich mir erhofft hatte, ist eingetreten: Ich habe einen sehr pers\u00f6nlichen Einblick in eine zu dem Zeitpunkt neue weibliche Art der Lebensf\u00fchrung bekommen. Das Buch verwendet recht oft Zitate oder Liedtexte, so wie das heutige Popliteratur auch macht und bei der ich mich beim Lesen immer frage, ob man das in 20 Jahren per Fu\u00dfnote erkl\u00e4ren muss. \u00c4hnlich ist es bei <em>Gilgi<\/em>: Ich konnte die wenigsten Schlager zuordnen, aber als atmosph\u00e4rischer Hintergrund haben sie sehr gut funktioniert, vor allem als Kontrast zur sehr preu\u00dfischen Arbeitsdisziplin, die Gilgi an den Tag legt, bevor ihr die Liebe und der Traum von einem anderen Leben, das vielleicht eine andere Gilgi erfordert, dazwischenfunken.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/weinfurter.png\" alt=\"weinfurter\" width=\"500\" height=\"280\" class=\"alignnone size-full wp-image-20832\" \/><\/p>\n<p><strong>Stefan Weinfurter \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3406569005\/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3406569005&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21\">Das Reich im Mittelalter. Kleine deutsche Geschichte von 500 bis 1500<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3406569005\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Streng genommen keine Vergn\u00fcgungslekt\u00fcre, wie ich oben erw\u00e4hnte, aber das Buch lege ich euch trotzdem mal ans Herz. Wenn ihr einen schnellen \u00dcberblick \u00fcber das Mittelalter haben wollt, w\u00e4re das ein Tipp. Liest sich sehr entspannt und unwissenschaftlich weg, bietet aber nat\u00fcrlich genug Wissenschaft, um es sch\u00f6n in einer Hausarbeit zitieren zu k\u00f6nnen. (Ja, ich achte inzwischen auf sowas.)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/keyserling.png\" alt=\"keyserling\" width=\"500\" height=\"525\" class=\"alignnone size-full wp-image-20834\" \/><\/p>\n<p><strong>Eduard von Keyserling \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B008QYJ8IC\/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=B008QYJ8IC&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21\">Bunte Herzen. Dumala. F\u00fcrstinnen.<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B008QYJ8IC\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Auf den Herrn von Keyserling bin ich lustigerweise in Kunstgeschichte gesto\u00dfen, als ich auf der Suche nach Raubkunst in den Regalen der kunsthistorischen Bibliothek ein Buch fand, <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ankegroener\/status\/408958944518758400\/photo\/1\">das ihm geh\u00f6rt hatte<\/a>. Daraufhin wollte ich dringend was von ihm lesen. Im obigen Band stehen drei Novellen, von denen ich erst zwei durchgelesen habe, aber ich bin mir sicher, die dritte ist genauso unaufgeregt, geradeaus und stimmungsvoll. Ein wundersch\u00f6ner Stil, der gef\u00fchlt daf\u00fcr sorgt, dass mein Blutdruck beim Lesen runtergeht und meine Mundwinkel sich zu einem L\u00e4cheln verziehen. Die alte Welt mit ihren alten Werten. Gut, dass ich nicht in ihr lebe, aber sch\u00f6n, dass ich \u00fcber sie lesen darf.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/spass.png\" alt=\"spass\" width=\"500\" height=\"430\" class=\"alignnone size-full wp-image-20835\" \/><\/p>\n<p><strong>David Foster Wallace (Ulrich Blumenbach, \u00dcbers.) \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/349924957X\/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=349924957X&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21\">Unendlicher Spa\u00df<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=349924957X\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das Beste zum Schluss. \u00dcber <em>Unendlicher Spa\u00df<\/em> wurde, glaube ich, schon alles geschrieben \u2013 und das Tolle ist, ich hatte <em>nichts<\/em> davon gelesen, bevor ich das eBook \u00f6ffnete. Deswegen hatte ich wirklich keine Ahnung, worum es in dem Brocken von Buch ging, und ich musste auch erstmal 600 Seiten lesen, bevor ich es herausfand. (Mein eBook hatte 1899 Seiten, davon waren 500 Seiten Fu\u00dfnoten.) Aber selbst, als ich ahnte, was der rote Faden im Buch sein sollte, war der nicht mehr als d\u00fcnner Zwirn, w\u00e4hrend sich um ihn herum ein riesiges Wollkn\u00e4uel aus Personen, Orten, Zeiten und Geschichten wickelte. Das kann man total langweilig und zugequatscht finden (v\u00f6llig okay) \u2013 oder sich darauf einlassen. <\/p>\n<p>Ich habe es beim Lesen mit einem dieser reizvollen Filme verglichen, die einen die ersten 20 Minuten im Unklaren lassen, aber nach und nach ordnen sich die Einzelteile und zum Schluss erkennen wir ein riesiges Panorama, gehen gl\u00fccklich aus dem Kino und diskutieren mit der Begleitung noch mal die einzelnen Stufen der Story durch. Das Buch ist im Prinzip genauso \u2013 aber weil es eben so dick ist, kommt der Moment der Erkenntnis erst nach einer l\u00e4ngeren Zeitspanne. Aber sp\u00e4testens dann m\u00f6chte man ganz dringend mit jemandem reden. Ich habe das zwischendrin des \u00d6fteren auf Twitter erledigt.<\/p>\n<p>Das mag jetzt doof klingen, aber ich glaube, es hat mir geholfen, dass ich einen \u00e4hnlichen Brocken, n\u00e4mlich die <em>Recherche<\/em>, <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=5452\">schon hinter mir hatte<\/a>. Ich kenne also das Gef\u00fchl, sich gerade mitten in einer Handlung zu befinden, von der man \u00fcberhaupt nicht wei\u00df, was sie da soll, die man aber trotzdem bockig weiterliest, denn irgendeinen Sinn muss sie ja haben, sonst h\u00e4tten Proust oder Wallace sie nicht aufgeschrieben, so, b\u00e4h. Und \u00e4hnlich wie die <em>Recherche<\/em> entwickelt <em>Spa\u00df<\/em> irgendwann einen unwiderstehlichen Sog. Ja, es macht M\u00fche, das Buch zu lesen, ja, manchmal habe ich mich ein winziges bisschen gelangweilt, wenn es um eine Person ging, die ich nicht so spannend fand, aber daf\u00fcr haben mich andere Textstrecken wieder entsch\u00e4digt. Das Buch strotzt nur so vor Figuren und Storys, und alle bringen sie weitere Figuren und Storys mit, und je mehr man sich auf sie einl\u00e4sst, desto weniger kommt man von ihnen weg. Irgendwann haben sie dich halt \u2013\u00a0jedenfalls hatten sie mich \u2013\u00a0und dann liest man eben 1899 Seiten und 500 Fu\u00dfnoten, die teilweise nur aus einem Wort bestehen und teilweise aus seitenlangen Nebenstr\u00e4ngen, ohne deren Lekt\u00fcre man den Hauptstrang nicht mehr kapiert. Oder etwas weniger.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber kann man sicher auch streiten, ob es an dem Werk \u00fcberhaupt was zu kapieren gibt oder ob es nur das ist, was es sagt: Kanada und die USA sind in einer nicht n\u00e4her definierten Zukunft nicht mehr das, was sie heute sind; zwischen ihnen befindet sich die Gro\u00dfe Konkavit\u00e4t (was das ist, muss man erst herausfinden), es gibt eine Terroristengruppe in Rollst\u00fchlen (warum das nur M\u00e4nner sind und warum sie im Rollstuhl sitzen, kommt ungef\u00e4hr 200 Seiten vor Schluss), es gibt eine Tennis-Akademie, eine Radiostation, eine Einrichtung f\u00fcr Drogenabh\u00e4ngige, es geht um einen verstorbenen Regisseur (wie er starb, erz\u00e4hlt eine 50 Seiten lange Fu\u00dfnote), dessen drei S\u00f6hne Hauptfiguren im Buch sind, es gibt die Mutter, eine Radiomoderatorin, die gleichzeitig eine Geliebte ist, einen ehemals Drogenabh\u00e4ngigen, der nun als cleaner Betreuer arbeitet, und das sind nur einige der Charaktere, um die sich viele, viele, viele Geschichten ranken. Ich mochte die erw\u00e4hnte, nicht n\u00e4her definierte Zukunft, in der die Jahre keine Jahreszahlen mehr tragen, sondern von Firmen gesponsert werden, weswegen sie so sch\u00f6ne Namen tragen wie \u201eJahr der Inkontinenz-Unterw\u00e4sche\u201c oder \u201eJahr der Milchprodukte aus dem Herzen Amerikas\u201c. Ich mochte die vielen kleinen Sprachst\u00fcckchen, die wie ein Wort klingen, das ich kenne, in Wirklichkeit aber knapp daneben liegen. (In diesem Zusammenhang: Hut ab vor dem \u00dcbersetzer.) Und ich mochte das Gef\u00fchl, dass man sich nie sicher sein konnte, irgendwas kapiert zu haben, denn die n\u00e4chste Figur und die n\u00e4chste Story k\u00f6nnten das alles wieder kippen.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Anfang des letzten Absatzes: Man kann das Ding sicherlich als \u00fcberbordende Zukunftsmusik lesen. Man kann aber auch nach Motiven gucken, nach Themen, die mitschwingen, und dann wird aus dem Schm\u00f6ker pl\u00f6tzlich das Suchtmittel, um das es geht: Es wird selbst zum unendlichen Spa\u00df. Es ist selbst sein roter Faden und alles, worum es geht.<\/p>\n<p><em>Spa\u00df<\/em> ist nicht ganz so pl\u00fcschig wie die <em>Recherche<\/em>. Proust deckt einen gef\u00fchlt mit 3.500 Seiten zu und gibt einem einen Gute-Nacht-Kuss, w\u00e4hrend Wallace einem eher zwei Kilo Literatur auf den Hinterkopf haut und einen dann im Rinnstein liegenl\u00e4sst. Ich habe das Buch nicht ganz so verliebt zugeklappt wie die <em>Recherche<\/em>, aber das Gef\u00fchl dabei war das gleiche wie bei Proust: das Wissen darum, etwas ganz Besonderes gelesen zu haben.<\/p>\n<p>&#8212;<br \/>\n<em>(Alle Links zu Amazon sind Affiliate Links.)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Leseliste nimmt erschreckend kurze Formen an \u2013 das sah vor meinem Studium ganz anders aus. 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