{"id":20860,"date":"2014-04-06T15:45:22","date_gmt":"2014-04-06T13:45:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=20860"},"modified":"2014-04-07T08:30:27","modified_gmt":"2014-04-07T06:30:27","slug":"radfahren-in-hamburg-vs-radfahren-in-munchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=20860","title":{"rendered":"Radfahren in Hamburg vs. Radfahren in M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p>Ich nutze mein Rad nicht, um damit lauschige, stundenlange Radtouren zu veranstalten oder mal das Umland meiner derzeitigen zwei Wohnorte zu erkunden. Ich nutze mein Rad ganz simpel als Fortbewegungsmittel, um damit in die Uni zu kommen, in den Supermarkt, in die Bibliothek, zum Gesangsunterricht, zur Lieblingsweinbar oder ins Fu\u00dfballstadion. Ich fahre selten Umwege (au\u00dfer wenn ich dringend zum M\u00fcnchner K\u00f6nigsplatz muss, weil mich der immer so sch\u00f6n runterkommen l\u00e4sst), sondern meist nur da, wo ich eben lang muss. Daher ahne ich, dass man zu allen Punkten, die im Folgenden kommen, genau das Gegenteil sagen kann, sowohl f\u00fcr Hamburg als auch f\u00fcr M\u00fcnchen, weil die St\u00e4dte eben nicht nur aus den Strecken von meiner Wohnung zum Supermarkt, zur Uni und zum Fu\u00dfballstadion bestehen. Aber netterweise ist das hier mein supisubjektives Blog und daher wumpe.<\/p>\n<p><strong>Radwegsqualit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Hamburg hat Radwege, die ihren Namen sehr oft nicht verdienen. Damit meine ich nicht, dass die Bezeichnung \u201eRadweg\u201c \u00fcbertrieben ist \u2013 schon das Wort \u201eWeg\u201c ist ein gewagter Euphemismus. Ich kenne Kreuzungen, an denen ein frisch gepflasterter, wundersch\u00f6ner, breiter, nagelneuer roter Radweg \u00fcbergeht in: nichts. Man radelt lustig vor sich hin, h\u00e4lt brav an der Ampel, f\u00e4hrt \u00fcber die Stra\u00dfe \u2013 und darf sich dann blitzschnell entscheiden, ob man auf dem Fu\u00dfweg weiterf\u00e4hrt oder sich spontan in die von hinten kommenden Autos einreiht. In 150 Metern f\u00e4ngt der Radweg \u00fcberraschend wieder an. Dann allerdings gerne in der Variante \u201e60 Zentimeter schmales St\u00fcckchen Buckelpiste, das seit 30 Jahren von Baumwurzeln untergraben wird\u201c. Oder in der Variante \u201erotes Arschloch-Pflaster aus den 70ern, das einem die Kraft direkt aus den Unterschenkeln zieht\u201c. Oder in der Variante \u201eausgeblichene Linie auf dem Fu\u00dfweg, die jeder Fu\u00dfg\u00e4nger ignoriert, weswegen man besser auf der Stra\u00dfe f\u00e4hrt\u201c. <\/p>\n<p>Es ist nicht alles f\u00fcrchterlich, Hamburg hat auch sehr sch\u00f6ne Radwege, aber bis jetzt bin ich auf nicht viele von ihnen gesto\u00dfen. Ich habe auf meinen Strecken noch keine einzige entdeckt, auf der der Radweg sich nicht sp\u00e4testens alle 500 Meter ver\u00e4ndert. Immerhin lerne ich so, sehr vorausschauend zu fahren: Ich muss nicht nur auf sich \u00f6ffnende Beifahrert\u00fcren achten, Fu\u00dfg\u00e4nger und Radfahrer, die einem entgegenkommen (darauf komme ich gleich nochmal zur\u00fcck), sondern auch darauf, wo zum Geier der Radweg jetzt vielleicht weitergehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>M\u00fcnchen scheint eher damit zu rechnen, dass Menschen auf Fahrr\u00e4dern in der Stadt unterwegs sind. Dort l\u00e4sst es sich weitaus besser fahren, vor allem im Univiertel, wo quasi per Naturgesetz viele RadlerInnen unterwegs sind (und wo ich wohne). Viele kleine Stra\u00dfen in der Maxvorstadt haben keine Radwege, aber man kann entspannt auf der Stra\u00dfe fahren, weil die AutofahrerInnen wissen, dass viele von uns Studis unterwegs sind, und in die schmaleren Einbahnstra\u00dfen darf man als RadlerIn auch in die entgegengesetzte Richtung fahren. Was M\u00fcnchen allerdings hat, was Hamburg nicht hat: die Tram. Vor der und ihren Schienen habe ich einen geh\u00f6rigen Respekt und daher vermeide ich es, wenn es geht, in Stra\u00dfen zu fahren, in denen auch die Tram f\u00e4hrt. <\/p>\n<p>Noch mal zum Univiertel: Das ist in Hamburg ein einziger Schmerz im Arsch, jedenfalls per Rad. Die AutofahrerInnen haben eine sch\u00f6ne zwei- bis vierspurige Stra\u00dfe von der Grindelallee bis zum Dammtor, die RadlerInnen hingegen teilweise ein 80-Zentimer-Streifchen, auf dem auch gerne Autos parken und wo gerade jetzt eine lustige Baustelle alles noch enger macht. Teilweise ist dort auch ein richtig toller Radweg, sch\u00f6n breit, direkt an der Stra\u00dfe, wo einen alle sehen \u2013\u00a0und dann kommt von der Staatsbibliothek bis zum Dammtor ein Radweg, der f\u00fcr beide Richtungen gilt. Dar\u00fcber musste ich sehr lachen, denn:<\/p>\n<p><strong>Geisterfahrer<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe es in M\u00fcnchen zweimal gewagt, auf dem Radweg auf der falschen Stra\u00dfenseite zu fahren (also entgegen der vorgesehenen Fahrtrichtung), weil&#8217;s eben k\u00fcrzer war als bis zur n\u00e4chsten Ampel zu fahren und dort zu wenden. Beide Male bin ich richtig sch\u00f6n angekackt worden und seitdem fahre ich brav nach Verkehrsregeln, weil ich sehr ungern angekackt werde. <\/p>\n<p>In Hamburg interessieren irgendwelche Regeln keine Sau. Jeder f\u00e4hrt, wo gerade Platz ist, egal, ob auf dem Fu\u00dfweg oder in der falschen Richtung. So lange nichts passiert, ist alles super, jedenfalls scheint das das ungeschriebene Gesetz in Hamburg zu sein. Ich als in M\u00fcnchen gedrillte Fahrerin werde dabei irre. Wie ich oben schon schrieb: Man muss zu allen \u00fcblichen Dingen, auf die man auf dem Rad achtet, auch auf Gegenverkehr achten. Und das leider nicht auf den anst\u00e4ndigen M\u00fcnchner Radwegen, sondern auf den f\u00fcrchterlich schmalen Buckelpisten. Ich konnte mich anfangs nicht so recht entscheiden, ob ich das Konzept \u201eJeder f\u00e4hrt, wie er will\u201c besser finde als \u201eJeder f\u00e4hrt, wie er soll\u201c, aber inzwischen bin ich gnadenlos bei \u201eFahrt gef\u00e4lligst, wie&#8217;s in der StVO steht, ihr Nervens\u00e4gen!\u201c Denn das ist deutlich entspannter. Und ja, ich fahre auch in Hamburg bis zur n\u00e4chsten Ampel, um zu wenden. Mein kleines St\u00fcck Bayern im Norden. Was mich zum n\u00e4chsten Punkt bringt:<\/p>\n<p><strong>H\u00fcgeligkeit<\/strong><\/p>\n<p>Man glaubt ja immer, der Norden sei so sch\u00f6n flach. Denkste, Puppe. Was mir im Bus oder zu Fu\u00df nie so extrem aufgefallen ist: Hamburg ist eine einzige H\u00fcgellandschaft. Es geht wirklich st\u00e4ndig auf und ab. Nie so richtig hoch und richtig runter, aber in meinem Kopf denke ich dauernd: \u201eGnarg, Steigung, wiiiiiiii, ABW\u00c4RTS!\u201c Wohingegen in M\u00fcnchen, wo man bei F\u00f6hn quasi mit der Hand die Alpen anfassen kann: alles platt. Ich kenne nur zwei Steigungen in M\u00fcnchen: Eine geht zum Gr\u00fcnwalder Stadion hoch, wo die Bayern-Amateure spielen, und sie ist OBERFIES, und die zweite ist am Rosenheimer Platz am Gasteig. Da darf ich in diesem Semester jeden Dienstag Morgen um 7.45 Uhr hoch, weil mein Italienischkurs an der VHS im Gasteig stattfindet. Aber so richtig schreckt mich das nicht, denn:<\/p>\n<p><strong>Fahrgef\u00fchl<\/strong><\/p>\n<p>In M\u00fcnchen rase ich nicht mit dem Rad \u2013\u00a0ich radele stattdessen entspannt in der Gegend rum. Vielleicht liegt es auch hier wieder an den Strecken, die ich fahre. Die Ludwigstra\u00dfe zwischen Siegestor und Feldherrnhalle fahre ich extra langsam, weil ich so gerne die Geb\u00e4ude angucke. \u00dcber den Odeonsplatz, an der Residenz vorbei zum Marienplatz muss ich langsam fahren, weil da Fu\u00dfg\u00e4ngerzone ist \u2013 in der ich laut Schild im Schritttempo fahren darf, sonst w\u00fcrde ich das NIE TUN. Ist mir sehr recht, denn auch hier gucke ich gerne rum (die Dr\u00fcckebergergasse! die Oper! das Residenztheater! die Maximilianstra\u00dfe! der Dallmayr! der Dom!). Erst ab Marienplatz nehme ich ein bisschen Fahrt auf, wenn ich in Richtung Sendlinger Tor fahre, vor allem, weil es da ausnahmsweise mal bergab geht (\u201ewiiiiiiii\u201c).<\/p>\n<p>Meine andere Lieblingsstrecke ist, wie schon erw\u00e4hnt, \u00fcber den K\u00f6nigsplatz und da fahre ich quasi in Zeitlupe, damit es m\u00f6glichst lange dauert, \u00fcber ihn r\u00fcberzukommen. Eine andere Strecke, die ich \u00f6fter fahre, ist an der Nymphenburger Stra\u00dfe lang \u2013 hier gibt es zwar weniger historische Ensembles zu gucken, aber der Weg ist angenehm, er f\u00fchrt unter B\u00e4umen entlang und komischerweise habe ich es in M\u00fcnchen eh nie eilig, daher fahre ich auch hier eher gem\u00e4chlich.<\/p>\n<p>In Hamburg erwische ich mich hingegen dauernd dabei, schnell zu fahren. Das k\u00f6nnte auch an meinem <a href=\"http:\/\/www.stevensbikes.de\/2014\/index.php?bik_id=68&#038;cou=DE&#038;lang=de_DE\">Rad<\/a> hier liegen, es ist leichter als mein <a href=\"http:\/\/www.aldi-nord.de\/aldi_alu_city_fahrrad_28_48_5_1663_23056.html\">M\u00fcnchner Rad<\/a> und ich fahre deutlich weiter vorn\u00fcbergebeugt. Der letzte Link ist nur so halbrichtig: Meins ist ein Damenrad, aber sonst sieht&#8217;s ungef\u00e4hr so aus. Ja, ich fahre ein Aldi-Rad. Als ich mir \u00fcberlegte, mal wieder Rad zu fahren, wusste ich nicht, ob das so mein Ding sein w\u00fcrde (little did I know), also wollte ich nicht ganz so viel Geld ausgeben. Wie sinnvoll das ist, vielleicht doch etwas mehr Geld auszugeben, merke ich an meinem Stevens-Rad: Es ist nicht viel leichter als das Aldi-Ding, aber meine G\u00fcte, f\u00fchlt es sich leichter an! Es ist deutlich leichtg\u00e4ngiger und gef\u00fchlt viel wendiger. Trotzdem werde ich die R\u00e4der vermutlich nicht tauschen, auch wenn ich inzwischen mehr Zeit in M\u00fcnchen verbringe als in Hamburg: In Hamburg mit seinen fiesen Wegen und dauerndem Auf und Ab brauche ich den kleinen Flitzer viel mehr als in M\u00fcnchen, wo ich ein beh\u00e4biges Schlachtross bewege. Passt schon.<\/p>\n<p>Ich habe letzte Woche <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=14896\">endlich mein Auto verkauft<\/a> und nat\u00fcrlich lautstark auf Twitter bzw. Facebook rumgejammert, aber dann auch festgestellt: Ich habe seit 27 Jahren das erste Mal kein Auto mehr. Aber daf\u00fcr zwei Fahrr\u00e4der.<\/p>\n<p>Frau @hammwanich hatte dazu einen sch\u00f6nen Kommentar: Vier R\u00e4der sind vier R\u00e4der. Stimmt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich nutze mein Rad nicht, um damit lauschige, stundenlange Radtouren zu veranstalten oder mal das Umland meiner derzeitigen zwei Wohnorte zu erkunden. Ich nutze mein Rad ganz simpel als Fortbewegungsmittel, um damit in die Uni zu kommen, in den Supermarkt, in die Bibliothek, zum Gesangsunterricht, zur Lieblingsweinbar oder ins Fu\u00dfballstadion. 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