{"id":21882,"date":"2015-04-09T09:12:18","date_gmt":"2015-04-09T07:12:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=21882"},"modified":"2015-04-09T10:08:58","modified_gmt":"2015-04-09T08:08:58","slug":"kunstgeschichtshausarbeit-raus-aus-der-kathedrale-was-die-kunstgeschichte-von-software-lernen-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=21882","title":{"rendered":"Kunstgeschichtshausarbeit \u201eRaus aus der Kathedrale: Was die Kunstgeschichte von Software lernen kann\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Ich musste im vergangenen f\u00fcnften Semester insgesamt drei Hausarbeiten schreiben, weswegen ich eine schon w\u00e4hrend des laufenden Semesters beginnen wollte, um auch ja rechtzeitig fertig zu werden \u2013 Oma Gr\u00f6ner l\u00e4uft halt nicht mehr so schnell \u2013 und das war diese hier. Das hei\u00dft, ich hatte bei ihr nicht den konzentrierten Luxus, den ich bei den beiden Geschichtshausarbeiten hatte, die ich nach Vorlesungszeitende schrieb: Ich hatte noch Seminare, musste Hausaufgaben machen und f\u00fcr die Klausuren lernen, und dann schrieb ich zwischendurch eben noch eine dicke Hausarbeit, las bergeweise B\u00fccher, schrieb wieder, las bergeweise Aufs\u00e4tze, schrieb und las und schrieb und wusste bei den ganzen Ablenkungen zum Schluss nicht mehr, ob das total toll oder total mies war, was ich produziert hatte. <\/p>\n<p>Diesen Punkt des Zweifels erreiche ich irgendwann bei jeder Arbeit, weil ich schlie\u00dflich jeden Satz 800 Mal gelesen, korrigiert und nochmal gelesen und nochmal korrigiert habe \u2013 ich sehe ab einem gewissen Zeitpunkt den Sinn vor lauter Buchstaben nicht mehr und kann qualitativ nicht mehr einsch\u00e4tzen, was ich da lese. Aber bei der hier war ich besonders verwirrt, vor allem, weil ich noch das Feedback meiner sechs <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=21729\">Reviewer*innen<\/a> habe einflie\u00dfen lassen und daher <em>nochmal<\/em> \u00fcber alles gegangen bin.<\/p>\n<p>Scheint aber ganz okay geworden zu sein, wenn ich mir die Mail des Dozenten anschaue, die gestern abend kam:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEine solche Note habe ich, glaube ich, noch nie vergeben, musste mich aber fragen, ob ein Argument dagegen spricht. Vielmehr m\u00f6chte ich Sie fragen, ob ich diesen Text verwenden darf, um ihn anderen Studierenden als vorbildliches Muster f\u00fcr Aufbau und Bibliographie weiterzugeben.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Darf der Dozent nat\u00fcrlich. Das kleine F\u00fcnftsemester ist sehr geschmeichelt.<\/p>\n<p>Zum Inhalt: Mein Referatsthema lautete schlicht \u201eSoftware\u201c. Anstatt Computergeschichte nachzuerz\u00e4hlen, habe ich im Referat versucht, die vielen M\u00f6glichkeiten aufzuzeigen, in denen Software in der Kunstgeschichte (oder der Kunst) zum Einsatz kommt. Ich begann nat\u00fcrlich mit den (haha) Basics, erz\u00e4hlte von Closed-Source-Software und dem Weg zu Open Source, erw\u00e4hnte <em><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Kathedrale_und_der_Basar\">Die Kathedrale und der Basar<\/a><\/em> und wandte einige der dort erw\u00e4hnten Prinzipien zur Softwareproduktion auf die Kunstgeschichte an. Mein Hauptaugenmerk lag auf dem kollaborativen Arbeiten; ich erw\u00e4hnte Beispiele wie <a href=\"http:\/\/madison.nytimes.com\/\">Madison<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.artigo.org\/\">ARTigo<\/a> oder das <a href=\"http:\/\/www.brooklynmuseum.org\/home.php\">Brooklyn Museum<\/a>, das sich \u00fcber Hinweise von Besuchern <a href=\"https:\/\/www.brooklynmuseum.org\/opencollection\/objects\/1185\/Study_for_The_Wounded_Drummer_Boy\">freut<\/a> anstatt gro\u00dfkotzig dar\u00fcberzustehen, was der P\u00f6bel will. (\u201e&#8230; and we welcome any additional information you might have.\u201c)<\/p>\n<p>Ich sprach \u00fcber Clay Shirkys <em><a href=\"http:\/\/blog.arthistoricum.net\/beitrag\/2010\/03\/02\/publish-first-filter-later\/\">Publish first, filter later<\/a><\/em>, \u00fcber Open Access, \u00fcber die vergr\u00f6\u00dferte Sichtbarkeit und bessere Korrigierbarkeit von Texten in e-Books und Blogs und erw\u00e4hnte meine eigene <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=21408\">Hausarbeit<\/a>, die in den ersten zehn Tagen nach Ver\u00f6ffentlichung beachtliche 230 Mal heruntergeladen wurde \u2013 und ich behaupte, ich habe nicht unbedingt viele Kunsthistoriker*innen unter meinen Leser*innen. Ich sprach \u00fcber Jeff Koons\u2018 <a href=\"https:\/\/instagram.com\/jeffkoonsstudio\/\">Instagram-Account<\/a> (der inzwischen arg leergefegt aussieht), dass Vorzeichnungen von Gem\u00e4lden quasi Betaversionen seien und dass heute alles im Fluss sei \u2013 wie auch bei Software, die nie fertig wird und stets ein Update bekommt.<\/p>\n<p>Aus diesem Sammelsurium w\u00fcnschte sich der Dozent eine Arbeit \u00fcber die ver\u00e4nderten Publikationsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Kunsthistoriker*innen. Das ist sicherlich kein speziell kunstwissenschaftliches Thema \u2013 auch die Naturwissenschaft arbeitet mit Open Access \u2013, aber f\u00fcr mich pers\u00f6nlich war es sehr reizvoll, sich intensiver mit diesem Thema auseinanderzusetzen, gerade weil ich eine Freundin des Teilens bin, des offenen und unbeschr\u00e4nkten Zugangs zu Informationen und des Austauschs von Wissen. Und nebenbei habe ich viel \u00fcber Computer- und Softwaregeschichte gelernt. (Das zitierte Buch von Walter Isaacson \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/1471138798\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=1471138798&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21&#038;linkId=OBMPO7VCRNESLAEE\">The Innovators: How a Group of Inventors, Hackers, Geniuses and Geeks Created the Digital Revolution<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=1471138798\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/em> \u2013 liest sich \u00fcbrigens wie geschnitten Brot, auch aus feministischer Perspektive.)<\/p>\n<p>Hatte ich schon auf Twitter erledigt, aber hier noch mal der Dank an meine Reviewer*innen, die mir sehr geholfen haben.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/150409_HA_Groener_Software.pdf\">Enjoy<\/a>. Mach&#8217;s gut, f\u00fcnftes Semester.<\/p>\n<p>(1,0. Sehr gl\u00fccklich.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich musste im vergangenen f\u00fcnften Semester insgesamt drei Hausarbeiten schreiben, weswegen ich eine schon w\u00e4hrend des laufenden Semesters beginnen wollte, um auch ja rechtzeitig fertig zu werden \u2013 Oma Gr\u00f6ner l\u00e4uft halt nicht mehr so schnell \u2013 und das war diese hier. 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