{"id":22363,"date":"2015-09-02T09:04:21","date_gmt":"2015-09-02T07:04:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=22363"},"modified":"2015-09-02T09:18:23","modified_gmt":"2015-09-02T07:18:23","slug":"tagebuch-1-september-2015-zwei-welten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=22363","title":{"rendered":"Tagebuch 1. September 2015 \u2013 Zwei Welten"},"content":{"rendered":"<p>Immer noch kein Briefing, immer noch keine M\u00f6glichkeit, Geld zu verdienen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Daf\u00fcr eine, Geld auszugeben. Am Montag abend fuhren <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/ankunft-der-fluechtlinge-in-muenchen-teddybaeren-zur-begruessung-1.2629856\">die ersten Fl\u00fcchtlingsz\u00fcge im M\u00fcnchner Hauptbahnhof<\/a> ein, die von Ungarn aus \u00fcber \u00d6sterreich durchgewunken wurden. In meiner Twittertimeline zwitscherten einige <a href=\"http:\/\/www.preiselbauer.de\/2015\/09\/01\/ankunft-von-fluechtlingen-in-muenchen-hauptbahnhof\/\">Helfer<\/a>, die spontan vor Ort waren. Am Dienstagmorgen war mir dann auch klar: Jetzt ist das Fl\u00fcchtlingsthema kein abstrakter <a href=\"https:\/\/magazin.spiegel.de\/digital\/?utm_source=spon&#038;utm_campaign=centerpage#SP\/2015\/36\/138379331\"><em>Spiegel<\/em>-Tite<\/a>l mehr f\u00fcr mich, keine <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2015\/32\/fluechtlinge-bayern-passau\/komplettansicht\"><em>Zeit<\/em>-Reportage<\/a>, kein Hashtag, kein Twibbon. Jetzt sitzen acht Radlminuten von mir entfernt Menschen, die nur noch das besitzen, was in einen Rucksack passt, und die Hilfe brauchen.<\/p>\n<blockquote class=\"instagram-media\" data-instgrm-captioned data-instgrm-version=\"4\" style=\" background:#FFF; border:0; border-radius:3px; box-shadow:0 0 1px 0 rgba(0,0,0,0.5),0 1px 10px 0 rgba(0,0,0,0.15); margin: 1px; max-width:658px; padding:0; width:99.375%; width:-webkit-calc(100% - 2px); width:calc(100% - 2px);\">\n<div style=\"padding:8px;\">\n<div style=\" background:#F8F8F8; line-height:0; margin-top:40px; padding:50.0% 0; text-align:center; width:100%;\">\n<div style=\" background:url(data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAACwAAAAsCAMAAAApWqozAAAAGFBMVEUiIiI9PT0eHh4gIB4hIBkcHBwcHBwcHBydr+JQAAAACHRSTlMABA4YHyQsM5jtaMwAAADfSURBVDjL7ZVBEgMhCAQBAf\/\/42xcNbpAqakcM0ftUmFAAIBE81IqBJdS3lS6zs3bIpB9WED3YYXFPmHRfT8sgyrCP1x8uEUxLMzNWElFOYCV6mHWWwMzdPEKHlhLw7NWJqkHc4uIZphavDzA2JPzUDsBZziNae2S6owH8xPmX8G7zzgKEOPUoYHvGz1TBCxMkd3kwNVbU0gKHkx+iZILf77IofhrY1nYFnB\/lQPb79drWOyJVa\/DAvg9B\/rLB4cC+Nqgdz\/TvBbBnr6GBReqn\/nRmDgaQEej7WhonozjF+Y2I\/fZou\/qAAAAAElFTkSuQmCC); display:block; height:44px; margin:0 auto -44px; position:relative; top:-22px; width:44px;\"><\/div>\n<\/div>\n<p style=\" margin:8px 0 0 0; padding:0 4px;\"> <a href=\"https:\/\/instagram.com\/p\/7FmcospGDu\/\" style=\" color:#000; font-family:Arial,sans-serif; font-size:14px; font-style:normal; font-weight:normal; line-height:17px; text-decoration:none; word-wrap:break-word;\" target=\"_top\">Abgegeben. #trainofhope #refugeeswelcome #muenchen<\/a><\/p>\n<p style=\" color:#c9c8cd; font-family:Arial,sans-serif; font-size:14px; line-height:17px; margin-bottom:0; margin-top:8px; overflow:hidden; padding:8px 0 7px; text-align:center; text-overflow:ellipsis; white-space:nowrap;\">Ein von @ankegroener gepostetes Foto am <time style=\" font-family:Arial,sans-serif; font-size:14px; line-height:17px;\" datetime=\"2015-09-01T12:11:26+00:00\">1. Sep 2015 um 5:11 Uhr<\/time><\/p>\n<\/div>\n<\/blockquote>\n<p><script async defer src=\"\/\/platform.instagram.com\/en_US\/embeds.js\"><\/script><\/p>\n<p>Im Drogeriemarkt so viel eingekauft wie ich tragen konnte, zum Hauptbahnhof gefahren und alles abgegeben. Ich bin nicht lange vor Ort gewesen, ich wollte mich nicht wie eine Katastrophentouristin f\u00fchlen; ich war froh, dass ich einer Helferin einfach ein paar Plastikt\u00fcten voller Hygieneartikel in die Hand dr\u00fccken und wieder nach Hause konnte. Nach Hause. In eine Wohnung, zu einer Dusche, einem vollen K\u00fchlschrank, zu B\u00fcchern, einem Bett, Privatsph\u00e4re. Totaler Allgemeinplatz, aber: Ich habe es gestern noch mehr als sonst zu w\u00fcrdigen gewusst.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Abends Kontrastprogramm: <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/GeschmackssacheHeimat\">Geschmackssache Heimat<\/a>, ein Abend mit deutschem Wein und ein bisschen Futter dazu. Stevan <a href=\"http:\/\/nutriculinary.com\/2015\/08\/07\/geschmackssache-heimat-abendbrot-mit-jungen-winzern\/\">bloggte<\/a> \u00fcber die Hamburger Ausgabe, woraufhin Frau <a href=\"http:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/\">Kaltmamsell<\/a> mich fragte, ob ich in M\u00fcnchen dabei w\u00e4re \u2013 aber <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/GeschmackssacheHeimat\/photos\/pcb.643818775654580\/643818752321249\/?type=1&#038;theater\">nat\u00fcrlich<\/a>!<\/p>\n<p>Ich war noch nicht ganz in Stimmung, aber schon das erste Glas Sekt machte gute Laune. Den <a href=\"http:\/\/www.von-buhl.de\/shop\/alle-artikel\/2013-von-buhl-riesling-brut.html\">Reichsrat von Buhl<\/a> h\u00e4tten wir beide nicht als Riesling erkannt, waren aber \u00e4u\u00dferst angetan. Zum ersten Gang gab&#8217;s dann einen trockenen <a href=\"http:\/\/www.weinreich-wein.de\/\">Bechtheimer Silvaner<\/a> (2013, 12\u20ac), der kaum trockener sein k\u00f6nnte, dazu viel Sauerness im Mund. Es war keine S\u00e4ure, es war sauer. Aber gut sauer, angenehm frisch. Zum Hauptgang wurde uns zun\u00e4chst ein laut Winzer noch nicht ganz fertiger <a href=\"http:\/\/www.weingut-bietighoefer.de\/\">2013er Sauvignon Blanc<\/a> serviert, der m\u00fcsse eigentlich noch so f\u00fcnf, sechs Jahre liegen, aber er f\u00e4nde den jetzt auch schon ganz spannend. Frau Kaltmamsell weigerte sich nach einem Glas, den weiterzutrinken, und auch ich war nicht ganz \u00fcberzeugt. Er schmeckte, als ob man nasse Weinbl\u00e4tter ableckte, aber ich glaube dem Winzer aufs Wort, dass der in ein paar Jahren ein kleines Kracherchen sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Der Sommelier des Abends, Justin Leone aus dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tantris\">Tantris<\/a> (ich so: Ehrfurcht!), erz\u00e4hlte dann was \u00fcber den Wein, auf den ich mich schon den ganzen Abend gefreut hatte: einen 2011er Monzinger Halenberg Riesling von <a href=\"http:\/\/www.emrich-schoenleber.de\/de\/\">Emrich Sch\u00f6nleber<\/a>. Von diesem Weingut stammt mein absoluter Lieblingsriesling; den trank ich im <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=16241\">reinstoff<\/a> und bezahlte danach mit freudigem Herzen 60 Euro f\u00fcr eine Flasche. Jeden Cent wert. Leone: \u201eRiesling braucht Kampf, schwierige B\u00f6den, kaum Wasser, dann kommt da was Gutes bei raus.\u201c Unterschreibe ich sofort. Der 2011er war die kleine, d\u00fcnne Schwester des 2008er, den ich so liebe: Der Geschmack geht schon in genau die Richtung, die ich kenne, ist aber noch feiner. Ich mag die Rieslinge gerne, die sich so richtig breit machen in Mund; das kann der hier noch nicht, aber auch von dem w\u00fcrde ich sofort eine Kiste ordern. (19\u20ac die Flasche.)<\/p>\n<p>Zum Schluss kamen noch zwei Rotweine, zu denen ich gerne ein dunkelschokoladiges Dessert gehabt h\u00e4tte, aber da kam nix mehr. Schon der erste l\u00f6ste Verz\u00fccken am Tisch aus: ein 2013er <a href=\"http:\/\/www.weingut-kriechel.de\/\">Fr\u00fchburgunder<\/a> f\u00fcr entspannte 9,50\u20ac die Flasche. Der roch zuerst nach Gouda, dann nach Vanille, und im Mund war zuerst viel Vanille und nasses Moos, dann wurde die S\u00fc\u00dfe weniger und der Wein wurde schwerer. Wunderbar. Aber der H\u00f6hepunkt kam zum Schluss, jedenfalls f\u00fcr mich: ein 2011er <a href=\"http:\/\/www.weingut-huber.com\/home\">Sp\u00e4tburgunder<\/a>, der mein Herz schon mit der ersten Nase eroberte und mich danach kurzerhand flachlegte. Ein bisschen Pferd auf Himbeerw\u00f6lkchen und dann nur noch fruchtiges, tiefes Rumschmeicheln bis in die letzte Gaumenecke, wo der Wein ein bisschen piekst. Der war genau meiner. (27\u20ac)<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/pages\/Red-Hot\/288514344499881\">Location<\/a> gefiel mir gut, auch wenn es mir deutlich zu laut war; ich bin inzwischen zu alt, um meine Gespr\u00e4chspartner den ganzen Abend mit erhobener Stimme erreichen zu wollen. Vom Essen war ich allerdings ein wenig unterw\u00e4ltigt. Der erste Gang waren marinierte rote Bete mit Orangenfilets, die eher lieblos aufs Tellerchen geh\u00e4uft waren, der Hauptgang dann immerhin die legend\u00e4ren und durchaus wohlschmeckenden Spare Ribs mit Kartoffelp\u00fcree und Ratatouille. Das ist aber Meckern auf hohem Niveau, denn die ganze Sause hat nur 30 Euro gekostet, und alleine f\u00fcr die wirklich tollen Weine hat sich&#8217;s gelohnt. (F\u00fcr die charmante Begleitung ja sowieso.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer noch kein Briefing, immer noch keine M\u00f6glichkeit, Geld zu verdienen. &#8212; Daf\u00fcr eine, Geld auszugeben. Am Montag abend fuhren die ersten Fl\u00fcchtlingsz\u00fcge im M\u00fcnchner Hauptbahnhof ein, die von Ungarn aus \u00fcber \u00d6sterreich durchgewunken wurden. In meiner Twittertimeline zwitscherten einige Helfer, die spontan vor Ort waren. 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