{"id":22800,"date":"2015-10-15T09:51:27","date_gmt":"2015-10-15T07:51:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=22800"},"modified":"2015-10-15T19:35:40","modified_gmt":"2015-10-15T17:35:40","slug":"tagebuch-14-oktober-2015-zwei-neue-dozentinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=22800","title":{"rendered":"Tagebuch 14. Oktober 2015 \u2013 Zwei neue Dozentinnen"},"content":{"rendered":"<p>Gestern wartete mein erstes Seminar auf mich: <a href=\"https:\/\/lsf.verwaltung.uni-muenchen.de\/qisserver\/rds?state=verpublish&#038;status=init&#038;vmfile=no&#038;publishid=564659&#038;moduleCall=webInfo&#038;publishConfFile=webInfo&#038;publishSubDir=veranstaltung\">Ost-West-Dialoge. Zweimal deutsche Kunst nach 1960<\/a>. Das hatte ich im ersten Belegverfahren nicht bekommen, im Nachr\u00fcckverfahren schon. Dachte ich jedenfalls.<\/p>\n<p>Die Dozentin ging die \u00fcbliche Namensliste durch, auf der ich nicht auftauchte. Dann die Liste der Menschen, die im Nachr\u00fcckverfahren einen Platz bekommen hatte, auf der ich auch nicht auftauchte. Dann fragte sie, wer hier s\u00e4\u00dfe, ohne einen Platz zu haben, und ich meldete mich zusammen mit drei Damen, die \u00e4hnlich sparsam guckten wie ich.<\/p>\n<p>Die Platzvergabe l\u00e4uft bei uns in Kunstgeschichte so: Im ersten Durchgang w\u00e4hlt man online alles, was man haben will oder muss und setzt per Drop-Down-Men\u00fc eine Priorit\u00e4t; das Seminar muss ich haben (Prio 1), das hier w\u00e4re toll (Prio 2), das hier ist nur daf\u00fcr da, falls alles andere schiefgeht (Prio 3) usw. Sobald man einen Kurs angew\u00e4hlt hat, taucht er im elektronischen Stundenplan auf. In dieser Phase steht bei jedem Kurs \u201eAngemeldet\u201c, was aber nur hei\u00dft, dass man diesen Kurs gerne h\u00e4tte. In den wenigen Tagen, in denen das System, das ich intern gerne HAL nenne, die Kurse vergibt, steht da \u201ePlatzvergabe noch nicht abgeschlossen, bitte warten\u201c. Hat man einen Platz bekommen, steht da \u201eZugelassen\u201c, ansonsten verschwindet der Kurs einfach vom Stundenplan.<\/p>\n<p>In der Nachr\u00fcckphase gilt: nix mehr mit Priorisieren, jetzt z\u00e4hlt Schnelligkeit. Wenn ein Kurs schon voll ist, kann er gar nicht mehr angeklickt werden. Hat man einen noch w\u00e4hlbaren und damit noch freien Kurs geklickt, erscheint das Seminar im Stundenplan, zusammen mit dem wunderbaren Wort \u201eZugelassen\u201c. <\/p>\n<p>So ergeben sich auch die zwei Namenslisten: Zuerst kamen die Gl\u00fccklichen, die HAL nett fand, dann die Nachr\u00fccker. Und warum wir vier nicht auf einer dieser Listen standen, konnte uns die Dozentin auch nicht erkl\u00e4ren. Wir haben von ihr alle einen Platz bekommen, hatten aber den Nachteil, uns bei der Referatsvergabe zur\u00fcckhalten zu m\u00fcssen, denn zuerst durften alle, die auf den Listen standen, sich ihre Sahnetorte raussuchen und wir kriegten dann die Selleriepizza.<\/p>\n<p>Da der Kurs aber \u00fcberf\u00fcllt ist, mussten die Referate sowieso doppelt und teilweise dreifach vergeben werden. Und das ist eigentlich etwas, was ich wirklich verabscheue: gemeinsam ein Referat erarbeiten zu m\u00fcssen. In meinem <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=21840\">Heimatkurs<\/a> in Geschichte hatte ich das schon mal, aber da konnten wir drei ganz unterschiedliche Themen unabh\u00e4ngig voneinander bearbeiten. Hier lautet mein\/unser Thema \u201eAnselm Kiefer und die deutsche Mythologie\u201c, und momentan f\u00e4llt mir nur ein, dass wir uns jeder ein oder zwei Werke vornehmen und die getrennt voneinander vorbereiten. Wir werden sehen.<\/p>\n<p>Wenn ich auf einer der Listen gewesen w\u00e4re, h\u00e4tte ich mir ein Thema vorgekn\u00f6pft, das sonst keiner haben will. Das hat bis jetzt immer gut geklappt, und ich mag das eigentlich, Dinge so zu lernen, weil ich sie sonst schlicht nicht gelernt h\u00e4tte. Da ich aber wusste, dass ich mich eh an jemanden ranh\u00e4ngen musste, konnte ich immerhin ein Thema w\u00e4hlen, das so halbwegs in meine drei gro\u00dfen Interessensgebiete passt, die ich im Master vertiefen will: Architektur, digitale Kunstgeschichte (die r\u00fcckt allerdings immer mehr in den Hintergrund) und die Kunst des Nationalsozialismus. Kiefer hat sich in seinem Werk intensiv mit der NS-Zeit und ihrer Ikonografie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anselm_Kiefer#Auseinandersetzung_mit_deutscher_Geschichte\">auseinandergesetzt<\/a>, und daher fand ich es logisch, ihn zu meinem Referatsthema zu machen. (Mal abgesehen davon, dass ich seine Kunst gerne anschaue.)<\/p>\n<p>Was mir trotz der \u00dcberf\u00fcllung und der doofen Referatsvergabe gut gefallen hat, war die Dozentin und wie sie uns auf den Kurs eingestimmt hat. Sie begann mit den \u00fcblichen Formalien und teilte auch gleich einen Zettel aus, auf dem \u00fcppige Literaturhinweise waren (das erwarte ich eigentlich gar nicht, vor allem nicht in einem Hauptseminar \u2013 umso sch\u00f6ner, dass ich es bekomme) sowie eine genaue Aufstellung dar\u00fcber, wie sie sich das Handout zum Referat und die Hausarbeit vorstellt. Sie erz\u00e4hlte uns dann noch, dass sie gerne kommentierte PDFs verschicke \u2013 \u201eDa steht dann auch die Note drauf, dann haben Sie die eher, als sie im LSF (HAL) auftaucht.\u201c Sowas mag ich: alle Infos, die ich als Studi haben will, auf dem Silbertablett. Auch die Einf\u00fchrung in die einzelnen Referatsthemen war sehr gut, man wusste sofort, was das jeweils Reizvolle an jedem Thema war und wie es ins Gesamtseminar passte. Das Seminar selbst klang nat\u00fcrlich auch spannend, und obwohl mich das gemeinsame Referat per se erstmal nervt, m\u00f6chte ich diesen Kurs ganz dringend weitermachen.<\/p>\n<p>Heute nachmittag gucke ich mir einen Alternativkurs an, aber der muss sich schon verdammt lang machen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Zwei Stunden sp\u00e4ter radelte ich ins Hauptgeb\u00e4ude, wo ich endlich mal wieder in meinem geliebten B201 sa\u00df; den baugleichen B101 nehme ich sogar noch lieber, dann muss ich nur in den ersten Stock klettern, was sich bei den riesigen Freitreppen des alten Gem\u00e4uers schon wie in den dritten Stock Altbau anf\u00fchlt. Der H\u00f6rsaal sieht auf allen <a href=\"https:\/\/instagram.com\/p\/80hxH7pGA2\/?taken-by=ankegroener\">Bildern<\/a> wie ein schlimmer Holzsarg aus, aber ich mag die breiten Sitze gerne, man sieht \u00fcberall gut, die Akustik ist angenehm und die Klimaanlage funktioniert (meist sogar zu gut, im Sommer habe ich hier immer ein J\u00e4ckchen dabei).<\/p>\n<p>Auch hier eine f\u00fcr mich neue Dozentin, was aber kein Wunder ist, denn die Dame ist eine Vertretung. Ihr Vorlesungsthema: <a href=\"https:\/\/lsf.verwaltung.uni-muenchen.de\/qisserver\/rds?state=verpublish&#038;status=init&#038;vmfile=no&#038;publishid=578256&#038;moduleCall=webInfo&#038;publishConfFile=webInfo&#038;publishSubDir=veranstaltung\">Artists on the Move. K\u00fcnstlerische Reiseerfahrung seit der Fr\u00fchen Neuzeit<\/a>. Darunter konnte ich mir nur sehr schwammig etwas vorstellen, was auch leider nicht sofort entschwammt wurde. Die Dozentin pr\u00e4sentierte erst eine Viertelstunde vor Schluss ihren Seminarplan, den ich gerne von Anfang an gehabt h\u00e4tte, um \u00fcberhaupt zu wissen, wo die Reise (haha) hingehen soll.<\/p>\n<p>Stattdessen sprang sie etwas hin und her, von Pilger- zu Handelsreisen und Forschungsexpeditionen, auf denen K\u00fcnstler zugegen waren, vom Paradigmenwechsel, der sich um 1750 zutrug, als die Antikenbegeisterung nachlie\u00df und man sich auf die Heimat besonn, was bedeutete, dass die Grand Tour durch Italien etwas aus der Mode kam und man lieber im Harz wandern ging. Das erste Bild, das wir uns anschauten, war dann auch Friedrichs <em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Wanderer_%C3%BCber_dem_Nebelmeer\">Wanderer \u00fcber dem Nebelmeer<\/a><\/em>, wof\u00fcr sie sich fast entschuldigte \u2013 vermutlich guckten alle \u00e4hnlich wie ich, so \u201eWas, den ollen Friedrich? Kenn ich, weiter!\u201c Spannend war dann aber der Kontrast, den sie zu diesem Bild aufmachte. Sie zeigte n\u00e4mlich anschlie\u00dfend einen <a href=\"http:\/\/nla.gov.au\/nla.obj-134508248\/view\">Blick vom Corcovado<\/a> von Augustus Earle, der \u00e4hnlich angelegt ist wie der <em>Wanderer<\/em>. Wir sehen eine m\u00e4nnliche Figur in R\u00fcckansicht, die beide \u00fcber eine Berglandschaft schauen. Bei Friedrich sieht es so aus, als ob der Mensch die Natur bezwungen habe, bei Earle hingegen scheint der Mann v\u00f6llig \u00fcberw\u00e4ltigt zu sein von der Sch\u00f6nheit, die sich ihm bietet. <\/p>\n<p>Und damit waren wir beim Thema Augenzeugenberichte, als die k\u00fcnstlerische Umsetzung von Landschaften gelten k\u00f6nnen, die aber niemals objektiv sind und dementsprechend vorsichtig interpretiert werden m\u00fcssten. Wir sprachen \u00fcber die kulturelle Voreingenommenheit von reisenden Europ\u00e4ern, wenn sie andere Kontinente bereisten, wir lernten, dass Reisen in der Fr\u00fchen Neuzeit ein fast ausschlie\u00dflich m\u00e4nnliches Ph\u00e4nomen war (I am Jack&#8217;s total lack of surprise), wir h\u00f6rten, dass viele Expeditionen bestimmte K\u00fcnstler anfragten, damit sie die Reise visuell begleiteten. Das klang alles so spannend, wie ich es mir erhofft hatte \u2013 der einzige Wermutstropfen bleibt die momentan noch etwas unkoordiniert scheinende Rangehensweise ans Thema und dass die Dozentin leider fast komplett abliest. Das strengt mich beim Zuh\u00f6ren ungemein an, und leider produziert ein derartig strenges Skript gerne S\u00e4tze, die gelesen super sind, geh\u00f6rt aber nur schwer verst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Wobei ich gestern etwas sah, das ich noch nicht kannte: Mehrere Kommilitoninnen lie\u00dfen die ganzen 90 Minuten ihr Smartphone auf Aufnahme mitlaufen, um den Ton mitzuschneiden. So haben sie immerhin auch die Antwort auf die \u00fcbliche Erste-Sitzung-Schei\u00dffrage aus den hinteren Reihen: \u201eKommen in der Klausur mehr Multiple-Choice- oder mehr Essay-Fragen dran?\u201c<\/p>\n<p>*schnauf*<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern wartete mein erstes Seminar auf mich: Ost-West-Dialoge. Zweimal deutsche Kunst nach 1960. Das hatte ich im ersten Belegverfahren nicht bekommen, im Nachr\u00fcckverfahren schon. Dachte ich jedenfalls. Die Dozentin ging die \u00fcbliche Namensliste durch, auf der ich nicht auftauchte. 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