{"id":22810,"date":"2015-10-16T09:28:46","date_gmt":"2015-10-16T07:28:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=22810"},"modified":"2015-10-16T09:28:46","modified_gmt":"2015-10-16T07:28:46","slug":"tagebuch-15-oktober-2015-e-mails","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=22810","title":{"rendered":"Tagebuch 15. Oktober 2015 \u2013 E-Mails"},"content":{"rendered":"<p>Zum ersten Mal in einer Mail ein s\u00fcddeutsches Idiom verwendet. Anstatt zu schreiben \u201eIch bleibe lieber zuhause\u201c, schrieb ich, ohne lange dar\u00fcber nachzudenken \u201eIch bleibe daheim.\u201c Ich stutzte erst, als die Worte da standen.<\/p>\n<p>Wenn ich zuhause alleine rumpuschele, begleite ich manchmal das, was ich tue, mit Selbstgespr\u00e4chen. (Ja, ich werde eine von den alten Frauen werden, die auf der Stra\u00dfe vor sich hinmurmeln.) Als ich gestern ein paar T-Shirts in die W\u00e4sche warf, sagte ich laut: \u201eIhr kommts jetzt auch in die W\u00e4sche.\u201c Anstatt \u201eIhr kommt jetzt auch in die W\u00e4sche.\u201c<\/p>\n<p>Ich wei\u00df noch nicht, ob mich das freut, dass sich hier Bairisch in mein wundervolles Hannoveraner Hochdeutsch einschleicht oder ob das wieder ein Teil des Abschiednehmens ist, der eher weh tut. Zefix!<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Ein freundlicher Leser fragte mich etwas per Mail und ich zitiere mal (ich hoffe, ich darf):<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIch habe ebenfalls k\u00fcrzlich <em>Inside Out<\/em> gesehen und bei dem Film spontan an Sie und den Bechdel-Test (bestanden &#8211; sofern die Emotionen als Frauen durchgehen, oder?) gedacht. Insgeheim habe ich damit gerechnet, dass Sie die Darstellung von Sadness als pummeliges M\u00e4dchen mit Brille stereotypisch finden und war von Ihrer positiven Einsch\u00e4tzung \u00fcberrascht.<\/p>\n<p>Darf ich fragen: Wie kommts?\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Dar\u00fcber musste ich, ehrlich gesagt, etwas nachdenken.<\/p>\n<p>Ich meine mich daran zu erinnern, bei den ersten Bildern auch gedacht zu haben, ja nee klar, die Traurige ist dick. Oder andersrum: Die Dicke ist traurig. Geht ja auch gar nicht anders, wir wissen ja alle, dass dicke Menschen gar nicht gl\u00fccklich sein k\u00f6nnen, sie sind ja schlie\u00dflich dick.<\/p>\n<p>Diese Gedanken rutschten aber bald in den Hinterkopf, weil Sadness im Film eine wichtige Rolle hat und sie der ewig und fast manisch gut gelaunten Joy etwas entgegenstellen kann \u2013 vielleicht auch durch ihr K\u00f6rpergewicht. Ich mochte das gern, dass eine der beiden Hauptfiguren dick ist, denn jede positive Repr\u00e4sentation eines dicken Menschen, auch wenn es hier eine computergenerierte Emotion ist, ist gut und wichtig bei der Normalisierung dieser K\u00f6rperform in den Medien. Je mehr dicke Menschen ich sehe, desto mehr gew\u00f6hne ich mich an sie und empfinde sie nicht mehr als anders oder gar falsch. Au\u00dferdem mochte ich, dass Sadness alleine durch ihre Optik geerdeter ist, fester auf ihren Beinen steht, nicht so sprunghaft und hektisch umherrast wie Joy, sondern bed\u00e4chtiger und \u00fcberlegter unterwegs ist. <\/p>\n<p>Ich habe ihre F\u00fclle besonders in der Szene mit Bingbong als sch\u00f6n empfunden. Als die beiden sich gegenseitig tr\u00f6sten, ist bei mir der Eindruck des Anschmiegens geblieben, das Ankuschelnk\u00f6nnens. Das hei\u00dft nat\u00fcrlich nicht, dass man sich nicht auch an schlanke Menschen rankuscheln kann. Aber die meisten von uns, glaube ich wenigstens, greifen bei Kuschelbed\u00fcrfnis dann doch eher zum dicken Kissen oder der mummeligen Bettdecke, wenn kein Mensch in der N\u00e4he ist, anstatt zum d\u00fcnnen Joggingshirt und einem Handtuch.<\/p>\n<p>Und eine Brille ist nie stereotyp. Eine Brille ist immer sexy.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum ersten Mal in einer Mail ein s\u00fcddeutsches Idiom verwendet. Anstatt zu schreiben \u201eIch bleibe lieber zuhause\u201c, schrieb ich, ohne lange dar\u00fcber nachzudenken \u201eIch bleibe daheim.\u201c Ich stutzte erst, als die Worte da standen. Wenn ich zuhause alleine rumpuschele, begleite ich manchmal das, was ich tue, mit Selbstgespr\u00e4chen. 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