{"id":22831,"date":"2015-10-25T10:19:52","date_gmt":"2015-10-25T08:19:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=22831"},"modified":"2015-10-25T17:24:44","modified_gmt":"2015-10-25T15:24:44","slug":"tagebuch-23-24-oktober-global-art-historyiconic-architecture","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=22831","title":{"rendered":"Tagebuch 23.\/24. Oktober \u2013 Global Art History\/Iconic Architecture"},"content":{"rendered":"<p>Durch die einw\u00f6chige Erk\u00e4ltung (\u201eMit Medikamenten dauert eine Erk\u00e4ltung sieben Tage, ohne eine Woche\u201c) bin ich ein bisschen in Verzug geraten, was meine Seminare angeht, von denen ich noch schreiben wollte. Daher gibt&#8217;s eins nur in Kurzfassung, aber daf\u00fcr ein anderes mit tollem Ratespiel! Bleiben Sie dran!<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Als Alternative zu den tollen <a href=\"https:\/\/lsf.verwaltung.uni-muenchen.de\/qisserver\/rds?state=verpublish&#038;status=init&#038;vmfile=no&#038;publishid=564659&#038;moduleCall=webInfo&#038;publishConfFile=webInfo&#038;publishSubDir=veranstaltung\">Ost-West-Dialogen<\/a> schaute ich mir in der ersten Semesterwoche noch ein Seminar zu <a href=\"https:\/\/lsf.verwaltung.uni-muenchen.de\/qisserver\/rds?state=verpublish&#038;status=init&#038;vmfile=no&#038;publishid=564863&#038;moduleCall=webInfo&#038;publishConfFile=webInfo&#038;publishSubDir=veranstaltung\">Global Art History<\/a> an. Das klang auch alles irrwitzig interessant, aber die Dialoge und Anselm Kiefer sind doch mehr meine Richtung. Durch den Seminarplan habe ich jetzt allerdings eine lange Leseliste von Texten, die ich mir selbst\u00e4ndig erarbeiten kann und die sich durchweg mit Themen besch\u00e4ftigen, die ich bisher nur gestreift oder um die ich mir noch nie einen Kopf gemacht habe.<\/p>\n<p>Die LMU hat als <a href=\"http:\/\/www.kunstgeschichte.uni-muenchen.de\/studium\/allgemein\/muenchen\/index.html\">eine ihrer S\u00e4ulen<\/a> des Fachs Islamische Kunst. Das finde ich zwar alles h\u00fcbsch und bunt, aber so richtig dringend m\u00f6chte ich dar\u00fcber nichts wissen \u2013\u00a0jedenfalls nicht, solange ich die christliche bzw. westliche Kunst noch nicht drauf habe. (Ich frage mich gerade, ob \u201ewestlich\u201c der richtige Ausdruck ist. Ich meine das westliche Europa und Nordamerika, in denen ich mich seit drei Jahren kunsthistorisch bewege.) Deswegen hatte ich in meinem bisherigen Studium auch noch nie Themen wie \u201e<a href=\"https:\/\/aleph2.mpg.de\/F\/SK1V94E7LEY2RYTC6ABSUXI57XK8J68NMBI3H7VURA7B5ICKY3-37972?func=full-set-set&#038;set_number=000407&#038;set_entry=000001&#038;format=999\">Das koloniale Unbewusste in der Kunstgeschichte<\/a>\u201c (Viktoria Schmidt-Linsenhoff), \u201e<a href=\"http:\/\/www.jameselkins.com\/index.php\/essays\/230-art-history-as-a-global-discipline\">Art History as a Global Discipline?<\/a>\u201c (James Elkins, kritisch lesen bitte) oder \u201e<a href=\"https:\/\/eikones.ch\/publikationen\/detail\/?tx_cheikonespublication_pi1%5Buid%5D=1312&#038;cHash=80f12089eafabf5f45bda51f990472fc\">Asynchrone Objekte<\/a>\u201c (Susanne Leeb) auf dem Stundenplan. Keines der Themen des Seminars war mir vertraut, und auch von den vielen afrikanischen K\u00fcnstler*innen, die genannt wurden, kannte ich leider keine\/n einzige\/n. Was mir vorgestellt wurde, klang aber alles hochinteressant. Daher habe ich es etwas bedauert, den Kurs knicken zu m\u00fcssen, aber ich m\u00f6chte dann doch lieber die Seminare, f\u00fcr die ich Punkte und Noten bekomme, sehr gut machen als nur so halbgar.<\/p>\n<p>Aber wie gesagt: Leseliste f\u00fcr die langen Winterabende steht.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Jetzt aber: <a href=\"https:\/\/lsf.verwaltung.uni-muenchen.de\/qisserver\/rds?state=verpublish&#038;status=init&#038;vmfile=no&#038;publishid=564484&#038;moduleCall=webInfo&#038;publishConfFile=webInfo&#038;publishSubDir=veranstaltung\">Iconic Architecture<\/a>. Der zweite Volltreffer und bisher gr\u00f6\u00dfte Gl\u00fccklichmacher im Stundenplan.<\/p>\n<p>Die erste Stunde begann mit einem Bilderr\u00e4tsel, das ihr jetzt lustig mitspielen d\u00fcrft. \u201eKennen Sie diese Geb\u00e4ude bzw. wissen Sie, wer sie entworfen hat?\u201c <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/asdf1.jpg\" alt=\"asdf1\" width=\"500\" height=\"667\" class=\"alignnone size-full wp-image-22838\" \/><br \/>\nNo machine-readable author provided. Chosovi assumed (based on copyright claims). [<a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/2.5\">CC BY-SA 2.5<\/a>], <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3ALa_Casa_Danzante_de_Praga_1.JPG\">via Wikimedia Commons<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/asdf2.png\" alt=\"asdf2\" width=\"500\" height=\"312\" class=\"alignnone size-full wp-image-22839\" \/><br \/>\n(Screenshot von der Seite des Architekturb\u00fcros, Quelle siehe unten.)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/asdf3.jpg\" alt=\"asdf3\" width=\"500\" height=\"280\" class=\"alignnone size-full wp-image-22841\" \/><br \/>\n<a href=\"\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/User:Keith_Edkins\" class=\"extiw\" title=\"en:User:Keith Edkins\">Keith Edkins<\/a> at the <a href=\"\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/\" class=\"extiw\" title=\"w:\">English language Wikipedia<\/a> [<a href=\"http:\/\/www.gnu.org\/copyleft\/fdl.html\">GFDL<\/a> or <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/\">CC-BY-SA-3.0<\/a>], <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3AThe_Sage_Gateshead_2004.jpg\">via Wikimedia Commons<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/asdf4.jpg\" alt=\"asdf4\" width=\"500\" height=\"328\" class=\"alignnone size-full wp-image-22843\" \/><br \/>\nGuenter Schneider (photography) [<a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/3.0\">CC BY 3.0<\/a>], <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3AJewishMuseumBerlinAerial.jpg\">via Wikimedia Commons<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/asdf5.jpg\" alt=\"asdf5\" width=\"500\" height=\"256\" class=\"alignnone size-full wp-image-22844\" \/><br \/>\nBildquelle siehe unten. (Ich brauche ein Blog mit gr\u00f6\u00dferen Bildern. <a href=\"http:\/\/webwork-manufaktur.de\/\">Christian<\/a>?)<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Wenn ihr jetzt brav wart und nicht schon die Wikilinks angeklickt habt, kommt hier die Aufl\u00f6sung:<\/p>\n<p>Das erste Bild zeigt das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tanzendes_Haus\">Tanzende Haus in Prag<\/a>. Gut, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Frank_Gehry\">Gehry<\/a> steht ja quasi fast drauf, das hatte ich getippt, aber das Geb\u00e4ude kannte ich nicht.<\/p>\n<p>Beim zweiten Geb\u00e4ude h\u00e4tte ich die Architektin richtig geraten, wusste aber \u00fcberhaupt nicht, was ich da sah: einen <a href=\"http:\/\/www.zaha-hadid.com\/architecture\/abu-dhabi-performing-arts-centre\/\">Entwurf von Zaha Hadid<\/a> f\u00fcr das Performing Arts Centre in Abu Dhabi.<\/p>\n<p>Beim dritten Geb\u00e4ude musste ich total passen. Es ist <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/The_Sage_Gateshead\">The Sage<\/a> von <a href=\"http:\/\/www.fosterandpartners.com\/\">Norman Foster<\/a>. Den Herrn kennt man wenigstens.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr konnte ich mich beim vierten endlich melden: Das ist das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/J%C3%BCdisches_Museum_Berlin\">J\u00fcdische Museum in Berlin von Daniel Libeskind<\/a>. Der Dozent fragte, woran ich es erkannt h\u00e4tte, woraufhin ich die Duh!-Antwort \u201eAn der Form\u201c gab. Was ich h\u00e4tte sagen sollen: \u201eDer Grundriss h\u00e4ngt seit Jahren bei mir an der Wand, weil ich das Geb\u00e4ude bei meinem Besuch so beeindruckend fand.\u201c Aber das fiel mir erst nachher ein.<\/p>\n<p>Beim f\u00fcnften musste ich wieder passen. Das ist das <a href=\"http:\/\/www.coolhunting.com\/culture\/lyon-musee-des-confluences-science-museum\">Mus\u00e9e des Confluences<\/a> in Lyon, gestaltet von <a href=\"http:\/\/www.coop-himmelblau.at\/\">Coop Himmelb(l)au<\/a>. Die kannte ich immerhin von der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/BMW_Welt#\/media\/File:BMW_Welt_Night.jpg\">BMW-Welt<\/a>. Ha, Werbung!<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>In der zweiten Stunde am vorgestrigen Freitag unterhielten wir uns dar\u00fcber, was <em>iconic buildings<\/em> eigentlich sind. Wir als Kunsthistoriker*innen hingen uns nat\u00fcrlich schon beim <em>iconic<\/em> auf. Ein Ikon ist erstmal ein Zeichen, ein Bild, also musste ein ikonisches Geb\u00e4ude ein Bauwerk sein, das ein Bild abgeben m\u00f6chte, das also \u00fcber seine reine Form noch eine Botschaft vermittelte. So begann unsere Definition in vier Schritten:<\/p>\n<p>1. Ein ikonisches Geb\u00e4ude ist prominent, will wahrgenommen werden, soll weltweit Publicity erregen. Es kann Wahrzeichencharakter haben (siehe <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sydney_Opera_House\">Oper in Sydney<\/a>, und alle Hamburger*innen hoffen brav weiter auf die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Elbphilharmonie\">Elbphilharmonie<\/a>, gell?). Dieses Bekanntwerden-Wollen ist ihm eingeschrieben. Deswegen verneinten wir auch die Dozentenfrage, ob <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schloss_Neuschwanstein\">Schloss Neuschwanstein<\/a> ein <em>iconic building<\/em> sei. Das Schloss war nie dazu gedacht, tonnenweise Touris durch es zu schleifen, sondern war ein reines Privatvergn\u00fcgen von Ludwig II. Der Mann wollte so wenig von der Welt mitkriegen wie m\u00f6glich, was einem ikonischen Bauwerk widerspricht.<\/p>\n<p>Wir diskutieren allerdings \u00fcber Bauwerke wie Wallfahrtskirchen oder Triumphb\u00f6gen, wie zum Beispiel den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Konstantinsbogen\">Konstantinsbogen<\/a> in Rom. Triumphb\u00f6gen wurden f\u00fcr einen bestimmten Anlass errichtet (Sieg des r\u00f6mischen Heeres), verblieben dann aber im Stadtbild, so dass sie weiterhin Zeugnis ihres Bauanlasses waren \u2013 bis heute. Und das nicht nur in Rom, sondern im gesamten r\u00f6mischen Reich, mitten in der Pampa. Sie verk\u00fcndeten damals als den Ruhm Roms, aber: Sie waren alle nach dem gleichen Muster gebaut, weswegen sie keine Ikonen sind. Denn:<\/p>\n<p>2. Ikonische Geb\u00e4ude zeichnen sich durch K\u00fchnheit, Extravaganz und Innovationskraft des Entwurfs aus. Wir sahen uns einige Beispiele an, unter anderem das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kunsthaus_Graz#\/media\/File:Graz_Kunsthaus_vom_Schlossberg_20061126.jpg\">Kunsthaus Graz<\/a>, das mir w\u00e4hrend der BA-Arbeit schon mal unterkam, als ich mich mit <em>computer-aided design<\/em> befasste und erstmals den Begriff der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Blob-Architektur\">Blob-Architektur<\/a> las. Ich mag das Geb\u00e4ude sehr; ich finde, es passt sich \u00fcberraschend gut in seine Umgebung ein. Es \u00fcberragt die umliegenden Bauwerke nicht, sondern scheint sich zufrieden in sein Eckchen in der Stadt zu schmiegen, obwohl es zun\u00e4chst so fremdartig aussieht; wie ein kleines Tierchen, das seinen Platz gefunden hat.<\/p>\n<p>Diese Idee, das etwas von au\u00dfen reinkommt und sich breitmacht, h\u00f6rten wir beim dritten Teil der Definition wieder, allerdings in negativer Hinsicht.<\/p>\n<p>3. Das Geb\u00e4ude hat eine sinnbildliche Qualit\u00e4t, es zeigt seine Funktion (hier sind wir beim Bildhaften, Ikonischen). <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Charles_Jencks\">Charles Jencks<\/a> bescheinigte derartigen Geb\u00e4uden \u201emultiple meanings and enigmatic signifiers\u201c. <\/p>\n<p>Wir besahen uns zun\u00e4chst ein gelungenes Beispiel, das <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Qingdao_Grand_Theatre\">Opernhaus in Qingdao<\/a> von Meinhard von Gerkan, das laut Eigenaussage des Architekten Wolken, Wind und das bergige Umfeld aufgreift (sieht man auf der <a href=\"http:\/\/www.gmp-architekten.de\/projekte.html\">GMP-Website<\/a> besser). Und dann kam ein Geb\u00e4ude, bei dem ich wirklich zusammenzuckte: das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Experience_Music_Project#\/media\/File:Aerial_view_of_EMPSFM.jpg\">Experience Music Project<\/a> in Seattle. Ich bin mir nicht sicher, ob selbst Gehry-Fans hier mal kurz abwinken und sagen, Junge, ist okay, kann ja nicht jeder Entwurf sitzen. Ich selbst kann Gehry nicht mehr sehen, was auch daran liegen k\u00f6nnte, dass vor einigen Jahren gef\u00fchlt jeder zweite Audi-Katalog vor irgendeinem Gehry geshootet wurde (\u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Guggenheim-Museum_Bilbao#\/media\/File:Guggenheim-bilbao-jan05.jpg\">Bilbao<\/a> geht immer!\u201c). Aber das Seattle-Ding ist noch unf\u00f6rmiger als Gehry eh schon ist und dazu auch noch konfus. Finde ich jedenfalls. Netterweise bin ich nicht allein: Der Architekturkritiker Herbert Muschamp <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2004\/05\/16\/arts\/architecture-the-library-that-puts-on-fishnets-and-hits-the-disco.html?pagewanted=all\">schrieb<\/a> den wundervollen Satz: \u201eFrank Gehry&#8217;s Experience Music Project looks like something that crawled out of the sea, rolled over and died.\u201c Witold Rybczynski schrieb in <em><a href=\"http:\/\/www.wsj.com\/articles\/SB122731149503149341\">When Buildings Try Too Hard<\/a><\/em> \u00fcber den kommerziellen Misserfolg des Projekts und den beabsichtigten Bilbao-Effekt, der f\u00fcr ihn eher <em>the Bilbao anomaly<\/em> ist \u2013 der Erfolg von Bilbaos Guggenheim, wo ein kulturelles Architekturprojekt eine ganze Stadt \u00f6konomisch nach vorne gebracht hat, ist nicht so leicht reproduzierbar wie viele dachten. Was uns zum letzten Punkt brachte:<\/p>\n<p>4. Ikonische Bauwerke sollen heute bewusst ein Tourismusmagnet sein, sie sind kommerziell ausgerichtet. Bei dem Punkt hatten wir uns dann allerdings wieder in den Haaren. Wir sprachen bereits unter 1. die vielen Kirchen an, die vom Ruhm Gottes k\u00fcndeten, aber sich recht \u00e4hnlich sahen. Aber was ist mit absoluten Tourismuszielen wie dem Petersdom, der zwar aus der bekannten Formensprache von Renaissance und Barock sch\u00f6pft, aber sehr dringend wahrgenommen werden will und ein kommerzieller Erfolg ist?<\/p>\n<p>Diese Diskussion mussten wir verschieben. Auch das ist ein Punkt, der mir an diesem Seminar so gef\u00e4llt, wie auch im Dialoge-Kurs: Wir reden viel. Ich wei\u00df nicht, ob das Zufall oder wirklich ein Unterschied zum BA ist, dass in diesen Master-Seminaren die Leute deutlich engagierter sind. Vielleicht ist jetzt auch endlich die Scheu weg, was Falsches zu sagen; wir wissen alle mehr als vor drei Jahren, als wir hier als putzige Erstis mit roten B\u00e4ckchen und jungfr\u00e4ulichen Notizb\u00fcchern sa\u00dfen, wir trauen uns jetzt, auch mal eine Vermutung rauszuhauen. Oder hat es wirklich was damit zu tun, dass wir bereits im zweiten Studium sind? Den ersten Berufsabschluss haben wir in der Tasche, wir m\u00fcssen nicht mehr hier sein, die Schuldigkeit, eine Ausbildung machen zu m\u00fcssen, ist abgeleistet. Wir sitzen hier, weil wir noch mehr wollen. Und ich glaube, wir wissen inzwischen alle, wie sehr ein Seminar davon profitiert, dass mal irgendwer den Mund aufmacht.<\/p>\n<p>Das Seminar bietet allerdings auch eine neue Herausforderung. Denn viele der Geb\u00e4ude, \u00fcber die wir referieren und Hausarbeiten schreiben, sind noch gar nicht gebaut. Mein Referat besch\u00e4ftigt sich mit dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nationalstadion_Peking\">Nationalstadion in Peking<\/a> (\u201eVogelnest\u201c) von Herzog &#038; de Meuron sowie dem geplante Stadion zur Fu\u00dfball-WM 2022, dem <a href=\"http:\/\/www.zaha-hadid.com\/architecture\/al-wakrah-stadium\/\">Al Wakrah<\/a> von Zaha Hadid. Mit letzterem hatte das Internet schon einen <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/commentisfree\/2013\/nov\/18\/qatar-accidental-vagina-stadium-al-wakrah-world-cup-stadium\">field day<\/a>, und ich freue mich jetzt schon auf die Bildersuche. Aber was die wirkliche Herausforderung ist: Wir schreiben als Kunsthistoriker*innen (die Betonung liegt auf \u201eHistoriker*innen\u201c) \u00fcber Dinge, die es noch nicht gibt. Wir haben keine Baupl\u00e4ne, die wir studieren, keine Vorbilder, an denen wir uns orientieren, keine Einzelteile, die wir aus anderen Bauten kennen und auf die wir die neuen abklopfen, keine Sekund\u00e4rliteratur, aus der wir zitieren k\u00f6nnen. Es gibt noch keine objektivierende Distanz, aus der wir uns den Bauwerken n\u00e4hern, wir haben nur das Marketingsprech und die wunderh\u00fcbschen Renderings, aus denen wir unsere kunsthistorischen Betrachtungen ableiten. Das wird eine sehr spannende Aufgabe. Oder wie es der Dozent ausdr\u00fcckte: \u201eSie k\u00f6nnen hier richtig Pionierarbeit leisten.\u201c<\/p>\n<p>Na denn. Happy Anke. (Warum habe ich seit Tagen die <a href=\"http:\/\/muppet.wikia.com\/wiki\/Doozers\">Doozers<\/a> im Kopf?)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch die einw\u00f6chige Erk\u00e4ltung (\u201eMit Medikamenten dauert eine Erk\u00e4ltung sieben Tage, ohne eine Woche\u201c) bin ich ein bisschen in Verzug geraten, was meine Seminare angeht, von denen ich noch schreiben wollte. Daher gibt&#8217;s eins nur in Kurzfassung, aber daf\u00fcr ein anderes mit tollem Ratespiel! 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