{"id":22888,"date":"2015-10-29T09:21:07","date_gmt":"2015-10-29T07:21:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=22888"},"modified":"2015-10-29T09:21:07","modified_gmt":"2015-10-29T07:21:07","slug":"tagebuch-28-oktober-brdddr-nedbra","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=22888","title":{"rendered":"Tagebuch 28. Oktober \u2013 BRD\/DDR, NED\/BRA"},"content":{"rendered":"<p>Im deutsch-deutsche-Dialoge-Seminar sprachen wir \u00fcber <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fritz_Winter_(Maler)\">Fritz Winter<\/a> und die Rezeption vor allem seiner \u201e<a href=\"http:\/\/www.mgk-siegen.de\/deu\/ausstellungen-und-sammlung\/kunstwerk-des-monats\/archiv\/februar-2011---winter-triebkraefte.html\">Triebkr\u00e4fte der Erde<\/a>\u201c-Werke direkt nach 1945, f\u00fcr die auch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Werner_Haftmann\">Werner Haftmann<\/a> zust\u00e4ndig war. Haftmann sah in Winter einen Protagonisten f\u00fcr die innere Emigration, also f\u00fcr einen K\u00fcnstler, der sich mit dem NS-Regime arrangierte, aber trotzdem Kunst schuf. Es gibt einen Aufsatz von Haftmann, in dem er dieses innere Exil als wertvoller ansieht als ein \u00e4u\u00dferes; die t\u00e4gliche Auseinandersetzung mit einem politischen Regime, in dem man leben muss, schafft gr\u00f6\u00dfere Kunst als ein Leben au\u00dferhalb dieses Regimes. (Den gedanklichen Salto muss man auch erst mal machen.) Generell setzte die Kunst der jungen Bundesrepublik sich so gut wie gar nicht mit dem Faschismus, dem Krieg, dem Holocaust auseinder, sondern floh, b\u00f6se ausgedr\u00fcckt, in die Abstraktion, die Historiker wie Haftmann dem misstrauischen Publikum durch derartige Deutungen schmackhaft machte. In diesem Zusammenhang h\u00f6rte ich auch ein sch\u00f6nes Paul-Klee-Zitat, der sich dar\u00fcber bewusst war, dass seine Kunst schwierig war: \u201eUns tr\u00e4gt kein Volk.\u201c<\/p>\n<p>In der SBZ bzw. der DDR setzte man sich anfangs durchaus k\u00fcnstlerisch mit dem Faschismus auseinander. Ab ca. 1951 sollte allerdings themengebundene Kunst nach sowjetischem Vorbild geschaffen werden, die f\u00fcr den Aufbau des Sozialismus begeistern sollte. Im Zentrum stand der werkt\u00e4tige Mensch, der Stil war naturalistisch. Wir sahen ein <a href=\"http:\/\/www.bildatlas-ddr-kunst.de\/knowledge\/395\">Bild<\/a> von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hans_Grundig\">Hans Grundig<\/a>, das die Opfer des Faschismus w\u00fcrdigte (1946\/47) und im Gegensatz dazu <a href=\"http:\/\/www.bildindex.de\/obj30122377.html#|0\">eines<\/a> von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Otto_Nagel\">Otto Nagel<\/a> (1953). <\/p>\n<p>Zwei zusammenhanglose Dinge, die ich auch gelernt habe: Von den zur NS-Zeit ausgewanderten K\u00fcnstler*innen kehrte nur ein Viertel nach Deutschland zur\u00fcck und fast alle davon gingen in die SBZ. Und: Franz Marcs <em><a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/literatur-unsere-buchempfehlungen-zum-ersten-weltkrieg-1.1933973-3\">Briefe aus dem Feld<\/a><\/em> wurden noch 1941 gedruckt, obwohl der Maler seit 1937 als \u201eentartet\u201c galt.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Nachmittags hatte ich dann wieder die Vorlesung, die sich mit den k\u00fcnstlerischen Reiseerfahrungen ab der fr\u00fchen Neuzeit besch\u00e4ftigte. Mit der Vorlesung hadere ich immer noch, weil ich noch keinen roten Faden habe. Aber ich habe ein Bild wiedergesehen, vor dem ich <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=22398\">vor einigen Wochen in Amsterdam im Rijksmuseum<\/a> stand: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Frans_Post\">Frans Post<\/a>s <em>Brasilianische Landschaft<\/em> von 1652. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/SK-A-3224.jpg\" alt=\"SK-A-3224\" width=\"500\" height=\"666\" class=\"alignnone size-full wp-image-22890\" \/><\/p>\n<p>(Hier mal wieder der Dank ans Rijksmuseum f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/www.rijksmuseum.nl\/en\/search\/objects?q=frans+post&#038;p=1&#038;ps=12&#038;ii=2#\/SK-A-3224,2\">hochaufl\u00f6senden Bilder<\/a>, die man sich einfach so legal runterladen kann. Heel erg bedankt.)<\/p>\n<p>((Hier mal wieder der Dank an Google Translate.))<\/p>\n<p>Die Niederlande eroberten 1630 einige brasilianische Hafenst\u00e4dte von den Portugiesen. (War mir auch nicht klar, dass die Kolonialm\u00e4chte sich gegenseitig Land geklaut haben und nicht nur den Menschen, die schon da waren.) Bereits 1654 hatte das wieder ein Ende, aber in der Zeit war <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Johann_Moritz_(Nassau-Siegen)\">Johann Moritz von Nassau-Siegen<\/a> in S\u00fcdamerika, um eine anst\u00e4ndige Kolonie zu errichten. Also mit afrikanischen Sklaven, die Zuckerrohr verarbeiteten und den Reichtum der Niederlande mehrten, was man eben so unter anst\u00e4ndig verstand. Zu seiner Expedition geh\u00f6rten auch Maler und Kartografen, unter anderem Frans Post, der es in diesen Bild schafft, eine idyllische Landschaft zu malen, die das brutale Vorgehen der Eroberer komplett verschweigt. Der Betrachter bekommt einen Einblick in die vielf\u00e4ltige Vegetation des Landes, vor allem im Vordergrund, wo wir zum Beispiel einen kecken Vogel sehen oder eine Ananas. <\/p>\n<p>Ich wei\u00df noch, wie ich im Rijksmuseum vor diesem recht gro\u00dfformatigen Bild stand, dessen halbrunde Gestaltung mir von anderen europ\u00e4ischen Bildern bekannt war, und mich fragte, wieso ein Niederl\u00e4nder um diese Zeit eine brasilianische Landschaft malt. Jetzt wei\u00df ich&#8217;s. <\/p>\n<p>Vielleicht sollte ich doch mal wieder die Audioguides der Museen nutzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im deutsch-deutsche-Dialoge-Seminar sprachen wir \u00fcber Fritz Winter und die Rezeption vor allem seiner \u201eTriebkr\u00e4fte der Erde\u201c-Werke direkt nach 1945, f\u00fcr die auch Werner Haftmann zust\u00e4ndig war. 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