{"id":2393,"date":"2008-03-05T10:06:56","date_gmt":"2008-03-05T08:06:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=2393"},"modified":"2008-03-05T10:10:47","modified_gmt":"2008-03-05T08:10:47","slug":"2393","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=2393","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.ankegroener.de\/Bilder\/there_will_be_blood.jpg' alt='' \/><br \/>\n\u00c2\u00a9 Paramount Vantage\/Miramax<\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0469494\/\">There Will Be Blood<\/a> (USA 2007, 158 min)<\/p>\n<p>Darsteller: Daniel Day-Lewis, Paul Dano, Dillon Freasier, Ciar\u00e1n Hinds<br \/>\nMusik: Jonny Greenwood<br \/>\nKamera: Robert Elswit<br \/>\nDrehbuch: Paul Thomas Anderson, nach dem Roman Oil! von Upton Sinclair<br \/>\nRegie: Paul Thomas Anderson<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.apple.com\/trailers\/paramount_vantage\/therewillbeblood\/\">Trailer<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.paramountvantage.com\/blood\/\">Offizielle Seite<\/a><\/em><\/p>\n<p>Ich kann Daniel Day-Lewis nicht ertragen. Bis auf wenige Ausnahmen spielt er f\u00fcr mich jedesmal v\u00f6llig \u00fcberzogen und so theatralisch, als w\u00e4re ein Kino eben kein Kino, sondern der Hamburger Fischmarkt, wo man mit Gebr\u00fcll seine Ware unters Volk schreien muss. Wahrscheinlich hat deshalb <em>There Will Be Blood<\/em> bei mir so gar nicht funktioniert. <\/p>\n<p>Der Film erz\u00e4hlt die Geschichte von Daniel Plainview (talking name galore), der durch harte Arbeit seine erste \u00d6lquelle entdeckt, ausbeutet und zu bescheidenem Reichtum gelangt. Eines Tages kommt ein junger Mann zu ihm, der ihm f\u00fcr 500 Dollar erz\u00e4hlt, wo es weiteres \u00d6l gibt. Plainview r\u00fcckt mit Sack und Pack an, kauft das Land relativ billig \u2013 unter der Voraussetzung, bei Erfolg eine gro\u00dfz\u00fcgige Summe an die \u00f6rtliche Kirche zu stiften \u2013 und f\u00e4ngt an zu bohren. Mit dabei ist der kleine H.W., der Sohn eines Mitstreiters von Plainview, der bei der ersten Quelle ums Leben gekommen ist. H.W. lebt im Glauben auf, Plainview sei sein Vater.<\/p>\n<p>Als die neue Quelle anf\u00e4ngt zu sprudeln, wird H.W. verletzt und verliert sein Geh\u00f6r. Plainview, der sich bis jetzt eh nicht als gro\u00dfartiger Sympathietr\u00e4ger hervorgetan hat, verst\u00f6\u00dft den Kleinen. Und damit nicht genug: Er bringt auch noch die Kirche gegen sich auf, vor allem Eli, den strenggl\u00e4ubigen Pastor, der ihn zum Glauben bekehren will, aber stattdessen von Plainview in eine \u00d6lpf\u00fctze gepr\u00fcgelt wird mit der Ansage, die Kirche habe hier nichts mehr zu melden. <\/p>\n<p>Elis Rache wird kommen, aber zu dem Zeitpunkt hatte ich mich schon geistig von <em>Blood<\/em> verabschiedet. Ich hatte mich bis dahin bem\u00fcht, den Film zu m\u00f6gen \u2013 und er hat durchaus gute Seiten. Die Bilder sind hervorragend: weite Panoramen, die Ehrfurcht f\u00fcr das Land und die Leistung der Menschen ertrotzen, die dem Boden etwas abgewinnen. Und danaben die vielen ausgezehrten Gesichter, die einer John-Steinbeck-Geschichte entsprungen scheinen. Und auch wenn einige Details nach Kulisse und Schminke aussehen, waren die Bilder gro\u00dfartig. Ein schickes Tableau nach dem n\u00e4chsten. <\/p>\n<p>Ich habe mich manchmal wirklich in die Zeit versetzt gef\u00fchlt, in der der Film spielt. Licht und Schatten waren sehr hart gesetzt, die Bilder schienen manchmal schneller zu laufen, so wie man es von alten Wochenschauen gewohnt ist. Die Aufstellungen der Figuren in den einzelnen Szenen war jedesmal perfekt komponiert; selbst die Wolken sahen teilweise so aus, als h\u00e4tte sie jemand genau an diese Stelle des Himmels beordert.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich machen die Themen des Films ein Riesenfass auf. Der Wunsch, vielleicht schon die Gier nach Macht. Der Wille zum absoluten Erfolg, egal was daf\u00fcr auf der Strecke bleiben muss. Und als Kontrast dazu die staubigen Gl\u00e4ubigen in ihrer Holzkirche, der magere Pastor, dessen Glaube geradezu aus ihm herausleuchtet, der aber auch nicht von weltlichen W\u00fcnschen frei ist. Alles Themen, die sicher noch Relevanz haben, die aber leider so altbacken inszeniert wurden, dass hier das Gef\u00fchl, im letzten Jahrhundert zu sein, genau in die falsche Richtung f\u00fchrte. <\/p>\n<p>Der Kampf zwischen dem Pastor und Plainview war so derma\u00dfen moralgetr\u00e4nkt, dass ich ihn einfach nicht ernstnehmen konnte. Und dass jeder auf seine ganz eigene Probe gestellt wird \u2013 was verkaufe ich von meiner Seele, um an mein Ziel zu gelangen \u2013, klingt theoretisch toll, sah aber in der Umsetzung eher nach Jahrmarkt aus. Da kam dann wieder mein Day-Lewis-Problem. Vielleicht sollte seine Darstellung so kasperletheaterm\u00e4\u00dfig sein, keine Ahnung. Vielleicht muss ein \u00d6lbaron in spe sich wie ein Staubsaugervertreter anh\u00f6ren, ich wei\u00df es nicht. Ich pers\u00f6nlich wollte ihm aber nach f\u00fcnf Minuten nicht mehr zuh\u00f6ren, wie er sein brummiges Timbre wirken l\u00e4sst, wie er Ger\u00e4usche macht wie ein geistig zur\u00fcckgebliebener Cowboy und wie er jeden einzelnen seiner verdammten S\u00e4tze theatralisch aufpoliert, als w\u00e4re er auf der Schauspielschule und m\u00fcsste den ger\u00fchrten M\u00fcttern im Publikum zeigen, dass er ne echt gute Ausbildung hatte. Und als er in der gro\u00dfen, dramatischen Schlussszene auch noch anf\u00e4ngt, Speichelf\u00e4den zu ziehen, musste ich an die eine <em>Friends<\/em>-Folge denken, wo Gary Oldman Joey eben diesen Tipp gibt: Gro\u00dfe Schauspieler spucken! Die Folge hat Day-Lewis wahrscheinlich auch gesehen.<\/p>\n<p>Mein Problem mit <em>There Will Be Blood<\/em> war, dass sich die Geschichte auf dem Papier allgemeing\u00fcltig anh\u00f6rt, zeitlos und faszinierend, weil sie Grundthemen der Menschheit anrei\u00dft, sie mich aber in der Umsetzung \u00fcberhaupt nicht \u00fcberzeugt hat, weil sie statisch wirkte und wie aus einem Lehrfilm f\u00fcr die Oberstufe. Der Film br\u00fcllt einem von der ersten Sekunde \u201eICH BIN GROSS ICH BIN EIN EPOS ICH BIN WAHNSINNIG WICHTIG\u201c ins Gesicht. Und bei sowas denke ich sofort, nee, komm erst mal runter, erz\u00e4hl mir erstmal, was du kannst. Und da klaffte dann eben eine Riesenl\u00fccke zwischen Anspruch und K\u00f6nnen. Leider. Denn bis jetzt hat mir jeder Film von Paul Thomas Anderson gefallen, und ich bin auch davon ausgegangen, dass mir <em>Blood<\/em> gefallen wird. Vielleicht dreht einer den Film ja mal nach \u2013 mit einem anderen Hauptdarsteller. Dann reden wir nochmal dr\u00fcber.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00c2\u00a9 Paramount Vantage\/Miramax There Will Be Blood (USA 2007, 158 min) Darsteller: Daniel Day-Lewis, Paul Dano, Dillon Freasier, Ciar\u00e1n Hinds Musik: Jonny Greenwood Kamera: Robert Elswit Drehbuch: Paul Thomas Anderson, nach dem Roman Oil! von Upton Sinclair Regie: Paul Thomas Anderson Trailer Offizielle Seite Ich kann Daniel Day-Lewis nicht ertragen. 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