{"id":25059,"date":"2016-08-17T09:24:48","date_gmt":"2016-08-17T07:24:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=25059"},"modified":"2016-08-17T15:22:45","modified_gmt":"2016-08-17T13:22:45","slug":"was-schon-war-dienstag-16-august-in-kunst-wuhlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=25059","title":{"rendered":"Was sch\u00f6n war, Dienstag, 16. August \u2013 In Kunst w\u00fchlen"},"content":{"rendered":"<p>Meine zweite Hausarbeit in diesem Semester besch\u00e4ftigt sich mit dem Maler und Grafiker Leo von Welden. \u00dcber den Herrn gibt es recht wenig Forschungsliteratur, was daran liegen k\u00f6nnte, dass er, wenn \u00fcberhaupt, nur eine lokale Bekanntheit genie\u00dft, Rosenheim, Bad Aibling, Feilnbach, eventuell noch M\u00fcnchen. Ich hatte seinen Namen noch nie geh\u00f6rt, als ich ihn in der Themenliste f\u00fcr unser Rosenheim-Seminar entdeckte, nahm ihn einfach, weil ich mich mal mit einem K\u00fcnstler auseinandersetzen wollte und nicht mit einem Sachthema (Kunstkritik in der NS-Zeit, Architektur der Galerie Rosenheim \u2013 okay, das h\u00e4tte ich auch sofort genommen, aber das wollte noch jemand anders \u2013, Provenienzforschung, Kunstverein Rosenheim, <a href=\"http:\/\/galerie.rosenheim.de\/news\/einzelansicht\/?tx_ttnews%5Byear%5D=2013&#038;tx_ttnews%5Bmonth%5D=04&#038;tx_ttnews%5Btt_news%5D=159&#038;cHash=54921f0ff3c1a03cacff508de83dec7a\">Max Bram<\/a> etc.).<\/p>\n<p>Die wenige Literatur besteht haupts\u00e4chlich aus Ausstellungskatalogen, in denen fast ausschlie\u00dflich Freunde und Bekannte von Weldens zu Wort kommen, die ihn nat\u00fcrlich ganz gro\u00dfartig aussehen lassen. Die einzige kunsthistorische Auseinandersetzung ist das <a href=\"https:\/\/opac.ub.uni-muenchen.de\/TouchPoint\/perma.do?q=+0%3D%224351033%22+IN+%5B2%5D&#038;v=sunrise&#038;l=de\">Buch<\/a> von Ingrid von der Dollen von 2008, die <a href=\"http:\/\/www.expressiverrealismus.de\/index.php?page=792\">Vorsitzende<\/a> des F\u00f6rderkreises Expressiver Realismus ist, ein Label, das sie auch von Welden \u00fcberst\u00fclpt und mit dem ich einige Probleme habe (<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-14327428.html\">nicht nur ich<\/a>). In ihrem Buch dr\u00fcckt sie sich komplett um die Gro\u00dfe Deutsche Kunstausstellung und befasst sich haupts\u00e4chlich mit seinem Sp\u00e4twerk nach 1945.<\/p>\n<p>Wenn man von Weldens Entwicklung extrem knapp \u00fcberrei\u00dfen w\u00fcrde, k\u00f6nnte das so aussehen: Akademieausbildung 1920 bis 1925 in M\u00fcnchen, viel Grafik und Radierungen. Danach Grafik und \u00d6l, Ausstellungen in Berlin und Stuttgart, dazu die GDK. Nach 1945, meiner Meinung nach eher aus \u00f6konomischen denn aus k\u00fcnstlerischen Gr\u00fcnden Arbeiten in Caparol, eigentlich eine Wandfarbe, die von Welden kurzerhand als Malfarbe nutzte und die ihn f\u00fcr mich auch kunsthistorisch spannend werden l\u00e4sst, weiterhin viele Zeichnungen, Grafiken und Aquarelle. Von Anfang an bis in die 1950er Jahre hinein hat er ausschlie\u00dflich fig\u00fcrlich gearbeitet, dann, im Zuge der Neuausrichtung der Kunst in der Bundesrepublik, begann er zus\u00e4tzlich mit abstrakten Werken, die aber noch nirgends publiziert wurden und von denen ich nur einige wenige Bilder kannte, die ich in Zeitungsartikeln zu Ausstellungser\u00f6ffnungen rund um Rosenheim als Bebilderung in schwarzwei\u00df und pixelig gesehen hatte. Von der Dollen ist die gesamte Abstraktion nur eine Fu\u00dfnote wert, vermutlich weil sie auch das Label als expressiver Realist ein bisschen ankratzen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Gestern hatte ich die Gelegenheit, im Nachlass von Weldens zu st\u00f6bern. Seine Tochter, knapp 80, wartete mit Butterbrezn und Wasser auf mich, die ich bitter n\u00f6tig hatte, weil ich morgens vergebens dem Zug hinterhergerannt war, den ich verpasste, weil meine U-Bahn ausgefallen war. Wie im schlechten Film: vier Rolltreppen im Bahnhof hochgehechtet, dann gehumpelt-geh\u00fcpft zum Gleis (ich kann ja nicht richtig laufen wegen uralter Bandscheiben-OP, egal, dann h\u00fcpfe ich halt), wo der Zug noch stand, ich erwischte den letzten Wagen, dr\u00fcckte auf den T\u00fcr\u00f6ffner, der aber schon nicht mehr gr\u00fcn leuchtete, und noch w\u00e4hrend ich sinnlos auf den Knopf h\u00e4mmerte, setzte sich der Zug in Zeitlupe in Bewegung, und ich war pissig und sinnlos verschwitzt. Dann spuckte mir die Bahn-Website auch noch eine Verbindung aus, die es nicht gab (ich fragte lieber noch mal nach, denn in der MVV-App wurde sie nicht angezeigt), schlie\u00dflich fand ich eine Verbindung, die es gab und meldete mich kleinlaut bei meiner Gastgeberin, dass ich mich um eine Stunde versp\u00e4ten w\u00fcrde. Das sei alles kein Problem, sie kenne das, sie sei ja auch Zugfahrerin. Ein St\u00fcndchen sp\u00e4ter genoss ich dann gef\u00fchlt umsonst, weil Semesterticket, die malerische Strecke zwischen Freising und Moosburg, wo sich \u00fcberdachte Holzbr\u00fccken mit gewei\u00dften Kirchleins abwechselten. Verdammtes Klischeebayern, you are so pretty.<\/p>\n<p>Ich betrat dann ein bisschen nerv\u00f6s das Atelier, wo Mappen um Mappen auf mich warteten, gerahmte Bilder, ungerahmte Bilder, Schubladen voller Grafiken und noch mehr Mappen und Mappen. Damit begann ich dann auch: Ich wollte gerne die abstrakten Werke sehen. Ich bl\u00e4tterte ein Werk nach dem n\u00e4chsten durch, guckte, ordnete im Kopf ein, versuchte \u00c4hnlichkeiten oder Referenzen an das Werk zu erkennen, das ich bereits abgespeichert hatte, fotografierte einiges, was f\u00fcr mich herausstach, und fand es sehr aufregend, Werke zu sehen, die ich eben noch nie gesehen hatte, weil sich noch niemand die M\u00fche gemacht hatte, sie auszuwerten. Das werde ich leider auch nicht leisten k\u00f6nnen, weil es schlicht zu viel f\u00fcr eine kleine Hausarbeit ist, aber sie haben mein Bild vom Gesamtwerk von Weldens entscheidend verdichtet.<\/p>\n<p>Danach besah ich mir noch Radierungen aus seiner Studienzeit und versuchte vor allem die Zeit vor 1943 aufzuf\u00fcllen; 1943 war das von Welden&#8217;sche Atelier in der Amalienstra\u00dfe (quasi gegen\u00fcber vom heutigen Historicum) durch einen Bombentreffer zerst\u00f6rt worden und damit ein Gro\u00dfteil seiner Werke. Wir bl\u00e4tterten durch Fotoalben, wo ich auch Neues entdeckte, ich bekam alle Kataloge geschenkt, die ich zwar auch im ZI und in der Stabi habe, aber jetzt habe ich sie zuhause, ha! und ganz zum Schluss erhielt ich noch die Abschrift eines Schriftst\u00fccks, das ich f\u00fcr sehr wichtig halte. Die meines Wissens nach einzige Ablehnung, die von Welden zur NS-Zeit bekam (au\u00dfer den Bildern auf der GDK, die nicht angenommen wurden), stammte vom Kunstverein Freiburg, der von Weldens Freund, der dessen Bilder vorgelegt hatte, 1937 schrieb:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eUnterdessen haben die Herren die Graphik von Welden angesehen. Man war allgemein der Meinung, dass es sich um eine Begabung handelt, aber man hatte das Bedenken, dass die Groteske, zu der er neigt, leicht Anlass gibt[,] uns der Unterst\u00fctzung einer Kunst zu bezichtigen, die den \u201eUntermenschen\u201c zum Objekt der Darstellung habe.\u201c <\/p><\/blockquote>\n<p>Das Zitat hatte ich in Ausz\u00fcgen schon bei Frau von der Dollen gelesen, wollte es aber gerne im Kontext haben. Ich fand es sehr spannend, dass der Verein sich selbst nicht ganz so klar dar\u00fcber ist, was eigentlich ein sogenannter \u201eUntermensch\u201c ist, sonst h\u00e4tten sie ihn nicht in Anf\u00fchrungszeichen gesetzt, und ob sich dieser Typus dann \u00fcberhaupt in von Weldens Grafiken zeigt. Im Brief wird auch noch von einem Wechsel in der Kreisleitung geschrieben, was f\u00fcr mich darauf hindeutet, dass der Kunstverein noch nicht so recht wei\u00df, welcher neue Wind jetzt in Freiburg weht und was man noch ausstellen kann und was nicht \u2013 wieder ein Beleg f\u00fcr die sehr inkonsistente NS-Kunstpolitik, die niemals eine Art Ratifizierungskatalog dar\u00fcber erstellt hat, was denn nun deutsche Kunst sei. Die einzigen, auch eher weichgefassten Kriterien waren h\u00f6chstens die, was keine deutsche Kunst sei, aber auch hier waren sich nicht alle einig. (Ich <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=24311\">schrieb<\/a> schon mal kurz \u00fcber den Fall Rudolf Belling, der gleichzeitig in der Ausstellung \u00fcber \u201eentartete\u201c Kunst und in der GDK hing.)<\/p>\n<p>Nach knapp vier Stunden waren mein Kopf voll und meine iPhone-Kamera leer. Das war ein sehr hilfreicher und spannender Tag, der mein Gesamturteil \u00fcber von Welden verfestigte und an einigen Stellen sch\u00f6n ausbauen konnte. Ich schreibe das mal eben alles auf \u2013\u00a0auch die Dinge, die ich hier im Blog nicht aufschreibe, weil ich sie brav wissenschaftlich einordnen will. Daf\u00fcr m\u00fcsst ihr dann die Hausarbeit lesen, SO SORRY! (Hehe.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine zweite Hausarbeit in diesem Semester besch\u00e4ftigt sich mit dem Maler und Grafiker Leo von Welden. \u00dcber den Herrn gibt es recht wenig Forschungsliteratur, was daran liegen k\u00f6nnte, dass er, wenn \u00fcberhaupt, nur eine lokale Bekanntheit genie\u00dft, Rosenheim, Bad Aibling, Feilnbach, eventuell noch M\u00fcnchen. 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