{"id":251,"date":"2003-10-30T17:08:32","date_gmt":"2003-10-30T16:08:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=251"},"modified":"2004-11-08T19:51:58","modified_gmt":"2004-11-08T18:51:58","slug":"herr-lehmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=251","title":{"rendered":"Herr Lehmann"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"http:\/\/imdb.com\/title\/tt0322545\/\">Herr Lehmann<\/a><br \/>\n(D, 2003)<\/p>\n<p>Darsteller: Christian Ulmen, Detlev Buck, Katja Danowski, Janek Rieke, Hartmut Lange<br \/>\nMusik-Konzept: Charlotte Goltermann<br \/>\nKamera: Frank Griebe<br \/>\nDrehbuch: Sven Regener<br \/>\nRegie: Leander Hau\u00dfmann<\/em><\/p>\n<p>Von <em>Herrn Lehmann<\/em> sind mir zwei Zitate im Ged\u00e4chtnis geblieben. Eins davon ist die wunderbare Liebeserkl\u00e4rung von Herrn Lehmann an seine Angebetete Katrin: \u201eIch liebe dich. Das ist der Punkt. Kann ich mal den Aschenbecher haben?\u201c<\/p>\n<p>In diesem Stil l\u00e4uft der ganze Film. Die Handlung selbst ist nicht weiter von Belang: Herr Lehmann arbeitet in einer Kneipe, ist praktisch nur nachts wach, zieht da meist mit seinem Kumpel Karl um die H\u00e4user und f\u00fchrt belanglose Gespr\u00e4che mit seinen Kollegen und seinem Chef. Aber so simpel wie sich das anh\u00f6rt, ist es nat\u00fcrlich nicht. Nat\u00fcrlich geht es in Wirklichkeit um die Liebe, um den Sinn des Lebens, um die Angst, dieses Leben irgendwie zu verpassen und gleichzeitig um die Angst, sich eben dieser Tatsache zu stellen. Aber wer will schon \u00fcber gro\u00dfe Fragen nachdenken, wenn es ne Menge Bier gibt, noch Platz im Aschenbecher ist und die Frage im Raum steht, ob Kristall-Rainer ein Zivilbulle ist, der Erwins Kneipe dichtmachen will, weil er dort Drogengesch\u00e4fte vermutet?<\/p>\n<p><em>Herrn Lehmann<\/em> lebt von seinen skurrilen Dialogen, die man wahrscheinlich nur nachvollziehen kann, wenn man selbst mal morgens um f\u00fcnf betrunken \u00fcber die Wichtigkeit von Elektrolyten diskutiert hat. Oder selbst mal hinter der Theke stand. Denn wenn man zu diesen komischen V\u00f6geln der Nacht geh\u00f6rt, verliert das t\u00e4gliche Leben, das sich zu \u201enormalen\u201c Tageszeiten abspielt, komplett seine Sinnhaftigkeit. Wor\u00fcber macht der Rest der Welt sich eigentlich den ganzen Tag so einen Kopf? Das versteht man erst, wenn diese Welt der \u201eNormalen\u201c pl\u00f6tzlich in die Nacht einbricht und den kleinen Kellnerkosmos anknackst. Und dann muss selbst ein Herr Lehmann, der sich sonst so wunderbar treiben lassen kann, einmal aufwachen. <\/p>\n<p>Die Hauptfigur wird von Christian Ulmen sehr \u00fcberzeugend dargestellt, dem ich pers\u00f6nlich so eine Tiefe gar nicht zugetraut h\u00e4tte. Denn selbst, wenn seine Figur stets an der Oberfl\u00e4che zu bleiben scheint, ahnt man als Zuschauer doch, dass sein Kopf eben nicht so leer ist, wie er selber gerne von sich sagt. Seinen Kumpel Karl, der ihm den Ansto\u00df gibt, sich mit seinem Leben auseinanderzusetzen, spielt Detlev Buck in gewohnt lakonischer Manier, die hier mal nicht tr\u00e4ge oder dumpfbackig wirkt, sondern absolut passend.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt wirkt der ganze Film sehr stimmig \u2013 wenn man die Stimmung einer abgewrackten Berliner Kneipe zu nachtschlafender Zeit mag. Ich mag sie. Und deshalb bin ich mir auch gar nicht sicher, ob ich will, dass sich Herr Lehmann \u00e4ndert. Ich mag ihn eigentlich so, wie er ist. Wer sagt denn, dass man mit 30 sein Leben in geordnete Bahnen laufen lassen muss? Wer sagt denn, dass hinter der Theke stehen nicht auch ein klasse Job sein kann? Herr Lehmann scheint das aber irgendwann zu glauben, und so m\u00fcssen wir ihn gehen lassen. Schade. Denn ich habe immer noch das zweite Zitat von ihm im Ohr: <\/p>\n<p>Der letzte Teil des Films spielt am 9. November 1989. Herr Lehmann sitzt mit seinem ungef\u00e4hr achten Bier am Tresen, als eine Frau der versammelten Runde mitteilt, dass die Mauer offen sei. Ein Kumpel von Herrn Lehmann meint: \u201eDas muss man sich wohl mal angucken\u201c, worauf Herr Lehmann nur sagt: \u201eErstmal austrinken.\u201c<\/p>\n<p>Genau. Ja, Welt, ist okay, ich wei\u00df, dass du da bist. Aber es gibt Wichtigeres als dich. Es gibt mich. Und es gibt das M\u00e4dchen oder den Jungen, den ich liebe. Und es gibt Freunde und eine Zukunft. Wie auch immer die aussehen mag. Aber damit besch\u00e4ftige ich mich irgendwann anders. Erstmal austrinken. Und noch eine rauchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Lehmann (D, 2003) Darsteller: Christian Ulmen, Detlev Buck, Katja Danowski, Janek Rieke, Hartmut Lange Musik-Konzept: Charlotte Goltermann Kamera: Frank Griebe Drehbuch: Sven Regener Regie: Leander Hau\u00dfmann Von Herrn Lehmann sind mir zwei Zitate im Ged\u00e4chtnis geblieben. Eins davon ist die wunderbare Liebeserkl\u00e4rung von Herrn Lehmann an seine Angebetete Katrin: \u201eIch liebe dich. 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