{"id":25117,"date":"2016-08-27T10:28:06","date_gmt":"2016-08-27T08:28:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=25117"},"modified":"2016-08-27T11:26:07","modified_gmt":"2016-08-27T09:26:07","slug":"was-schon-war-donnerstagfreitag-25-26-august-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=25117","title":{"rendered":"Was sch\u00f6n war, Donnerstag\/Freitag, 25.\/26. August 2016"},"content":{"rendered":"<p>Am Donnerstag sa\u00df ich wieder den ganzen Tag im ZI und krempelte meine Hausarbeit gro\u00dffl\u00e4chig um. Vorher wollte ich von Welden schlicht in seine Zeit einordnen, merkte nun aber, dass ich viel zu viel sch\u00f6nes Zeug hatte, das nicht so recht zum Thema passt, aber deutlich spannender ist als mein erster Ansatz und vor allem gewisse Tendenzen in der Forschungsliteratur gnadenlos (und elegant) widerlegen kann. Jetzt arbeite ich mich ausschlie\u00dflich am Begriff des <a href=\"http:\/\/www.expressiverrealismus.de\/index.php?page=805\">Expressiven Realismus<\/a> in Bezug auf von Welden ab, der so schwammig ist, dass er f\u00fcr mich nicht mal ein Begriff ist. (Ich verwies bereits auf die sch\u00f6ne <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-14327428.html\">Kritik<\/a> von Herrn <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Uwe_M._Schneede\">Schneede<\/a>, den ich sehr gerne lese.)<\/p>\n<p>Das ist der Absatz, an dem ich haupts\u00e4chlich andocke (aus der oben verlinkten Website):<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWeil die damals jungen Maler, von einer derartigen Einstellung befl\u00fcgelt, ihr Werk schufen \u2013 wobei viele zun\u00e4chst an damals moderne Stile anschlossen, beim Kubismus oder der Neuen Sachlichkeit \u2013 , galten sie in der Kunstgeschichte lange Zeit als \u201eEinzelg\u00e4nger\u201c. Nun aber, aus der zeitlichen Distanz, tritt bei aller Individualit\u00e4t der Handschriften, die eine Subsummierung unter einem Ismus problematisch machte, die gemeinsame Haltung dieser realistischen Maler des vergangenen Jahrhunderts immer deutlicher hervor \u2013 nicht im stilistischen Detail, aber in der malerischen Grundhaltung gegen\u00fcber der Erscheinungswelt und in einer \u00e4hnlichen Auffassung vom Wesen  der Bildkunst.<\/p>\n<p>Diese Maler aber gerieten in die politischen Turbulenzen des 20. Jahrhunderts, sie mussten nicht nur unter der nationalsozialistischen Diktatur, sondern weiterhin nach 1950 im Abseits der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung ihr Werk schaffen: Im Westen aufgrund der Bevorzugung der ungegenst\u00e4ndlichen Malerei, im Osten wegen des staatlich geforderten Sozialistischen Realismus.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Einen Stil dadurch definieren zu wollen, dass er eine gewisse Haltung der K\u00fcnstler*innen widerspiegelt, halte ich ja eh schon f\u00fcr gewagt. Bei von Welden kommt aber noch dazu, dass aus seinen Bildern keine Haltung klar wird, h\u00f6chstens die, dass er gerne altmeisterlich gearbeitet hat und mehr Rembrandt \u00e4hnelt als Daumier, was immer gerne f\u00fcr ihn in der Literatur herangezogen wird. Sehe ich schlicht nicht. <\/p>\n<p>Gerade in seinen Zeichnungen kommt f\u00fcr mich deutlich mehr barocke Lebensfreude zum Ausdruck als eine Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit; genau das sieht n\u00e4mlich <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rainer_Zimmermann_(Kunsthistoriker)\">Rainer Zimmermann<\/a>, der Erfinder dieses Begriffs, als ein Zeichen f\u00fcr den Expressiven Realismus. (\u00dcber das gro\u00dfe E k\u00f6nnten wir auch noch mal reden.) Laut Zimmermann bew\u00e4ltigten die Maler*innen, die um die Jahrhundertwende geboren wurden und die zun\u00e4chst einfach mal deshalb zu den K\u00fcnstler*innen des ExprzRealzz geh\u00f6ren, die \u201eschonungslos erfahrene Wirklichkeit gestaltend\u201c (<a href=\"https:\/\/opac.ub.uni-muenchen.de\/TouchPoint\/perma.do?q=+0%3D%221366828%22+IN+%5B2%5D&#038;v=sunrise&#038;l=de\">Zimmermann 1994<\/a>, S. 11). Macht von Welden nicht. Die einzige Wirklichkeit, an der er sich k\u00fcnstlerisch abarbeitet, ist die Zeit des Nationalsozialismus, was sich an seinen Werken in der Gro\u00dfen Deutschen Kunstausstellung zeigt. <\/p>\n<p>Damit ist dann auch das zweite Kennzeichen des ER hinf\u00e4llig: dass die K\u00fcnstler*innen ihr Werk abseits der Staatskunst und unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit produzieren mussten. Ich kann von Welden inzwischen Presse- und Buchillustrationen von 1934 bis 1941 und Ausstellungsbeteiligungen bzw. -einreichungen von 1937 bis 1944 nachweisen, und ich bin mir sicher, dass meine Liste nicht vollst\u00e4ndig ist. Nach 1945 erlangte er im Umkreis von Rosenheim eine gewisse lokale Ber\u00fchmtheit, was ihn als Teil des ER endg\u00fcltig hinf\u00e4llig macht (und er musste daf\u00fcr nicht mal schlimm, SCHLIMM ungegenst\u00e4ndlich malen). F\u00fcr die Zeit nach 1945 habe ich allerdings keinen Platz mehr in der Arbeit.<\/p>\n<p>Am Donnerstag abend hatte ich das Gef\u00fchl, was richtig Anst\u00e4ndiges produziert zu haben. Das lasse ich jetzt ein Wochenende rumliegen und gucke Montag noch mal frisch drauf.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Den gestrigen Freitag verbrachte ich dementsprechend mit geistigem Urlaub, der sich darin zeigte, dass ich sowohl beim Lesen als auch beim Seriengucken st\u00e4ndig einschlief. Ich war anscheinend m\u00fcder als ich dachte.<\/p>\n<p>Erst gegen 16 Uhr war ich halbwegs unter den Menschen, und um 18 Uhr klingelte mein Handy: Der ehemalige Mitbewohner wollte nicht so recht in die Allianz-Arena, ob ich seine Karte haben wolle? Wollte ich! Frohgemut holte ich das <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/BJk_8_tDEAd\/\">Gomez-Trikot<\/a> aus dem Schrank, entschied mich aber mit einem Blick auf die Au\u00dfentemperaturen, die sich 30 Grad n\u00e4herten, doch gegen das Polyesterding und zog ein schlichtes rotes Shirt an, packte meinen \u00fcblichen Stadionrucksack, bekam die Karte an die Haust\u00fcr geliefert und ging schnurstracks zur U-Bahn. <\/p>\n<p>Ich habe immer noch keine richtige Stadionroutine, weil ich nicht so oft gehe (Eintrittspreise), daher bin ich lieber viel zu fr\u00fch da und gehe sehr gem\u00fctlich die ungef\u00e4hr ein Kilometer lange Esplanade von der U-Bahn zur Arena hoch. So kam ich gestern auch sehr entspannt an, fing auf dem Weg noch einige neue Pok\u00e9mon, was an den Lockmodulen gelegen haben k\u00f6nnte und nahm irritiert wahr, dass die Arena in der Pok\u00e9monwelt gelb war. GELB! Kurz darauf war sie blau, was auch nicht besser war. (1860 M\u00fcnchen spielt in blau.) Aber das war jetzt wurst, ich war an der Einlasskontrolle, nahm meinen Rucksack ab, um ihn vorzuzeigen \u2013 und in dem Moment fiel mir die neue Stadionordnung ein, die besagte, dass keine Taschen mehr mitgenommen werden d\u00fcrfen, die gr\u00f6\u00dfer als DIN A4 sind. Da war ich locker dr\u00fcber. Ich versuchte trotzdem sinnloserweise, die Dame am Einlass zu bequatschen: \u201eHier, da ist blo\u00df ne Basecap drin und ne Sonnenbrille &#8230; und Asthmaspray und Labello und mein Portemonnaie und mein Schl\u00fcsselbund und mein Buch und mein F\u00e4cher und ein kleines Handtuch, weil ich halt schwitze und das doof finde &#8230; aber sonst echt nix, nicht mal ne Flasche!\u201c<\/p>\n<p>Es n\u00fctzte nat\u00fcrlich nichts, ich musste umdrehen und die ganze Esplanade wieder runterrennen, denn das Zelt, in dem man das Zeug abgeben konnte, stand nat\u00fcrlich am Anfang des Wegs. Eigentlich clever, f\u00fcr mich jetzt eher doof. Es war auch schon 20 Uhr, weil ich sehr entspannt nach oben gegangen war. Jetzt nicht mehr. Mit mir waren noch andere berucksackte Fans auf dem Weg nach unten, also vom Stadion weg, darunter auch zwei am Trikot erkennbare Werderfans, zu denen ein Bayernfan meinte: \u201eNa komm, SO aussichtslos ist es auch nicht!\u201c (Das Spiel ging 6:0 aus.)<\/p>\n<p>Im Tal gab ich den Rucksack ab, stopfte mir mein \u00fcberdimensioniertes Portemonnaie in die Hosentasche und h\u00fcpfte wieder in Richtung Stadion. An der Einlasskontrolle standen die letzten Menschen, denn es war 20.28 Uhr. Direkt vor mir zeigte eine \u00e4u\u00dferst attraktive Dame gerade ihr Handtasche vor, die ungef\u00e4hr doppelt so gro\u00df war wie mein Rucksack. Ihr ebenso attraktiver Begleiter meinte zur Abtastdame, dass seine Perle nur englisch k\u00f6nne, sie w\u00e4r nicht von hier, sie wusste nix von den Vorschriften, ob das nicht mal ausnahmsweise &#8230; und sie wurde durchgewunken. Ich war zu genervt, um mich dr\u00fcber aufzuregen, aber jetzt bin ich doch wieder pissig. Auch im Stadion sah ich mehrere Menschen mit gr\u00f6\u00dferen Taschen und \u00fcberlegte, ob dicke Menschen mit Sneakers eher nach Terroristen aussehen als schlanke auf St\u00f6ckelschuhen, aber wurst. Es war 20.29 Uhr und ich sa\u00df auf meinem herrlichen Platz, fang an, neue Saison!<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-lang=\"de\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Alles wie immer. <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/fcbsvw?src=hash\">#fcbsvw<\/a> <a href=\"https:\/\/t.co\/BqzeHEvJ6H\">pic.twitter.com\/BqzeHEvJ6H<\/a><\/p>\n<p>&mdash; ankegroener (@ankegroener) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ankegroener\/status\/769254942599249920\">26. August 2016<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p>Nach dem Spiel gab&#8217;s zwei wohlverdiente Bierchen am L\u00f6schzug, ich sprach mit netten Menschen und fing nebenbei \u2013 endlich mal in Gesellschaft! \u2013 noch ein Pok\u00e9mon. St\u00e4rker verschwitzt als geplant wieder nach Hause, sehr gut geschlafen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Donnerstag sa\u00df ich wieder den ganzen Tag im ZI und krempelte meine Hausarbeit gro\u00dffl\u00e4chig um. 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