{"id":25191,"date":"2016-09-10T09:07:36","date_gmt":"2016-09-10T07:07:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=25191"},"modified":"2016-09-11T09:36:29","modified_gmt":"2016-09-11T07:36:29","slug":"was-schon-war-freitag-9-september-2016-stimmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=25191","title":{"rendered":"Was sch\u00f6n war, Freitag, 9. September 2016 \u2013 Stimmen"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>\u201eWas mich bei den Franzosen immer begeistert ist, da\u00df sie beim kleinsten Format nicht kleinlich werden u. die n\u00f6tige Haltung wie die grosse Form wie auch Geschmack bewahren. Es wird nicht literarisch, nicht kleinlich-lokal, nicht blo\u00df erz\u00e4hlerisch u. illustrativ, oder nur dem Motiv nachh\u00e4ngend, oder in der farbigen T\u00f6nung vernachl\u00e4ssigt, sondern immer zuerst k\u00fcnstlerisch. Da ist die Malerei selbstbewu\u00dft u. \u00e4u\u00dferst [<em>unleserlich<\/em>. privat?]. F\u00fcr sie ist der anst\u00e4ndigste Mensch ein Maler, nicht ein Literat wie bei uns.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Leo von Welden auf einer Postkarte an die Familie von <a href=\"http:\/\/www.boecker-hermann.de\/\">Hermann B\u00f6cker<\/a>, 10. Dezember 1936, in der er sie bittet, sich mit ihm eine Ausstellung franz\u00f6sischer Maler anzuschauen, die gerade im \u201eBibliothekbau des Deutschen Museums\u201c h\u00e4ngen. \u201e[B]in bis 12 \u2013 1\/2 13 dort.\u201c<\/p>\n<p>Ich bin immer noch nicht damit fertig, den dicken Ordner durchzugucken, den ich Montag von der Tochter bekommen habe. Zun\u00e4chst scannte ich die ganzen Ausstellungs- und Auftragsbelege ein und f\u00fcgte sie meiner Arbeit hinzu, dann sa\u00df ich wieder in der Stabi, um noch ein bisschen was zum <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reichsarbeitsdienst\">Reichsarbeitsdienst<\/a> und den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Propagandakompanie\">Propagandakompanien<\/a> zu lernen. Das macht mich seit zwei Wochen irre, dass ich nicht verstehe, wie von Welden Ende 1941 als Kriegsmaler vom Reichsarbeitsdienst eingesetzt werden konnte. War das freiwillig? Konnte er beordert werden? Wieso \u00fcberhaupt der RAD, wenn es doch besagte Propagandakompanien gab, in denen (meist) pro Kompanie ein Maler und zwei Zeichner unterwegs waren?<\/p>\n<p>Von Welden wurde im November 1944 zur Wehrmacht eingezogen und bat sofort einen Bekannten aus Berlin (\u201eDer Presse- und Propagandachef, Sachgebiet: Kunst, Berlin, Schinkelstra\u00dfe 1\u20137\u201c), dessen Namen ich bl\u00f6derweise nicht entziffern kann und den auch die Tochter nicht kennt (Fischer?) um eine Versetzung in eine PK. Auf einer Feldpostkarte aus Ingolstadt (dort war er stationiert) vom Januar 1945 schreibt er seiner zuk\u00fcnftigen zweiten Ehefrau, dass er noch darauf wartet, dass diesem Antrag stattgegeben wird, w\u00e4hrenddessen zeichnet er seine Kameraden. Die Zeichnungen habe ich noch nicht im Nachlass gefunden, falls sie \u00fcberhaupt noch existieren.<\/p>\n<p>Worum es mir geht: War die Arbeit f\u00fcr den RAD vielleicht freiwillig bzw. einfach ein bezahlter Auftrag? Das h\u00e4tte f\u00fcr mich ein anderes Geschm\u00e4ckle als ein Pflichtdienst. \u00dcber den RAD gibt es recht wenig Literatur und noch weniger, wenn es um kulturelle Leistungen geht, aber falls eine*r der mitlesenden Historiker*innen ein Tipp f\u00fcr mich h\u00e4tte, bitte gerne her damit. Ich dr\u00fccke mich in meiner Arbeit um eine definitive Aussage, weil ich sie schlicht nicht habe bzw. werte diese Arbeit nicht, sondern erw\u00e4hne sie nur, bin aber f\u00fcrchterlich neugierig.<\/p>\n<p>Die Feldpostkarte war ein Auszug aus seiner Korrespondenz, die ich gestern erstmals las. Bis jetzt war ich schlicht damit besch\u00e4ftigt, Ausstellungen und Auftr\u00e4ge nachzuweisen, die noch nicht in der Literatur auftauchten, daf\u00fcr brauchte ich noch keine Briefe oder Postkarten. Aber gestern las ich endlich mal ein bisschen davon. Das hat mich emotional mehr erwischt, als ich dachte, denn zum ersten Mal hatte ich das Gef\u00fchl, seine Stimme zu h\u00f6ren. Ein paar S\u00e4tze kannte ich schon aus der Literatur, aber einen l\u00e4ngeren Text von ihm, und sei es nur eine Postkarte, kannte ich noch nicht. Und erst recht nicht \u00fcber Kunst, denn dar\u00fcber hat er angeblich nie gerne geredet. Umso sch\u00f6ner, dieses Zitat von ihm gefunden zu haben. Ich mag es auch so gerne, weil es zu meinen eigenen Beobachtungen passt. Gerade in den 1920er Jahren hat er irrwitzig kleinformatig gearbeitet, aber trotzdem ebenso irrwitzig detailreich. Ich mag die Formulierung \u201eim kleinsten Format nicht kleinlich werden\u201c sehr. <\/p>\n<p>Ich muss zugeben, ich hatte einen winzigen Klo\u00df im Hals, je mehr ich von ihm las. Ich sollte mich wieder mit Geb\u00e4uden besch\u00e4ftigen, die nehmen mich nicht so mit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWas mich bei den Franzosen immer begeistert ist, da\u00df sie beim kleinsten Format nicht kleinlich werden u. die n\u00f6tige Haltung wie die grosse Form wie auch Geschmack bewahren. Es wird nicht literarisch, nicht kleinlich-lokal, nicht blo\u00df erz\u00e4hlerisch u. illustrativ, oder nur dem Motiv nachh\u00e4ngend, oder in der farbigen T\u00f6nung vernachl\u00e4ssigt, sondern immer zuerst k\u00fcnstlerisch. 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