{"id":2523,"date":"2002-09-17T08:49:49","date_gmt":"2002-09-17T06:49:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=2523"},"modified":"2008-06-11T08:53:04","modified_gmt":"2008-06-11T06:53:04","slug":"2523","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=2523","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Jetzt hab ich&#8217;s gestern doch verpasst, mir die Live-\u00dcbertragung aus der Cheops-Pyramide anzugucken. Als ich es heute morgen in den Nachrichten gesehen habe, ist sofort die Erinnerung hochgekommen, wie ich in \u00c4gypten zum ersten Mal vor den Pyramiden stand.<\/p>\n<p>Meine Schwester und ich haben von meinen Eltern zur Konfirmation kein Geld geschenkt bekommen, sondern \u2013 viel besser \u2013 eine Reise mit der ganzen Familie, wohin wir wollen. Seit ich mit sieben oder acht Jahren ein Kinderbuch \u00fcber \u00c4gypten bekommen hatte, war ich v\u00f6llig fasziniert von der Kultur, den Bauwerken \u2013 und wahrscheinlich von den ganzen Goldsch\u00e4tzen. Ich erinnere mich noch daran, dass ich mit ungef\u00e4hr zehn Jahren in einer Ausstellung im hann\u00f6verschen Kestner-Museum war: \u201eDie Goldsch\u00e4tze des Tutenchamun\u201c. Ich habe mindestens eine Viertelstunde vor der Goldmaske gestanden, bis meine Eltern mich von ihr wegziehen konnten: \u201eAnke, ist gut jetzt. Der Typ wacht nicht mehr auf, und wir stehen im Parkverbot.\u201c <\/p>\n<p>Ich konnte es \u00fcberhaupt nicht begreifen, wie ein Mensch, so jung, unsterblich werden konnte. Ich habe mir immer vorgestellt, was er den ganzen Tag so macht. W\u00e4hrend wir kleinen Zivilisationskinder spielen und Nena h\u00f6ren, sitzt er irgendwo auf einem Thron und regiert ein Weltreich. Und dann wird er schn\u00f6de von irgendwelchen Konkurrenten ermordert, kriegt immerhin noch ein ziemlich \u00fcppiges Begr\u00e4bnis und wird in einem Grab verscharrt, das erst 5.000 Jahre sp\u00e4ter wiederentdeckt wird. Und jetzt h\u00e4ngt seine Totenmaske in einem Museum, und kleine Ankes stehen davor und schauen ihm in die starren Lapislazuli-Augen. Wow.<\/p>\n<p>Mein Reiseziel war also klar: \u00c4gypten.<\/p>\n<p>1991 sind wir endlich dahingekommen, Jahre nach meiner Konfirmation. Ich erinnere mich daran, als ich zum ersten Mal die Pyramiden gesehen habe. Unser Hotel lag ziemlich am Stadtrand von Kairo, genau wie die drei gro\u00dfen Pyramiden eben (in zehn Jahren liegen sie wahrscheinlich in der Innenstadt), und gleich am ersten Morgen unserer Studienreise sa\u00dfen wir im Bus auf dem Weg zur Sphinx. Ich guckte so versonnen aus dem Busfenster, schaute mir die f\u00fcr mich v\u00f6llig neue und sehr ungewohnte Umgebung an, da sah ich pl\u00f6tzlich zwischen einigen H\u00e4usern ganz kurz die Spitze einer Pyramide. Ich ri\u00df meine Augen auf und wartete, bis der Bus wieder an einer L\u00fccke zwischen den H\u00e4usern vorbeifuhr, und da! da war sie wieder. Ich habe meinen Atem angehalten und einfach nur wie paralysiert auf die Spitze geguckt, bis der Bus schlie\u00dflich um eine Kurve fuhr und sie alle drei vor uns lagen. Unter einem strahlend blauen Himmel, hinter ihnen nur Sand, standen da ganz selbstverst\u00e4ndlich die drei gr\u00f6\u00dften Pyramiden auf diesem Planeten. Und ich war nur wenige Meter von ihnen entfernt.<\/p>\n<p>Ich hab schon im Bus angefangen zu heulen, weil ich es einfach nicht fassen konnte, wirklich hier zu sein, sie wirklich zu sehen und wirklich anfassen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Nachdem wir uns durch den \u00fcblichen Tourischei\u00df aus Kamelreitern und Souvenierspacken durchgew\u00fchlt hatten, standen wir schlie\u00dflich direkt vor der Cheops-Pyramide. Ich hab gar nichts mehr gesagt und einfach nur gestaunt. Wenn man sich direkt an die Mauer der Pyramide stellt und den Kopf in den Nacken legt, kann man den Himmel nicht mehr sehen, so hoch und gewaltig ist sie. Der Stein f\u00fchlt sich warm und por\u00f6s an. Und die einzelnen Bl\u00f6cke sind riesig. Auf Fotos sehen die Pyramiden immer so nett und unschuldig aus, aber wenn man direkt vor ihnen steht, ahnt man, welche \u00fcbermenschlichen Anstrengungen vonn\u00f6ten waren, um sie zu errichten.<\/p>\n<p>Ich war, glaube ich, selten so ergriffen wie in dem Moment, als ich die Pyramiden zum ersten Mal gesehen habe. Ich habe die Gro\u00dfe Mauer in China gesehen, die Klagemauer, den Felsendom, die Grabeskirche in Jerusalem, den K\u00f6lner Dom \u2013 monumentale Bauwerke, kaum fassbar, wenn man sie nicht ber\u00fchrt oder gesehen hat. Aber als ich an den Pyramiden stand, hatte ich einen dieser wenigen Augenblicke von Ehrfurcht vor menschlicher Leistung.<\/p>\n<p>(Meine Schwester wollte \u00fcbrigens nach Disneyland, aber mit einem entsprechenden Ma\u00df an Familiendiktatur haben wir sie \u00fcberzeugt, dass sie doch viel lieber schon immer nach China wollte. Aber das ist eine andere Geschichte.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt hab ich&#8217;s gestern doch verpasst, mir die Live-\u00dcbertragung aus der Cheops-Pyramide anzugucken. Als ich es heute morgen in den Nachrichten gesehen habe, ist sofort die Erinnerung hochgekommen, wie ich in \u00c4gypten zum ersten Mal vor den Pyramiden stand. 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