{"id":27121,"date":"2017-06-20T08:44:41","date_gmt":"2017-06-20T06:44:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=27121"},"modified":"2017-06-20T08:44:41","modified_gmt":"2017-06-20T06:44:41","slug":"tagebuch-montag-19-juni-2017-jalousien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=27121","title":{"rendered":"Tagebuch, Montag, 19. Juni 2017 \u2013 Jalousien"},"content":{"rendered":"<p>Morgens zur Stabi geradelt. Radeln ist ja bekanntlich gro\u00dfartig, aber ich vergesse immer, dass im Sommer die Stra\u00dfenseite, auf der ich morgens zur Stabi und nachmittags von ihr wegfahre, in der Sonne liegt. Und wo viele ja gerne dieses Gef\u00fchl auf den Armen sp\u00fcren, von der Sonne gek\u00fcsst zu werden, denke ich immer an meine armen Hautzellen, die panisch die Flammen abwehren, die sie gerade abkriegen.<\/p>\n<p>Will Herbst. Jetzt! Oder ich suche endlich mal lang\u00e4rmelige Kleidungsst\u00fccke, in denen ich mich nicht totschwitze. Stupid Sonne.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>In der Stabi wieder in alten Nazib\u00fcchern gelesen und spannende Dinge in meine Masterarbeit eingef\u00fcgt. Ich war allerdings viel zu schnell mit meiner Arbeit fertig; ich musste bis 10 warten, bis im Erdgeschoss die Buchr\u00fcckgabe \u00f6ffnet, denn das wollte ich auch noch erledigen. Also las ich zum f\u00fcnfzigsten Mal meine Arbeit durch und fand nat\u00fcrlich noch Dinge, die man h\u00fcbscher formulieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Um 10 dann aber runtergegangen, B\u00fccher abgegeben, zur UB geradelt (stupid Sonne), dort ebenfalls B\u00fccher abgegeben und einen neuen Schwung ausgeliehen. Die haben alle nichts mehr mit der Uni zu tun, die darf ich jetzt lesen, weil ich Zeit habe, yay!<\/p>\n<p>Neuerdings lese ich in Blogs oder auf Twitter dar\u00fcber, dass man Menschen nicht von vornherein B\u00f6sartigkeit unterstellen sollte, bei dem, was sie tun und was mich vielleicht nervt oder st\u00f6rt. Stattdessen soll ich davon ausgehen, dass sie nur gedankenlos sind. Das habe ich gestern am lebenden Objekt ausprobieren k\u00f6nnen, als ich neben einer Dame am Fu\u00dfg\u00e4nger\u00fcberweg vor der Ludwigskirche stand und auf die andere Stra\u00dfenseite zur UB wollte.<\/p>\n<p>Ich war schon vom Rad abgestiegen, denn ich wollte es schieben; auf der anderen Stra\u00dfenseite befindet sich n\u00e4mlich der U-Bahn-Ausgang der Station Universit\u00e4t, aus dem und in den immer irrwitzig viele Menschen kommen und gehen. Der Fu\u00dfweg ist dort sehr schmal, der Radweg auch, und au\u00dferdem steht noch ein Blumenstand in der Gegend rum, der noch mehr Platz wegnimmt. Der Dame war das egal, sie fuhr \u00fcber den Fu\u00dfg\u00e4nger\u00fcbergang und stieg auch dr\u00fcben nicht vom Rad, sondern radelte fr\u00f6hlich durch die Fu\u00dfg\u00e4nger durch, die ihr notgedrungen auswichen. Dann stellte sie ihr Rad an der UB ab und schaffte es, dabei den Eingang zum Fahrstuhl zu blockieren, mit dem Rollstuhlfahrer*innen oder Menschen mit Kinderw\u00e4gen zum Bahnsteig kommen. Darauf machte sie netterweise jemand aufmerksam, bevor ich das tun konnte. Ich schloss mein Rad an und ging in die UB, genau wie die Dame. Dort blieb ich kurz an den neu bef\u00fcllten Schauk\u00e4sten stehen, in denen B\u00fccher \u00fcber und von Luther liegen \u2013\u00a0sehr spannend, man bekommt einen sch\u00f6nen \u00dcberblick, wer seit 500 Jahren wie mit Luther argumentiert; direkt nebeneinander lagen zwei B\u00fccher aus dem 19. (oder war&#8217;s noch das 18.?) Jahrhundert, die mit \u201eaufkl\u00e4rerisch\u201c und \u201eantiaufkl\u00e4rerisch\u201c \u00fcberschrieben waren.<\/p>\n<p>Dann ging ich zum R\u00fcckgabeschalter, wo schon zwei Leute warteten \u2013\u00a0und jetzt auch die Dame von eben, die sich einfach von der falschen Seite angestellt hatte, um vor den beiden dran zu sein. Dann fiel ihr auch noch irgendein Einleger aus einem ihrer B\u00fccher, auf den sie drauftrat, bevor einer der beiden Wartenden sie darauf aufmerksam machte. Sie legte das Bl\u00e4ttchen ins Buch und trat dann einfach an den Schalter, w\u00e4hrend der freundliche Mensch, der ihr gesagt hatte, dass sie gerade auf Bibliotheksgut rumtrampelt, verwirrt guckte, aber wartete.<\/p>\n<p>\u201eGedankenlos\u201c ist mir hier vielleicht doch ein bisschen zu schwach. Vielleich trifft \u201ekomplett blind f\u00fcr alles au\u00dfer einen selber\u201c es besser.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Ich fuhr nach Hause und freute mich \u00fcber die Jalousien, die daf\u00fcr sorgen, dass in meiner Wohnung ertr\u00e4gliche Temperaturen herrschten, w\u00e4hrend es drau\u00dfen langsam auf die 30 Grad zuging. Am Schreibtisch quengelte ich dann wieder \u00fcber das Stylesheet, mit dem die Lektorin unseres <a href=\"http:\/\/galerie.rosenheim.de\/news\/einzelansicht\/?tx_ttnews%5Byear%5D=2017&#038;tx_ttnews%5Bmonth%5D=05&#038;tx_ttnews%5Btt_news%5D=228&#038;cHash=3541853cb43a4e7bb752210711b19009\">Katalogs<\/a> uns versorgt hat und nach dem wir unsere Texte jetzt ausrichten. Das besteht n\u00e4mlich quasi nur aus Kommata, wo ich gerne Doppelpunkte mache und will auch keine kursiven Auszeichnungen. Ein Beispiel, wie schlimmschlimmschlimm das alles aussieht:<\/p>\n<p>Fr\u00e9d\u00e9ric Hartweg, Von der Entfremdung zur Ann\u00e4herung. Die deutsch-franz\u00f6sische Erbfeindschaft, in: Kirchliche Zeitgeschichte 14, 2002, S. 313\u2013372<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich sonst immer schreibe:<\/p>\n<p>Fr\u00e9d\u00e9ric Hartweg: \u201eVon der Entfremdung zur Ann\u00e4herung. Die deutsch-franz\u00f6sische Erbfeindschaft\u201c, in: <em>Kirchliche Zeitgeschichte<\/em> 14 (2002), S. 313\u2013372.<\/p>\n<p>Mit Punkt am Ende. Dass nirgends ein Punkt steht, macht mich extrawahnsinnig.<\/p>\n<p>Es hat mich sehr gefreut, dass ich mit meinem Gejammer nicht <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ankegroener\/status\/876794249995485184\">alleine<\/a> bin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Morgens zur Stabi geradelt. Radeln ist ja bekanntlich gro\u00dfartig, aber ich vergesse immer, dass im Sommer die Stra\u00dfenseite, auf der ich morgens zur Stabi und nachmittags von ihr wegfahre, in der Sonne liegt. 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