{"id":291,"date":"2004-07-30T23:28:27","date_gmt":"2004-07-30T22:28:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=291"},"modified":"2004-11-08T17:53:05","modified_gmt":"2004-11-08T16:53:05","slug":"spider-man-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=291","title":{"rendered":"Spider-Man 2"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0316654\/\">Spider-Man 2<\/a><br \/>\n(USA, 2004)<\/p>\n<p>Darsteller: Tobey Maguire, Kirsten Dunst, Alfred Molina, James Franco, Rosemary Harris, J.K. Simmons<br \/>\nMusik: Danny Elfman<br \/>\nKamera: Bill Pope<br \/>\nDrehbuch: Alvin Sargent<br \/>\nRegie: Sam Raimi<\/em><\/p>\n<p>Der erste Spider-Man-Film endet damit, dass Peter Parker sich entscheidet, lieber Spider-Man zu sein anstatt Peter, lieber Superheld anstatt Normalb\u00fcrger. Daf\u00fcr opfert er sogar seine Liebe zu Mary-Jane und will den Weg alleine gehen, den er seiner Meinung nach gehen muss, denn die zentrale Botschaft &#8220;With great power comes great responsibility&#8221; hat Peter noch im Ohr. Ich pers\u00f6nlich h\u00e4tte ihn lieber als Normalo gesehen. Und in <em>Spider-Man 2<\/em> bekomme ich diesen Wunsch auch erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Das gezeichnete Intro erz\u00e4hlt uns noch einmal kurz den ersten Teil, bevor wir mitten in das seltsame Leben zwischen Held und Held der Arbeit geworfen werden. Peter Parker ist immer noch Fotograf, immer noch Spider-Man, muss aber inzwischen irgendwie seine Miete selbst zahlen und f\u00e4hrt deshalb zus\u00e4tzlich Pizza aus. Als er eine Lieferung nicht p\u00fcnktlich zu schaffen droht, tut er das einzige Richtige, was seinem Charakter entspricht: Er schl\u00fcpft ins Superhelden-Kost\u00fcm, vergisst sein Moped und schwingt sich lieber mit acht Pizzakartons durch New Yorks H\u00e4userschluchten. <\/p>\n<p>Der Tonfall, in dem Regisseur Sam Raimi <em>Spider-Man 2<\/em> beginnen l\u00e4sst, weicht ein wenig vom entweder actionlastigen und melancholischen ersten Teil ab. Der zweite kommt plakativer, Comic-hafter daher, ohne aber seine Charaktere albern werden zu lassen. Wenn Peter sein Spider-Man-Kost\u00fcm waschen muss und dabei das Rotblau seine wei\u00dfe W\u00e4sche einf\u00e4rbt, ist das nicht l\u00e4cherlich, sondern zeigt ganz schlicht, dass der gute Mann zwei sehr anstrengende Leben verbinden muss. Wenn ich pers\u00f6nlich es auch sehr erfrischend zu sehen fand, dass selbst Superhelden keine Kochw\u00e4sche beherrschen. Die gute alte \u201eWann gehen Cowboys eigentlich aufs Klo\u201c-Frage mal ganz neu gestellt.<\/p>\n<p>Auch diesmal gibt es einen Schurken, dem sich Spider-Man entgegenstellen muss, auch diesmal wird dieser unfreiwillig von einem Guten zu einem B\u00f6sen. Dieser Kniff macht es uns schwer, ihn als herzlosen Mistkerl zu sehen, der gef\u00e4lligst auf die Zw\u00f6lf kriegen soll, denn wir hoffen immer noch darauf, dass das Gute sich seinen Weg zur\u00fcckbahnt. Und Spider-Man ist vielleicht derjenige, der ihm diesen Weg weist. Aber Spider-Man hat in diesem Teil erst einmal genug eigene Probleme am Hals. Er behauptet zwar, ohne Mary-Jane auskommen zu k\u00f6nnen, liebt sie aber selbstverst\u00e4ndlich immer noch. Und daher nagt es f\u00fcrchterlich an ihm, dass er st\u00e4ndig Verabredungen nicht einhalten kann, weil wieder ein paar B\u00f6sewichter dazwischenkommen. Er kann seine Tagesjobs nicht behalten, weil er nachts Verbrecher jagt (wie hat Superman das eigentlich geschafft?), und er verliert sogar nach und nach seine F\u00e4higkeiten, die es ihm erm\u00f6glichen, W\u00e4nde hochzuklettern und Spinnennetze zwischen Wolkenkratzern zu basteln. Fast k\u00f6nnte man das ganze als Quarterlife-Crisis bezeichnen, die bei vielen dazu f\u00fchrt, sich \u00fcber sich und seine Ziele nochmal grundlegend Gedanken zu machen und die bei Peter darin gipfelt, dass er sein Superhelden-Outfit in den M\u00fcll wirft und wieder brav studiert.<\/p>\n<p>Der Bruch zwischen dem Heldendasein und der R\u00fcckkehr ins normale Leben wird wundervoll bebildert, Burt Bacharachs Heuler &#8220;Raindrops keep falling on my head&#8221; dudelt im Hintergrund, und ich pers\u00f6nlich habe nur noch auf die Zeitlupe und den rosigen Weichzeichner gewartet, durch den Peters Leben pl\u00f6tzlich wieder in Ordnung kommt. \u00dcberhaupt: Die Bilder bleiben stets auf sehr hohem Filmlevel, werden nie zu billigen Actionabbildungen; das Timing der Szenen ist ausgekl\u00fcgelt und in unseren MTV-Blitzkriegschnitt-gewohnten Augen teilweise fast dramatisch gedehnt. Die Kamera verharrt gerne bei den Protagonisten und zeigt sie nicht nur heldenhaft gegen blauen Himmel, sondern auch einsam zwischen den Hochh\u00e4usern, alleine in kleinen Appartements oder hilflos nach sich selbst und dem richtigen Weg suchend.<\/p>\n<p>Aber mitten in die ganzen dramatischen \u00dcberlegungen platzt nat\u00fcrlich der Schurke, Mary-Jane will heiraten, Peters alter Kumpel Harry hat noch nicht vergessen, dass Spider-Man seinen Vater get\u00f6tet hat undsoweiterundsofort. Genug zu tun also, um das Kost\u00fcm wieder hervorzuholen. Und genau in dem Augenblick, in dem ich bef\u00fcrchtet hatte, dass jetzt doch der Standard-Blockbuster mit den obligatorischen Actionszenen beginnt, die mir den ersten Teil fast ein wenig verleidet haben, passiert genau das Gegenteil. Der Film nimmt sich noch mehr Zeit f\u00fcr seine Helden, bringt noch ausgefeiltere Dialoge (die \u00fcbrigens in ihrer Schlichtheit eher ergreifend als banal sind \u2013 auch mal was Neues) und besch\u00e4ftigt sich mit der gro\u00dfen Frage, was einen Helden ausmacht, in ganz kleinen Geschichten: der Nachbarsjunge, der ein Vorbild braucht. Peter, der seiner Tante endlich die Wahrheit \u00fcber den Tod des Onkels sagt. Peter, der sich auch ohne Kost\u00fcm couragiert zeigt und so ganz simpel klar macht, dass man keine Maske braucht, um ein Held zu sein.<\/p>\n<p>Trotzdem ist Peters Zwiespalt noch nicht ausger\u00e4umt: War die Entscheidung, nur noch Spider-Man zu sein, die richtige? Will ich das \u00fcberhaupt? Will ich nicht doch lieber mein ganz kleines privates Gl\u00fcck haben, mit einem M\u00e4del an meiner Seite, mit dem ich nachmittags Schokoladenkuchen essen kann? Auch im zweiten Teil muss sich Peter entscheiden, und auch diesmal spielt Mary-Jane eine gro\u00dfe Rolle. Denn sie ist es, die ihm klarmacht, dass wir nicht nur eine Facette haben: Held oder nicht. Wir bestehen aus so vielen Schichten, Ideen, W\u00fcnschen und St\u00e4rken \u2013 wenn unser Leben schon nicht schwarzwei\u00df ist, wenn selbst im B\u00f6sen noch ein Funken Gutes ist, wieso darf der Held dann nicht auch einmal Mensch sein und umgekehrt?<\/p>\n<p><em>Spider-Man 2<\/em> schafft etwas, das ich vorher nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tte. Er bringt sehr viel Tiefe in eine sehr schlichte Geschichte. Er tr\u00e4gt Komik auch in ernste Momente, ohne diese Stimmung zu ruinieren und bildet ernste Momente ab, ohne kitschig zu werden. Er huldigt den klassischen Comic-Verfilmungen mit kreischenden M\u00e4dels und teilweise karikaturhaften Charakteren (wie dem wundervollen Chefredakteur des Daily Bugle), nimmt einem aber nie die Illusion, in einem ernsthaften Film zu sitzen. Er wirkt bis auf eine Anspielung auf ein gro\u00dfes Online-Auktionshaus gleichzeitig modern und altbacken, seltsam zeitlos und f\u00fchlt sich daher in jeder Situation stimmig an. <\/p>\n<p><em>Spider-Man 2<\/em> macht Spa\u00df, r\u00fchrt an, unterh\u00e4lt, fasziniert und hat atemberaubende CGI-Sequenzen, die nichts mehr mit den etwas holprigen Bildern des ersten Teils gemeinsam haben. Er ist mit \u00fcber zwei Stunden einen Hauch zu lang geworden; w\u00e4re er allerdings k\u00fcrzer geworden, h\u00e4tte er darauf verzichten m\u00fcssen, jeden begonnenen Handlungsstrang sch\u00f6n zu Ende zu f\u00fchren bzw. h\u00e4tte einige Figuren stiefm\u00fctterlich entlassen m\u00fcssen. So nimmt man die lange Laufzeit gerne in Kauf, weil man das Gef\u00fchl hat, einen wohl durchdachten Film zu genie\u00dfen. <\/p>\n<p>Wohl durchdacht auch die Besetzung: Wie im ersten Teil veredeln Tobey Maguire und Kirsten Dunst die zwei Fast-Schablonen Peter und Mary-Jane zu wirklichen Charakteren, die in keiner Sekunde l\u00e4cherlich wirken. Alfred Molina gibt einen sehr menschlichen Schurken, und Rosemary Harris r\u00fchrt als Tante zu Tr\u00e4nen. Allein James Franco als rachs\u00fcchtiger Sohn \u00fcbertreibt es ein wenig, tritt damit aber sehr passend in die Fu\u00dfstapfen seines Filmvaters Willem Dafoe, der auch f\u00fcr eine Minute nochmal auf die Leinwand darf.<\/p>\n<p><em>Spider-Man 2<\/em> ist kein typischer, actionhaltiger Sommerkracher geworden, sondern eine Charakterstudie. Dass der Hauptcharakter ein Superheld ist und nicht nur ein junger Mann, der ohne Maske immer noch seinen Platz im Leben sucht, den er mit Maske schon gefunden zu haben scheint, f\u00e4llt einem nur auf, wenn eben dieser junge Mann sich mal eben halsbrecherisch durch New York schwingt. Und das wird er wahrscheinlich auch noch einen dritten Teil lang tun d\u00fcrfen. Ich freu mich schon drauf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spider-Man 2 (USA, 2004) Darsteller: Tobey Maguire, Kirsten Dunst, Alfred Molina, James Franco, Rosemary Harris, J.K. Simmons Musik: Danny Elfman Kamera: Bill Pope Drehbuch: Alvin Sargent Regie: Sam Raimi Der erste Spider-Man-Film endet damit, dass Peter Parker sich entscheidet, lieber Spider-Man zu sein anstatt Peter, lieber Superheld anstatt Normalb\u00fcrger. 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