{"id":29419,"date":"2018-06-19T07:49:26","date_gmt":"2018-06-19T06:49:26","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=29419"},"modified":"2018-06-19T08:05:29","modified_gmt":"2018-06-19T07:05:29","slug":"was-schon-war-sonntag-montag-17-18-juni-2018-das-ist-hier-die-frage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=29419","title":{"rendered":"Was sch\u00f6n war, Sonntag\/Montag, 17.\/18. Juni 2018 \u2013 \u201eDas ist hier die Frage\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Wochenende ist immer sch\u00f6n, auch wenn manche Fu\u00dfballspiele eher schei\u00dfe sind. Ich meinte so zu F. w\u00e4hrend #GERMEX, dass ich mich so sehr auf die Bundesliga freue: Selbst bei Augschburg, die echt keine Offensivk\u00fcnstler sind, w\u00e4re mehr Zug zum Tor als bei DER MANNSCHAFT. Nebenbei: Ich ahne B\u00f6ses, weil in den Werbekampagnen DIE MANNSCHAFT so irre hochgejazzt wird. Es erinnert mich fatal an die Niederlage der Frauen-Nationalmannschaft bei der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fu%C3%9Fball-Weltmeisterschaft_der_Frauen_2011\">Heim-WM 2011<\/a>, als die Damen vorher hochgeschrieben wurden \u00e0 la \u201eVerlieren ist was f\u00fcr M\u00e4nner\u201c und dann fies im Viertelfinale in Wolfsburg rausflogen (ich war im Stadion). Aber gut. Is ja nur Fuppes. Und DIE MANNSCHAFT ist mir egaler als ein Verein.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Ansonsten Sonntag Brot gebacken, <em>Queer Eye<\/em> geguckt und ein paar Seiten im <em>Finnegans Wake<\/em> gelesen. Dagegen ist <em>Ulysses<\/em> streberhafte, gut lesbare Mainstreamliteratur. Die <em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Finnegans_Wake\">Wake<\/a><\/em> ist quasi nur noch Klang, nur noch Wortgebilde, die vermutlich irgendwas von mir wollen, aber ich habe keine Ahnung was. Oder, nee, Moment, ich behaupte, zwischendurch zu <em>glauben<\/em>, etwas zu verstehen, aber sicher bin ich mir nicht. V\u00f6llig egal, das ist ein lustiges Leseerlebnis.<\/p>\n<p>Ich habe noch ein bisschen \u00fcber <em>Ulysses<\/em> nachgedacht. Ich glaube, jeder Autor und jede Autorin m\u00f6chte gelesen und verstanden werden. Beim <em>Ulysses<\/em> kommt davon aber nicht viel r\u00fcber. Dieses Buch ist eine einzige Absage an alle Lesegewohnheiten, die man sich \u00fcber Jahrzehnte Buchgenuss angeeignet hat. Ich erwarte irgendwas in der Richtung Stoff- und Figurenentwicklung: also eine Exposition, einen Hauptteil, einen H\u00f6hepunkt, einen Ausklang. Sch\u00f6n w\u00e4ren Spannungskurven oder Br\u00fcche. Die Charaktere sollten irgendwie gekennzeichnet werden und sie sollten eine Geschichte erleben; die muss nicht minuti\u00f6s ausgekleidet sein, aber so ein Anfang und ein Ende w\u00e4ren nett. <\/p>\n<p>Der <em>Ulysses<\/em> hat davon fast nichts. Das Interessante ist aber: Wenn man das im Kopf klargekriegt hat, ist das alles total egal. Und ich glaube inzwischen, dass Joyce einfach mal gucken wollte, ob die Leser*innen so schlau sind wie er und was er uns so zumuten kann.<\/p>\n<p>Von der <em>Wake<\/em> kann ich noch nicht mehr sagen als in den ersten Zeilen dieses Absatzes, aber ich glaube, hier hat Joyce schlicht aufgegeben, dem Leser oder der Leserin zu vermitteln, was so in seinem Kopf vorgeht \u2013 oder sich gedacht: Wer den <em>Ulysses<\/em> erarbeitet hat, kann sich auch <em>noch<\/em> mehr anstrengen. Beim <em>Ulysses<\/em> gibt es wenigstens ein wackeliges Ger\u00fcst (die <em>Odyssee<\/em>), es gibt erkennbare Figuren, die halbgar eingef\u00fchrt werden, und der Rest brummelt sich halt so zusammen. Man kann diesem Buch folgen, auch wenn es deutlich m\u00fchsamer ist als bei allen anderen B\u00fcchern, die ich bisher las. (<em>Infinite Jest<\/em> ist ein Sch\u00fcleraufsatz dagegen gewesen, und Proust total simpel. Laaaaang, aber simpel.) Ich ahne, dass die <em>Wake<\/em> mich nochmal herausfordern wird, weil sie nicht mal ein wackeliges Ger\u00fcst hat. Aber wer wei\u00df, vielleicht schreibe ich in vier Wochen hier genau das Gegenteil. So wie die <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/BkFTpc7DL91\/\">erste Seite<\/a> klangen bis jetzt jedenfalls alle. Ich glaube, ich lese gerade irgendwas zwischen der Bibel und <em>Game of Thrones<\/em>, aber nicht mal dabei bin ich mir sicher.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Gestern alleine zuhause aufgewacht, weil ich die Woche im anst\u00e4ndigen Arbeitsrhythmus beginnen wollte, so mit p\u00fcnktlich aufstehen, nicht mehr ewig Rumkuscheln und sp\u00e4testens um 9 am Schreibtisch sitzen, wie in der Agentur halt. Statt Arbeit f\u00fcr Geld erledige ich derzeit Arbeit zum Spa\u00df, n\u00e4mlich an meiner Dissertation. Deswegen musste gestern auch Fu\u00dfball ausfallen.<\/p>\n<p>Ich habe in den letzten Wochen sehr gemerkt, dass mir die universit\u00e4ren Deadlines fehlen. In jedem Semester kam irgendwann der Punkt, an dem ich meine dicke Stoffsammlung und die viel zu lange Bibliografie loslassen und ein Referat und\/oder eine Hausarbeit bzw. Masterarbeit daraus schnitzen musste. Diesen Punkt habe ich jetzt nicht. Ich kann, wenn ich will, zehn Jahre vor mich hinpromovieren, denn ich mache das ja nur noch, weil mir sonst langweilig wird. Daher habe ich mir selbst den Zeitpunkt Ende Juni gesetzt, an dem mich mir selber ein mindestens 20-min\u00fctiges Referat halten werde. Ich werde daf\u00fcr eine Powerpointpr\u00e4sentation basteln und ein Handout schreiben, so als ob ein total gespanntes Seminar vor mir sitzt, das dringend meine bisherigen Ergebnisse h\u00f6ren m\u00f6chte. Und damit ich mich nicht selbst davor dr\u00fccke, weil doch was dazwischen kommt (wie Arbeit f\u00fcr Geld), habe ich meine gesch\u00e4tzte Korrekturleserin gefragt, ob sie mein Publikum sein will. F. kann den Kram n\u00e4mlich schon mitsprechen, so oft, wie ich ihn damit bel\u00e4stige. <\/p>\n<p>Die Korrekturleserin hat netterweise Ja gesagt, und deswegen sa\u00df ich gestern brav um 9 am Schreibtisch und las meine eigene Stoffsammlung durch, der ich seit November stetig was hinzugef\u00fcgt habe. Dabei habe ich aber so oft meine Richtung ge\u00e4ndert, dass ich jetzt erstmal ordnen musste, was ich \u00fcberhaupt brauche. Eine halbgare Forschungsfrage ergab sich in den letzten Wochen, vor allem beim <a href=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=29217\">Besuch<\/a> der Moritzburg in Halle, und die verfestigte sich in einigen Gespr\u00e4chen immer mehr zu einer These. Gestern gegen 17 Uhr konnte ich dann erstmals nach acht Monaten Rumdenken von mir behaupten, meine Diss in einem Satz zusammenfassen zu k\u00f6nnen. Ich hoffe, der Satz tr\u00e4gt. Jedenfalls baue ich jetzt auf ihm das Referat und die bunte Pr\u00e4se auf, und dann werde ich merken, ob er wirklich was taugt. Im Moment bin ich sehr zuversichtlich. <\/p>\n<p>Das hat sich sehr gut angef\u00fchlt. Vor allem, weil ich wei\u00df, in wieviele Sackgassen ich bei Protzen gerannt bin und vermutlich auch weiterhin renne. Mit der jetzigen Ausrichtung m\u00fcsste ich aber trotzdem das sagen k\u00f6nnen, was seit Monaten in meinem Kopf rumknetet und jetzt endlich zu einer Form geworden ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wochenende ist immer sch\u00f6n, auch wenn manche Fu\u00dfballspiele eher schei\u00dfe sind. Ich meinte so zu F. w\u00e4hrend #GERMEX, dass ich mich so sehr auf die Bundesliga freue: Selbst bei Augschburg, die echt keine Offensivk\u00fcnstler sind, w\u00e4re mehr Zug zum Tor als bei DER MANNSCHAFT. 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