{"id":29538,"date":"2018-07-05T10:33:23","date_gmt":"2018-07-05T09:33:23","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=29538"},"modified":"2018-07-05T10:33:23","modified_gmt":"2018-07-05T09:33:23","slug":"tagebuch-mittwoch-4-juli-2018-letzte-sitzung-vor-den-klausuren-die-mir-seit-zwei-semestern-egal-sind-ha","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=29538","title":{"rendered":"Tagebuch, Mittwoch, 4. Juli 2018 \u2013 Letzte Sitzung vor den Klausuren, die mir seit zwei Semestern egal sind, ha!"},"content":{"rendered":"<p>Um zehn sa\u00df ich brav im H\u00f6rsaal, wo die letzte Sitzung der Eichh\u00f6rnchenvorlesung stattfand. Oder wie sie richtig hei\u00dft, die Vorlesung zu Materialien der modernen Malerei. Der Dozent hatte sich f\u00fcr diese Stunde einen Gast eingeladen, dessen Namen ich mir leider nicht notiert habe, aber der gute Mann promoviert gerade zum Thema Fotografie. Genau dazu referierte er auch eine gute Stunde, ich notierte mir wie immer B\u00fccher oder Aufs\u00e4tze, die f\u00fcr mich spannend klangen, und nebenbei blitzten im Kopf wieder Dinge auf, die f\u00fcr meine Dissertation wichtig sein k\u00f6nnten. Ich wei\u00df schon gar nicht mehr, wie genau der Referent mich in diese oder jene Richtung schubste bzw. was genau er sagte, denn das hatte alles gar nichts mit meinem Thema zu tun, aber inzwischen gen\u00fcgen irgendwelche Reize und mein Kopf legt an die Diss Fragezeichen an, die ich jetzt notgedrungen beantworten muss. Will. Werde. (Hoffentlich.)<\/p>\n<p>Danach sagte der Dozent noch kurz was zur Klausur, ich klinkte mich geistig aus, auch bei den \u00fcblichen Fragen, die nach der Erkl\u00e4rung kamen und die nie was bringen. Zum Abschluss wurde ich dann aber wieder hellh\u00f6rig, denn der Herr meinte, dass eine Kollegin ihm gesagt h\u00e4tte, dass Teile seiner Vorlesung verbloggt worden w\u00e4ren \u2013 das h\u00e4tte ihn sehr gefreut und seine Tochter auch, die habe das gerne gelesen und w\u00fcsste nun, was ihr Vater eigentlich genau macht.<\/p>\n<p>Ich wollte nach der Stunde eh runtergehen und mich pers\u00f6nlich bedanken. Ich war zur Vorlesung nicht angemeldet, weil ich als Doktorandin eingeschrieben bin und daher keine ECTS-Punkte mehr sammele, weswegen ich nicht den \u00fcblichen Link zur Evaluation der Lehrkr\u00e4fte zugeschickt bekam, unter dem ich sonst immer lobhudele wie nichts Gutes. (Meistens jedenfalls.) Also wollte ich das pers\u00f6nlich erledigen und hatte nun auch einen Gespr\u00e4chsanfang: \u201eIch bin das Blog.\u201c Der Dozent meinte, dass meine Art der Vorbereitung \u2013 Dinge verbloggen \u2013 vermutlich eine effektivere Klausurvorbereitung war als das bl\u00f6de Auswendiglernen der Folien, die er eh nur als \u201eFragment\u201c ansieht. Den Gedanken hatte ich beim Bloggen auch schon mal. Ich meinte, dass ich, gerade weil ich nicht f\u00fcr die Klausur lerne, sondern mir f\u00fcrs Blog nur die gro\u00dfen B\u00f6gen gemerkt oder aufgeschrieben habe, auch anders zugeh\u00f6rt hatte. Solange ich wusste, dass ich abgefragt werde, habe ich zehn Semester lang bei jedem Fakt \u00fcberlegt, ob der wohl klausurrelevant sein k\u00f6nnte &#8230; ach, lieber zuviel als zuwenig aufschreiben. Das war bestimmt kein Fehler, aber ich merke jetzt, in der ersten Vorlesung ohne Abschlussklausur, dass ich dem Dozent viel aufmerksamer, weil unselektiver zugeh\u00f6rt habe. Ich habe warten k\u00f6nnen, bis ein Gedanke abgeschlossen war und konnte mich dann entscheiden: Will ich das im Blog teilen oder ist das zu spezifisch f\u00fcr meine Leserschaft? Ist das wirklich so interessant, skurril, spannend, dass damit auch Leser*innen etwas anfangen k\u00f6nnen, die mit Kunstgeschichte sonst weniger am Hut haben? Anders ausgedr\u00fcckt: Will ich mir das selber merken oder will ich hier nur sitzen und zuh\u00f6ren und dem Zufall vertrauen, was mein Kopf davon beh\u00e4lt? Das ging bei den bisherigen Vorlesungen nicht \u2013 und wie ich schon ahnte, habe ich mir von diesem Semester weitaus mehr gemerkt als in den zehn Semestern vorher. Ich hatte immer auf die Klausur hingelernt und danach alles wieder vergessen. Durch das Aufschreiben im Blog \u2013 also der selbstgew\u00e4hlten Wiederholung des Stoffes, den ich dazu auch noch so aufbereiten musste, dass man ihn versteht, auch wenn man nicht in der Vorlesung sa\u00df \u2013 merkte ich mir viel mehr als jemals zuvor. Neulich stolperte ich in einer NS-Publikation \u00fcber die Analogie von Mensch und Technik, also dass technische Hilfsmittel Verl\u00e4ngerung des menschlichen K\u00f6rpers seien und konnte grinsend feststellen, alter Hut, die Idee hatte im 19. Jahrhundert auch schon <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ernst_Kapp#Werk\">jemand<\/a>, das habe ich schon am Anfang der Vorlesung <a href=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=29011\">gelernt<\/a>.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Nach der Vorlesung radelte ich in die UB, wo drei dicke B\u00fccher in der Ausleihe auf mich warteten und ein \u00e4u\u00dferst schmales in der Fernleihe, das ich auch nur in den Lesesaal mitnehmen durfte. Der bisher k\u00fcrzeste Ausstellungskatalog zu Grossberg stammt von 1960, hat sechzehn Seiten und liegt sonst wohlbeh\u00fctet in der Unibibliothek Stuttgart. (Ich gucke immer interessiert auf die Buchstempel und winke im Geist in die anderen Bibliotheken. You rock!) Dort fand ich sehr hilfreiche Zitate und Hinweise, notierte mir brav alles und gab den Katalog dann wieder ab. Gute Heimreise, kleines B\u00e4ndchen!<\/p>\n<p>Ich holte noch ein weiteres Buch aus der Stabi und verglich kurz: die Dissertation aus der UB hat \u00fcber 500 Seiten, zwei B\u00e4nde und wiegt gef\u00fchlt zwei Kilo. Die aus der Stabi ist nur DIN-A5-gro\u00df, hat gute 200 Seiten und wiegt nicht mal ein Pfund. Team k\u00fcrzere Dissertationen! Immer an die ausleihenden Studis denken, die auf R\u00e4dern unterwegs sind und Pudding\u00e4rmchen haben!<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Die 500-Seiten-Diss besch\u00e4ftigte mich dann den Rest des Tages. Sie hat leider ein bisschen mein inneres Gleichgewicht ruiniert, denn in ihr finden sich gef\u00fchlt dutzende von Dingen, die ich im Nachlass herausfinden wollte. Den hat anscheinend doch schon einmal jemand durchw\u00fchlt und zwar nicht der Herr im Katalog 1976 und auch nicht die Tochter Grossbergs im Katalog 1994 (der letzte gro\u00dfe zu ihm), die beiden Auswertungen kannte ich, vermisste aber f\u00fcr mich wichtige Infos. Die fand ich teilweise hier in der Diss von 1990. Das ist zwar einerseits toll \u2013 ich hatte mit einigen meiner Theorien fett recht \u2013, aber andererseits total doof, denn das wollte <em>ich<\/em> doch alles rausfinden und erstmals publizieren. Au\u00dferdem finden sich hier Dinge, die in allen Publikationen danach zu Grossberg anscheinend komplett ignoriert wurden, und ich frage mich seit gestern, ob das bewusst passiert ist oder einfach niemand diese Diss gelesen hat. Einen elementaren Fakt zu Grossbergs Leben, den ich hier nicht ausplaudern will, habe ich so noch nirgends gelesen und wundere mich daher seit gestern arg.<\/p>\n<p>Ich habe gestern nicht alle 500 Seiten geschafft, weil ich mit dem f\u00fcr mich wichtigen Teil begonnen hatte (Ende 20er Jahre bis zu seinem Tod 1940), aber heute lese ich den Rest, und dann muss ich sehr gut nachdenken, ob meine Diss \u00fcberhaupt noch funktioniert. Momentan glaube ich ja, denn die Verfasserin hatte eine andere Zielrichtung als ich, aber das hat mich gestern doch kurz aus der Bahn geworfen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_3268.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"526\" class=\"alignnone size-full wp-image-29540\" \/><\/p>\n<p>Aber ich hatte immerhin frisch gebackenenes Buttermilchbrot zur Aufheiterung, das ich gestern teilweise zu einem ordentlichen Steak Sandwich mit Paprika und Zwiebeln verwandelte. Da ich dazu keinen gesonderten Blogeintrag schreiben werde, hier die Zutaten: 585 g Weizenmehl, Type 550, 205 g Wasser, 200 g Buttermilch, 12 g Salz, 0,5 g Frischhefe. Zubereitung wie das <a href=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=29410\">Weizenbrot ohne Buttermilch<\/a>. Bitte kaufen Sie <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3954531046\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3954531046&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21&#038;linkId=8fac25d36db359fa5a0403d4dab97d92\">dieses Backbuch<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=am2&#038;o=3&#038;a=3954531046\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/>, es macht sehr gl\u00fccklich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um zehn sa\u00df ich brav im H\u00f6rsaal, wo die letzte Sitzung der Eichh\u00f6rnchenvorlesung stattfand. Oder wie sie richtig hei\u00dft, die Vorlesung zu Materialien der modernen Malerei. Der Dozent hatte sich f\u00fcr diese Stunde einen Gast eingeladen, dessen Namen ich mir leider nicht notiert habe, aber der gute Mann promoviert gerade zum Thema Fotografie. 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