{"id":29833,"date":"2018-08-27T07:39:52","date_gmt":"2018-08-27T06:39:52","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=29833"},"modified":"2018-08-27T07:55:21","modified_gmt":"2018-08-27T06:55:21","slug":"was-schon-war-samstag-sonntag-25-26-august-2018-politische-goldene-hochzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=29833","title":{"rendered":"Was sch\u00f6n war, Samstag\/Sonntag, 25.\/26 August 2018 \u2013 Politische Goldene Hochzeit"},"content":{"rendered":"<p>Samstag fr\u00fch um kurz vor acht trug ein schnuffiger IC F. und mich ins Schw\u00e4bische, wo mein Patenonkel und seine Frau ihre Goldene Hochzeit feierten. Normalerweise sitzen wir lesend oder d\u00f6send im Gro\u00dfraumwagen nebeneinander, wenn wir l\u00e4nger Zug fahren, aber hier gab es nur Abteile, wir hatten netterweise eins f\u00fcr uns, und so kl\u00f6nten wir entspannt bis Ulm. Das fehlende D\u00f6sen r\u00e4chte sich ein bisschen in einem Nachmittagstief, aber das konnten wir mit Kaffee und frischer Luft bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Wir hatten in Ulm zwar bewusst eine gute halbe Stunde Aufenthalt zum Umsteigen gew\u00e4hlt anstatt der auch m\u00f6glichen sieben Minuten, aber die Zeit reichte nat\u00fcrlich nicht, um kurz zum <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ulmer_M%C3%BCnster\">M\u00fcnster<\/a> r\u00fcberzuh\u00fcpfen. Ich bewunderte es begl\u00fcckt aus der Ferne.<\/p>\n<p>Am Zielort angekommen, wurden wir mit dem Auto abgeholt und zur ungef\u00e4hr 800 Meter entfernten Kirche chauffiert, da hatte sich Frau Gr\u00f6ner in Maps arg bei der Entfernung verguckt. So waren wir etwas zu fr\u00fch da, konnte daf\u00fcr aber dem Posaunenensemble mehrfach dabei zuh\u00f6ren, ein Motiv aus einem der sp\u00e4ter zu singenden Lieder zu spielen. \u00dcberhaupt war es sch\u00f6n, mal wieder laut zu singen, vor allem \u201e<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fKV7ki7_zGE\">Bewahre uns Gott<\/a>\u201c, das mag ich sehr gerne. (Memo to me: endlich in M\u00fcnchen eine Gesangslehrerin suchen.)<\/p>\n<p>Dann ging&#8217;s mit der ganzen Festgesellschaft in einen nahegelegenen Gasthof, wo die \u00fcblichen Familienfeierportionen auf uns warteten. Ich glaube allm\u00e4hlich, f\u00fcr derartige Feste trainiert man sich im Laufe seines Lebens einen eigenen Magen an. Wir hatten eine \u00e4u\u00dferst angenehme Tischgesellschaft, darunter auch den Sohn des Ehepaars und seine Frau, die schon bei der Goldenen Hochzeit meiner Eltern an meinem Tisch gesessen hatten. So konnten wir quasi nahtlos an unsere Gespr\u00e4che \u00fcber Kunst und Religion \u2013 die beiden sind Pastor*innen \u2013 ankn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>Was mir an der Feier besonders gefallen hat, war das Rahmenprogramm, wenn man es so nennen kann. Das Ehepaar selbst hatte sich die \u00fcblichen Bilder ausgesucht, die nach dem Mittag und vor Kaffee und Kuchen gezeigt wurden \u2013 also im kleinen Zeitfenster von gef\u00fchlt 20 Minuten. Wir sahen Dias von der Hochzeit (Dias = gescannte Fotos \u00fcber Beamer und Laptops der S\u00f6hne), einige Menschen wurden besonders erw\u00e4hnt, weil sie nicht mehr am Leben waren und man an sie erinnern wollte. Und dann erwartete ich den \u00fcblichen R\u00fcckblick auf 50 Jahre Familienleben, aber: Die S\u00f6hne hatten sich etwas leicht anderes ausgedacht. Sie erinnerten daran, dass die Eltern ja ausgerechnet 1968 geheiratet hatten \u2013\u00a0ein Jahr, das f\u00fcr die Gesellschaft der Bundesrepublik eine gewisse historische Z\u00e4sur war. Praktischerweise waren viele der G\u00e4ste im Saal damals auch schon dabeigewesen, man habe also eine Menge Zeitzeugen versammelt, die der nachfolgenden Generation vielleicht etwas erz\u00e4hlen konnten. Und so starteten sie die Fragerunde gnadenlos mit einem Bild des Prager Fr\u00fchlings und fragten ihre Eltern, wie sie die Ereignisse damals erlebt h\u00e4tten. Was ich spannend fand \u2013 und womit ich ehrlich gesagt nicht gerechnet hatte: Nicht nur das Ehepaar erz\u00e4hlte kurz, sondern es schilderten auch sofort einige G\u00e4ste ihre Sicht. So meinte die Frau meines Patenonkels, dass sie die Ereignisse zwar mitbekommen h\u00e4tte, aber keine Angst gehabt habe, woraufhin sich eine \u00e4ltere Frau mit erkennbar s\u00e4chsischem Akzent meldete, deren Freunde damals bei der NVA gewesen waren, um die h\u00e4tte sie schon Angst gehabt. Ein Herr meinte, er w\u00e4re damals gerade frisch bei der Bundeswehr gewesen und auch dort sei diskutiert worden. Alleine f\u00fcr diese f\u00fcnf Minuten hatte sich die ganze Feier gelohnt. (Ich erwischte mich wie in guten Vorlesungen dabei, mit offenem Mund zuzuh\u00f6ren.)<\/p>\n<p>Es kamen nat\u00fcrlich auch entspannendere Fragen dran; wir h\u00f6rten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heintje\">Heintje<\/a> und sahen das Plakat von \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zur_Sache,_Sch%C3%A4tzchen\">Zur Sache, Sch\u00e4tzchen<\/a>\u201c, verbunden mit Fragen zu eigenen Lieblingssongs oder ob man gemeinsam im Kino war. War man interessanterweise eher selten, woraufhin ich meine Eltern, die auch da waren, gleich mal fragte, wie das bei ihnen war; ich wusste ja, dass Mama Autogramme der gesamten deutschen Filmbranche der 50er Jahre gesammelt hatte und dass Papa stapelweise Filmprogramme von Western im Keller hortete, aber auch die beiden waren kaum gemeinsam im Kino gewesen. Wieder was gelernt. Auch lustig: Bei der Frage, ob es die Hippiebewegung auch in die schw\u00e4bische Kleinstadt geschafft h\u00e4tte, gingen die Meinungen sehr auseinander, von \u201eDavon habe ich nichts mitbekommen\u201c bis zu einem verschmitzten \u201eAber hallo\u201c.<\/p>\n<p>Das Ehepaar ist bis heute ehrenamtlich sehr engagiert, was bereits damals begonnen hatte. So erz\u00e4hlte die Frau meines Patenonkels von der Umbenennung der m\u00e4nnlichen und weiblichen Pfadfinderverb\u00e4nde bzw. der neuen Logoentwicklung. Kurz zuvor war aus dem Christlichen Verein junger M\u00e4nner der Christliche Verein junger Menschen geworden. Bei den Pfadfindern wollte sie diese \u201eVereinnahmung\u201c der Frauen nicht einfach so hinnehmen und sie erkl\u00e4rte uns das Logo des 1973 entstandenen, gemeinsames <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Verband_Christlicher_Pfadfinderinnen_und_Pfadfinder\">Vereins<\/a> : Die Lilie entstamme den christlichen Pfadfindern, das Kleeblatt drumrum den Pfadfinderinnen; beide bleiben sichtbar. Und ich sa\u00df wieder mit offenem Mund rum.<\/p>\n<p>Ich fand es spannend, bei Menschen, die man seit fast 50 Jahren kennt, noch neue Facetten zu entdecken. Gerade meine \u201eTante\u201c hatte ich jetzt gar nicht als eine so dezidierte Streiterin f\u00fcr Frauenrechte wahrgenommen, obwohl mir die menschenfreundlichen und fortschrittlichen Ansichten der beiden nat\u00fcrlich klar gewesen war. Das war mit dem Effekt vergleichbar, wenn man alte Fotos der eigenen Eltern anschaut, die vor der Zeit entstanden sind, bevor man selbst auf der Welt war; es ist immer seltsam sich daran zu erinnern, dass die eigenen Eltern mal in dem Alter waren, in dem man selbst ist, mit \u00e4hnlichem Quatsch im Kopf, mit einem Lebensentwurf, mit Zielen und Pl\u00e4nen. Sie waren Einzelpersonen, bevor sie ein Paar und Eltern wurden, aber ich kenne sie halt nur im Doppelpack und vergesse manchmal, dass auch sie sich finden und zusammenraufen mussten.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Wir fuhren abends wieder nach M\u00fcnchen zur\u00fcck,  und nach dem langen Tag schlief ich recht schnell ein und erholte mich den Sonntag \u00fcber alleine von den vielen Menschen am Samstag. Ich machte einen langen Spaziergang zu einer bewusst gew\u00e4hlten weiter entfernten Packstation und holte frischen <a href=\"https:\/\/www.martermuehle.de\/\">Espresso<\/a> ab, f\u00fcr den ich netterweise einen Gutschein geschenkt bekommen hatte. Dann schlief ich wie immer bei der Bundesliga auf dem Sofa ein, las ein bisschen die <em>FAS<\/em>, die ich gerade als vierw\u00f6chiges Geschenk der <em>FAZ<\/em> kriege, daddelte Candy Crush, plante im Kopf am Umzug weiter, <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/Bm83pB0jpxn\/\">bereitete<\/a> mir abends herrliche <a href=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=28969\">Fr\u00fchlingszwiebelpfannkuchen<\/a> zu und schlief ebenso entspannt ein wie am Samstag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Samstag fr\u00fch um kurz vor acht trug ein schnuffiger IC F. und mich ins Schw\u00e4bische, wo mein Patenonkel und seine Frau ihre Goldene Hochzeit feierten. 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