{"id":30495,"date":"2018-12-07T09:31:04","date_gmt":"2018-12-07T08:31:04","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=30495"},"modified":"2018-12-07T14:59:37","modified_gmt":"2018-12-07T13:59:37","slug":"tagebuch-donnerstag-6-dezember-2018-krampus-und-caesar-salad","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=30495","title":{"rendered":"Tagebuch Donnerstag, 6. Dezember 2018 \u2013 Krampus und Caesar Salad"},"content":{"rendered":"<p>Der Tag begann damit, dass ich \u00fcberrascht und freudig feststellte, dass in meinen Sneakers an der Eingangst\u00fcr ein Schokonikolaus steckte, der seinen Kumpel Krampus aus Wien mitgebracht hatte. Also eigentlich hatte F. beide aus Wien mitgebracht, der kleine Racker, und von mir unbemerkt in meinen Schuhen deponiert. Das war ein sch\u00f6ner Tagesanfang.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_3993.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"644\" class=\"alignnone size-full wp-image-30500\" \/><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Gearbeitet, rumgepuzzelt, in <em>Salz. Fett. S\u00e4ure. Hitze.<\/em> das Salz-Kapitel zuende gelesen, das ich vorgestern begonnen und in dem ich bereits mein Mittagessen f\u00fcr gestern gefunden hatte.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Caesar_Salad\">Caesar Salad<\/a> ist mein absoluter Lieblingssalat. Ich glaube, ich habe kein Essen, auch wenn es noch so unfotogen ist, so oft geinstragrammt wie diesen Salat, weil er einfach immer gut ist, egal wie huschig ich ihn zubereite. Okay, eigentlich ist er eine Entschuldigung, um einen Berg Knoblauchcroutons zu essen, aber das behalten wir einfach mal f\u00fcr uns.<\/p>\n<p>Im Salz-Kapitel tauchte nun genau dieser Salat als Lernvorlage auf: Man sollte an ihm bzw. seinem Dressing ausprobieren, wie man Salz schichtet, also wie man verschiedene salzige Zutaten zusammen verwendet und wie anders alles wird, je nachdem was man hinzuf\u00fcgt. An diesem Dressing sollte man auch Abschmecken \u00fcben.<\/p>\n<p>Ich koche jetzt seit fast zehn Jahren halbwegs regelm\u00e4\u00dfig \u2013 oft genug reicht auch ein Sandwich zum Abendessen, das ist nicht Kochen \u2013, aber ich habe immer noch das Gef\u00fchl, keine Intuition f\u00fcr die Sache entwickelt zu haben. Ich befolge Rezepte ziemlich sklavisch, weil ich meist nicht w\u00fcsste, was ich \u00e4ndern sollte au\u00dfer vielleicht Dinge wegzulassen, die ich nicht mag oder die ich gerade unn\u00f6tig finde (meistens Fleisch). Ich behaupte, ich habe mir gewisse Grundfertigkeiten beigebracht, aber ich koche sehr oft das Gleiche, weil ich wei\u00df, dass es funktioniert. Mir fehlt (noch?) die F\u00e4higkeit, aus dem Gelernten etwas Neues zu machen. Also anders als an der Uni, wo einem auch niemand die Hausarbeiten schreibt, man aber die Grundfertigkeiten beigebracht bekommt (wo ist die Bibliothek, wie funktioniert sie, wie finde ich einen Aufsatz). Da habe ich recht schnell kapiert, wie ich aus Baukl\u00f6tzen ein Haus bauen kann, vor allem, weil ich so viele andere Aufs\u00e4tze lesen musste, um selber welche zu schreiben.<\/p>\n<p>Genauso habe ich eigentlich gewisse Grundlagen beim Kochen drauf, aber ich bekomme die Einzelteile noch nicht selbst\u00e4ndig zu etwas Neuem gepuzzelt. Deswegen gucke ich so gerne Kochshows wie <em>Masterchef<\/em>, wo die Kandidat*innen beispielsweise eine Grundzutat vorgegeben bekommen und daraus was zaubern m\u00fcssen. Ich bin jedesmal wieder davon erstaunt, was man alles aus, keine Ahnung, Tomaten machen kann au\u00dfer Suppe, Salat und dem Klassiker \u201ezwei Scheiben davon aufs K\u00e4sebrot\u201c. Deswegen habe ich mich gestern so \u00fcber die <a href=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=30486\">verkohlten Zwiebeln<\/a> gefreut: Ich w\u00e4re nie auf die Idee gekommen, sie bewusst anzubrennen, weil ich die Grundfertigkeit \u201emit starken Aromen arbeiten\u201c schlicht noch nicht drauf habe. <\/p>\n<p>Auch von <em>Masterchef<\/em> gelernt habe ich solche simplen Dinge, \u00fcber die alle ge\u00fcbten K\u00f6ch*innen vermutlich gutm\u00fctig mit den Augen rollen, wie: Jedes Gericht sollte verschiedene Texturen haben oder unterschiedliche Aggregatzust\u00e4nde, damit der Mund sich nicht langweilt. Also knackig plus schmelzig. Oder fest und weich. Oder auch mild und scharf sowie hei\u00df und kalt. Ich habe mal <a href=\"https:\/\/docs.google.com\/document\/d\/1Om2BlZzBUw2X96lEVJG0Zgm4xa7t86X3-8hwtt4CARI\/edit#heading=h.rh13grdybkvh\">als Schreibtipp gelesen<\/a>, sich seine Lieblingsb\u00fccher analytisch vornzunehmen, um herauszufinden, warum genau sie die Lieblingsb\u00fccher sind, damit man daran seine eigenen Geschichten orientieren kann. Das versuche ich seitdem auf meine Lieblingsgerichte anzuwenden: Warum schmecken mir manche Dinge besser als andere? Ich mag zwar die mummelige Gleichf\u00f6rmigkeit von <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=24096\">Spaghetti Carbonara<\/a> (gleiche Temperatur und Mundgef\u00fchl aller Zutaten, alles recht salzig), aber ich mag genauso die Wundert\u00fcte <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=24996\">Salade ni\u00e7oise<\/a> (warm und kalt, weich und fest, Geschm\u00e4cker von mild bis salzig). Generell war ich erstaunt dar\u00fcber, dass ich beim Nachdenken \u00fcber Lieblingsgerichte doch eher an salzige als an s\u00fc\u00dfe dachte \u2013 vermutlich weil letztere einfach nur das sind: s\u00fc\u00df. (In diesem Zusammenhang: H\u00e4nde weg von Schokolade, die ist perfekt so wie sie ist! Das Grauen von Chili-Schokolade!)<\/p>\n<p>Zusammengefasst: Ich w\u00fcrde gerne etwas strukturierter meine Kochf\u00e4higkeiten ausbauen. Da ich k\u00f6rperlich keine Kochausbildung mehr hinkriege und ich auch keine Lust auf VHS-Kurse mehr habe, erhoffe ich mir von B\u00fcchern wie <em>Salz. Fett. S\u00e4ure. Hitze.<\/em> ein bisschen mehr Grundwissen, das ich schlicht \u00fcbersprungen habe beim Rezeptekochen, und damit verbunden mehr inneres Handwerkszeug, um nicht immer das Gleiche einzukaufen und daraus immer das Gleiche zu kochen.<\/p>\n<p>Deswegen fand ich es reizvoll, einen Caesar Salad neu zu lernen, gerade weil ich den schon so oft gemacht habe \u2013 so konnte ich vergleichen. Es ging im Buch nicht darum, die Romamasalatbl\u00e4tter besonders schick zu schneiden oder wie man aus Brot Croutons macht, das habe ich so gemacht wie immer. Es ging stattdessen darum, das Dressing von Grund auf zu verstehen. Das Buch gibt keine Mengenangaben vor (wieviel Worcestersauce, wieviel Parmesan, wieviele Sardellen?), sondern sagt nur: Probier mal aus, davon was zur Majo zu geben. Daf\u00fcr gab es eine Mengenangabe, die mir auch noch nicht bekannt war: 175 ml \u00d6l auf ein Eigelb. Ich hatte gef\u00fchlt nur recht kleine Eier und benutzte daher erstmal 150 ml, aber das war zuwenig, wer h\u00e4tte es gedacht. Mayonnaise habe ich <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=9269\">bisher<\/a> mit dem P\u00fcrierstab gemacht und mich auch da an Rezepte gehalten. Dieses Mal griff ich zu Sch\u00fcssel und Schneebesen. Alleine das war toll, weil es sich danach angef\u00fchlt hat, Grundlagen zu erlernen. Erstmal die Basics verstehen, dann kannst du immer noch zum Zauberstab greifen.<\/p>\n<p>Ich begann also mit dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mise_en_Place\">Mise en Place<\/a> (auch so eine sch\u00f6ne Grundfertigkeit), was auch im Buch beschrieben wird: Parmesan reiben, Sardellen zerdr\u00fccken, Knoblauch mit einer Prise Salz zerreiben, Salz in ein Gef\u00e4\u00df sch\u00fctten, aus dem man mit den Fingern salzen kann, Worcestersauce aufschrauben (das letzte fand ich besonders schnuffig). F\u00fcr die Majo: eine Zitrone auspressen und Essig bereitstellen. Ich wunderte mich, dass kein Senf verlangt war und googelte erstmal nach: Nein, es muss kein Senf in eine Majo, aber der gibt von Anfang an etwas S\u00e4ure und Sch\u00e4rfe dazu. Genau das wollte ich ja aber selbst in der Hand haben. Also: Senf wieder in den K\u00fchlschrank stellen, aus dem ich ihn schon vor l\u00e4ngerer Zeit geholt hatte, denn immerhin wusste ich schon, dass alle Grundzutaten die gleiche Temperatur haben sollten. Und da ich Eier und \u00d6l nicht im K\u00fchlschrank aufbewahre uswusf.<\/p>\n<p>Ein Salzt\u00f6pfchen habe ich mir schon vor l\u00e4ngerer Zeit angew\u00f6hnt, die anderen Handgriffe kannte ich auch, wobei ich das Zerreiben des Knoblauchs mit meinem gro\u00dfen Kochmesser sehr genoss. Auch eine Sache, die bei mir ein bisschen gedauert hatte: mich an gro\u00dfe, scharfe (teure) Messer ranzutrauen und nicht immer das kleine Supermarktmesser f\u00fcr alles zu benutzen.<\/p>\n<p>Jetzt aber: ein Eigelb in eine breite Sch\u00fcssel aufschlagen, das Sonnenblumen\u00f6l abmessen und in ein Gef\u00e4\u00df umsiedeln, aus dem man kontrollierter gie\u00dfen kann als aus der wabbeligen Plastikflasche. Aus einem feuchten Handtuch einen Ring basteln, auf dem die Sch\u00fcssel fest steht (schon was gelernt!). Und dann ganz langsam \u00d6l zum Ei geben und mit dem Schneebesen z\u00fcgig verschlagen. Das ging besser und schneller als ich dachte! Als ich eine sch\u00f6ne Masse vor mir hatte, ging es ans Abschmecken. Zum ersten Mal schmeckte ich ungew\u00fcrzte Majo, die quasi nur aus Mundgef\u00fchl besteht (Fett halt). Ich gab vorsichtig Zitronensaft hinzu und wusste sofort: Da geht noch was. Noch ein bisschen Saft f\u00fcr die Frische, dann ein bisschen Essig f\u00fcr eine kleine saure Sch\u00e4rfe. Und jetzt das Salz.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst gab ich den Knoblauch dazu und schmeckte seine ziepende Sch\u00e4rfe sowie das Salz, mit dem ich die Zehe verrieben hatte. Dann die Sardellen, die deutlich weniger fischig waren als ich sie erwartet hatte. Sie gaben der Masse eine gewisse fleischige Tiefe. Vor der Worcestersauce hatte ich vermutlich zuviel Respekt, mit der koche ich nie, das war die einzige Zutat, f\u00fcr die ich gestern einkaufen gehen musste, Rest war im Haus. Deswegen war ich bei ihr sehr memmig und habe sie auch nicht wirklich herausgeschmeckt. N\u00e4chstes Mal. Der Parmesan kam extrem geschmeidig und mit winzigen Salzspitzen dazu, und erst zum Schluss gab ich reines Tafelsalz in die Masse. Ich wollte noch ein bisschen mehr Parmesan und dann war ich zufrieden und von dieser simplen T\u00e4tigkeit schon sehr beeindruckt. Alleine bewusst zu merken, wie unterschiedlich salzig salzige Dinge schmecken, fand ich spannend und hoffentlich f\u00fcr die Zukunft hilfreich.<\/p>\n<p>Der letzte Test aus dem Buch: ein Salatblatt durchs Dressing ziehen und gucken, ob alles zusammenpasst. Das passte so gut, dass ich gleich den ganzen Romanakopf in die Sch\u00fcssel tunken wollte, aber ich beherrschte mich brav und zerschnitt den Kopf, w\u00e4hrend die Croutons in der Pfanne rumknisterten. Der fertige Salat war dann wie immer ein Genuss, und damit verbanne ich mein bisheriges Dressing aus Cr\u00e8me fra\u00eeche, Oliven\u00f6l und Zitronensaft nach Sibirien.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_3997.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"529\" class=\"alignnone size-full wp-image-30498\" \/><\/p>\n<p>Die Mayonnaise steht da nur, damit ich mit ihrer perfekten Konsistenz angeben kann. In die habe ich abends einfach Wei\u00dfbrot gestippt, so lecker war sie (die Majo, nicht die Konsistenz).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Tag begann damit, dass ich \u00fcberrascht und freudig feststellte, dass in meinen Sneakers an der Eingangst\u00fcr ein Schokonikolaus steckte, der seinen Kumpel Krampus aus Wien mitgebracht hatte. Also eigentlich hatte F. beide aus Wien mitgebracht, der kleine Racker, und von mir unbemerkt in meinen Schuhen deponiert. 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