{"id":3078,"date":"2008-10-20T10:51:39","date_gmt":"2008-10-20T08:51:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=3078"},"modified":"2008-10-20T10:55:41","modified_gmt":"2008-10-20T08:55:41","slug":"3078","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=3078","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Herr Niggemeier hat einen sehr lesenswerter Vortrag zum Zustand des Onlinejournalismus <a href=\"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/schlechter-online\/\">ver\u00f6ffentlicht<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e(&#8230;) Trotzdem halte ich das nicht f\u00fcr die gef\u00e4hrlichste Entwicklung im Online-Journalismus. Denn diese Verleger, die das Medium Internet immer noch f\u00fcr das Medium der Zukunft und nicht der Gegenwart halten (wenn \u00fcberhaupt), diese Verleger gef\u00e4hrden ja vor allem sich selbst. Es gibt aber eine Reaktion auf die geringen Einnahmem\u00f6glichkeiten im Internet, die den Journalismus an sich gef\u00e4hrdet. Wenn wir im Internet weniger verdienen, geht die Logik ungef\u00e4hr, k\u00f6nnen wir halt auch nur weniger ausgeben. Wir sparen uns zum Beispiel einfach so \u00fcberfl\u00fcssige Dinge wie ein Korrektorat oder \u00fcberhaupt das Gegenlesen von Artikeln. Und an der Stelle von Fachjournalisten besch\u00e4ftigen wir g\u00fcnstige Allesproduzierer, die die einlaufenden Agenturmeldungen und Pressemitteilungen so einpflegen, dass es halbwegs okay ist.<\/p>\n<p>Aus irgendeinem Grund, den ich nicht genau festmachen kann, liegt dieser Strategie die Annahme zugrunde, dass es das Publikum im Internet nicht so genau nimmt. Dass Zeitungsleser zwar empfindlich reagieren, wenn sie zuviele falsch geschriebene W\u00f6rter in den Artikeln finden, aber Internetnutzern solche Nebens\u00e4chlichkeiten egal ist. Dass Fernsehzuschauer ungern das Gef\u00fchl haben, die Texte, die ihnen der Nachrichtensprecher vorliest, seien von ihrer achtj\u00e4hrigen Tochter geschrieben worden, aber Internetnutzer den Unterschied eh nicht merken. Es ist schon richtig, dass zum Wesen des Internets als Nachrichtenmedium geh\u00f6rt, besonders schnell zu sein. Und wom\u00f6glich akzeptieren die Internetnutzer tats\u00e4chlich, dass diese Geschwindigkeit bei Breaking News gelegentlich auf Kosten der Genauigkeit geht, dass Nachrichten mehr als in anderen Medien auch etwas Provisorisches haben k\u00f6nnen. Das erkl\u00e4rt aber nicht die umfassende Senkung von Qualit\u00e4tsma\u00dfst\u00e4ben, auf die man bei vielen deutschen Online-Medien trifft. (&#8230;)\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Was mich als jemand, der sich beruflich mit Marken besch\u00e4ftigt, immer ein bisschen verwirrt, ist der riesige Qualit\u00e4tsunterschied zwischen den Print-Mutterschiffen wie der <em>SZ<\/em> oder dem <em>Spiegel<\/em>, \u00fcber den man ruhig geteilter Meinung sein darf. Spiegel Online ist noch l\u00e4ngst nicht so weit wie der <em>Spiegel<\/em>, und sueddeutsche.de ist auf einem anderen Planeten als die <em>SZ<\/em>. Vielleicht ist das ein Werberproblem, aber ich nehme beide Publikationen (Print und Online) als eins wahr. Und wenn die Onlineausgabe grottig ist, habe ich ein Problem damit, die Printausgabe noch ernst zu nehmen. Ich habe mein <em>SZ<\/em>-Abo gek\u00fcndigt, weil ich sueddeutsche.de unter aller W\u00fcrde finde. Und ich wei\u00df nicht, warum eine so gute Zeitung wie die <em>SZ<\/em> es nicht schafft, ein entsprechendes Onlineangebot hinzukriegen. Stefan weist zu Recht auf die <em>New York Times<\/em> hin, die f\u00fcr englischsprachige Nachrichten und Hintergrundkommentare inzwischen meine erste Anlaufstelle geworden ist. Einfach, weil diese Seite sich augenscheinlich bem\u00fcht, Qualit\u00e4t zu liefern anstatt Klickzahlen zu generieren. Und: Weil sie Blogs verstanden hat und sie v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich und gleichberechtigt zu den Artikeln pr\u00e4sentiert. Inzwischen hat es sich sogar eingeb\u00fcrgert, vom Artikel ins passende Blog zu linken (denn die <em>NYT<\/em> hat nicht nur eins, sondern zu jede Sparte mindestens eins, meist mehrere), wo noch weitere Informationen pr\u00e4sentiert werden und der Leser die Gelegenheit zum Feedback hat.<\/p>\n<p>Als Erg\u00e4nzung ein bisschen was von <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/r4\/artikel\/28\/28962\/1.html\">Telepolis<\/a>, via <a href=\"http:\/\/fx3.de\/\">Jo<\/a>s <a href=\"http:\/\/twitter.com\/JoSchaefers\/statuses\/966697609\">Gezwitscher<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e(&#8230;) Gro\u00dfe, namhafte Verlagsh\u00e4user zahlen \u20ac 50 f\u00fcr Artikel und sch\u00e4men sich nicht. H\u00e4tten wir eine Stechuhr, k\u00f6nnten wir ausrechnen, dass die Reinigungskr\u00e4fte in diesen H\u00e4usern mehr verdienen, als diejenigen, die Gesetze analysieren. oder die \u00f6ffentlich machen, wie Unternehmen Politiker und B\u00fcrger bel\u00fcgen, und immer neue Millionen vom Steuerzahler fordern.<\/p>\n<p>Die Vierte Gewalt ist pleite. Niemand hat den Mumm, dies einzugestehen.<\/p>\n<p>Es lohnt sich betriebswirtschaftlich nicht mehr, f\u00fcr namhafte Magazine im Fernsehen zu arbeiten. Fernsehmann Friedrich K\u00fcppersbusch erl\u00e4uterte die Gr\u00fcnde, die dazu f\u00fchrten, Er schrieb in seinem Artikel, wie sich Freie in das \u00f6ffentlich-rechtliche Fernsehen einklagten. Daraufhin f\u00fchrten die Sender die sogenannte Prognose ein, also ein Cap, eine Beschr\u00e4nkung der Arbeitszeit. Wer sich daran gehalten h\u00e4tte, dem w\u00e4re es so gegangen wie freien Journalisten heute \u2013 man w\u00e4re verhungert. Also beschlossen Festangestellte und Freie im gegenseitigen Einvernehmen, sich in die Tasche zu l\u00fcgen oder, um K\u00fcppersbusch zu zitieren:<\/p>\n<p>\u201ePraktisch erzeugte der langj\u00e4hrige Brauch eine alchimistische Geheimwissenschaft der atomisierten Arbeit. Da wurde angemeldet, an einem Tag recherchiert, gedreht, geschnitten und getextet zu haben, damit die Arbeit eines Monats in die Arbeitszeit einer Woche pa\u00dft. W\u00fcrde man so arbeiten, wie man es abrechnet, w\u00fcrde man bald nichts zu arbeiten mehr bekommen.\u201c<\/p>\n<p>Dies ging eine ganze Weile gut. Denn es wurde die faktisch geleistete Arbeit bezahlt, nicht die, die auf dem Papier stand. Dann aber ging es darum, Geld einzusparen: f\u00fcr Sport, Shows, Verwaltung, Festangestellte, und um die Geb\u00fchrendebatte zu \u00fcberstehen. Nun schlossen Branchenfremde und Festangestellte einen Pakt \u2013 die einen wussten es nicht besser, die anderen erkl\u00e4rten nicht das L\u00fcgensystem, das Existenzen sicherte. Und so kam es, dass sich Branchen-Ahnungslose die Prognosemeldungen ansahen. Dort fanden sie dann das, was K\u00fcppersbusch in dem &#8220;Zeit&#8221;-Artikel beschrieben hatte: die Alchemie, die Angabe, TV-Beitr\u00e4ge seien in einem Tag entstanden oder in einer Woche, und daf\u00fcr kassierten die Autoren zwischen DM 5.000 und DM 20.000.<\/p>\n<p>Jedem Fernsehmacher ist nat\u00fcrlich klar, dass St\u00fccke f\u00fcr ein investigatives TV-Magazin mitnichten in einer Woche, sondern in mindestens sechs Wochen, oder bei besonders heiklen Fragen &#8211; manchmal in einem Vierteljahr entstehen. Au\u00dferdem ist noch einmal dieselbe Zeit notwendig, um als freier Journalist in Konkurrenz zu Redaktionen \u00fcberhaupt ein solches Thema auszugraben. Davon realisiert man im Jahr vielleicht mit Gl\u00fcck und Erfahrung vier St\u00fcck. Und dann bekommen DM 20.000 pl\u00f6tzlich eine ganz andere Dimension. Doch diese Erkl\u00e4rung gaben die Festangestellten nicht. Sei es, weil sie schon immer neidisch waren auf die Freien, die die spannenden St\u00fccke mit der gro\u00dfen Au\u00dfenwirkung machten, sei es, weil sie ihre Position in Gefahr sahen, sei es aus Ignoranz. (&#8230;)\u201c<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Niggemeier hat einen sehr lesenswerter Vortrag zum Zustand des Onlinejournalismus ver\u00f6ffentlicht: \u201e(&#8230;) Trotzdem halte ich das nicht f\u00fcr die gef\u00e4hrlichste Entwicklung im Online-Journalismus. Denn diese Verleger, die das Medium Internet immer noch f\u00fcr das Medium der Zukunft und nicht der Gegenwart halten (wenn \u00fcberhaupt), diese Verleger gef\u00e4hrden ja vor allem sich selbst. 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