{"id":31748,"date":"2019-04-29T07:23:06","date_gmt":"2019-04-29T06:23:06","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=31748"},"modified":"2019-04-29T07:23:06","modified_gmt":"2019-04-29T06:23:06","slug":"tagebuch-freitag-bis-sonntag-26-bis-28-april-2019-traurig-aber-mit-hefeteig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=31748","title":{"rendered":"Tagebuch Freitag bis Sonntag, 26. bis 28. April 2019 \u2013 Traurig, aber mit Hefeteig"},"content":{"rendered":"<p>Freitag mittag erwartete ich endlich Feedback auf meine Texte von vor Ostern, weswegen ich die ganze Woche so halb auf Standby rumgewurstelt hatte \u2013 keine Archivzeit ausgemacht, zwar am Schreibtisch gearbeitet, aber auch immer nur stundenweise, irgendwie stets auf Abruf. Das war eher unbefriedigend. Das Feedback war dann die Ank\u00fcndigung f\u00fcrs Feedback f\u00fcr Montag vormittag und zwar auch erst, als ich schon im Zug nach Augsburg sa\u00df. Daf\u00fcr kann meine Kontaktperson nat\u00fcrlich nichts, dass die Kundin so lange braucht, aber am Freitagabend kam mir die ganze Woche sehr rausgeschmissen vor. Ich war eh angeknockt wegen der Zahnschmerzen, die mal mehr, mal weniger sp\u00fcrbar waren, missgelaunt war ich auch, weil ich seit zwei Wochen nichts Vern\u00fcnftiges essen kann und sprechen anscheinend auch nicht unbedingt gut ist, weswegen ich fast das ganze Wochenende lang latent traurig war und hier mal kurz Ruhe einkehrte. Denn wenn irgendwas auf mein Gem\u00fct schl\u00e4gt, dann die Tatsache, nicht essen und nicht sprechen zu k\u00f6nnen, meine zwei privaten Hauptbesch\u00e4ftigungen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Der Freitagvormittag war aber sch\u00f6n, denn den verbrachte ich endlich mal wieder im Historicum bzw. in dessen Bibliothek, in der ich nun seit gesch\u00e4tzt drei Semestern nicht mehr war. Ich erw\u00e4hnte es bereits: Durch die Lekt\u00fcre der Speer-Biografie wurde ich in die Richtung von Goebbels&#8217; Tageb\u00fcchern geschubst. Ich bestellte zwei der, keine Ahnung, 20 B\u00e4nde in der Stabi vor, und erst danach fiel mir die Historicumsbibliothek ein, wo sie garantiert frei zug\u00e4nglich im Regal stehen. Standen sie nat\u00fcrlich, also fuhr ich hin und stellte als eine \u00c4nderung mit dem neuen Plastikstudiausweis fest: Man muss ihn nicht mehr an der Pforte abgeben wie fr\u00fcher, wo man im Austausch daf\u00fcr ein N\u00fcmmerchen bekommen hatte, damit die Pforte einen \u00dcberblick dar\u00fcber hat, wieviele Menschen schon im Geb\u00e4ude sind und ab wann sie die ganzen BWLer und Medizinerinnen abweisen darf, die gef\u00e4lligst in ihren eigenen Bibliotheken lernen sollen. Ich durfte meinen Ausweis behalten und bekam statt der Nummer eine Parkscheibe, die ich schon aus der kunsthistorischen Bibliothek kenne: Damit markiert man seinen Platz, wenn man kurz Mittag macht, und wenn man einen Platz sucht und eine abgelaufene Parkscheibe findet, darf man sich dort hinsetzen. Musste ich noch nie, ich fange immer morgens an, arbeite, bis ich nicht mehr denken kann und gehe dann nach Hause, soweit es der Brotberuf erlaubt.<\/p>\n<p>Da ich aber auf Feedback mittags wartete, hatte ich nur wenige Stunden. Die reichten aber auch, um bei den Tageb\u00fcchern schlechte Laune zu kriegen. Mein Sprachgef\u00fchl war nach der Lekt\u00fcre f\u00fcr den Rest des Tages jedenfalls im Eimer. Konnte nur noch Telegrammstil schreiben. (<a href=\"https:\/\/twitter.com\/ankegroener\/status\/1121731079289888771\">Beispiel-Tweets<\/a>.)<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Zuhause wartete ich sinnlos, bis ich mich f\u00fcrs Stadion feinmachen musste. Es war zu kalt f\u00fcr Hoodie und Trikot, aber zu warm f\u00fcr die dicke Winterwolljacke. Ich kombinierte total clever mein Hoodie mit einer Regenjacke dar\u00fcber, die tollerweise eine irre gro\u00dfe Innentasche hatte: Statt des schmalen Taschenbuchs fanden darin 900 Seiten Speer Platz. Auf die Thermotights unter der Jeans verzichtete ich, und das war der einzige Fehler: kalte Knie, wie immer. Rest war aber warm genug.<\/p>\n<p>Ich fuhr ausnahmsweise alleine in Stadion, der Herr F. war letzte Woche unterwegs, was ich aber ganz nett finde, alleine zum Fuppes. Ich kann in meinem eigenen Tempo gehen und muss mich nicht dauernd innerlich daf\u00fcr entschuldigen, langsamer zu sein als die anderen, ich kann die ganze Zeit lesen und muss im Zug nicht reden, ich kann einfach stumm alleine vor mich hinpuscheln. Mir fehlte allerdings ein Schluck Spezi auf der Hinfahrt; F. hat immer eine Weg-Spezi dabei. Eine ganze will ich nie trinken, aber ich vermisse inzwischen ernsthaft ein, zwei Schl\u00fcckchen Spezi auf dem Weg nach Augschburg.<\/p>\n<p>Es waren kaum Leverkusen-Fans unterwegs, auf der Hinfahrt sah ich keinen einzigen, aber bei einem Spiel am Freitagabend kann ich das sehr verstehen. Die Fahrt zum Stadion sowie der Fu\u00dfweg waren ereignislos, der Einlass auch \u2013 ich hatte keine schei\u00df Handtasche dabei, konnte daher in die schnellen Schlangen, wo mein Buch zwar wieder eine hochgezogene Augenbraue verursachte, aber anstandslos durchgewunken wurde. Statt der \u00fcblichen Stadionwurst gab&#8217;s eine Portion Pommes, die ich als kaufreundlich empfand.<\/p>\n<p>Als Nebenmann hatte ich dieses Mal einen Herrn in ungef\u00e4hr meinem Alter, der 90 Minuten lang halblaut die Kurvenges\u00e4nge mitsang und dauernd klatschte. Auf der anderen Seite, auf F.s Platz, sa\u00df die Ehefrau des Herren, der rechts von F. sitzt. Sie war erst das zweite Mal im Stadion dabei und fand alles toll. Bis auf das Endergebnis von 1:4, nehme ich an.<\/p>\n<p>Das Spiel war f\u00fcrchterlich, was aber nicht unbedingt daran lag, dass Augsburg so schei\u00dfe war, sondern Leverkusen so gut. Der FCA hat noch nie gegen LEV gewonnen, soweit ich wei\u00df, und ich ahne langsam warum. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/sport\/leverkusen-augsburg-havertz-bundesliga-1.4424381\">Die SZ fasst gut zusammen<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eAugsburg ging fr\u00fch in F\u00fchrung, durch einen Kopfball von Kevin Danso nach einem Eckball in der 12. Minute. Doch schon bald darauf musste man an einen ber\u00fchmten Dialog aus Tarantinos <em>Pulp Fiction<\/em> denken, obwohl es darin nicht um Fu\u00dfball, sondern um die Bedeutung von Fu\u00dfmassagen geht: &#8220;Es ist nicht dieselbe Liga, es ist noch nicht mal derselbe verdammte Sport&#8221;, sagt Samuel L. Jackson als Jules Winnfield zu John Travolta als Vincent Vega. Und war es wirklich derselbe Sport, den Augsburg und Leverkusen aus\u00fcbten?<\/p>\n<p>&#8220;Sie haben uns sehr fr\u00fch unter Druck gesetzt, sehr gut unter Druck gesetzt&#8221;, sagte Augsburgs Torwart Gregor Kobel, &#8220;eine herausragende Truppe&#8221;, das m\u00fcsse man einfach mal anerkennen. In Zahlen hatte Bayer 04 am Ende exakt 578 P\u00e4sse mehr gespielt als Augsburg, 91 Prozent der insgesamt 867 P\u00e4sse zum Mitspieler gebracht und 74 Prozent Ballbesitz gehabt. Der FCA kam manchmal gef\u00fchlte Minuten nicht an den Ball, Bayer 04 verteilte sich kurze P\u00e4sse spielend \u00fcber das ganze Feld. Augsburgs Trainer Schmidt lobte: &#8220;champions-league-m\u00e4\u00dfig&#8221;.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich kann Fu\u00dfball immer noch nicht analytisch gucken, ganz egal, wieviele Taktikb\u00fccher ich noch lese (<a href=\"https:\/\/www.goodreads.com\/book\/show\/3621358-inverting-the-pyramid\">hier<\/a> mein Favorit). Ich habe es mir zwar inzwischen angew\u00f6hnt, nicht mehr nur auf den Ball zu gucken, sondern das gesamte Feld zu erfassen, aber bei diesem Spiel ist mir vermutlich das gleiche passiert wie der Augsburger Verteidigung: Ich dachte mehrfach: \u201eHuch, wo kommen denn da auf einmal drei Leverkusener her?\u201c Eben war der Strafraum noch leer, jetzt war der Gegner mit gef\u00fchlt 20 Mann da und das Spiel h\u00e4tte locker noch schlimmer ausfallen k\u00f6nnen. Ich quengelte innerlich des \u00d6fteren, wo denn die ger\u00fchmte Zweikampfst\u00e4rke der Augsburger bliebe, aber die Jungs kamen gar nicht in diese Zweik\u00e4mpfe, weil der Ball so schnell wieder weg war. Das war ein sehr ungewohntes Spiel, und ich musste irgendwann schlicht zugeben, dass am Freitag gegen diese Truppe nichts, absolut nichts auszurichten war.<\/p>\n<p>Deswegen \u00fcberlegte ich auch, etwas fr\u00fcher zu gehen, um den Zug um 22.45 nach M\u00fcnchen zu kriegen. Aber mir wurde von allen Fu\u00dfballmenschen dieser Welt in den letzten Jahren eingebleut, dass man das nicht macht, man bleibt bis zum Ende, fertig, aus. Also blieb ich bis zum Ende, verpasste den Zug um f\u00fcnf Minuten, fuhr daher bis zum Hauptbahnhof weiter und las noch ein St\u00fcndchen, bis ich um 23.41 endlich im warmen Regionalzug sa\u00df. Gegen ein Uhr war ich leicht verfroren und sehr m\u00fcde wieder zuhause, fiel sofort ins Bett \u2013 und wurde um 3 mit Zahnschmerzen wach. Ich \u2013 habe \u2013\u00a0keine \u2013 Lust \u2013 mehr.<\/p>\n<p>Ach, was mir w\u00e4hrend des Spiels noch auffiel: Erstmals \u2013\u00a0jedenfalls habe ich es zum ersten Mal mitgekriegt \u2013 wurde auf der Leinwand eingeblendet, wenn der Video-Schiedsrichter sich meldete. Sonst hatte man als Stadiong\u00e4nger einfach immer die Arschkarte: Man sah, dass der Schiri die Hand am Ohr hatte, wusste aber nie, \u00fcber welche Entscheidung gerade in K\u00f6ln nachgedacht wurde. Dieses Mal wurde eingeblendet, worum es ging, und auch wie die Entscheidung ausfiel. Zwar erst, nachdem der Schiedsrichter schon angezeigt hatte, wie&#8217;s weitergeht, aber immerhin. Gute Sache.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Samstag morgen musste ich Zeug erledigen, was nicht ganz planm\u00e4\u00dfig klappte, ich war mal wieder genervt, ich hatte Zahnschmerzen, der Job ging mir auf den Keks, ich vermisste die Archivarbeit, die ich theoretisch die ganze Woche lang entspannt h\u00e4tte machen k\u00f6nnen, ich war also innerlich ein unbefriedigtes Quengelkind und musste dazu auch noch durch die ganzen Tourist*innen navigieren, die gef\u00fchlt alle auf einmal am Samstag in der Stadt waren. Wie gut, dass hier \u00fcberall Kirchen rumstehen, in denen man sich kurz eine Auszeit nehmen kann. Ich ging wie schon so oft in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/St._Michael_(M%C3%BCnchen)\">St. Michael<\/a>, setzte mich in eine Bank und guckte auf den Hochaltar. Das Praktische an katholischen Kirchen ist ja, dass in ihnen SO VIEL ZEUG ist, dass der Kopf total besch\u00e4ftigt wird und die innere Quengelnase nicht mehr zu Wort kommt. Ich blieb bestimmt 20 Minuten einfach nur sitzen und versuchte, an nichts anderes zu denken als \u201ealles so sch\u00f6n gold hier\u201c.<\/p>\n<p>Dann setzte sich ein Touristenp\u00e4rchen direkt hinter mich und probierte Tastent\u00f6ne aus und ich fl\u00fcchtete, immerhin halbwegs ausgequengelt. Meine M\u00fcnze in der riesigen Spendendose machte irre viel Krach.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Den Rest des Wochenendes verbrachte ich quasi regungslos auf der Couch, sah Serien, las, schlief nat\u00fcrlich bei der Samstagskonferenz ein, wie sich&#8217;s geh\u00f6rt und war traurig \u00fcber die gef\u00fchlt vertane Woche. Erst Sonntag nachmittag kam ich ein bisschen aus meinem Loch raus, denn ein neues <a href=\"https:\/\/cooking.nytimes.com\/recipes\/1019242-lemon-sweet-rolls-with-cream-cheese-icing\">Rezept<\/a> f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/BwzfM1aBYod\/\">Zitronenschnecken mit Frischk\u00e4seglasur<\/a> entpuppte sich als sehr schmackhaft. Noch nicht perfekt, aber schon sehr gut.<\/p>\n<p>Und noch eine weitere Sache erfreute mich sehr, und es freut mich, dass sie auch <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ankegroener\/status\/1121674723329359872\">auf Twitter so wohlwollend angenommen wurde<\/a>: Eine Bibliothekarin des Deutschen Museums hatte hier im Blog gelesen, dass ich dort demn\u00e4chst mal vorbeikommen wollte und bot mir einen Blick hinter die Kulissen an. Darauf bin ich schon sehr gespannt. Danke f\u00fcr das Angebot! B\u00fcchermenschen saving the day again!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freitag mittag erwartete ich endlich Feedback auf meine Texte von vor Ostern, weswegen ich die ganze Woche so halb auf Standby rumgewurstelt hatte \u2013 keine Archivzeit ausgemacht, zwar am Schreibtisch gearbeitet, aber auch immer nur stundenweise, irgendwie stets auf Abruf. Das war eher unbefriedigend. 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