{"id":31914,"date":"2019-05-29T08:00:59","date_gmt":"2019-05-29T07:00:59","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=31914"},"modified":"2019-08-25T05:23:06","modified_gmt":"2019-08-25T04:23:06","slug":"tagebuch-montag-dienstag-27-28-mai-2019-wissenschaft-vor-datenschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=31914","title":{"rendered":"Tagebuch Montag\/Dienstag, 27.\/28. Mai 2019 \u2013\u00a0Wissenschaft vor Datenschutz?"},"content":{"rendered":"<p>Montag sollten mal wieder Kundenkorrekturen kommen, die aber nicht kamen. Ins ZI war ich deshalb vorsorglich nicht gefahren, denn da lese ich mich ja bekanntlich immer stundenlang fest. Daher sa\u00df ich eh am Schreibtisch und besch\u00e4ftigte mich einfach mal mit dem ganzen Papierkram, den ich von meinen Eltern mitbekommen habe, der jetzt mein Job ist und nicht mehr ihrer. Ich konnte es verhindern, mit Menschen zu telefonieren, sondern schrieb Mails, die z\u00fcgig beantwortet wurden. So kann ich arbeiten.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Auch am Dienstag kamen keine Korrekturen, und so guckte ich einfach mal auf der Seite der Stadtverwaltung nach, wie das denn neuerdings mit der Online-Terminvereinbarung bei Beh\u00f6rden l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Vom Herrn Protzen besitze ich, wie bereits mal erw\u00e4hnt, ein selbst angelegtes Werkverzeichnis \u2013 aber nur als Scan einer 40 Jahre alten Kopie. Die Kopie liegt entweder bei den Pinakotheken oder im Bayerischen Hauptstaatsarchiv, wo die Bayerische Staatsgem\u00e4ldesammlung <a href=\"https:\/\/www.pinakothek.de\/sites\/default\/files\/downloadable\/2017-12\/Archivabgabe_Pressemitteilung.pdf\">2017 einen Teil ihres Archivs hingeschafft hat<\/a>, damit es \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich ist. Daf\u00fcr danke! Mich interessieren aus dem Bestand nat\u00fcrlich vor allem die Unterlagen zu den \u00dcberweisungen aus Staatsbesitz, denn da d\u00fcrfte auch noch was \u00fcber Protzen zu finden sein. <\/p>\n<p>Ob da auch die Werkverzeichniskopie liegt, wei\u00df ich noch nicht; die geh\u00f6rt zu einem Aktenbestand zur Ged\u00e4chtnisausstellung f\u00fcr den Herrn und seine Frau Henny Kundm\u00fcller-Protzen, die beide 1976 von der Staatsgem\u00e4ldesammlung und der St\u00e4dtischen Galerie im Lenbachhaus ausgerichtet bekommen haben als Gegenleistung f\u00fcr den Erhalt des Nachlasses, der direkt nach der Ausstellung zackig ins Kunstarchiv abgeschoben wurde.<\/p>\n<p>Aber erstmal w\u00fcrde mich interessieren, ob der Mann Erben hat, die eventuell nun das Werkverzeichnis besitzen. Denn wie Scans von Kopien halt sind: So irre leserlich sind sie nicht. Die meisten Werktitel kann ich entziffern, weil ich die Fotoalben der Gem\u00e4lde habe, die ebenfalls mit Titeln beschriftet sind, aber viele Anmerkungen, K\u00fcrzel oder Ziffern sind teilweise schwer lesbar oder zuzuordnen. Manchmal ergeben sie sich aus dem Zusammenhang: So basteltete ich letzte Woche an einigen Ausstellungen rum und konnte nun Bilder einem Ort und einer Zeit zuordnen. Und wenn ein Bild mit \u201eGr. M\u00fc\u201c bezeichnet wurde, wei\u00df ich jetzt, dass das die \u201eGro\u00dfe M\u00fcnchner Kunstausstellung\u201c ist und das \u201eGlp\u201c mir zeigt, dass dieses Bild im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Glaspalast_(M%C3%BCnchen)\">Glaspalast<\/a> gehangen hat. Beim Brand 1931 verlor Protzen acht Bilder, auch diese Werke sind gekennzeichnet: \u201everbrannt Glaspalast 1931\u201c.<\/p>\n<p>Aber wo das Originalheft ist, wei\u00df ich eben nicht, und daher hoffe ich auf Erben. Ich hatte im Internet schon rausgefunden, dass man eine \u201e<a href=\"https:\/\/www.muenchen.de\/rathaus\/Stadtverwaltung\/Kreisverwaltungsreferat\/Buergerbuero\/Melderegisterauskunft.html\">erweiterte Melderegisterauskunft<\/a>\u201c beantragen kann, auch online. Aber da w\u00fcrde ich nicht mehr erfahren als das, was ich schon wei\u00df. Also dachte ich mir, f\u00e4hrste doch einfach im B\u00fcrgerb\u00fcro vorbei und fragst nach, wo du die Infos herkriegst, die eine Melderegisterauskunft \u00fcbertreffen. Dazu machte ich, wie vor f\u00fcnf Abs\u00e4tzen angedeutet, um halb neun einen Termin f\u00fcr zehn Uhr, fr\u00fchst\u00fcckte entspannt und setzte mich in die U-Bahn. Ich wusste durch die R\u00fcckmeldung der Stadt auch gleich, wo ich warten musste, suchte die entsprechende Wartezone, die gut ausgeschildert war und guckte auf den Monitor, auf dem die Wartenummern aufgerufen wurden. Ich hatte 305, auf dem Bildschirm erschien gerade, um zehn vor zehn, die 130, was mich etwas verwirrte. Erst nachdem ich l\u00e4nger den lustigen Zahlen zugeschaut hatte, merkte ich, dass die Nummer nicht in aufsteigender Reihenfolge angezeigt wurden, sondern vermutlich so, wie sie vergeben wurden: manche online, manche hier vor Ort. Das verwirrte etwas, weil ich nicht mehr absch\u00e4tzen konnte, wie lange denn die Wartezeit betragen w\u00fcrde, weil ich nie wusste, welche Zahl als n\u00e4chstes kam, aber: Um f\u00fcnf nach zehn leuchtete mein N\u00fcmmerchen auf. Gutes Zeitmanagement.<\/p>\n<p>Die freundliche Dame sagte mir, sie d\u00fcrfe mir nicht mehr sagen als vorgesehen, aber vielleicht w\u00fcsste die Auskunftsgruppe mehr? Ich wusste nicht, was das war, lie\u00df mir aber den Weg beschreiben, bedankte mich und suchte. Nachdem ich schon in der Nebenstra\u00dfe war und es st\u00e4rker zu regnen begann, knickte ich ein und ging wieder ins Hauptgeb\u00e4ude zum Informationsschalter. Die zwei Angestellten konnten mit dem Namen \u201eAuskunftsgruppe\u201c auch nichts anfangen, fragten aber, worum es denn ging, ich erz\u00e4hlte vom gesuchten Herrn, woraufhin sie mich ins Standesamt schickten, immerhin schon mit der Ansage, sie w\u00fcssten nicht, ob ich auskunftsberechtigt w\u00e4re. Im Standesamt fragte ich wieder an der Information, welcher Raum denn f\u00fcr mich zust\u00e4ndig sein k\u00f6nnte, wurde irgendwo hingeschickt, wo mir wiederum zwei Menschen sagten, dass sie mir diese Info leider nicht geben k\u00f6nnten, nur das, was als erweiterte Melderegisterauskunft da w\u00e4re. Weil Datenschutz. Aber wissen Sie was, fragen Sie doch mal oben bei der Urkundenausstellung, vielleicht k\u00f6nnen die was machen. Also drei Stockwerke hoch, Wartenummer ziehen, und dann stand ich vor der einsilbigsten st\u00e4dtischen Angestellten ever, die mir im Prinzip sagte, dass ich Angeh\u00f6rige sein m\u00fcsste, um rauszufinden, ob der Herr Angeh\u00f6rige habe. \u00c4h. Nun. Ich hatte gehofft, dass berechtigtes wissenschaftliches Interesse den Datenschutz aushebeln w\u00fcrde, aber n\u00f6. Auch mein Angebot, mit einem Schreiben der Uni wiederzukommen, wo best\u00e4tigt w\u00fcrde, dass ich keine verwirrte Nazistalkerin w\u00e4re, sondern eine reizende, neugierige Doktorandin, wurde schmallippig abgelehnt. Mist.<\/p>\n<p>Wie gut, dass es Twitter gibt, wo einem noch sinnvolle Tipps gegeben werden. Denn bevor ich ernsthaft selbst zur Adresse der Protzens fahre, gucke, wer heute in diesem Haus wohnt und einen h\u00f6flichen Brief in den Kasten schmei\u00dfe, in dem die Frage steht, ob die jetzigen Bewohner vielleicht einen der fr\u00fcheren kennen w\u00fcrden oder w\u00fcssten, wo sich sein Erbe befindet, <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ankegroener\/status\/1133307192407412737\">frage ich erstmal Twitter<\/a>. Deswegen werde ich (vermutlich) heute in der Stabi sitzen und alte Adressb\u00fccher durchbl\u00e4ttern, die dort rumstehen, wie ich seit gestern wei\u00df.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/spielbeobachter.com\/ganz-nach-vorn\">Ganz nach vorn<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Der Spielbeobachter hat sich angeguckt, wie Union Berlin den Aufstieg in die erste Bundesliga schaffte. Also mehr oder weniger angeguckt.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eBeste Heimmannschaft der zweiten Liga. Beste Defensive der zweiten Liga. Nur elf popelige Tore kassiert zu Hause, da muss der Gomez Mario erst mal dran vorbei. Und wir haben Rafa\u0142. Der kann allen Gegnern den Ball vom Fu\u00df zaubern, nur mit der Kraft seiner Augen. Und seinen Mitspielern brennt er die Angst weg, auch mit seinem Blick.<\/p>\n<p>Die Gedanken in den K\u00f6pfen sind ein wild zuckendes Hin und Her, zu fl\u00fcchtig um sie zu artikulieren, eben noch bei der Packung, die gleich kommen wird, jetzt schon beim gloriosen Triumph, der auf uns wartet, als wir das Stadion betreten. Fr\u00fcher als sonst, wir k\u00f6nnen es nicht abwarten, wir wollen da jetzt hin, lasst das Spiel endlich beginnen, wir platzen sonst. Es ist nicht weniger als ein medizinischer Notfall, dass dieses verdammte Spiel sofort beginnt und sofort beendet wird, wie auch immer.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8212;<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-lang=\"de\">\n<p lang=\"en\" dir=\"ltr\">anyway here\u2019s Adorno selling furniture in Harrods <a href=\"https:\/\/t.co\/gmFby3Zb89\">pic.twitter.com\/gmFby3Zb89<\/a><\/p>\n<p>&mdash; berthold rekt (@tackychurches) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/tackychurches\/status\/1132942969118613504?ref_src=twsrc%5Etfw\">27. Mai 2019<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Montag sollten mal wieder Kundenkorrekturen kommen, die aber nicht kamen. Ins ZI war ich deshalb vorsorglich nicht gefahren, denn da lese ich mich ja bekanntlich immer stundenlang fest. Daher sa\u00df ich eh am Schreibtisch und besch\u00e4ftigte mich einfach mal mit dem ganzen Papierkram, den ich von meinen Eltern mitbekommen habe, der jetzt mein Job ist [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-31914","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31914","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=31914"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31914\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32666,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31914\/revisions\/32666"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=31914"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=31914"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=31914"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}