{"id":32074,"date":"2019-06-14T07:08:36","date_gmt":"2019-06-14T06:08:36","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=32074"},"modified":"2019-08-25T05:16:20","modified_gmt":"2019-08-25T04:16:20","slug":"tagebuch-donnerstag-13-juni-2019-stadtarchiv-revisited","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=32074","title":{"rendered":"Tagebuch Donnerstag, 13. Juni 2019 \u2013 Stadtarchiv revisited"},"content":{"rendered":"<p>Entspannt aufgewacht, entspannt auf dem Balkon Kaffee getrunken, \u00fcberhaupt sehr entspannt in den Tag gekommen.<\/p>\n<p>Um kurz nach 9 war ich im Stadtarchiv, wo ich mir weitere Unterlagen zu den tausend K\u00fcnstlervereinigungen hatte rauslegen lassen, in denen Protzen Mitglied gewesen war. Die neuen Sammlungen zur Zeitgeschichte bzw. die Zeitungsausschnittssammlungen waren so halbwegs ergiebig \u2013 ich konnte eher vergleichendes Material sammeln als direkt was zum Herrn Kunstmaler selbst. Aber es schadet ja nie zu wissen, wieviele Mitglieder ein Verein hatte und \u00fcber welches Budget er verf\u00fcgte, denn von einigen anderen Vereinen kenne ich schon Akten zu Darlehen oder Berichte \u00fcber die Mitgliederentwicklung.<\/p>\n<p>\u00dcber die Hauptversammlung des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reichsverband_bildender_K%C3%BCnstler_Deutschlands\">Reichsverbands bildender K\u00fcnstler<\/a> im M\u00e4rz 1928 wusste die <em><a href=\"https:\/\/www.historisches-lexikon-bayerns.de\/Lexikon\/M%C3%BCnchener_Zeitung\">M\u00fcnchener Zeitung<\/a><\/em> zu berichten:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDer erste Vorsitzende des RV, Bildhauer <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Max_Hoene\">Hoene<\/a>, gab in seinem Bereich ein anschauliches Bild \u00fcber die T\u00e4tigkeit des Reichsverbandes. Er beleuchtete vor allem die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die des jungen Kunstsch\u00fclers harren, sobald er einmal in den freien Wettbewerb eintrete. Mit allen Mitteln m\u00fcsse vor dem Kunststudium gewarnt werden.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Das passte ganz sch\u00f6n zu einem Zitat, was ich in einer der letzten Sitzungen gefunden hatte. Im Artikel ging es um die Diskussion, ob die schreibende Presse doch bitte netter \u00fcber K\u00fcnstler und K\u00fcnstlerinnen berichten und nicht immer alles niederschreiben sollte. Wobei ich bisher noch keinen einzigen echten Verriss gefunden habe, und ich habe gef\u00fchlt 1000 Artikel durchgelesen. Anyway, here&#8217;s the <em>Allgemeine Zeitung<\/em>, 4.2.1929:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eM\u00fcnchner kaufen ja so gut wie keine Bilder \u2013 jedenfalls nach der \u00fcbereinstimmenden Aussage aller Wissenden viel weniger als das seiner kulturellen Pflichten in ganz anderer Weise bewu\u00dfte rheinl\u00e4ndische, hanseatische und Berliner B\u00fcrgertum. In diesen Liebhaberkreisen sowie im Ausland ist man aber seit langem weit kritisches Abw\u00e4gen k\u00fcnstlerischer Werte gewohnt. Die bittere Erfahrung mit Amerika hat blitzartig die Lage erhellt und erwiesen, da\u00df die M\u00fcnchner Presse ganz andere Aufgaben hat, als nur darauf bedacht zu sein, die allgemeine \u201aGem\u00fctlichkeit\u2018 nicht zu st\u00f6ren, und dadurch M\u00fcnchens sehr ungem\u00fctliche Vereinsamung und wirtschaftliche Verelendung zu f\u00f6rdern.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Ansonsten las ich im Archiv noch einmal ein ganzes Konvolut an Artikeln, die ich schon einmal durchgesehen hatte, weil ich kompletter D\u00f6del vergessen hatte, mir die Artikel-\u00dcberschriften zu notieren, und ich wei\u00df nicht, ob mein Doktorvater damit gl\u00fccklich ist, in den betreffenden Fu\u00dfnoten nur die Zeitung, das Datum und eine lustige Archiv-Signatur zu finden. Aber wie das so ist mit Dingen, die man ein zweites Mal anschaut, fand ich nat\u00fcrlich noch Interessantes, was ich beim ersten Durchlesen \u00fcbersehen hatte oder jetzt besser einordnen konnte.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Nachmittags: Post, Einkaufen, M\u00fcsli mit Erdbeeren, langes Telefonat mit dem M\u00fctterchen. Fehlgeschlagenes Telefonat mit dem V\u00e4terchen, kein Handyempfang im Reha-Geb\u00e4ude, what the fuck?, aber wie meine Mutter danach noch meinte, sei er eh sehr m\u00fcde und ersch\u00f6pft gewesen und h\u00e4tte vermutlich auch nicht so recht verstanden, was man ihm da f\u00fcr ein Ding ans Ohr h\u00e4lt und wer da rausquakt. Traurig gewesen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Daf\u00fcr abends mit F. auf dem Balkon gesessen, Pseudo-Waldorf-Salat gegessen (H\u00fchnchen, Staudensellerie statt Knolle, \u00c4pfel, Waln\u00fcsse, ein winziges bisschen Romanasalat, der da \u00fcberhaupt nicht reingeh\u00f6rt, aber wegmusste, Dressing aus Majo, saurer Sahne, Zitrone und Schnittlauch, weil frisch), den Rest des total unbeeindruckenden Ros\u00e9s vom Wochenende ausgetrunken (von dem Winzer bestelle ich nix mehr), beim heimeligen Schummer der Lichterkette in die Nacht geguckt und uns ab 22 Uhr fl\u00fcsternd unterhalten, weil ich wei\u00df, wie sehr der ganze Innenhof mith\u00f6ren kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entspannt aufgewacht, entspannt auf dem Balkon Kaffee getrunken, \u00fcberhaupt sehr entspannt in den Tag gekommen. 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