{"id":32133,"date":"2019-06-20T08:26:38","date_gmt":"2019-06-20T07:26:38","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=32133"},"modified":"2019-06-20T17:30:39","modified_gmt":"2019-06-20T16:30:39","slug":"tagebuch-mittwoch-19-juni-2019-technische-storung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=32133","title":{"rendered":"Tagebuch Mittwoch, 19. Juni 2019 \u2013\u00a0Technische St\u00f6rung"},"content":{"rendered":"<p>Gestern vormittag wollte ich eigentlich im Stadtarchiv sitzen und lustige Archivalien durchlesen zu einigen M\u00fcnchner K\u00fcnstlervereinigungen, in denen Protzen Mitglied war, sowie zur <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kameradschaft_der_K%C3%BCnstler\">Kameradschaft deutscher K\u00fcnstler<\/a>, in der alle 1938 aufgehen mussten. Wie ich gerade im Wikipedia-Link sehe, gibt es dazu noch keine wissenschaftliche Literatur. Auch meine <a href=\"http:\/\/aleph.mpg.de\/F?func=file&#038;file_name=find-b&#038;local_base=kub01\">kunsthistorische Suchmaschine<\/a> wei\u00df dazu rein gar nichts. Hallo, Diss-Thema! Gebe ich mal uneigenn\u00fctzig weiter.<\/p>\n<p>Ich hatte die Archivalien brav am Montag bestellt, weil man ja alles zwei Tage vorher bestellen soll, kam frohgemut um Punkt 9 im Archiv an, denn der Lesesaal war nur bis 12 Uhr ge\u00f6ffnet, und ich hatte viel vor. War dem Archiv aber egal, denn wegen einer technischen St\u00f6rung (Fahrstuhlausfall) waren keine Archivalien f\u00fcr mich da. \u201eAm besten vorher anrufen.\u201c Gna. Das <a href=\"https:\/\/www.muenchen.de\/rathaus\/Stadtverwaltung\/Direktorium\/Stadtarchiv.html\">Stadtarchiv<\/a> ist personell unterbesetzt, und jetzt auch noch Technikfirlefanz, was auch nicht das erste Mal vorkommt. Hier bitte den \u00fcblichen Rant einf\u00fcgen \u00fcber Dinge, f\u00fcr die die Stadt Geld hat und wof\u00fcr offensichtlich nicht.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Dann sa\u00df ich halt stattdessen den ganzen Tag am heimischen Schreibtisch, wo ein Ventilator die Arbeit auch deutlich angenehmer machte. Jetzt hatte ich n\u00e4mlich keine Ausrede mehr, mich endlich um die Neustrukturierung der bisher geschriebenen Kapitel zu k\u00fcmmern, und genau das tat ich dann auch. Was bisher thematisch geordnet war, ist nun gr\u00f6\u00dftenteils chronologisch aufgebaut. Mit dem vorgestern verfassten Forschungsstand war ich zufrieden, die Quellen kann ich eh noch nicht vollst\u00e4ndig aufschreiben, weil ich noch l\u00e4ngst nicht alle eingesehen habe, die mir vorschweben. Und nat\u00fcrlich hoffe ich auch noch auf neue, vor allem das originale Werkverzeichnis des K\u00fcnstlers.<\/p>\n<p>Ich erw\u00e4hnte bereits, dass das Verzeichnis zur Ged\u00e4chtnisausstellung 1976 kopiert und diese Kopie dann irgendwann mal eingescannt wurde und auch, dass sich die Datei genau so liest: wie ein Scan einer 40 Jahre alten Kopie. Protzens Handschrift, wenn man den Scan denn entziffern kann, ist netterweise halbwegs lesbar, manchmal kommt ein bisschen S\u00fctterlin durch, was ich immer noch nicht kann, obwohl hier seit Jahren ein Lehrbuch rumliegt. Ich glaube, ich mache jetzt ernsthaft einen Kurs, falls es einen gibt, denn mindestens f\u00fcr das G\u00e4stebuch des Ehepaars brauche ich das. Gleich den ersten Eintrag von 1926, der vermutlich vom Vater der Ehefrau stammt, kann ich nur raten statt lesen.<\/p>\n<p>Trotzdem hatte ich mit dem Werkverzeichnis viel Spa\u00df, weil in solchen Dokumenten ja grunds\u00e4tzlich mehr steckt als man beim ersten \u2013 oder siebzehnten \u2013 \u00dcberfliegen merkt. Da ich jetzt chronologisch arbeite, ignorierte ich die Autobahnbilder, an denen ich bisher rumgeknabbert hatte, sondern fing ganz brav vorne an. In einem Lexikoneintrag \u2013 mehr wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Maler gibt&#8217;s halt noch nicht \u2013 hatte ich gelesen, dass ihm nach \u201enach 1933 eine Art Monumentalit\u00e4t\u201c zugesprochen wird. Das zweifelte ich sowohl von den Bildinhalten als auch schlicht von den Bildgr\u00f6\u00dfen an, und so verbrachte ich \u2013\u00a0vermutlich sinnlos, aber f\u00fcr mich dann doch interessant \u2013 zwei Stunden damit, mal zu gucken, wie gro\u00df seine Bilder denn ab 1916 waren und ob sie wirklich monumentaler wurden. W\u00fcrde ich jetzt spontan verneinen, ich habe aber nur ein paar Jahre mal durchgerechnet, also ernsthaft die durchschnittliche Quadratzentimeterzahl seiner Werke berechnet und geschaut, ob es nach 33 brachial aufw\u00e4rts ging. Ging&#8217;s nicht. Ja, die Bilder wurden gr\u00f6\u00dfer, aber nicht sprunghaft, und als monumental gro\u00df w\u00fcrde ich sie auch nicht bezeichnen. Wei\u00df ich noch nicht, ob diese Info wirklich in den Text geh\u00f6rt oder ob das doofes Nitpicking ist, aber f\u00fcr mich ist erstmal alles spannend.<\/p>\n<p>Noch spannender war dann die Preisentwicklung. So richtig reich ist Protzen vor 1933 nicht mit seiner Kunst geworden, und auch im NS-Staat geh\u00f6rte er nicht zu den Gro\u00dfverdienern \u2013 aber immerhin zu den Mittelpr\u00e4chtigverdienern, jedenfalls nach meinem bisherigen Wissensstand. Jetzt w\u00fchlte ich mal in den 20er-Jahren rum, wo ich bisher nur punktuell geschaut hatte und konnte ein bisschen deutsche Geschichte erfassen. Momentan steht im Textdok dieser Abschnitt, wobei \u201eWV\u201c Werkverzeichnis bedeutet und die Zahl dahinter die entsprechende Gem\u00e4ldenummer: <\/p>\n<p>\u201eDie in der Gefangenschaft entstandenen Werke <em>Belgod\u00e8re Steineichen<\/em> (1916, WV 5, 66 x 78 cm) sowie <em>Eucalyptus Castelluccio<\/em> (1918, WV 11, 67 x 51 cm) wurden am 3. Juli 1922 f\u00fcr 4050 bzw. 2250 Mark an den Kunstverein Stuttgart verkauft. [Inflation? \u2013 damit meine ich, dass ich da den Wertverfall der Mark nochmal belegen m\u00f6chte, denn diese Summen sind deutlich zu hoch] Das im September 1917 gemaltes <em>Ajaccio<\/em> (WV 13, 68 x 58 cm) wurde laut Werkverzeichnis am 28. November 1922 an eine\/n Dr. Hennigsen in oder aus Kopenhagen verkauft. Die im Werkverzeichnis notierte Zahl 120, die nicht so recht in die Zeit der Inflation im Deutschen Reich passen will, k\u00f6nnten daher d\u00e4nische Kronen gewesen sein. <\/p>\n<p>Die Inflation zeigt sich auch in weiteren Kaufsummen: <em>Pinia (hell)<\/em> (1916, WV 4, 66 x 78 cm) wurde am 26. Dezember 1922 f\u00fcr 35.000 Mark verkauft, w\u00e4hrend ein K\u00e4ufer f\u00fcr <em>Pinia mit Bergen<\/em> (1917, WV 7, 66 x 66 cm) am 29. April 1923 bereits 150.000 Mark zahlen musste.  F\u00fcr <em>Rue Fesch Ajaccio<\/em> (vermut. 1918, WV 19, unbekannte Ma\u00dfe) erhielt Protzen am 30. Mai dann schon 180.000 Mark,  sein Bild <em>Freibergsee II<\/em> (1919, WV 38, unbekannte Ma\u00dfe) wurde \u00fcber den Feldgrauen K\u00fcnstlerbund am 20. Juni f\u00fcr 400.000 Mark verkauft, und f\u00fcr <em>Altwasser<\/em> [?] (1922, WV 92, 75 x 69 cm) bekam er am 8. August 1923 von Herrn oder Frau Kolberg zweieinhalb Millionen Mark.\u201c<\/p>\n<p>Au\u00dferdem fand ich bei vier Bildern die Notiz \u201eDeutsche Kunst Gesswein Augsburg\u201c. Das passt hervorragend zu einem Brief seines Vaters von 1922, der bedauerte, dass Sohnemann in Augsburg nichts verkauft h\u00e4tte. Ich wundere mich zwar, dass ein M\u00fcnchner Student schon eine Galerie in Augsburg hat, die seine Werke vertritt, aber okay, so weit kenne ich mich im Kunsthandel der 20er-Jahre noch nicht aus. Was mich aber wahnsinnig macht: Ich finde zu diesem Gesswein nichts. Google findet einen heutigen B\u00e4cker, das <a href=\"https:\/\/stadtarchiv.augsburg.de\/index.php?id=17348\">Stadtarchiv Augsburg<\/a> ist online nicht durchsuchbar, das dortige <a href=\"https:\/\/www.gda.bayern.de\/augsburg\/\">Staatsarchiv<\/a> auch nicht, aber da vermute ich eh nix, im M\u00fcnchner Stadtarchiv ist nichts, die <a href=\"http:\/\/www.nachlassdatenbank.de\/\">Nachlassdatenbank<\/a> wei\u00df nichts, das <a href=\"https:\/\/invenio.bundesarchiv.de\/basys2-invenio\/login.xhtml\">Bundesarchiv<\/a> wei\u00df nichts, das <a href=\"https:\/\/www.gnm.de\/museum\/abteilungen-anlaufstellen\/deutsches-kunstarchiv\/\">Kunstarchiv<\/a> in N\u00fcrnberg wei\u00df nichts. He, Augsburger \u2013 k\u00f6nntet ihr bitte mal eure Gro\u00dfeltern fragen, ob sie eine Kunsthandlung Gesswein kennen? Das gibt es doch gar nicht, dass sich nicht irgendwo ein Fitzelchen Quelle findet!<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Um 19.30 Uhr sehr zufrieden Feierabend gemacht, Hummus anger\u00fchrt, eine halbe Salatgurke aufgeschnitten, mit morgens frisch gekauftem Brot genossen. Noch ein paar Serien weggeguckt, Zeitung ignoriert, Kopf war dicht mit Tagesgesch\u00e4ft, fr\u00fch schlafen gegangen. Nicht auf dem Balkon gesessen! Zu warm.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern vormittag wollte ich eigentlich im Stadtarchiv sitzen und lustige Archivalien durchlesen zu einigen M\u00fcnchner K\u00fcnstlervereinigungen, in denen Protzen Mitglied war, sowie zur Kameradschaft deutscher K\u00fcnstler, in der alle 1938 aufgehen mussten. Wie ich gerade im Wikipedia-Link sehe, gibt es dazu noch keine wissenschaftliche Literatur. Auch meine kunsthistorische Suchmaschine wei\u00df dazu rein gar nichts. 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