{"id":32440,"date":"2019-07-26T08:17:33","date_gmt":"2019-07-26T07:17:33","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=32440"},"modified":"2019-07-26T11:26:02","modified_gmt":"2019-07-26T10:26:02","slug":"was-schon-war-donnerstag-25-juli-2019-tannhauser-livestream","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=32440","title":{"rendered":"Was sch\u00f6n war, Donnerstag, 25. Juli 2019 \u2013 \u201eTannh\u00e4user\u201c-Livestream"},"content":{"rendered":"<p>Morgens hoffnungsvoll aufgewacht \u2013\u00a0und sogleich entt\u00e4uscht worden. Das Internet funktionierte immer noch nicht. Aber mit meinem 24-Stunden-unbegrenzt-Gigabyte-runterschaufeln-Pass konnte ich tethern und bloggen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Um kurz vor 10 sa\u00df ich in einem perfekt klimatisierten Bus, um mich zum Museum Brandhorst shutteln zu lassen. Dort wartete eine Fotografin der <em>S\u00fcddeutschen<\/em> auf uns Fehlfarben-Bunnys, um uns f\u00fcr den demn\u00e4chst erscheinenden Artikel abzulichten. Mit Profis arbeiten ist toll: In einer Viertelstunde waren wir fertig.<\/p>\n<p>Vorher gab es per Gruppen-DM ein paar Diskussionen zur Kleiderfrage: Shirts, Hemd\/Bluse, Polos &#8230; F. meinte, dass es gut w\u00e4re, wenn wir das einheitlich machten, woraufhin ich meinte, warum das denn, wir sind doch nicht Kraftwerk. Also sehen wir auf dem Foto so aus, wie wir halt aussehen: F. im Bandshirt, Florian und ich im Nicht-Band-Shirt. Auch unsere offensive Sch\u00fcchternheit, mit einer <a href=\"http:\/\/alessandraschellnegger.com\/\">Fotografin<\/a> zu arbeiten, die schon diverse bekannte Menschen vor der Kamera hatte, war unbegr\u00fcndet. (Meine Hochachtung daf\u00fcr, Bret Easton Ellis wie das Man Child aussehen zu lassen, das er ist.)<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Danach raffte ich mich noch zur Packstation auf, das Buch im Abholfach der Stabi wird da aber wohl liegenbleiben. Jeder Gang, der gerade nicht sein muss, f\u00e4llt aus, sorry, Stabi.<\/p>\n<p>Nachmittags hatte ich noch einen vor mir, auf den ich mich aber freute, denn er fand in der Klimakammer aka dem Vorlageraum des Lenbachhauses statt, wo ich zum dritten und vorerst letzten Mal in der Protzen-Mappe bl\u00e4ttern durfte. Ich war n\u00e4mlich bei zwischenzeitigen Recherchen (DAS H\u00d6RT JA NIE AUF!) auf Dinge gesto\u00dfen, die mir die These erm\u00f6glichen, dass ein paar der dortigen Werke diejenigen sind, die Protzen zwischen 1927 und 1931, dem Jahr des Glaspalastbrandes, an eben diesem Ort ausstellte. Gestern suchte ich die betreffenden Werke noch einmal zusammen, fotografierte sie anst\u00e4ndig, die Kuratorin half mir beim Vermessen \u2013 habe ich das auch mal gelernt \u2013 und ich behaupte jetzt, alle seine Grafiken von immerhin 1927 und 1929 nachweisen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Schnell wieder in die mit gesch\u00e4tzt 25 Grad geradezu k\u00fchle Wohnung, denn f\u00fcnf Minuten, nachdem ich zuhause ankam, begann der Livestream von den Bayreuther Festspielen. Es gab den <em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tannh%C3%A4user_und_der_S%C3%A4ngerkrieg_auf_Wartburg\">Tannh\u00e4user<\/a><\/em>, den ich gerade erst am Dienstag auf der Generalprobe gesehen hatte. Den <a href=\"https:\/\/www.br-klassik.de\/concert\/ausstrahlung-1816820.html?fbclid=IwAR30u90N6-59XP_qFR1oDEKdGb8oigyolyKYPV22vcZjtl2dCn80GmHfI-4\">Stream<\/a> k\u00f6nnt ihr \u00fcbrigens immer noch sehen. Macht das mal, bitte. Lohnt sich.<\/p>\n<p>Der Tannh\u00e4user erz\u00e4hlt die Geschichte eines Mannes, der sich nicht zwischen zwei Frauen entscheiden kann. Die beiden Damen bilden den beknackten Gegensatz Hure (Venus) und Heilige (Elisabeth) ab, und eigentlich kann man den Stoff echt nicht mehr ertragen. Den Gegensatz kann man auch in modernen Inszenierungen nie ganz wegdeuten, aber man kann ihn besser verpacken, und meiner Meinung nach hat das hier hervorragend geklappt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Ouvert\u00fcre beginnt schon eine Videosequenz, die klarmacht, dass wir heute nicht nur auf eine bespielte B\u00fchne gucken, sondern noch eine zweite Ebene haben. Zuerst im Bild: die Wartburg, auf der der S\u00e4ngerwettstreit stattfindet. Dann epische Drohnenfl\u00fcge \u00fcber den doitschen Wald, wo ich schon unangenehm zusammenzuckte, weil das offensichtlich Sch\u00f6ne ja gerne einen doppelten Boden hat. Hier kommt irgendwann ein Citroen HY ins Bild \u2013 mit einem gelben Hasen aus dem beknackten Schlingensief-<em>Parsifal<\/em> auf dem Dach \u2013, der dann an einem Hinweisschild auf eine Biogas-Anlage vorbeif\u00e4hrt, an das ein Mann das Schild \u201eMangels Nachfrage geschlossen\u201c klebt. Das war nat\u00fcrlich eine kleine Spitze gegen den vorherigen <em>Tannh\u00e4user<\/em> in Bayreuth, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/bayern\/bayreuther-festspiele-tannhaeuser-buhrufe-fuer-die-biogasanlage-1.1124565\">der in einer solchen Anlage gespielt wurde<\/a> und der, soweit ich mich erinnere, gro\u00dffl\u00e4chig bei Kritik und Publikum durchgefallen war. Ab diesem kleinen Scherz hatte mich die Inszenierung fest in der Tasche.<\/p>\n<p>An Bord des Transporters: Tannh\u00e4user im Clownskost\u00fcm, Venus im schwarzen Glitzeranzug und vermutlich zum ersten Mal in einem <em>Tannh\u00e4user<\/em> die schwarze Dragqueen <a href=\"https:\/\/legateauchocolat.com\/\">Le Gateau Chocolat<\/a> sowie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Manni_Laudenbach\">Manni Laudenbach<\/a> als <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Blechtrommel\">Oskar Matzerath<\/a>. Die vier bilden das anarchische Quartett, das auf Regeln in der Kunst pfeift und macht, was es will. Das Video zeigt aber auch, dass sie sich dabei an wirklich keine gesellschaftlich gesetzte Regel halten: Bei einem \u00dcberfall auf einen Burger King wird ein Wachmann \u00fcberfahren, der sich dem Transporter in den Weg stellt. Tannh\u00e4user hadert hier also im ersten Akt nicht damit, dass er die fleischliche Lust im Venusberg irgendwie \u00fcber hat, sondern damit, wie weit er f\u00fcr seine Kunst gehen will \u2013\u00a0und wie weit eben nicht. Im Video sieht man ihn nachdenklich im Transporter sitzen, im Hintergrund das Gesicht von Botticellis <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Geburt_der_Venus_(Botticelli)\">Venus<\/a> deutlich im Bild, was mich die ganze Generalprobe irritiert hat, weil ich die Dame nicht mit der Venus vor mir auf der B\u00fchne zusammenbekommen habe.<\/p>\n<p>Der erste Teil des ersten Akts findet auf einem Rastplatz statt, wo erstmal die erbeuteten Burger ausgepackt werden und Tannh\u00e4user rumhadern darf, w\u00e4hrend er sich seiner orangefarbenen Clownsper\u00fccke entledigt. Venus hat daraufhin irgendwann die Schnauze voll, der Mann jammert immer, dass sein Heil in Maria liegt (also der hohen Kunst und nicht diesem anarchischen Trash), dann soll er doch gehen, er fliegt aus der Band \u2013 und findet sich vor dem Festspielhaus wieder. Im Hintergrund ist das unverkennbare Geb\u00e4ude zu sehen, der Vordergrund ist die Stra\u00dfe, die w\u00e4hrend der Festspielzeit mit einer rot-wei\u00dfen Begrenzung abgesperrt ist \u2013 und selbstverst\u00e4ndlich war auch die da. Auch wegen solcher kleinen Details fand ich das B\u00fchnenbild ausgezeichnet. Der junge Hirte ist hier eine Radlerin, nat\u00fcrlich mit Fahrradklammer ums Hosenbein, wie sich das geh\u00f6rt, und die Pilger, die sonst von der Wartburg kommen \u2013 \u201eZu dir wall&#8217; ich, mein Jesus Christ \/ der du des Pilgers Hoffnung bist!\u201c \u2013 sind hier, gro\u00dfartig, Festspielbesucher*innen in Abendroben und Anz\u00fcgen, die auf Kommando gleichzeitig mit ihren Programmen und Eintrittskarten rumf\u00e4chern, denn auf dem H\u00fcgel ist es bekanntlich immer zu hei\u00df. Sie pilgern zu ihrem Heiland, dem Herrn Wagner, der in ihren Augen unantastbar ist, weswegen in Bayreuth auch immer gebuht wird, ganz egal, was vorne passiert. Der Wagnerianer an sich findet erstmal alles schei\u00dfe, was nicht so aussieht als h\u00e4tte Ritchie es selbst inszeniert. F. als jemand, dem ich das nie erkl\u00e4ren konnte, fand sich ganz in seinem Element, und auch deswegen bin ich im Nachhinein so froh, dass es ausgerechnet diese Inszenierung war, die er als erste in Bayreuth zu sehen bekam.<\/p>\n<p>Die Ritter, mit denen Tannh\u00e4user sich verkracht hatte, sind Festspielmitarbeiter, stilecht mit Lanyard und Ausweis um den Hals und teilweise in biederen Kost\u00fcmen. Tannh\u00e4user zieht seine alte, gr\u00fcne <a href=\"https:\/\/www.edition-peters.de\/\">Edition-Peters<\/a>-Partitur aus dem Reises\u00e4ckchen, will wieder ernsthafte Kunst machen und keine Drag-Revuen, was die Ritter freut, Elisabeth, in Sneakers und Bademantel, anscheinend kurz mal aus der K\u00fcnstlerinnengarderobe auf ne Zigarette drau\u00dfen, sieht Tannh\u00e4user \u2013 und ohrfeigt ihn. Endlich kriegt der Bl\u00f6dmann mal eine geknallt, darauf habe ich so lange gewartet! Akt zuende, Vorhang, Freude im Publikum bzw. auf dem Sofa bzw. meiner Twitter-Blase.<\/p>\n<p>Der zweite Akt wurde dann noch besser. Hier ist die B\u00fchne gr\u00f6\u00dftenteils zweigeteilt: Unten ist eine Art Guckkastenb\u00fchne, mit Neonr\u00f6hren umfasst, auf der eine altmodische <em>Tannh\u00e4user<\/em>-Inszenierung gegeben wird, w\u00e4hrend in der obereren H\u00e4lfte meist ein Video l\u00e4uft, das Szenen hinter der B\u00fchne bzw. rund um das Festspielhaus zeigt. Die B\u00fchne auf der B\u00fchne und ihre Mitwirkenden sehen genauso aus, wie ewiggestrige Wagnerianer vermutlich gerne mal wieder einen <em>Tannh\u00e4user<\/em> sehen wollen w\u00fcrden: In der gro\u00dfen Halle stehen klobige M\u00f6bel, ein g\u00fcldener Kronleuchter h\u00e4ngt rum, die Architektur ist ein unauff\u00e4lliger Zwitter zwischen Romanik und Renaissance, alles h\u00fcbsch aufger\u00e4umt. Die Kost\u00fcme sind ebenso ordentlich und herrschaftlich: dunkelblau und gold, w\u00e4hrend Elisabeth mit Kr\u00f6nchen und langem Gewand aussieht wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Uta_von_Naumburg\">Uta von Naumburg<\/a>. Haben wir also alle Stilepochen beieinander, bevor mit dem Barock alle irre wurden.<\/p>\n<p>Auf der B\u00fchne geht die Auff\u00fchrung brav vor sich, w\u00e4hrend im Video zu sehen ist, wie Venus, Le Gateau Chocolat und Oskarchen ins Festspielhaus einbrechen und ein Banner mit dem Wagner-Motto \u201eFrei im Wollen, frei im Thun, frei im Genie\u00dfen\u201c vom Balkon h\u00e4ngen, auf dem die Bl\u00e4ser in der Pause immer das Ende derselben anzeigen, indem sie ein Motiv aus dem nun folgenden Satz spielen. Regisseur <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tobias_Kratzer\">Tobias Kratzer<\/a> geht es also vermutlich nicht nur generell um den ewigen Streit zwischen E und U, sondern er erinnert auch daran, dass Wagner selbst mit seiner Richtung haderte. Nicht umsonst gelten der <em>Holl\u00e4nder<\/em>, <em>Tannh\u00e4user<\/em> und <em>Lohengrin<\/em> heute noch als eher klassisch-romantische Opern, w\u00e4hrend er mit dem <em>Ring<\/em>, <em>Tristan und Isolde<\/em> sowie <em>Parsifal<\/em> die Opernwelt revolutionierte. Auch er war also ein Wandler zwischen den angeblich feindlichen Welten. Je l\u00e4nger ich \u00fcber die Inszenierung nachdenke, desto besser und schl\u00fcssiger finde ich sie.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu unserer Chaos-Truppe, die sich nun ihren Weg durchs Festspielhaus bahnt. Wir sehen die Besuchergarderoben, die Erinnerungstafel an die Urauff\u00fchrung vom <em>Ring<\/em>, alles nett f\u00fcr Festspielbesucher*innen, weil man sich halt wiederfindet. Dann geht&#8217;s hinter die Kulissen, wo in der Generalprobe sehr laut gelacht wurde, im Stream habe ich es nicht so auff\u00e4llig wahrgenommen: In der Fotogalerie der ganzen Dirigenten (hat schon mal eine Frau auf dem H\u00fcgel dirigiert?) bleibt der Blick von Le Gateau Chocolat bzw. der Kamera einen Hauch l\u00e4nger als n\u00f6tig auf dem Bild von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Christian_Thielemann\">Christian Thielemann<\/a>, dem Musikdirektor der Festspiele.<\/p>\n<p>Dann ein sch\u00f6ner Kniff, auch einer, der mir total logisch vorkam: Venus \u00fcberf\u00e4llt eine Dame, die einen Edelknaben singt, zieht sich ihr Kost\u00fcm an und sitzt nun mit im Saal, wo Tannh\u00e4user mit anderen Rittern um die Gunst von Elisabeth singt \u2013 was Venus v\u00f6llig zu recht entgeistert mimisch kommentiert. Elena Zhidkova hat ein gro\u00dfartiges kom\u00f6diantisches Timing, ich habe sie sehr genossen. Wie gesagt, v\u00f6llig logisch, dass Venus nicht fassen kann, was hier stattfindet, und ich fand es sehr sch\u00f6n, eine Art Bundesgenossin vor der Nase zu haben und mich nicht nur alleine zu fragen, warum Elisabeth dieses Spiel mitspielt. Sie ist hier netterweise mehr als nur die keusche Jungfrau, die sich schlie\u00dflich f\u00fcr ihren Kerl opfert (Augenrollen, immer!), sondern vielschichter. Sie hat sich ihr Korsett aus Verpflichtungen und Ma\u00dfst\u00e4ben vielleicht sogar selbst ausgesucht, aber es schwingt immer mit, dass dieses Korsett eins der M\u00e4nnergesellschaft ist, in der sie sich bewegt. Sie spielt so gut mit, wie es geht, aber sp\u00e4testens im dritten Akt geht es eben nicht mehr.<\/p>\n<p>Ich mochte am zweiten Akt diese Doppelb\u00f6digkeit, dieses Aufrechterhalten des, im wahrsten Sinne, sch\u00f6nen Scheins, der da g\u00fclden aus dem Guckkasten kommt. Die Videos waren willkommener Comic Relief, aber bis auf wenige Ausnahmen hatte ich nie das Gef\u00fchl, dass das Regiekonzept das Ursprungsmaterial \u00fcbert\u00fcncht. Beim ewig langen Einmarsch der Edlen zum Beispiel wurde die Guckkastenb\u00fchne ganz von der Leinwand \u00fcberdeckt, es gab nur noch ein Video zu sehen. Das war einerseits nett, weil diese Szene schlicht schnarchig ist, aber ich musste mich selbst zwischendurch daran erinnern, dass ich hier keinem Film mit h\u00fcbschem Soundtrack zugucke, sondern einer Theaterauff\u00fchrung. <\/p>\n<p>Der Akt endet damit, dass im Video Festspielchefin Katharina Wagner die Polizei ruft, die dann auch den Gr\u00fcnen H\u00fcgel rauff\u00e4hrt \u2013 und ich hatte fast damit gerechnet, dass in der Pause noch ein Polizeiwagen vor dem Haus steht. Das war nicht der Fall, aber das gehisste Banner hing wirklich drau\u00dfen. Im Saal auf der Guckkastenb\u00fchne Tumulte, Venus hat sich zu erkennen gegeben, als Tannh\u00e4user klar geworden war, dass ihm die hohe Kultur genauso auf den Zeiger geht wie vorher die Anarchie. Oskarchen trommelt zum Weltuntergang, Le Gateau Chocolat wirft eine Regenbogenflagge \u00fcber die goldene, nat\u00fcrlich, goldene Harfe, auf der vorher die S\u00e4nger begleitet wurden, Tannh\u00e4user wird abgef\u00fchrt, Vorhang, Applaus.<\/p>\n<p>Mit dem dritten Akt habe ich direkt nach der Probe etwas gehadert, der erschloss sich mir nicht sofort. Gestern im Livestream passte dann aber auf einmal alles. Die B\u00fchne ist dunkel und abgewrackt, der Transporter nur noch Schrott, Oskar kocht sich Suppe in seiner Trommel \u2013 und bietet der umherirrenden Elisabeth, die seit Jahren Tannh\u00e4user sucht, mildt\u00e4tig und mitleidig etwas davon an. Sie nimmt dankbar an. Wolfram, der Elisabeth bisher erfolglos und keusch aus der Ferne angeschmachtet hat \u2013 das wurde auch im zweiten Akt sch\u00f6n im Video eingefangen, auch Tannh\u00e4users Augenrollen \u00fcber seine blutleere Verehrung im Gesang \u2013 n\u00e4hert sich, tr\u00f6stet, ist halt der Kumpel, den man manchmal echt nicht braucht. Mein geliebter Pilgerchor besteht aus Obdachlosen, die die B\u00fchne nun von allem noch verwertbaren Schrott befreien und sie quasi leer\u00e4umen. Auch Oskars Trommel ist weg, das Kapitel ist zuende. Tannh\u00e4user war nicht zwischen den Pilgern, Elisabeths letzte Hoffnung ist dahin. Und dann kam die Szene, bei der mich die Inszenierung dann endg\u00fcltig hatte: Wolfram zieht sich Tannh\u00e4users Clownskost\u00fcm an, setzt die Per\u00fccke auf &#8211; und Elisabeth bittet ihn zu sich in den Transporter, wo sie miteinander schlafen. Wolframs Lied an den Abendstern, der olle keusche Schmachtfetzen, war auf einmal traurig und nicht mehr sehnend, und Elisabeths letzter Versuch, in ihrem beschissenen Korsett zu funktionieren, hat auch nicht geklappt. Zum ersten Mal hat ihr anschlie\u00dfender Selbstmord f\u00fcr mich Sinn ergeben, weil es mehr war als die selbstlose Aufopferung, sondern ein aktives Zerbrechen und ein ebenso aktiver R\u00fcckzug aus einem Leben, das schlicht nicht ihres ist.<\/p>\n<p>Ab da wollte ich dann eh nur noch, dass alles vorbei ist. Die Rom-Erz\u00e4hlung von Tannh\u00e4user ist mir meist egal, so auch hier, aber immerhin ein sch\u00f6nes Detail: Wenn er vom \u201egr\u00fcnen Stab\u201c singt, dann hat er dabei die zusammengerollte Partitur in der Hand, was mal wieder passt. Es passt \u00fcberhaupt fast alles, eine wirklich tolle Inszenierung. Nur das Ende ist mir beim zweiten Mal ein bisschen schief aufgesto\u00dfen: Im Video fahren Tannh\u00e4user und Elisabeth gl\u00fccklich im Transporter in den Sonnenuntergang. Fand ich beim ersten Mal schl\u00fcssig, aber gestern dachte ich pl\u00f6tzlich: wieso ist das das Happy-End? Ist es doch gar nicht, die beiden passen offensichtlich nicht zusammen. Wieso fahren nicht Elisabeth und Venus zusammen weg und machen ihr eigenes Ding, bis Tannh\u00e4user und seine Ritterjungs sich mal klarkriegen? Denn gestern fiel mir n\u00e4mlich auf, wie \u00e4hnlich Elisabeth im dritten Akt mit ihren offenen Haaren der Botticelli-Venus \u00e4hnelt. Und da war der sch\u00f6ne Bogen zum Anfang, und ich klatschte sinnlos in Richtung Macbook.<\/p>\n<p>Also nochmal: Stream angucken. W\u00e4hrend ich das hier alles verbloggt habe, lief der im Hintergrund, weswegen ich auch wei\u00df, dass dieser Eintrag gute anderthalb Stunden gedauert hat. <a href=\"https:\/\/www.paypal.me\/ankegroener\/2\">Nur so als Hinweis Zwinkersmiley<\/a>.<\/p>\n<p>Hach! Oper! HACH! Ich guck den Stream jetzt einfach zuende.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Morgens hoffnungsvoll aufgewacht \u2013\u00a0und sogleich entt\u00e4uscht worden. Das Internet funktionierte immer noch nicht. Aber mit meinem 24-Stunden-unbegrenzt-Gigabyte-runterschaufeln-Pass konnte ich tethern und bloggen. &#8212; Um kurz vor 10 sa\u00df ich in einem perfekt klimatisierten Bus, um mich zum Museum Brandhorst shutteln zu lassen. Dort wartete eine Fotografin der S\u00fcddeutschen auf uns Fehlfarben-Bunnys, um uns f\u00fcr den [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-32440","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32440","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=32440"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32440\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32448,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32440\/revisions\/32448"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=32440"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=32440"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=32440"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}