{"id":32517,"date":"2019-08-11T08:47:53","date_gmt":"2019-08-11T07:47:53","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=32517"},"modified":"2019-08-11T08:47:53","modified_gmt":"2019-08-11T07:47:53","slug":"tagebuch-montag-bis-samstag-5-bis-10-august-beta-papa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=32517","title":{"rendered":"Tagebuch, Montag bis Samstag, 5. bis 10. August \u2013 Beta-Papa"},"content":{"rendered":"<p>Mein Vater hatte im Mai einen Schlaganfall und war dann nach einer Operation in der Reha. Seit vorletzter Woche ist er wieder zuhause. Er ist noch der Papa, den ich kenne, aber mit neuen Features und anderen, die nicht mehr so recht funktionieren. Ein Beta-Papa vielleicht. Ich war in der vergangenen Woche in der alten Heimat, um meine Mutter etwas zu entlasten, w\u00e4hrend sich Dinge wie Pflegedienste und Hilfsmittelfirlefanz einspielen. Das geh\u00f6rt aber nicht hier ins Blog, denn das ist nicht meine Geschichte. <\/p>\n<p>Was meine Geschichte ist: Es war die anstrengendste Woche meines Lebens, und mein bisheriger Rekord, eine 70-Stunden-Woche in der Werbeagentur, war ein Spaziergang mit K\u00e4sekuchen und Konfetti dagegen. Ich hatte die Tragweite der Ver\u00e4nderungen, nicht nur an Papa, sondern auch im Elternhaus und in der Familiendynamik optimistisch untersch\u00e4tzt. Die pl\u00f6tzliche Intimit\u00e4t war f\u00fcr mich anstrengend, das Arbeiten (Dinge erledigen, Dinge vor- und einkochen, Dinge vorbereiten) war f\u00fcr mich anstrengend, weil die h\u00e4usliche Umgebung nicht auf meine, sondern auf anderer Leute Bed\u00fcrfnisse eingestellt war, das Schlafen im alten Kinderzimmer war anstrengend, weil es nicht nur mal eben zu Weihnachten f\u00fcr eine Nacht nach viel gutem Essen und Sekt war, sondern nach einem Tag, der emotional und k\u00f6rperlich sehr schlauchte, und dann kam noch ein Tag und noch einer, und ich bin fast stolz darauf, erst am Freitag einen v\u00f6lligen \u00dcberforderungsheulflash bekommen zu haben. Um dann vom Vater getr\u00f6stet zu werden, wegen dem man heult und der einen f\u00fcr die eigene Schwester h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Die komplette Fremdbestimmung durch einen Kranken war f\u00fcr mich mit am anstrengendsten, denn wenn ich etwas sch\u00e4tze, ist das meine relative Freiheit, die mir Selbst\u00e4ndigkeit, Studium, Wohnsituation und Beziehungen lassen \u2013 im Prinzip kann ich so gut wie dauernd machen, was ich will und wann ich es will, und wie gro\u00dfartig das ist, habe ich erst in der letzten Woche so richtig gemerkt. Wegen dieser konstanten Fremdbestimmung und \u00dcberforderung und Anstrengung dachte ich die ganze Woche lang, ich will nach Hause, ich will nach Hause, ich will nach Hause, auch wenn ich mich sehr dar\u00fcber gefreut habe, wirklich eine Hilfe sein zu k\u00f6nnen, sowohl in wenigen Augenblicken f\u00fcr die Pflegenden als auch ganztags f\u00fcr meine Mutter, und sei es nur durch eine aus Gartenfr\u00fcchten zubereitete Tomatensauce, die Mama jetzt nur noch aufw\u00e4rmen muss, um schnell ein Mittagessen fertig zu haben.<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ankegroener\/status\/1160100425544192000\">Zugfahrt<\/a> gestern nach M\u00fcnchen war eine Art Dekompression; ich las ungef\u00e4hr eine Seite in meinem mitgebrachten Buch \u2013 immerhin eine mehr als die ganze letzte Woche \u2013, h\u00f6rte aber sonst nur Klassik auf Spotify und guckte aus dem Fenster. Zuhause r\u00e4umte ich sofort den Kofferinhalt brav weg, setzte W\u00e4sche an, sagte allen meinen Blumen pers\u00f6nlich guten Tag, warf mich aufs arg vermisste Sofa, um endlich wieder eine Serienfolge zu sehen und dachte, so, alles prima, wieder daheim, yay. Aber ich merkte nach ungef\u00e4hr 20 Minuten, dass ich sehr unkonzentriert schaute und es mir eigentlich auch egal war. Und dann dachte ich: Ich will wieder in den Norden, wo ich sinnvollere Dinge tun kann als Serien zu gucken, die mir egal sind.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df noch nicht, was ich mit dieser sehr unerwarteten Reaktion anfange.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Vater hatte im Mai einen Schlaganfall und war dann nach einer Operation in der Reha. Seit vorletzter Woche ist er wieder zuhause. Er ist noch der Papa, den ich kenne, aber mit neuen Features und anderen, die nicht mehr so recht funktionieren. Ein Beta-Papa vielleicht. 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