{"id":32615,"date":"2019-08-22T08:37:39","date_gmt":"2019-08-22T07:37:39","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=32615"},"modified":"2019-08-26T10:39:57","modified_gmt":"2019-08-26T09:39:57","slug":"was-schon-war-dienstag-mittwoch-20-21-august-2019-stadtarchiv-farbbilder-klugscheiser-tweets","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=32615","title":{"rendered":"Was sch\u00f6n war, Dienstag\/Mittwoch, 20.\/21. August 2019 \u2013 Stadtarchiv, Farbbilder, Klugschei\u00dfer-Tweets"},"content":{"rendered":"<p>Dienstag vormittag war Kundentexten angesagt, bis ich wieder Zeit f\u00fcr die Diss hatte.<\/p>\n<p>Nach drei Wochen gef\u00fchlter Pause vom Werkverzeichnis und den knapp 700 Schwarzwei\u00dffotos seiner Gem\u00e4lde aus dem Nachlass groovte ich mich langsam wieder rein. Ich bin in diesem Bereich immer noch bei dem, was ich als meine kunsthistorische Pflicht ansehe und noch nicht mal im Ansatz in der N\u00e4he meiner eigentlichen Forschungsfrage: Ich liste gerade \u2013 immer noch \u2013 auf, wann Protzen welches Bild wo gezeigt hat. Daf\u00fcr habe ich die ganzen Zeitungsausschnittsammlungen im Stadtarchiv durchgew\u00fchlt (und ich ahne, dass ich sie nochmal durchw\u00fchlen werde), geguckt, ob ich ihn irgendwo finde, wenn zum Beispiel \u00fcber Ausstellungen der M\u00fcnchner K\u00fcnstler-Genossenschaft oder des Feldgrauen K\u00fcnstlerbunds geschrieben wird. Wenn ich ihn finde, versuche ich rauszukriegen, welches Bild dort hing \u2013 manchmal stimmen die angegebenen Titel mit denen im Werkverzeichnis \u00fcberein, meistens nicht, manchmal steht da nur \u201eLandschaft\u201c, dann kann ich raten oder das als unwissenschaftlich sein lassen, aber wenigstens ein paar Vermutungen auflisten. Au\u00dferdem gucke ich im Verzeichnis nach, ob das Bild verkauft wurde, vielleicht steht da auch, an wen, dann versuche ich, in Adressb\u00fcchern oder simpel dem Interweb rauszukriegen, ob ich die K\u00e4ufer lokalisieren kann. Bis jetzt hat das noch nie geklappt, aber gestern meine ich herausgefunden zu haben, dass Protzen 1936 ein Portr\u00e4t \u201eRuth\u201c an einen, laut Werkverzeichnis, \u201eDr. Kurt Schneider\u201c verkauft hat, das vermutlich dessen Frau oder Tochter zeigt. 1935 war in M\u00fcnchen nur ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kurt_Schneider\">Kurt Schneider<\/a> gemeldet und der trug auch einen Doktortitel, und es war zur Abwechslung mal ganz nett, irgendwas zu finden, das den Maler ein bisschen von der politischen Kaste trennte, der er sonst zuarbeitete. Um es mal verbr\u00e4mt auszudr\u00fccken. Aber ob das wirklich der K\u00e4ufer war, wei\u00df ich nat\u00fcrlich nicht, und es ist auch nicht wichtig genug, dem weiter nachzugehen, denn, wie gesagt, irgendwann m\u00fcsste ich mal zum Thema meiner Diss kommen.<\/p>\n<p>Gestern und vorgestern erledigte ich die Jahre 1935 und 1936 \u2013 jedenfalls bis auf die Autobahnbilder, die er 1936 malte, denn die sollen in ein Extrakapitel. Das werde ich zeitgleich schreiben, denn ich ahne, dass ich keine Lust mehr habe, wieder in die Drei\u00dfiger zur\u00fcckzukehren, wenn ich mit seinem restlichen Werk endlich in seinem Todesjahr 1956 angekommen bin. Vielleicht wird es doch kein Extrakapitel, ich wei\u00df es noch nicht. Merke ich beim Schreiben, hoffe ich.<\/p>\n<p>Auch seine gebrauchsgrafischen Arbeiten bereiten mir noch etwas Kopfschmerzen; die sollten eigentlich in die normalen Kapitel eingegliedert werden, aber vielleicht m\u00fcssen die auch extra, schei\u00df auf die Chronologie, denn im Moment bl\u00e4hen sie die Kunstkapitel weitaus mehr auf als ich dachte. Was nat\u00fcrlich auch daran liegt, dass ich lose F\u00e4den nie einfach liegen lassen kann, sondern immer an ihnen rumzuppeln muss <a href=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=32594\">wie bei den Arbeiten f\u00fcr die Schweizer Bierbrauer<\/a>.<\/p>\n<p>So ging es mir am Dienstag mit der Mustersiedlung Ramersdorf, <a href=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=32552\">ich erw\u00e4hnte sie im Blog schon mal<\/a>. Ich hatte mir im Stadtarchiv einige Akten rauslegen lassen, die sich mit der Siedlung und ihrer Erstellung besch\u00e4ftigen, dazu noch Akten, die generell die k\u00fcnstlerische Ausschm\u00fcckung der Stadt zum Thema hatten. So las ich mich ein paar St\u00fcndchen durch wilden Schriftverkehr des Kulturamts mit dem B\u00fcrgermeister <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karl_Fiehler\">Karl Fiehler<\/a>, fand interessiert ein paar Schreiben des damaligen bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ludwig_Siebert\">Ludwig Siebert<\/a>, der die M\u00fcnchner K\u00fcnstler finanziell unterst\u00fctzte, fand auch verschiedene Vertr\u00e4ge mit anderen K\u00fcnstlern \u00fcber Fresken und Brunnen f\u00fcr Kleinsiedlungen in M\u00fcnchen zu ungef\u00e4hr der Zeit, in der auch Protzen besch\u00e4ftigt war \u2013 aber zu ihm selbst fand ich nichts. Gar nichts. Umso erstaunter war ich, als ich gestern meine vorgestern verfassten Abs\u00e4tze aus dem Archiv korrekturlas, und feststellte, dass ich aus diesem Nichts f\u00fcnf Seiten verfasst hatte, die Protzen immerhin einordnen, wenn auch nicht pers\u00f6nlich erw\u00e4hnen. Daher kam gestern der \u00fcberschw\u00e4ngliche \u201eGeht mehr in Archive!\u201c-<a href=\"https:\/\/twitter.com\/ankegroener\/status\/1164173092295454721\">Tweet<\/a>.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Gestern war dann ein etwas wuseliger Tag, weil ein Kunde auf Texte wartete, f\u00fcr die ich aber eigentlich erstmal ein Layout gebraucht h\u00e4tte. Ich textete einfach mal vor und hoffte, dass das irgendwie passen w\u00fcrde, wartete, wartete, wartete \u2013\u00a0und machte dann um kurz vor eins Mittag. Um halb zwei klingelte das Handy, als ich gerade die Bohnen abgoss und den Halloumi in der Pfanne schwenkte: Die Arterin h\u00e4tte mir vor ner halben Stunde die Layouts geschickt, ob wir mal dr\u00fcber sprechen k\u00f6nnten? Herd ausgemacht, Layouts besprochen, zwei Abs\u00e4tze neu getextet, Rest passte, r\u00fcbergeschickt, Herd wieder angemacht und endlich was gegessen. Danach h\u00f6rte ich nichts mehr vom Kunden, auch nach Nachfrage nicht, also gehe ich optimistisch davon aus, dass die Texte okay waren.<\/p>\n<p>So bastelte ich weiter am Jahr 1936, las noch ein paar Artikel aus <em><a href=\"http:\/\/www.digizeitschriften.de\/dms\/toc\/?PID=urn%3Anbn%3Ade%3Absz%3A16-diglit-94154\">Die Kunst f\u00fcr alle<\/a><\/em>, wo Protzen ab und zu erw\u00e4hnt wurde, mailte lustig Leute an \u2013 und wurde von ihnen angemailt. Das <a href=\"https:\/\/www.muenchner-stadtmuseum.de\/\">M\u00fcnchner Stadtmuseum<\/a> schickte mir unaufgefordert eine Grafik von Protzen, das vermutlich einzige Werk von ihm in ihrer Sammlung. Das stand auch schon l\u00e4nger auf meiner To-do-Liste \u2013 \u201eStadtmuseum anfragen!\u201c \u2013, aber das musste ich jetzt gar nicht mehr machen! Man dankt. Und die Grafik kannte ich auch noch nicht. (Noch eine Baustelle!)<\/p>\n<p>Die sch\u00f6nste Mail kam aber vom Historischen Museum in Berlin. Die haben <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/datenbank\/dhm.php?seite=6&#038;is_fulltext=true&#038;fulltext=carl+theodor+protzen&#038;suchen=Schnellsuche&#038;modus=rechts\">acht Werke von Protzen im Depot<\/a>, f\u00fcnf davon zeigen Autobahnen. Das Bild, um das sich meine Arbeit dreht \u2013 \u201e<a href=\"http:\/\/www.gdk-research.de\/de\/obj19405473.html\">Stra\u00dfen des F\u00fchrers<\/a>\u201c \u2013 kannte ich in Farbe und hatte es auch schon mal im Original gesehen, und <a href=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=27488\">dieser verbloggte Ausstellungsbesuch<\/a> war auch die Initialz\u00fcndung f\u00fcr die Diss. <a href=\"http:\/\/www.gdk-research.de\/de\/obj19403186.html\">Einige<\/a> <a href=\"http:\/\/www.gdk-research.de\/de\/obj19403187.html\">weitere<\/a> <a href=\"http:\/\/www.gdk-research.de\/de\/obj19364432.html\">Autobahnen<\/a> kannte ich auch in Farbe von GDK-Research, aber dort kann man sich die Bilder nicht runterladen (oder ich bin zu doof daf\u00fcr). Daher wollte ich die Bilddateien vom DHM haben, die bei GDK-Research auch als Bildgeber angegeben sind, vor allem von den Bildern, die ich eben noch nicht in Farbe kannte, also hier die drei Bilder, die im heutigen Polen entstanden sind.<\/p>\n<p>F\u00fcr ein kleines Entgelt bekam ich sogenannte Schnappsch\u00fcsse \u2013 also keine deutlich teureren, druckf\u00e4higen Bilder, die vor allem noch gar nicht von allen Protzens existieren, die ich also in Auftrag geben m\u00fcsste, sondern kleinere Formate, die aber, wie ich erfreut feststellte, immer noch eine Seitenl\u00e4nge von 2000 px hatten. Also gro\u00df genug, um vern\u00fcnftig draufzugucken und reinzuzoomen, was bei GDK-Research auch nicht geht. Und: Zu den Bildern gab es PDFs mit Abbildungen der R\u00fcckseiten in allen Einzelheiten, mit jeder Aufschrift, jedem Klebezettel und vor allem jedem Adressaufkleber von Protzen, den ich bisher nur von meinen runtergeladenen Ebay-Fotos kannte, was mir aber nicht unbedingt als gute Quellenangabe taugte.<\/p>\n<p>Das war ziemlich toll, mal wieder ein paar Bilder mehr von ihm in Farbe zu kennen. Ich wei\u00df, die Formulierung ist doof, wenn es um Bilder von 1942 geht, aber: Das war schon ein kleines bisschen Weihnachten.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Und weil ich inzwischen zum totalen Protzen-Klugschei\u00dfer geworden bin, konnte ich mich auch bei meinem letzten Besuch in der Pinakothek der Moderne, wo zwei Werke von ihm h\u00e4ngen, nicht zur\u00fcckhalten und musste auf einen Fehler im Wandtext hinweisen. Klugschei\u00dfer-Tweets bringen manchmal was, <a href=\"https:\/\/twitter.com\/pinakothekderm\/status\/1163812147874238464\">denn der Text wird jetzt korrigiert<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dienstag vormittag war Kundentexten angesagt, bis ich wieder Zeit f\u00fcr die Diss hatte. Nach drei Wochen gef\u00fchlter Pause vom Werkverzeichnis und den knapp 700 Schwarzwei\u00dffotos seiner Gem\u00e4lde aus dem Nachlass groovte ich mich langsam wieder rein. Ich bin in diesem Bereich immer noch bei dem, was ich als meine kunsthistorische Pflicht ansehe und noch nicht [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-32615","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32615","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=32615"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32615\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32686,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32615\/revisions\/32686"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=32615"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=32615"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=32615"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}