{"id":33163,"date":"2019-11-15T08:47:47","date_gmt":"2019-11-15T07:47:47","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=33163"},"modified":"2019-11-15T09:33:34","modified_gmt":"2019-11-15T08:33:34","slug":"tagebuch-donnerstag-14-november-2019-pachinko-und-relotius","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=33163","title":{"rendered":"Tagebuch Donnerstag, 14. November 2019 \u2013 Pachinko und Relotius"},"content":{"rendered":"<p>Der Titel ist bereits Makulatur und begonnen habe ich das Ding schon 2017, aber hey, <a href=\"https:\/\/www.arttheses.net\/search\/?source=%7B%22query%22%3A%7B%22filtered%22%3A%7B%22filter%22%3A%7B%22bool%22%3A%7B%22must%22%3A%5B%7B%22query%22%3A%7B%22query_string%22%3A%7B%22default_field%22%3A%22show%22%2C%22query%22%3Atrue%7D%7D%7D%5D%7D%7D%2C%22query%22%3A%7B%22query_string%22%3A%7B%22query%22%3A%22*5d67a757320b67001737897b*%20%22%2C%22default_operator%22%3A%22AND%22%7D%7D%7D%7D%2C%22sort%22%3A%5B%7B%22research_started_year%22%3A%7B%22order%22%3A%22desc%22%7D%7D%5D%2C%22from%22%3A0%2C%22size%22%3A10%7D\">eingetragen<\/a>.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Vorgestern <em><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/178669137X\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=178669137X&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21&#038;linkId=89c89a93b1aaeb3203198e40640db877\">Pachinko<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=am2&#038;o=3&#038;a=178669137X\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/em> ausgelesen, das mich im letzten Drittel ein wenig ratlos zur\u00fcckgelassen hat. Die Geschichte beginnt quasi richtig in den 1930er Jahren in Korea und verlagert sich dann nach Japan, wo sie anschlie\u00dfend gr\u00f6\u00dftenteils bleibt. Die Hauptfigur ist die junge Sunja, die im Laufe des Buchs altert, und nach und nach \u00fcbernehmen Figuren aus der Familie eher die Funktion der Protagonistin, denen wir statt ihrer l\u00e4nger folgen. Genau das hat mich etwas genervt, weil gef\u00fchlt alle 20 Seiten eine neue Figur ins Spiel kam, die mir relativ egal war, weil ich sie noch nicht so lange kenne wie Sunja.<\/p>\n<p>Ich fand es schade, dass sie nicht mehr im Zentrum stand, sondern an die Peripherie wanderte. Mir ist schon klar, dass Autorin Min Jin Lee aufzeigen wollte, dass Rassismus und Diskrimierung (hier von Koreaner*innen durch Japaner*innen) eben nicht irgendwann aufgeh\u00f6rt hat, sondern \u2013\u00a0solange geht das Buch \u2013 bis mindestens in die 1980er Jahre fortwirkte. Ich fragte mich trotzdem, ob man daf\u00fcr die eigene Hauptfigur zur Randfigur machen muss und das recht gnadenlos. Die neuen Figuren hatten auch meist nicht so viel Zeit und Platz, sich zu etablieren, da passierte schon wieder etwas Schlimmes, das passiert ja dauernd in diesem Buch, und pl\u00f6tzlich waren sie weg oder auch an den Rand gewandert. Deswegen fand ich das Buch im Ganzen etwas unbefriedigend, weil ich zum Schluss das Gef\u00fchl hatte, Lee wollte einfach fertigwerden.<\/p>\n<p>Andererseits: <a href=\"https:\/\/minorityrights.org\/minorities\/koreans\/\">Dinge gelernt, die ich noch nicht wusste<\/a>.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Gestern dann in einem Rutsch Juan Morenos <em><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3737100861\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3737100861&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21&#038;linkId=6a461ddd463a665215bee94c8adbc65c\">Tausend Zeilen L\u00fcge: Das System Relotius und der deutsche Journalismus<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=am2&#038;o=3&#038;a=3737100861\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/em> durchgelesen. Das ist schon sehr unwiderstehlich geschrieben, auch wenn es lustigerweise Methoden einsetzt, \u00fcber die das Buch sich beschwert. N\u00e4mlich der Leserin das zu geben, was sie lesen will, um sich best\u00e4tigt zu f\u00fchlen, was gerade Relotius angeblich so gut hinbekommen habe, dass er in sehr kurzer Zeit ungew\u00f6hnlich erfolgreich werden konnte.<\/p>\n<p>Ich musste besonders bei einer Seite grinsen, aber das hat eher pers\u00f6nliche Gr\u00fcnde. Irgendjemand twitterte mal, ich glaube, es war wer von der <em>FAZ<\/em>, dass ihn oder sie das nerve, wenn man Pointen nicht nur dramatisch im letzten Satz verballere, sondern den auch noch im Schriftbild absetze, um es noch dramatischer zu machen. Ich muss gestehen, dass ich dieses Stilmittel auch sehr gerne in meinen Blogeintr\u00e4gen eingesetzt habe, ist halt ein sch\u00f6ner <em>sucker punch<\/em>. Nach dem Tweet habe ich mich aber brav kritisch hinterfragt und bem\u00fche mich seitdem, es nicht mehr so ausufernd einzusetzen. <\/p>\n<p>Und dann las ich diese Seite und musste einfach gackern.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_5863.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"424\" class=\"alignnone size-full wp-image-33187\" \/><\/p>\n<p>(Ja, das Bild ist klein. Mir ging es um den allein stehenden Satz, den man auch erkennen kann, wenn der Text nicht mehr ganz m\u00fchelos lesbar ist. M\u00fcsste trotzdem mal \u00fcber gr\u00f6\u00dfere Bilder im Blog nachdenken, m\u00fcsste ich nicht?)<\/p>\n<p>Exkurs: Was ich mir auch abgew\u00f6hnt habe, ist die Wiederholung, um Dinge zu betonen, die sehr, sehr wichtig sind (das da eben, das meine ich). \u201eSehr wichtig\u201c reicht n\u00e4mlich auch, meistens reicht sogar \u201ewichtig\u201c. Dar\u00fcber stolpere ich bei anderen jetzt dauernd.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Buch: Gern und ungern gelesen. Las sich halt wie geschnitten Brot, machte aber auch sehr deutlich, warum das System Relotius so gut funktionieren konnte: weil wir eher kleine L\u00fcgen anzweifeln als die ganz gro\u00dfe, weil wir gerne Dinge lesen, die unsere eigene Weltsicht best\u00e4tigen und weil leider die \u00fcblichen Seilschaften und eigenen Karrierepl\u00e4ne st\u00e4rker sind als die unangehme Wahrheit.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Als Rausschmei\u00dfer eine kleine W\u00fcrdigung. Ich folge dem Historiker Patrick Bormann (<a href=\"https:\/\/twitter.com\/PatBorm\">@PatBorm<\/a>), der sich jeden Morgen die M\u00fche macht, an einen Verfolgten oder Ermordeten (m\/w\/d) des NS-Regimes zu erinnern. F. kennt den Herrn pers\u00f6nlich, und immer wenn ich dar\u00fcber jammere, wie sehr mich das belastet, die ganzen NS-Quellen zu lesen, erinnert er mich an Bormann, der F. sinngem\u00e4\u00df mal gesagt habe, dass ihn das auch belastete, dass es aber n\u00f6tig sei.<\/p>\n<p>(Habe mich sehr zusammenrei\u00dfen m\u00fcssen, \u201eAber: Es ist n\u00f6tig\u201c nicht als einzelne Zeile zu schreiben.)<\/p>\n<p>Ich erinnere  mich selbst auch oft an eine Social-Media-Aktion von Yad Vashem, die mich in ihrer Einfachheit sehr beeindruckt hat und die anscheinend noch nachwirkt. Die Gedenkst\u00e4tte twitterte bzw. stellte am letzten Holocaust-Gedenktag auf Instagram Menschen vor, die Opfer der Shoah wurden. Man konnte sich einen Namen, ein Gesicht, einen Menschen zuweisen lassen und \u00fcber ihn lesen und das, wenn man wollte, retweeten oder regrammen. Seitdem erinnere ich mich sehr oft an <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/BtIvYk1H4Nu\/\">Malka Apelman<\/a>, die auf ihrem Bild sehr weit weg ist von den Bildern aus Konzentrationslagern. Und das ist genau der Punkt. Die unfassbar gro\u00dfe Zahl an Opfern wird hier heruntergebrochen auf ein einziges, und das hat ein Gesicht und einen Namen. Und immer, wenn ich die Arschl\u00f6cher von der AfD von \u201eden Ausl\u00e4ndern\u201c reden h\u00f6re oder \u201eden Fl\u00fcchtlingen\u201c, denke ich an Malka Apelmann, die irgendwann nur noch \u201eeine J\u00fcdin\u201c war, bevor sie zum Opfer wurde.<\/p>\n<p>Worte sind wichtig. Und es ist wichtig, daran zu erinnern, dass aus ihnen Taten werden. Der Holocaust war nicht irgendeine historisch unvermeidbare Konsequenz, sondern etwas, das Menschen anderen Menschen antaten, ganz bewusst. Und alles begann mit Worten. Deswegen reagiere ich so allergisch auf diese Partei und habe auch keine anderen Begriffe f\u00fcr diese Hetzer, die ganz genau wissen, was sie tun.<\/p>\n<p>Ich ahne, dass ein t\u00e4glicher Tweet nichts an der Gesinnung dieser Damen und Herren \u00e4ndern wird und dass Bormann vermutlich auch kaum Follower hat, die nichts von der Shoah wissen. Es macht nie Spa\u00df, seinen t\u00e4glichen diesbez\u00fcglichen Tweet zu lesen, aber ich halte es f\u00fcr wichtig, ihn zu schreiben und ihn zu rezipieren und sich daran zu erinnern, dass es Worte sind, mit denen alles beginnt oder mit denen alles ver\u00e4ndert werden kann. Auch zum Schlechten, weswegen mich die st\u00e4ndigen Angriffe auf die Institutionen unseres Rechtsstaats etwas \u00e4ngstigen. In der <em>FAZ<\/em> stand am Montag ein langer, sehr guter Artikel von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heinrich_August_Winkler\">Heinrich August Winkler<\/a> \u00fcber die unterschiedlichen M\u00f6glichkeiten, sich in der Bundesrepublik bzw. der DDR der Demokratie zu n\u00e4hern. <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/lehren-aus-deutscher-geschichte-demokratie-jetzt-16478378.html\">Kostet leider<\/a>, lohnt sich aber sehr. Ich <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ankegroener\/status\/1193983750025154560\/photo\/1\">twitterte<\/a> Montag schon einen kleinen Ausschnitt davon.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Titel ist bereits Makulatur und begonnen habe ich das Ding schon 2017, aber hey, eingetragen. &#8212; Vorgestern Pachinko ausgelesen, das mich im letzten Drittel ein wenig ratlos zur\u00fcckgelassen hat. Die Geschichte beginnt quasi richtig in den 1930er Jahren in Korea und verlagert sich dann nach Japan, wo sie anschlie\u00dfend gr\u00f6\u00dftenteils bleibt. 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